[Anonym]

[Chorkonzert der »Gesang-Sektion Marienthal« und des »Arbeiter-Gesangvereins Ebergassing« in Gramatneusiedl, am 12. Juli 1931.]

[Gramatneusiedl 1931], unpaginiert (4 S.); Druckwerk.

Quelle: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich (Graz), Virtuelles Archiv »Marienthal«, Sammlung Eberhard Kindl. Beachten Sie das Copyright!

[1]

CHORKONZERT

Sonntag, den12. [!] Juli 1931; 4 Uhr nachmittag; in Franz Steiners Garten

Ausführende:

Gesang Sektion Marienthal.

 

Arbeiter-Gesangverein Ebergassing.

Leitung der Gesamtchöre: Der Komponist, Pr[o]f[essor] Hans Fryba.

Mitwirkend: Musiksaktion Ebergassing.

Chormeister: Ebergassing; Leopold Hillinger / Marienthal; Emanuel Hanus.

VORTRAGSORDNUNG.

1)

Brause Freiheitschor

v[on] G[ustav] Ad[olf] Uthmann.

(Marienthal)

2)

Waldeszauber.

v[on] Hans Schall.

(Ebergassing)

3) a

Frühlingsgrusz

v[on] Hans Fryba.

(Gesamtchor)

b

Ein Sohn des Volkes

v[on] Heinrich Pfeil.

(Gesamtchor)

4)

Heimliche Liebe. Volkslied bearbeitet

v[on] Josl [recte Josef; Anm. R.M.] Schwartz.

(Ebergassing)

5)

Rrrraus Polka, mit Klavierbegl[eitung].

v[on] Koch v[on] Langenstren [recte Josef Koch von Langentreu; Anm. R.M.].

(Marienthal)

6)

Bilder aus dem Süden. Liederzyklus

v[on] Hans Fryba.

(Worte: W. Manierlich)

 

Solo: Emanuel Hanus.

Am Klavier: Der Komponist.

7) a

Waldesnacht.

v[on] Hans Fryba.

(Gesamtchor)

b

Einkehr.

v[on] Hans Fryba.

(Gesamtchor)

8)

Mädel lasz das stricken geh’

v[on] Ernst Bezler.

(Ebergassing)

9)

Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust. Walzer mit Klavierbegleitung

v[on] Josef Strauss

(Marienthal)

10)

Das Freiheitslied. Marsch für Chor mit Klavier.

v[on] Hans Fryba.

(Gesamtchor)

Lieder-Worte.

1) Brause Freiheitschor, brause empor gewaltig und hehr!

Fluch dem Verderbten, tön der Enterbten mächtigem Heer!

Tröste die Klagen, weil es zu tagen auf Erden beginnt!

Kein ängstliches Zagen, nein! mutiges Wagen die Völker durchdringt!

O Wahrheit! Völkerfanal! strahl deine Klarheit nieder zu Tal!

Dasz alle Knechte zum Denken erwacht u[nd] kühn für ihre Rechte sich rüsten zur Schlacht.

Heil dir o Freiheit, du herrliche Braut, durch die Wahrheit wir erst erschaut!

Löse die Bande der Sklaverei, zertrümmernd die Schande der Tyrannei!

Fluch dem Verderbten, tön der Enterbten mächtigem Heer! Brause du Freiheitschor

2) Der Wald liegt still im tiefen Schweigen

3) So sei gegrüszt viel tausendmal

Und Ruhe atmet die Natur

Holder, holder Frühling!

Der Abenddämmerung Nebel steigen

Willkommen hier in unserm Tal,

Bedecken weithin Wald und Flur.

Holder, holder Frühling!

O Waldesfrieden, Waldesruh,

Holder Frühling überall

Dir schlägt mein Herz in Sehnsucht zu!

Grüszen wir dich froh mit Sang u[nd] Schall

Da graut der Tag durch das Dunkel

Du kommst u[nd] froh ist alle Welt,

Dringt hell der Sonne goldner Strahl,

Holder, holder Frühling!

Das ist ein Schimmern ein Gefunkel

Es freut sich Wiese, Wald u[nd] Feld,

Im Perlentau rings all zu mal.

Holder, holder Frühling!

O Waldesmorgen, Waldesruh

Jubel tönt dir überall

Dir schlägt mein Herz in Wonne zu!

Dich begrüszet Lerch und Nachtigall.

[2]

Und durch des Waldes weite Räume

So sei gegrüszt viel tausendmal,

Ein mächtig frohes Rauschen zieht

Holder, holder Frühling

Und meine Seele füllen Träume

O bleib recht lang in unserm Tal,

Hör ich der Vöglein Morgenlied!

Holder, holder Frühling!

O Waldeszauber, Waldesruh

Kehr in alle Herzen ein,

Dir schlägt mein Herz in Freude zu!

Lasz doch alle mit uns fröhlich sein.

3a Es stand meine Wiege im niedrigen Haus

4) Kein Feuer, keine Kohle

Die Sorgen die gingen drinn [!] ein u[nd] aus,

Kann brennen so heisz

Und weil meinem Herzen der Hochmut blieb fern,

Als heimliche Liebe

Drum bin ich auch immer beim Volke so gern!

Von der niemand nichts weisz.

Und guckt die Sorge auch mal durch die Scheibe:

Keine Rose keine Nelke

Ein Sohn des Volkes will ich sein und bleiben!

Kann blühen so schön,

Tief drunten im Tale ging immer mein Lauf

Als wenn zwei Verliebte

Zur Höhe, zur steilen ich kam nicht hinauf;

Bei einander tun stehn.

Ich bleibe im Leben nur einfach u[nd] schlicht

Setze du mir einen Spiegel

Und Orden und Sterne begehre ich nicht!

Ins Herze hinein,

Wie auch des Lebens Barke mich mag treiben:

Damit du kannst sehen

Ein Sohn des Volkes will ich sein und bleiben!

Wie so treu ich es mein.

Und schliesz ich die Augen zur ewigen Nacht,

5) Rrrraus Sänger!

Und habt ihr zur Ruh mich zur letzten gebracht,

Strenge nach dem Takt.

Dann schmücket die Stätte mit Grünkränzelein

Rrrein fest und sicher

Und legt mir aufs Grab einen schmucklosen Stein

Rrrein fest und sicher angepackt.

Auf diesen Stein laszt mir die Worte schreiben:

Rrrraus mit der Stimm,

Ein Sohn des Volkes wollt er sein und bleiben!

Gut oder schlimm

 

Treibt dem ganzen Haus

 

Die Grillen aus. Rrrraus!

Stänkerer, Polterer jaget heute raus

Trio: Fischlein im Aquarium

sind zu spitzig, viel zu hietzig [!]

Sucht den ausgang [!] rundherum,

Sorg u[nd] Qual, allzumal müssen heute raus.

Vogel in dem kleinen Haus

Liebeswahn, hohler Zahn rrrraus!

Möchte ins Freie raus

Finale: Rrraus musz die Wach der Posten ruft,

Poet gewöhnt ans Fasten sehr

Rrrreconvalescent bald an die Luft;

Musz hinter Schlosz u[nd] Riegel schwer,

Tristan u[nd] Isolde singen lang und holde

Brummt noch im Polizeihaus:

Mitten drunter stürmt die Menge zum Theater rraus.

Was ich denk und fühl musz rrraus.

Hohler Kopf liebt den Zopf, jeder faule Tropf wünscht den Rückschritt hemmt

Den Fortschritt. Heuchelei, Kriecherei, Speichelleckerei, Junktertum, Muckertum

Rrraus! Rrraus alles Ungemach zum Land.

Rrrasch nehmt die Pecher [!] in die Hand, raus aus dem Fass musz das Nass,

Rrraus der letzte Tropfen aus dem Glas, denn wir honorieren, wir intervenieren

Zu Ehren des Hauses Humor ohne Protest

6) A. Sehnsucht.

B. Nach der Ferne.

Wo der Geist antiker Zeiten

Ich wandere aus der Heimatgrenzen

Lebend aus dem Marmor spricht,

Weit in die Ferne.

Wo der Meerflut blaue Weiten

Am nächtig blauen Himmel glänzen

Und der Sonne heiszer [!] Licht;

Silbern die Sterne.

Wo in Kirchhofs dunklem Schweigen

Es flüster in den dunklen Fluren,

Die Zypresse steht und weint;

Sonst tiefe Stille.

Wo der Sterne goldner Reigen

Ich folge meiner Sehnsucht Spuren

Und der Mond so milde scheint:

Nach goldnem Zeile.

Dort, mit dem Geschick versöhnend,

 

Träum ich alpensüdwärts hin,

 

Wenn des Winters Stürme höhnend

 

Ueber Nordlands-Gaue ziehn.

 

[3]

C. Akropolis.

D. Abschied.

Mächtig erhebt sich in sonnige Höhen

Umwoben steht vom Abendrot der Sonne

Stolzer Vergangenheit sterbende Pracht

Das an dem Saum der Berge schon verglänzt

Himmelanstürmende Säulen stehen

Ein wundersames Bildnis fremder Zone,

Ragende Zeichen versunkener lacht.

Vom blauen Meere malerisch umkränzt.

Göttergestalten hellenischer Sagen

Auf einem Schiff mit mövenschlankem Buge

Wachsen aus Träumen lebendig und frei,

Heb ich zum Abschiedsgrusze meine Hand.

Bilder aus lange entschwundenen Tagen

Es geht auf hohen Wogen wie im Fluge,

Ziehen an staunender Seele vorbei.

Nach meiner Heimat weit entferntem Land

Krönend des Panthenons steinige Reste,

Athen versinkt in Abendnebelschleier

Blicken hernieder vom felsigen Grat;

Mit den Segeln spielt des Meeres Wind,

Schweigsame Zeugen hellenischer Feste

Doch mir verbleiben, meinem herzen teuer,

Ueber altgriechenlands [!] herrlicher Stadt.

Erinnerungen, die wie Märchen sind.

7) a Im Gezweige spinnt die Nacht

b, Bei einem Wirte wundermild

Ihre wundersamen Träume.

Da war ich jüngst zu Gaste

Und im Blütenwinde sacht,

Ein goldner Apfel war sein Schild

Flüstern wie im Schlaf die Bäume.

An einem langen Aste.

Sibermatt [!] durchs nächtige Grün

Es war der gute Apfelbaum

Webt des Mondlichts sanfter Schleier.

Bei dem ich eingekehret.

Bleiche Wasserrosen blühn

Mit süszer Kost und frischem Schaum,

Sternengleich im dunklen Weiher.

Hat er mich wohl genähret.

Eines Vögleins Schlummerlied

Es kamen in sein gastlich Haus

Zittert aus verschwiegnen Weiten

Viel leicht beschwingte Gäste;

Und ein müder Falter flieht

Sie sprangen frei und hielten Schmaus

Trunknen Flugs durch Einsamkeiten.

Und sangen auf das Beste.

 

Ich fand ein Bett zu süszer Ruh,

 

Auf weichen grünen Matten

 

Der Wirt er deckte selbst mich zu

mit seinem kühlen Schatten

 

Nun fragt ich nach der Schuldigkeit,

da schüttelt er den Wipfel

 

Gesegnet sei er allezeit,

von der Wurzel bis zum Gipfel.

8) Mädel lasz das stricken [!] geh’

Mädel liebes sieh doch nicht

Tu den Strumpf bei Seite heute

Immer so beiseite heute;

Das ist was für alte Leute

Das ist was für alte Leute

Für die Jungen blüht der Klee.

Junge sehn sich ins Gesicht.

Lasz mein Kind Komm mein Schätzchen,

Komm mein Kind, sieh doch Schätzchen,

Siehst du nicht der Abendwind

Ueber uns der Abendwind

Schäckert [!] mit den Weidenkätzchen.

Schäckert [!] mit den Weidenkätzchen.

Siehst du Mädel wars nicht nett, so an meiner Seite heute?

Das ist was für junge Leute nur die Alten gehn allein zu Bett.

Was denn, Kind, weinen? Schätzchen, nicht doch! Sieh der Abendwind

Schäckert [!] mit den Weidenkätzchen.

9) Introduktion.

I. Walzer.

Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust!

Nur immer lustig laszt uns sein!

So ruf ich in die Welt!

Gott läszt gedeihn Mädchen u[nd] Wein.

Trag Frohsinn ich in meiner Brust,

Nützet geschickt den Augenblick.

Das Leben mir gefällt.

Nie kehrt das Glück“

Was nützt mir trüber Sinn?

Seh ich die Welt im Sonnenglanz:

Zur Liebe ziehts mich hin! La la la

Fröhlicher Tanz schlingt sich zum Kranz.

II. Walzer.

 

Welch heller Klang das Dorf entlang

Jauchze ich auf in heller Lust,

Von dort herüber erklingt,

Hebt sich die Brust.

Wie das lärmt und lacht mit aller Macht

Blümelein gewachsen nett und fein,

Und freud [!] sich und jubelt und singt.

Fröhlich blickt, mit seinem Köpfchen nickt

Wie ist es schön da zuzusehn

Schmetterling du reizendzartes Ding,

Wie auf dem Anger sich wunderbar

Lebst dahin mit frohem Sinn.

Die Kinderschar vergnügt nach alter Weis.

Vöglein auch lebt froh in Busch und Strauch

[4]

III. Walzer.

Singt so nett ich glaub gar im Duett

Kleine Leute naus ins Weite

Grosz und klein will sich des Lebens freun:

Aus den Augen strahlt Frosinn [!] und Freude!

Lieb und Lust schwellt jede Brust.

Froh und heiter immer weiter

 

Jugend kennt nicht die Sorg als Begleiter.

 

La la da rastet sich’s gut

IV. Walzer.

La la da kühlet das Blut

Jene Schenke dort das ist ein lustger Ort,

Und man hält im Walde köstlichen

Schmaus und ruht aus

Da hört mans fort und fort, Klingen,

La la ein Lied dann erklingt

Singen. Bursch und Mägdelein sehe ich

La la zum Himmel es dringt

Dort zu zweien herzen, scherzen

Für die Jugend ist der Himmel doch

Voll Innigkeit

Nah, schon all da.

Fort flieht Leid und Weh,

 

Wenn ich in meiner Näh

V. Walzer.

Leuchten de [!] Augen seh glühen, sprühen

Im Häuschen am Rhein, so klein u. nett

Höchste Seligkeit fühl ich darin jeder Zeit.

Da waltet geschäftig früh und spät

Wonnig, wonnig zeigt sich die Welt,

Ein Weibchen in jugendfrischer Kraft

Dort hin in die Hecke in dichtes Grün

Behende ohne Ende, voll Frosinn [!] sie schafft

Wo Ros und Jasmin so berauschend blühn

Vom Turme tönt friedlich in die Rund

Da schleichet sich fein ein Pärchen

Das Glöcklein, verkündend Feierstund.

Allein: Es will wohl dem Lärm entfliehn

Ihr Kindlein sie Faszt [!]

Wie lauschig und wonnig ist heut die

Und dem Gatten voll Sehnsucht

Nacht, die Stern sie funkeln in heller

Entgegen sie eilt.

Pracht. Und Mund liegt an Mund; in

 

Seliger Stund, da sieget die Lieb mit Macht.

 

Coda.

Wie doch die Welt uns so gefällt

 

Wenn Frosinn [!] die Augen verklärt

 

Ja wie sie ist die Welt so gut bestellt,

10) Auf auf mit Mutlodernder [!] Flammenglut

Da Liebe sie soviel beschert

Schwingt sich das Lied empor

Liebesstreben, hoch solls leben!

Gar herrlich klingts im Chor.

Ein mal nur währt dieses Leben!

Die Freiheit lacht, die es sympolisch [!] macht

Schenket ein! Schenket ein!

Jedem schwillt die Brust,

Nur immer lustig laszt uns sein!

Sie liebt sich voll Lust

Gott läszt gedeihn Mädchen und Wein.

Im Freiheitsdrang.

Nützet geschickt den Augenblick

Es klingt so hell gleich einen Bergesquell

Nie kehrt das Glück.

Im schönen Tannenwald

Ergreift das Glas voll edlem Nasz,

Horch wie das Echo lustig schallt.

Erhebt euch Mann für Mann!

Ein jeder lauscht und wird vom Lied

Die Becher schwingt, dasz hell es Klingt [!]

Berauscht,

Und stoszt mit mir jetzt anB [!]

Denn es gibt und viel Mut

Kommt laszt uns wacker singen,

Und heilige Glut, befreit den Mann.

Viel Lust wird uns zuteil; mit vollem

Beim Lie [!] voller Harmonie

Glas wir bringen der Lieb ein

Labt sich nach des Tages müh [!],

Kräftig Heil!

 

Ein treufester Freundesbund, findet dann im Gesang Erholung

Das Lied klingt durch Berg und Tal, gleich jubelnder Nachtigall,

Es öffnet die Herzen wie; jauchzend Einigkeit. Sang frei!

Trio: O, Lied sei umschlungen, du hast das Herz bezwungen,

Führst frei uns auf Wegen, zur Freiheit himmelan. Und drückt uns Kummer nieder

Du hebst uns immer wieder. Hoch klinge stets das Lied vom freien Mann!