[Georg Grausam]

Hermann Todesco Denkmal in Marienthal

in: Pfarrblatt St. Peter u. Paul für Gramatneusiedl, Marienthal, Neureisenberg und Neu-Mitterndorf (Kirchbergersiedlung) (Gramatneusiedl), 7. Jg., Nr. 1 (Dezember 1957), S. [4].

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Hermann Todesco

Denkmal in Marienthal

Im Park beim Altgebäude N[umme]r 43, das zuerst den romantischen Fabriksnamen »Marienthal« allein trug, erhebt sich noch ein Denkmal, dessen zerbrochene Tafel kündet:

»Zum Andenken unseres Vaters Hermann Todesco, gestorben am 23. November 1844.

Ehre, Preis und Ruhm sei gebracht seinem strebenden Geiste

Der, selbst wissend, auf Erden den Samen der Weisheit gesät,

Anerkennung jedoch gebührt dem hohen Verstande

Der zu dem Fortschritt der Zeit das Seine gethan

Aber dem liebenden Herzen des edlen Mannes und Vaters

Sei in den kindlichen Herzen Lieb und Verehrung geweiht«.

Drei klassizistische schöne Reliefs scheinen diese Inschrift zu illustrieren, indem eines Unterricht und Wissenschaft, das zweite Ackerbau und Handel, das dritte Industrie und Väterlichkeit darstellt. Ein Engel, der trauert über der Urne, die als Zeichen der Liebe mit Rosengewinden umkränzt ist, bekrönt das Denkmal. – Todesco, »ein reicher Jud und Bankirer in Wien« kaufte 1831 die seit 1827 stillgelegte Flachsspinnfabrik, die zu Gramatneusiedl am vereinigten Piesting- und Jesuitenbach in der früheren »Theresienmühle« sich befand, und machte daraus eine »Wohlspinnerey-Fabrick«, wobei er den früheren (ab 1819) gebräuchlichen Namen »Marienthal« beibehielt. Während die erste Flachsspinnfabrik mit einigen Spinnmaschinen und unbedeutendem Betrieb schon nach 8 Jahren eingestellt werden mußte, entwickelte sich die zweite Fabrik unter Todesco in der Folge zu einem riesigen Unternehmen. 1833 errichtete Todesco eine Fabriksschule (jetzt N[umme]r 44) und 1844 stiftete er unseren Stiftskindergarten zu Gramatneusiedl. Was der Vater gesät, konnte der Sohn Max [Todesco] ernten: schon 1845 kauf e er um 70.000 fl[orin] vom Franz Löffler die »Ladenmühle«, riß sie ab und erbaute die neue große Fabrik, die 1945 in Schutt und Asche sank. 1846 erbaute er »auf Säubersdorfer [d.i. Seibersdorfer; Anm. R.M.] Grund« das Neugebäude und verwendete es wie die frühere Fabrik, die seither »Altgebäude« genannt wird, als Wohnhaus für die Arbeiter. (Quellen: Gedenkbuch der Pfarre Moosbrunn, Topographie von N[ieder]-Ö[sterreich], VI, Artikel Marienthal).