[Anonym]

Flachsspinnmaschine

in: Bulletin des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der Naturwissenschaft, so wie den Künsten, Manufakturen, technischen Gewerben, der Landwirthschaft und der bürgerlichen Haushaltung; für gebildete Leser und Leserinnen aus allen Ständen. Herausgegeben von Sigismund Friedrich Hermbstädt (Berlin), 12. Bd., Nr. 1 (September 1812), S. 15–16.

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Erfindung einer Flachs-Spinnmaschine.

Herr Franz Xaver Wurm zu Ebenthal in Kaernthen, ein junger Mann von 24 Jahren, und Sohn eines dasigen Gärtners, der weder in der Mechanik noch in der Zeichnungskunst jemals Unterricht genossen, hat die Erfindung einer Flachs-Spinnmaschine zu Stande gebracht, welche einstweilen auf eine Grösse von 24 Spulen ausgeführt worden ist.

Die ganze Maschine ist 10 Fuss lang (Wiener Maass), 5 Fuss breit, und 6 Fuss hoch. Durch die Bewegung von 2 Menschen spinnt sie

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auf jenen 24 Spulen in 12 Stunden 14 bis 17000 Wiener Ellen Garn, drehet zugleich auf zwei andern Spulen 12 bis 1500 Wiener Ellen Zwirn, haspelt das Gespinnst auf zehnwindige Strähnen ab, deren sie 70 bis 90 verfertiget, und windet die Strähnen auf Knäule von beliebiger Grösse.

Bei der Erbauung einer solchen Maschine will der Erfinder, sowohl dadurch, dass das Triebwerk an ein Wasserrad gelegt werden kann, als durch die Anbringung eines eigenen Mechanismus, alle Menschenhände in so weit ersparen, dass eine einzige Person zur Aufsicht über mehrere Maschinen hinreichend ist.

Herr Wurm ist überzeugt, dass eine Maschine von 50 Spulen, sammt Zwirnspulen, Haspeln und Knäulwinden, täglich 35 bis 45000 Wiener Ellen Garn, 10 bis 15000 Ellen Zwirn, 2 bis 300 Strähnen und mehrere Knäule liefern kann.

Eine dergleichen Maschine wird denn auch für mehrere Abänderungen geeignet seyn, und gröberes und feineres Gespinnst liefern können. Das bis jetzt auf der kleinen Maschine erzeugte Gespinnst, welches Referent dieses vor Augen gehabt hat, ist ein mittelfeines gleichförmig und gut gesponnenes Garn.