Marie Jahoda über Otto Bauer als Anreger der Marienthal-Studie

Wien, 1930

Und es war Otto Bauer, der im Gespräch mit Paul [Lazarsfeld] und mir uns gesagt hat, dass das [d.i. die Arbeitslosigkeit; R.M.] das wichtigste Problem ist, das zu untersuchen sei. Er hat uns sogar Marienthal als den Ort, wo die Untersuchung gemacht werden soll, vorgeschlagen. [...]. Marienthal – da gab es eine Fabrik, eine Textilfabrik für die Gesamtbevölkerung. Und diese Fabrik wurde im Jahr 1929 geschlossen. Mit dem Resultat, dass man eine total arbeitslose Gemeinde [hatte] – abgesehen vom Schullehrer und dem lokalen Kaufmann und dem Briefträger hat niemand Arbeit gehabt. Das war der eine Grund. Ich weiß nicht wie Otto Bauer auf den Ort gekommen ist. Aber für eine systematische [Erforschung] der Wirkung der Arbeitslosigkeit war das ideal. Und der zweite Vorteil war natürlich auch, dass man es [d.i. Marienthal; R.M.] von Wien relativ schnell erreichen konnte.1 Es war nicht einmal eine Stunde Bahnfahrt. [...]. Die Anregung kam von Otto Bauer.

Robert Knight: Interview mit Marie Jahoda am 28. August 1985. Quelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien.

1 Marienthal liegt rund zwanzig Kilometer südöstlich von Wien und der Bahnhof Gramatneusiedl war damals mit der »Raaber Bahn« in fünfunddreißig Minuten zu erreichen. Anmerkung Reinhard Müller.

© Reinhard Müller -- Graz, im Oktober 2006

MARIENTHAL-STUDIE
Otto Bauer als Anreger
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Verfasserschaft
Veröffentlichung
"Zwei Jahre später"
50 Jahre danach
zu "Einstweilen wird es Mittag"