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Georg Ignaz Ruschko

Instruction. Wien, am 31. Dezember 1762

Quelle: Georg Grausam [& Erich Kirch]: Geschichte von Gramatneusiedl von Konsistorialrat HH. Pfarrer Georg Grausam. [Überarbeitet und zu einem Typoskript zusammengestellt von Erich Kirch. Gramatneusiedl 1977/1983], Gramatneusiedl 1983], S. [155–161]. Beachten Sie das Copyright!

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Instruction.

So ein jehmaliger Schulmaister zu Grämätneusidl, Dom Capitilischer Herrschaft zu allen Zeiten zu befolgen haben wird.

Erstens:

Sollte er sich bestens u[nd] nichts mehreres gelegen sein lassen als die allldasige Jugend, beedes Geschlechts, mit aller Bescheidenheit, in gut Lesen, accurat Schreiben, Rechnen, u. ganz besonders in Christenthum, in christkatholischer Lehr, so wie es immer einen Schulmaister obliegen kann, u. recht gründlich zu unterrichten.

Beyneben soll er ein christl[ich] friedsames, auferbaul[iches] Leben führen, den überflüssigen Trunk vermeiden, keine verdächtigen Leut aufhalten, auch auf das Feuer wohl acht haben: die Kirchen sauber, wie auch die Sakristey, u. Paramente[1] rein erhalten, der Geistlichkeit mit aller Ehrerbietigkeit u. geziemenden Respekt begegnen.

Nicht weniger solle er schuldig seyn zu allen folgenden Stucken zu leitten als 1. täglich wie gewöhnlich dreymal des Tages zum englischen Gruß, 2. zu allen vorfallenden Gottesdiensten, 3. zu entstehenden Wetter, 4. zum Speisen einen Kranken versehen, 5. zur Todtangst u. Scheidung Christi, 6. endlich wann es immer nach Verlangen u. Begehr der Gemeinde die bishero eingeführte Gewohnheit fordert. Auch denen allda gewöhnlichen Processionen ohne Kreuz u. Fahnen beiwohnen u. auf Ersuchen der Gemeinde vorzubeten u. vorzusingen.

Endlich auch die Obsicht über die Kirchenuhr halten solle, damit sie in aufrechten Stand erhalten, zu rechter Zeit aufgezogen, u. allenfalls auch gerichtet werde, so es vonnöthen wäre.

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Wann jemand aus alldasiger Gemeinde erkranket, u. von Moosbrunn der Pfarr aus, mit dem Viatico[2] das ist, mit dem hochheiligen Altarsakrament wurde versehen werden, solle der Schulmaister mit der Glocken ein Zeichen geben, u. so es ein Mannsperson ist, dreymal kurz absetzen, um die Gemeinde hindurch zu mahnen, daß Jemand mit unseren versehen werde.

Nach gegebenen Glockenzeichen solle der Schulmaister sein Schulkinder paar u. paar laut für den Kranken bettend, damit er die Gnad von Gott überkome die heil[igen] Sakramente recht würdig mit aller Frucht u. Wirkung zu empfangen, bis zu Ende des Dorfes hinaufführen allda mit ihnen warten, bis der Priester von Moosbrunn mit dem Hochwürdigen ankommt. Ihn alsdann mit oben gedachter Meinung laut bethend bis zu dem Kranken begleiten, nach vollendeter Versehung den Priester abermal, wenn mit dem Ciborio folgsam mit mehreren heil. Partikeln angekommen laut bethend bis zu Ende des Dorfes, wo sie Ihn anfangs erwartet haben, begleiten.

Im Falle aber der Priester nur einen heil. Partikel dem Kranken zum Versehen mitgenommen hätte, welches leicht abzunehmen u. zu erkennen seyn wird, ob er ein Ciborium[3] oder nur einen Speiß Beitel bey sich habe. Hat er nur einen Speiß Beitel bey sich, so führt der Schulmaister die Kinder Paar u. Paar von des Kranken Behausung laut bethend in die Kirche zu Grätmätneusidl, u. allda 3 Vaterunser u. Ave Maria für die versehene Person mit Andacht u. erhobenen Händen laut bethen solle, nach solchen verrichteten Gebeth die Schulkinder nach Hause zu schicken sind.

Nicht weniger so oft immer Jemand aus der Gemeinde allda stirbt, solle der Schulmaister die Schulkinder /: die Altershalber fähig seynd so weit zu gehen u. zu Winters Zeit mit Schuhen versehen sind :/ paar u. paar laut bethend für den Verstorbenen zur Behausung des Todten führen u. von dannen die Leiche bis nach Moosbrunn in den Freudhof zu Grabbegleiten laut bethend, nach geschehener Einsegnung die Schulkinder in die Pfarrkirche allda führen u. 3 Vater Unser u. Ava Maria für die verstorbene Person mit dem gewöhnl. »Herr gib Ihm (Ihr) die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm (ihr) etc[etera]« mit aufgehobenen Händen bethen u. nach vollendeten Gebeth mit den Kindern ohne Ordnung nach Hause gehen solle.

Nun obbemeldte beede Mitgäng oder Begleitungen, seynd mit aller Bescheidenheit vorzunehmen, oder zu unterlassen nach Beschaffenheit der etwa zu kalten Jahreszeit, oder sehr üblen nassen regner[ischen] Wetter.

Ist dießfalls eine vernünftige Hindernuß mitzugehen, so solle der Schulmaister mit den Schulkindern in ihrer Kirchen zu Grämätneusidl obbemeldtes Gebeth für die Kranke oder verstorbene Person mit Andacht verrichten.

Zweytens:

Solle sich ein Schulmaister von Grämätneusidl durchaus nicht freiwillig um die Parochialien,[4] das ist Par. Schuelmaister Dienst annehmen oder anmaßen, es seye, dann der Schulmaister von Moosbrunn ersuche ihn darum ausdrücklich, ihn etwa in einer vorfallenden Noth oder Hindernuß zu überheben u. Er aus christlicher Nächsten-Lieb solches freywillig thun wolle,

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ohne allen praejuditio oder Nachtheil der Pfarr Moosbrunn. In diesem zweyten Punckt solle sich ein jeder Schulmaister zu Grämätneusidl wohl in Acht nehrnen, daß er das ausdrückl[iche] Verboth nicht im geringsten zu überschreiten sich unterstehen dann bey Uibertretung und Klag würde er sich in große Gefahr setzen, seinen Schuldienst zu verliehren.

Drittens.

Wann etwa ein Herr Pfarrer zu Moosbrunn oder dessen Herrn Vicarii in die Schul kommen sollten, um durch angestelltes oder vornehmendes Examen zu sehen u. zu erfahren ob die Schulkinder als seine Pfarrkinder in Christenthum in christkathol. Lehr recht gründlich unterrichtet werden, sollte jeder Schulmaister selben mit aller Höflichkeit Ehrerbietigkeit u. gebührend Respect begegnen u. sich in keinerley Weiß widersetzen. Auch selben jedesmal in der Kirchen u. bey dem Altar, wie nicht weniger alle andre dahin kommende u. heil. Messe lesen wollende Priester, bey welchen kein vernünftiger Anstand machen, Messe lesen zu lassen, mit Willfährigkeit bedienen solle.

Viertens.

Was den Gehalt eines alldasigen Schulmaisters betreffet, wird er in baarem Gelde durch 3 Jahr vom ersten November 1762 anzufangen dreißig Gulden, sage 30 fl[orin] haben, so er von einen Wienerischen Domkap[i]t[e]l Hofmeisteramt Viertl oder halbjährig nach seinen Belieben sicher zu empfangen hat, maßen zu diesem Ende 600 fl Capital schon wirklich von dem Stifter dahin übergeben u. in gmeiner Stadt Wien Banco dermahlen zu 5 % bereits angelegt sind. Nebstdeme wird dem Schulmaister die Gemeinde zu Grämätneusidl drey Jahre nacheinander zwanzig Metzen Korn nach ihren gethanen verbindlich Versprechen alljährl. zu geben schuldig seyn: beedes, Geld u. Korn, wird sein Anfang nehmen vom 1. November 1762.

Nach verstrichenen drey Jahren solle sein jährlicher Gehalt in baarem Geld seyn: Zweyundsiebzig Gulden sage 72 fl, so eben wie oben gemeldet zu empfangen hat, wo hingegen mit wirkl[ichem] Anfang des Empfang der jährl. 72 Gulden, die Abgab der bis dahin 20 Metzen Korn aufhöret, es sey dann die Gemeinde wolle Ihm solche gerne u. freywillig noch mehrere Jahre genüßen lassen, schuldig aber wäre es nicht, mithin hätte er auch kein Recht mehr nach 3 Jahren solch zu begehren außer er kunnte aus erheblicher wichtige Ursachen u. nothwendigen Hindernussen die gedachten 72 fl noch nicht wirklich empfangen, oder aber die Gemeinde hätte sich auf ein neues verbinden u. obligieren gedachte 20 Metzen Korn auf alle Zeiten u. auf ewig allen Schulmaistern oder nur dem dermaligen allein erfolgen zu lassen. Dahero kommte es, lediglich an auf sein Bitten, Wohlverhalten, gute emsige Aufführung u. durch genaueste Erfüllung seiner Schuldigkeiten bey der Gemeinde sich beliebt zu machen, um gedachte 20 Mtz Korn auf mehrere

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Jahre oder auf ewig zu erhalten.

Nebstdem durch 3 Jahre 30 fl nach 3 Jahr 72 fl jährl. Gehalt hat ein Schulmaister in Geld nicht mehreres zu fordern als das alleinige Schulgeld von denen wirklich in die Schule gehenden Kindern, u. zwar solle ein jemahliger Schulmaister nicht mehr zu begehren befugt seyn, als von einen Kind, so nur allein Lesen lernet, sowohl Druck als Schrift, quartaliter oder für 3 Monath 15 Kreuzer, mithin 1 Gulden jährl. So schreiben lernet quartaliter 24 Kreuzer, mithin jährl. 1 fl 36 Kreuzer. So rechnen lernet, quartaliter 30 Kreuzer mithin jährlich 2 fl. Wann überdieß Jemand eine Musik zu lernen Verlangen traget u. eine Fähigkeit darzu hat, stehet es einem jedem Schulmaister frey, was er begehren will, u. kann sich dießfalls mit des Kindes Eltern versteh, wie es ihnen beliebig seyn wird. Von denen Schulkindern solle ein jeder Schulmaister schultig u. gehalten seyn 6 arme Kinder deren Eltern nicht im Stande sind ein Schulgeld zu bezahlen, gratis ohne Kreuzer Schullgeld zufordern gleich allen anderen zahlenden eben so fleißig und emsig mit aller Bescheidenheit in allen vorgeschriebenen Stücken zu lehren u. zu unterrichten. Gemelte 6 Arme Kinder wird jederzeit der jehmalige Richter, u. Geschwohrne nach ihren gewissen hoffen gut Befinden u[nd] z[war] jederzeit die aller ärmsten u. Bedürftigsten benennen u. vorschlagen, alß welchen die Armut und äusserste Bedürftigkeit zum mehresten u. Besten bekannt seyn kann.

Fünftens.

was die Kinderzucht, u. Bestroffung deren straffmäßigen Kindern Betreffet, wann sie etwan stitzig, trutzig ungehorsam, unbendig sich erzeigeten, od[er] ungebertig unartig, unehrbar in der Kirchen, Besonders in Presbyterio: wohin zu gehen den Kindern zu allen Zeiten unter den Gottesdienst höchst Verbotten seyn solle, auch die bey jeden hl. Messen ministrirende Knaben weder ohne Halsbindl od. Halsdüchl noch ohne strümpf und schuh erscheinen sich nicht unterstehen solle, in der schull od. auf der Gassen sich ungebührlich aufführen, folgsam stroffmäßig befunden werden, sollten sie erstlichin aller Gütte zu ihrer schuldigkeit u. wohl anständigkeit, u. sich bessern, Besser aufführen mit aller Sanftmuth ermahnt werden. Fruchtet die güttige Ermahnung nichts u. folgt Keine Besserung: seynd solche unbändige Kinder mit mehreren Ernst u. Wortschärfe, mit Bedrohung des patzenferl u. ruthen nachdrücklich zur besserung zu ermahnen. Fruchtet dieses noch nicht, sollten Sie alsdann mit aller Bescheydenheit ohne innerlichen Zorn, gestroffet werden mit ruthen od. patzenferl nach Beschaffenheit der Schuld mit Knien lassen in od. außer der Schull, auf der Thierschwell der gassen Thier, od. denen Eltern sagen, od. sagen lassen, solchen unbendigen Kindern bey welchen bishero Keine Ermahnung weder Bedrohung gefruchtet, Biß abends weder Brod, noch waß anderß zu essen geben: der Hunger wird sie Vielleicht vor allen andern strofen, zum Gehorsam, u. bessern Verhalten Bringen. Sage, daß die straffmäßigen mit aller

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christlicher Bescheydenheit sollen, Bestroffet werden dann eine höchst unbescheidene, unvernünftige unchristliche Bestroffung wäre es: wann die Kinder Bey denen haaren herumgerissen mit den Füßen gestoßen bei den ohren gezwicket od. gerissen, auf den Kopf u. daß Angesicht an den halß od. Brust sollten geschlagen werden. Solche u. d[er]gl[eichen] andere sehr unbescheidene unvernünftige, unchristliche Bestroffungen, so gesundheit deren Kindern sehr nachtheilig und deren Eltern überaus betrüblich u. schmerzlich fallen würden, werden durchaus nicht Bey Einem Schullmaister gestattet, od. geduldet werden. In öfteren dißfalls Vorkommende Klagen u. von der Gemeinde Bey Einem Hochwürdigen Dom Capitl eingereichte Beschwerde Kunnten Anlass geben, mit dem Schullmaister eine Abenderung zu machen. Daher Er Vorhinein nachdrucksam ermahnet, u. gewahrnet wird, sich der obbemelten unbescheidenheit nicht schuldig zu machen. Wie dann auch:

Sechstens.

Wann sich ein schull Maister alda sehr übel aufführen mit aldasiger gemeinde sich nicht vertragen auß eigener Schuld von Selber sich abwerfen Einen Frieden u. Ehestörer abgeben sollte. Mit seinem Ehe Weib sehr übel hausen, mit selber öffters raufen u. schlagen, u. sich etwann gar an eine andere Weibß Person hencken, mit solcher zur ärgernuß der ganzen gemeinde unzulässige Vertraulichkeit, u. gemeinschafft pflegen würde: oder sich zu sehr dem Trunke ergeben, sich öfters Volltrunkene u. vollsaufen, fluchen, schelten, Gotteslästern, seine schuldigen Dienst nachlässig saumsälich Verrichtet od. öffenters Versäumen, od. gar auß Liederlichkeit unterlassen sollte. Im unterrichtung der Jugend beedes Geschlechtes in lesen, schreiben, Rechnen, u. besonders in Christenthum in christkatolischer glaubenslehre, in Anhaltung zur Andacht, und auferbaulichen aufführung in der Kirchen, besonderß unter dem Gottesdienst sehr nachlässig, u. saumselig solle Befunden werden.

Wann hierauf die Gemeinde alda wegen Einem, od. mehreren obbemeldeten straffmässigen Fellern u. Verbrechen Eineß Schul Maisters alda, sich zu Beschweren, wohl gegründete ursachen hätte, u. eine Klag bey dem Wienerischen Hochwürdigen Dom Capitl, als Herrschafft des Orths, u. des Schull Maisters anbringen sollte: würde die angebrachte Klage als dann wohl, reiff u. rechtmäßig untersucht werden u. nach Befundener richtiger, gründlicher Wahrheit der angebrachten Klag sollte der Schull Maister, alß überwiesen in seiner straffmäßigen Aufführung, Niemand anderen, alß nur sich selbsten die Schuld u. Ursachen Beymessen u. zuschreiben, da ihm der Schuldienst aufgesagt u. Er ohne hoffen habender gnad u. Barmherzigkeit abgeschafft, u. anderwärtig sein Brod zu suchen wird genötigt werden. Wohinegen:

Siebentens.

wann sich ein Schull Maister allda wird Bestens angelegen sein lassen, den lieben Hausfrieden zu lieben, u. zu erhalten, mit seinem Eheweib u. mit der Gemeinde recht friedsam zu leben, sich durch gute, unsträfliche, auf-

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erbauliche Aufführung u. richtiger, genauester erfüllung seiner, Ihm obliegenden Schuldigkeiten bei der Herrschaft sowohl, als auch Bei der Gemeinde sich beliebt zu machen, sich bestens wird angelegen sein lassen, Er so dann zu seinem besonderen Trost sicher zu hoffen u. sich vertrösten haben, daß nach seinem Todt auch seiner hinterlassene armen Wittib /: der Er unfehlbar wenig od. garnichts von seinem schull dienste gehabt u. ein Kommen wird unterlassen können :/ mit einer unterhaltungsbeihilfe wird gedacht werden. In dem der Stifter des Schullhauses, u. des Schull Maisters fest entschlossen ist Ein besonderes Capital anzulegen, wovon eine sich jederzeit gut aufführende hinterlassene Schulmaisters wittib daß cito, so lange Sie Wittib verbleibet wo immer Sie sich aufhalten werde, Lebenslang zu genüssen haben sollte, sage Lebenslang wann Sie sich anderst in ihrem Wittibstand eben so gut als in ihrem Ehestand würde aufführen. Aber N[ota] B[ene]: conditio sine qua non d[as] i[st] welche sich jederzeit getreu ihrem Mann wirtschaftlich gut, recht christlich, stets nüchtern, dem unmässigen Trunk nicht ergeben, fromm, andächtig, Gottesfürchtig, Tugendlich, friedsam, mit ihrem Mann, u. friedsam mit der Gemeinde. Mit wenig Worten, welche sich so christlich u. so auferbaulich während ihres Ehestandes aufgeführet hat, daß Ihr die ganze Gemeinde das Lob u. Zeugenschafft von ihrer Beständig gute aufführung wird geben können. Sollte aber die erfahrenheit u. zulängliche Zeugenschaft daß Gegentheil von einer solchen hinterlassenen auch ärmsten Wittib darthun, u. glaubwürdig anzeigen, würde Sie nichts von gedachten bene zu genießem überkommen, in ihr geburtsort angewiesen werden in fall Sie alda ihr Brod auf ehrliche Art nicht zu gewinnen wußte. Und dieses wollen oben bemeldete Lateinische Wort, conditio, sine qua non auf deutsch sagen, d.i. ohne guter auferbaulicher allenthalben Lobenswürdiger aufführung wovon im Fall der Noth glaubwürdige, zulängliche Zeigenschafft nicht kann aufgebracht werden, eine hinterlassene Schull Maisters Wittib von oben gedachten inter nichts zu genüssen überkommen würde, sondern Solches Einer anderen nachkommen Best sich aufführenden Wittib zukommen sollte.

Sobald daß Capital für eine Schull Maisterswittib wird angelegt seyn, wird ess zu gleicher Zeit von dessen Stifter Einem damaligen Schullmaister zu seinem besonderen Trost, u. seiner Gemahlin zu mehreren Antrib sich jederzeit auf oben beschriebene Art auf das Beste aufführen u. schriftlich angezeigt werden.

Würde aber damahls, da Ein Capital schon wirklich angelegt worden, keine Grämätneusidlerische Schulmaisters Wittib vorhanden seyn, sollte davon daß enta der damahligen Schuhlmaisters mit seinem noch lebenden Weibe so lang genüssen haben, Biß Sie eine Wittib wird, u. ihn ihren Ehestand durch gute auferbauliche, oben beschriebene aufführurg sich würdig gemacht solche als Wittib zu genießen, so auch von ihrem Wittibstand zu verstehen, wie schon oben gemeldet, dann mit übler Aufführung u. sträfli-

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cher Lebenswandl in ihrem Wittibstand, hörete auch alsogleich der fernere genuß, so lange sie sich aber gut aufführet, solte Sie es eben so lange zu genuß haben, wo Sie sich immer aufhaltet, übrigens beziehe ich mich dißfalls gänzlich auf oben gedachte wort.

Allein das Versprechen erfüllen zu können, nemlich für eine Wittib ein Stiftskapital anzulegen, kommt lediglich auf Gott, den Herrn des Menschenlichen Lebens u. Dottes allein an, daß er den für die Wittib bestgesunnten Stifter nur so viel Lebenszeit annoch verleihe also da erforderlich seyn wird sein vornehmen u. versprechen werkthätig erfüllen zu können, ferner daß seyn wollender Stifters, seiths wird es nicht ermangeln, zu thun, was er kann, u. sobald er kann.

Achtens.

u. letzstens ist noch kürzlich zu erinnern, daß ein jeder Schulmaister zu Grämätneusidl wohl wissen u. jederzeit erkennen solle, daß ein Wiener Hochwürdiges Dom Kapitl alleinig ohne Jemand andern unstreitig das Recht habe einen Schulmaister allda an- u. aufzunehmen u. abzuschaffen, mithin selbes für seinen einzigen Herrn jederzeit erkennen solle, auch jeden Domherrn der hinab kommet mit aller Höflichkeit geziemenden Respect begegnen u. allen Gehorsam erzeigen, in der Kirchen mit aller Ehrerbietigkeit u. Willfährigkeit bedienen, auch alle guten Ermahnungen gutwilligst mit Dank annehmen solle.

Daß nun an diese Instruction wie Sie durchaus lautet, ein jeder Schulmaister zu Grämätneusidl sich zu halten u. nach selber sich jederzeit verhalten verbunden ist od. seyn solle, ist der ernstliche Willen u. Begehren sowohl des Stifters als des ganzen venerabulis Capituli Metropolitani Viennensis.[5] Dieses bezeuget u. bekräftiget die Unterschrift u. Fertigung sowohl des Einen als des Anderen.

So geschehen Wienn [d.i. Wien; Anm. R.M.] den letzten Dezember 1762.

L[oco] S[igilli] Aloisius Matz de Spiegelfeld

L.S. Georgius Ignatius Ruschko,

Josefus Antonius de Hack

Canonicus ad St. Stephanum,

Simon Ambrosius nob. de Stock

Consistorii Archiepiscopalis

Eccle Metropol Cantor

Viennensis, als der alleinige

Antonius Carolus Serdagna

Stifter des Schullhauses u.

Bernardus M[uneretti] de Rettenfeld

Schulmaisters zu Grämätneusidl.

Eccl. Metr. Capituli Notarius.

 

[1] Parament, das: im christlichen Gottesdienst übliche liturgische Bekleidung und für Altar, Kanzel und liturgische Geräte verwendetes Tuch. Anm. R.M.

[2] Viatikum, das: lateinisch »Wegzehrung«, in der katholischen Religion die dem Sterbenden gereichte letzte Kommunion. Anm. R.M.

[3] Ziborium, das: gedeckter Kelch zur Aufbewahrung der geweihten Hostie. Anm. R.M.

[4] Parochialie, die: zur Pfarre Gehörendes. Anm. R.M.

[5] Ehrwürdiges Wiener Metropolitankapitel. Anm. R.M.

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010

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