Die Familie Manheim in Budapest 1906: Ernö, Hermine, Margit und József


Einberufungsbefehl von Ernö Manheim zur österreichisch-ungarischen Armee. Budapest, am 21. Jänner 1918


Proklamation der ungarischen Räterepublik in Budapest am 21. März 1919




 Manheim (seit 1920 Ernst, seit 1934 - offiziell seit 1943 - Ernest Manheim) wurde am 27. Jänner 1900 in Budapest als Sohn des Schneidereibesitzers József (Joseph) Manheim (*Ada, Ungarn [Jugoslawien] 1863, †Budapest 1925) und dessen Ehefrau Hermine, geborene Wengraf (*Nikolsburg, Mähren [Mikulov, Tschechische Republik] 1870, †Budapest 1953; später verheiratete Déri), geboren. Ein Jahr früher war seine Schwester Margit, verheiratete Ivan (*Budapest 1899, †Budapest 1974), zur Welt gekommen.


1909 bis 1917 besuchte Ern Manheim das Oberrealgymnasium in Budapest IV., wo er im Juli 1917 die Matura ablegte. Anschließend besuchte er die Militärakademie für Honvéd in Budapest ("Ludoviceum") und begann zugleich im Herbst 1917 ein Studium der Chemie an der kir. József-megyetem (königl. Technische Joseph-Hochschule) in Budapest. Im Jänner 1918 wurde er als Soldat der österreichisch-ungarischen Armee im Rang eines Korporals an die italienische Front abkommandiert.




Ende des Ersten Weltkriegs kehrte Manheim nach Budapest zurück und setzte im Wintersemester 1918/19 und Sommersemester 1919 sein Studium der Chemie und Mathematik (mit Ausflügen in die Musik- und Literaturwissenschaft) an der Universität in Budapest fort, hörte aber auch Vorlesungen aus Philosophie, unter anderem beim Philosophen Bernát Alexander (1850-1927). 1919 trat er als Freiwilliger in die Armee der ungarischen Räterepublik (März bis Juli 1919) von Béla Kun (1886-1939) ein, kämpfte zuerst an der ungarisch-tschechoslowakischen Grenze, dann in Rumänien, wo er das Ende der Räterepublik erlebte und in Kriegsgefangenschaft geriet.


Nach geglückter Flucht aus dem Lager bei Arad, Rumänien, im Oktober 1919 schlug er sich zunächst nach Budapest durch. Da er hier als Verteidiger der ungarischen Räterepublik seine Verhaftung durch die rumänischen Besatzer befürchten musste, zog er sich in den Nordosten Ungarns zurück, wo er vorübergehend auch als Hauslehrer tätig war. Anfang 1920 setzte er sich schließlich nach Österreich ab.