FABRIK & ARBEITERKOLONIE MARIENTHAL

DIE MARIENTHAL-STUDIE

QUELLEN

CHRONIK

BILDER

HÄUSERBUCH

PLÄNE

DIE STUDIE

DAS PROJEKTTEAM

BIBLIOTHEK

ARCHIV

KÜNSTLER-SICHTEN

     

EINFÜHRUNG
 
HOME
IMPRESSUM
FEEDBACK

 
ENGLISH

[Anonym]

Ainer Gantzen Gemain vnnd Nachbaurschaft in Moßprun ordentlich Verhör contra Herrn Matheum Khrinis. Moosbrunn (Niederösterreich), am 3. Juni 1579

Quelle: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich (Graz), Nachlass Georg Grausam, Signatur 48. Beachten Sie das Copyright!

Transliteration: Reinhard Müller.

[1]

An heutt datto den 3. Tag Monats Junij, diß 79ist. ist in der Gmain zue Moßprun [d.i. Moosbrunn; Anm. R.M.] ordenliche Verhör gehallten worden, wegen Herren Matheum Khrinis, jetzt bestellter Vicarius auf Moßprum, vnbillichen wandels, Türannisierens, vnd vnnotigen aufruers, auch vnngründtlichem der warheyt nicht gemeß falschem bericht vnnd anclagens wider Edliche in der Gemain zue Moßprun namblich das alle Pünct, in dem Schreiben so er den 8. tag Maj dem Edlen vnnd vesten Herren Hannsen Kleezls [d.i. Hans Kleezl; Anm. R.M.] vnnserer auf Moßprun Grundtobrigkheit vbergeben gantz vnnd gar zue widerlegen, vnnd zuverneinen Seindt auf solches, annders vnnd dergleichen, vnbilliches, vnnd vnwarhaftiges Tribulieren, einclegen, vnnd berichts, sein alle nachbauern in Moßprun ainer nach dem anndern verhörtt, alß dann was derselben mainung (wie volgt) nach lengs beschrieben worden.

Erstlich Ponngratz Pöckh [d.i. Pankratius Pöck; Anm. R.M.], Leonhardt Weyersman, Hans Kneiffel Wastian Jäntschockh als sonst ein Clager, Petter Weltl, Hanns Dederle, sagt er sey dirmisch, Petter Graßpruttner, Matheus Rambsauer, Augustin Zeytvogell, Ruep Mayr, auch ein Clager, dann er H[errn] Matheus sich gegen den Hans Plendl hören lassen er wölle gedachten Mair im Feldt vmbjagen, Wastian Donner, Hans Egber, Wastian Leutzer, Andre Weltl zeigt an, dz er bey nächtlicher weill aus dem Pfarhof schreye mit villerlay Schmachwortten, Hanns Biberhofer, will an Ihme kheinen herren haben, dann er zweyer nicht bedürf, Christof Spreng, Adrian Ebmayr, Hans Spreng, Christof Kayser, gestehet durch aus nicht, das er habe gedachten H. Mathes ainen Phariseischen Jesuwittischen, Heuchler vnnd gleichsner geschollten, Hans Aspöckh, Wollf Fuchs, Asam Guetsjar, Hans agßmüllner Petter Dräxler, Caspar Schottner, meldt es gefalle Ihme sein wesen nicht, Gerg Aschenhaimer, Asam Hennestorfer sagt die weill er vns alle auf der Cantzell ausschilt wöllen wir in nicht haben, Paull Windisch Gerg Weltl, Paul Taub will ihn gar nicht dann er auch ain Clager, dz er als für gibt er sey allein ain Clager,daran thuet er Ihme gewallt Caspar Gstettner, Dionisi Hayder, sagt, er seye für In, vnnd die Gmain nicht, seiner aufruer, halber, Petter Adam, zeigt an,

[2]

er habe gesagt, fürwerz sey er Petter Adam guett, aber hinderwerts falsch, Andre Fux [d.i. Fuchs; Anm. R.M.] man dürfe kheines bolderers noch Greiners in der gmain Jacob Püllhofer will in nicht haben, Thomas Dräxler Hanns Stöshauser, Gerg Köpf sagt, als er sein weib wollen speisen, sie gefragt ob sie nicht ain Zaubererin sey, also weinendt mit Clagen haimbkhomen, Gerg Diewollt, andre Heysinger, Stefan Wündisch [d.i. Windisch; Anm. R.M.], Hans Schinleder, sagt, sein herz sage zue Ihme gar nicht, Hans Müllner zaigt an, er habe in vnbekhanter weyse außgeschollten, vnnd vmb in nie beschuldt, Hans Ruep, meldt, waz er wider Ihn habe, vnnd wie es dann darzuethuen, erbeut sich Zeugen fürzuestellen. Diese alle wie nach lenngs beschrieben, wollen durch aus gedachten H. Matheus lenger zum pfarherr, nicht dulden, leiden, noch haben, dann dieweil er in diesem hiebeyligendem Schreiben, khainen grundt der Warhait fürbringt, in deme auch nichts zuebesten ist, So solle er Verrers nicht in Moßprun, der Pfar halber verbleiben. Dann wenig friedt erhalten wurde, diß ist allso in der Gmain Etliche Mainung. Allein außerhalb Veichten Neßlingers, aines Mitwohners alhie in Moßprun, ist sein beger, vnnd bekhent, er sey Ihme tauglich zue ainem Pfarrher, so er doch gemellt, nach dem er H. Matheus ain gar seltzamen Kopf habe, die Gumpolßkircher [d.s. Gumpoldskirchener; Anm. R.M.] seyen seinet wegen, in vncosten gebracht worden, dann er Neßlinger dero Zeyt auch zue Gumpolßkhirchen [d.i. Gumpoldskirchen; Anm. R.M.] gehaust, vnnd sein Brueder ist, also Neßlinger gemellt. Der Taub als Richter, solle aufsechen, das er H. Matheus, in nicht vmb sein Guett, vnnd alles waz er habe, Bringe, Derohalben solhes seines bißhero geübten Freuels, vnnd muetwillens, In nicht lenger aufhallten wöllen was aber nun sein Ambt vnnd Religion betreffendt, haben sie sich nichtes zue beschwären, viell weniger maß, noch Ordnung zue Geben vorhabens, er machs wie es sein soll vnnd mueß daran ist ain Ehrsahmen gemain woll zue frieden, allein sein Rumorn Tribulieren, gar nichtes annemblich, Begerendt samentlich abzustellen, vnnd solhes zue guetrem Friedt zu machen (Damit dann mit ainen anderem es möchte Ruiger zue gehen. Diß Ist also der Ganzen Gemain Will vnnd mainung, hoffentlich diß in die lenge weiter nicht zue Differiern, Wie Trewlich begerenndt.)

[3]

[4]

3 Junij 1579.

Ainer Gantzen Gemain vnnd Nachbaurschaft in Moßprun ordentlich Verhör

contra H.

Matheum Khrinis

Mosprun

Faksimile:

[1], [2], [3], [4].

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010

Nachlass Georg Grausam
 
Öffentliche Archive
Private Sammlungen
 
Lesehilfen