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[Lorenz Fischer]

[Schreiben an Hartmann V. Fürsten von Liechtenstein]. Gramatneusiedl 1663

Quelle: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich (Graz), Nachlass Georg Grausam, Signatur 48. Beachten Sie das Copyright!

Transliteration: Reinhard Müller.

[1]

Durchleuchtig Hochgebohrner Herzog.

Gnedigister Fürst vndt Herr etc[etera]. Euer fürstl[iche] gnaden hiemit zubehöligen, haben wüer ein ganze gemain zu Gramet Neusidl keinen vmbgang nehmen khönnen, Demnach wüer vergangenen 7. Januarij des yezt laufenden 1663. Jahrs, bey der abhandtlung, deß gewesten Herrn Pfarrers [d.i. Andreas Maderni, gestorben am 11. November 1662; Anm. R.M.] zue Moßprun [d.i. Moosbrunn; Anm. R.M.] seel[ige] Verlaßenschaft angemelt, daß Man vnß die Kürchen Raittungen, welcher bemelter Herr Pfarrer seel[ig] in die 17. od[er] 18. Jahr hero, zuesich genohmen, in die darzue verordnete Kürchen Ladt alhie zur Kürchen S[ank]t Petter et Paulle gehörig geben solle, damit ein ganze gemain gleich wohl auch wüste, was daß gottshauß vermag, weillen einziger Buechstaben von 18 Jahren hero in bemelter Ladt von Raittungssachen zuefinden, auch seindt all Zeit durch dem pfarrer, nach deme es abgelessen worden, in dem Sackh gestekhet worden, so haben vnß die darzuebestelten Commissarij alß herr Vice Dechant von Manßwerth [d.i. Mannswörth, heute zu Schwechat; Anm. R.M.] disen Beschaidt geben, daß solches vnß, wie auch vnßerer obrigkheit nichts anfühte, sondern es gehör der geistlichen obrigkheit, vnd wan man Kürchen Raittung halten würdt, so würdt man vnß: vndt vnßerer obrigkheit vorhero erindern; So ist auch andtertens in Einstallierung des yetzigen herrn pfarrer [d.i. Johann Kaspar Faber; Anm. R.M.] zu Moßprun, vnß offentlich vorgehalten worden, waß wier ihme zue thun schuldtig: Entgegen aber im geringsten nichts wie er sich mit verrichtung

[2]

Des Heylig[en] Gottes dienst, welches zwar nur dem driten Sontag alzeit in hiesigen Gottshauß beschicht, verhalten solle, einziges wordt gemeltet worden, wie dan Euer fürstl. G[na]den auß hierbei ligenden abschrifts Stüftbrüef de dato Anno 1405. gnedig zuersehen haben, daß ein Pfarrer zu Moßprun wochentlich 2 Meßen in dem hiesigen Gotteshaus vor die Guetthäter welche die jenigen zehenten woruan ein pfarrer zu Moßprun sich meistens ernehret, gestüfftet, leßen solle, dißes würdt nicht allein völlig underlaßen, sondern es ist durch den vorigen herrn pfarrer seel: auch zum öftern der drütte Sontägliche gottes dienst underlaßen worden, vndt weillen nun vnßere VorEltern auß guetten Cathollischen Eüffer, das Ihrige zue Ihrer sellen Heyll Inhalt des bemelten stiftsbrieffs angeleget, vndt anietzo ihres Trosts würckhlichen beraubet werden, will vnß alß ihren Nahkhombling gebühren solches zue trüben, vndt weillen wüer weiter nicht wüßten, wie vnß vndt dennen Verstorbenen mohte gehoffen werden, sondern zue Euer fürstl. g[na]den alß vnßer gnedigisten obrigkheit vnßer zueflucht suechen;

Alß gelangt an Euer fürstl. gden. vnßer vnderth[äniges] vndt gehorsambstes Bitten, diselben wollen vnß in gnaden an die handtstehen, damit vors Erste die Kürchen Raittungen in die verordnete Ladt gegeben werden mohten, Vndt vor das

[3]

Andter damit der Gotts dienst allezeit den 3ten Sontag ordentlich celebriert: Drütens auch daß wochentlich der obigen Verbündtnuß nach die 2. meßen vor die abgestorbenen hinfüro mehten volbracht werden, im widrig hetten wüer ja billich Vrsach, den Jenigen zehent so ein pfarrer zue Moßprun genießet, selbsten zue Behalten, vndt einem geistlichen zuegeben, der die offt gedachten 2. Meßen wochentlich leßen thette, Solches waß Euer fürstl. gden. vnß hierin helfen, würdt der allmechtige gott vmb Euer fürstl. gnaden vndt das ganz hauß von liechtenstein, langes leben vndt lang würig gliekhliche Regierung, hie Zeitlich: vndt dorth Ewig belohnen, die armen vndt bißhero durch der geistlichen nahleßigkheit, trostloßen Seellen, werden solches bey dem allerhöchsten vnuerschulter nicht laßen, wüer aber wollen es mit vnßerer ohne diß Schuldtigen vndertheingkeit gehorsamb abdienen, wie wüer vnß dan in diser billichen Sach Euer Fürstl. gden. vnderth. vndt gehors[amst] beuehlen thuen.

Euer fürstl. gnaden

Vnderth: vndt gehorsambe

NN. Richter, Gschworne vndt

Ein ganze gemein des Dorfs

Gramet Neusidl.

[4]

Ann:

Den durchleuchtig Hochgebohrnen fürsten undt herrn Herrn Hartman des jays[er]l[ich] Röm[ischen] Reichs fürsten von und zu Liechtenstein von Nicolspurg [d.i. Nikolsburg, heute Mikulov na Morave, Tschechische Republik; Anm. R.M.], in Schleßien zue Troppau [heute Opava, Tschechische Republik; Anm. R.M.] undt Jegerndorf [d.i. Jägerndorf, heute Krnov, Tschechische Republik; Anm. R.M.] Herzog Grafen zu Rütperg [d.i. Rietberg, Nordrhein-Westfalen; Anm. R.M.] S[einer] Röm[isch] Khay[ser]l[ichen] May[e]s[tät] Cammerers. vnßerem gnedisten fürsten vndt herrn.

Vnderth[änigst] gehorsambstes billiches ersuchen vndt bitten, Euere ganz gemain des dorfs Gramet Neusidl.

Di in gebottener huldt den heyl. Gottes dienste bet[riff]t.

Faksimile:

[1], [2], [3], [4].

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010

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