Ungarischer Reisepass von Ernest Manheim, ausgestellt London, am 30. Juni 1937


Visum für die USA in Ernest Manheims ungarischem Reisepass von 1937

























Artikel Ernest Manheims über den Ungarnaufstand 1956 in: The Kansas City Times (Kansas City, Mo.) vom 1. Dezember 1956







Großbritannien hatte Ernest Manheim nur als Zwischenstation auf der Flucht vor den Nationalsozialisten gesehen; er strebte eine Professur in den USA an und zog entsprechende Erkundigungen - etwa beim Politologen und Nationalökonomen Ferdinand A(loys) Hermens (1906-1998) - ein.



Zum Flüchtling Ernest Manheim - er musste Anfang 1920 aus seiner ungarischen Heimat nach Österreich und 1933 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen - ist festzuhalten, dass er sich selbst nicht als ,Exilant', sondern als ,Emigrant' versteht. Diese Wahl des neutraleren Begriffes ist bemerkenswert, musste er doch sein Habilitationsverfahren in Leipzig aus "rassischen" Gründen abbrechen. Auch fielen später Mitglieder der Familie Manheim in Ungarn den nationalsozialistischen Verfolgungen und Mordaktionen zum Opfer.

Zahlreiche Briefe in Ernest Manheims Korrespondenz belegen außerdem, dass er engen Kontakt zur deutschen und österreichischen Exilantenszene unterhielt, etwa zum Soziologen Richard F(ritz) W(alter) Behrendt (1908-1972), zum Psychiater und Neurologen Karl Birnbaum (1878-1950), zum Soziologen Norbert Elias (1897-1990), zum Philosophen Hugo Fischer (1897-1975), zum Soziologen Hans H(einrich) Gerth (1908-1978), zum Soziologen Rudolf Heberle (1896-1991), Eduard Heimann, zum Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Eduard Heimann (1889-1967), zum Kriminologen und Rechtswissenschaftler Hans von Hentig (1887-1974), zum Wirtschaftswissenschaftler und Statistiker Paul G(ustav) A(ugust) Hermberg (1888-1969), zum Politologen und Nationalökonomen Ferdinand A(loys) Hermens (1906-1998), zum Anthropologen Paul Kirchhoff (1900-1972), zum Soziologen Paul Kecskemeti (d.i. Pál Kecskeméti; 1901-1980), zum Historiker Ernst Kohn-Bramstedt (1901-1978), zum Pädagogen Hans Lamm (1913-1985), zum Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen Adolph Lowe (d.i. Adolph Löwe; 1893-1995), zur Soziologin Charlotte Lütkens (geborene Mendelsohn; 1896-1967), zum Soziologen Karl Mannheim (d.i. Károly Mannheim; 1893-1947), zum Wirtschaftswissenschaftler Gerhard E(mil) O(tto) Meyer (1903-1973), zum Sozial- und Politikwissenschaftler Franz L(eopold) Neumann (1900-1954), zum Rechtswissenschaftler Max Rheinstein (1899-1977), zum Soziologen und Politologen Hans Speier (1905-1990), zum Germanisten Karl Viëtor (1892-1951), zum Sozialwissenschaftler und Sinologen Karl August Wittfogel (1896-1988) und zum Soziologen Kurt Heinrich Wolff (*1912).

Festzuhalten ist auch, dass sich Ernest Manheim stets eine enge Verbundenheit mit seiner ungarischen Heimat bewahrte. Davon zeugen nicht nur seine Kompositionen (etwa seine Bearbeitungen ungarischer Volkslieder), die zum Teil unter dem Einfluss des von ihm hochgeschätzten amerikanischen Komponisten ungarischer Herkunft Béla Bartók (1881-1945) stehen, sondern auch sein fortwährendes Interesse an ungarischer Politik und Kultur. Besonders hingewiesen sei auf Ernest Manheims Artikel über den Ungarnaufstand 1956.


Ende