Bronislaw Malinowski (1884-1942)






Die Jahre in London können als die Jahre des Anthropologen Ernest Manheim gesehen werden. Hier erweiterte er sein wissenschaftliches Arbeitsfeld und widmete sich auch sozialanthropologischen Studien. Prägend war sein Dissertationsvater Bronislaw Malinowski (1884-1942), der Begründer des Funktionalismus in der Ethnologie. Seine für das Institut für Sozialforschung ("Frankfurter Schule") verfasste Studie zur Entwicklungsgeschichte der bürgerlichen patriarchalen Gesellschaft "Beiträge zu einer Geschichte der autoritären Familie" steht einerseits noch in der philosophischen Tradition von Manheims Leipziger Zeit, weist aber auch schon ethnologische und anthropologische Einflüsse auf. Eine Synthese von Soziologie und Anthropologie gelang Manheim mit seiner bislang ungedruckten Londoner Dissertation , einer Auswertung von Reiseberichten und Kolonialakten über den westafrikanischen Stamm der Nama, insbesondere zur Fassung der Begriffe ,Autorität', ,Risiko' und ,Sicherheit' sowie zur Analyse der Funktion dieser Begriffe in einer Gesellschaft. Wesentliche Thesen dieser Arbeit hat Manheim 1942 in dem Referat "Risk and social security: specified and non-specified risks" wiedergegeben. In dieser Zeit beschäftigte sich Manheim auch mit Ansätzen der Sozialpsychologie, etwa in seinem Aufsatz "The psychology of social conformity", in welchem er sich unter anderem mit Eigenheiten der ungarischen Gentry (úri ember) beschäftigt.