[Georg Grausam]

Zur Geschichte Gramatneusiedls (1745)

in: Pfarrblatt St. Peter und Paul für Gramatneusiedl, Marienthal, Neureisenberg, Neu-Mitterndorf (Kirchbergersiedl.) (Gramatneusiedl), 10. Jg., Nr. [1] (Jänner–August 1960), S. [3–4].

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Zur Geschichte Gramatneusiedls (1745)

Die Bittschrift der Gemeinde Gramatneusiedl vom Jahre 1663, die auf Erfüllung des Stiftsbriefes von 1405 drängte, löste einen hundertjährigen Rechtsstreit aus. Die Gemeinde wollte ihr stiftl[iches] Pfarrecht genießen, was eigentlich doch für die kleine Gemeinde von 250 Seelen zu viel schien. Der Vizedechant und Pfarrer von Ulrichskirchen, Josef Cappellni, bezeugt 1745: »Ich Endesverfertigter bekhenne, daß da ich von A[nno] 1707 biß 1719 bey Tit[u]l[um] Ihro Hochw[ürden] seel[ig] Mathiam Wurtzer Dechandt u[nd] Pfarrer in Moßbrun [d.i. Moosbrunn; Anm. R.M.] alß Cooperator et Capellanus gestanden, die mir anvertraute Filial Gramet Neusidl mit dem Gottesdienst, Predig, und Ambt alle dritte Sontag, wie dan auch in Festis D[omi]ni S[anct] Stephani fer. 2da Paschatis et Pentec[oste] dan in Festo Patroncinij Petri et Pauli versehen, unter der Wochen aber bißweillen zwey auch 3 h.h. [d.i. heilige; Anm. R.M.] Meessen, So die Nachbahrn in Gramet Neusidl vor ihre Verstorbene Befreundte, oder Votiv Meessen haben verkhinden lassen, von mir seynd gelesen worden, vor welche das ordinari Stipendium Sie bezahlet, gratis aber unter Wochen hinab zu gehen ware keine Schuldigkeit [: excepta provisione :] ist mir auch solches niemahl von meinem H[errn] Decano et Parocho auferlegt worden« (E[rz]b[ischöfliches] Diöz[esan] Archiv Wien 287/30, Filiale Gramatneusiedl)

1745 wandte sich die Gemeinde Gramatneusiedl an den Bischof – diesmal war es der erste Wiener Erzbischof, Kardinal [Sigismund von] Kollonitz, da unser Gebiet 1722 von der Diözese Passau abgetrennt und Wien zugeteilt worden war, – mit den Worten: »Ihro Hochfürstl[iche] Eminenz! Hochwürdigst[er] Hochgebohrner Reichsfürst! Gnädigster

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Herr Herr! Es hat Anno 1400 Ludwig der dermahlige Abbt zu Mölkh alß Patronus und Lehenherr der Pfarr-Kirchen zu Maßbrunn die Bewilligung ertheilet, die Uralte Capellen zu Grämätneusidl zu Ehren deren H[ei]l[igen] Aposteln Petri und Pauli ordentlich zu consecriren, und folgends Beede Gemeinden ernannten Moßbruns und Grämätneusidl eine Summam Geldes pr. 482 fl[orin] damahliger Landes-Wehrung zusammen getragen, wovor sie den völligen Wein und Getrayd Zehent zu Dorf, und zu Feld in dem Moßbrunnerischen Territorio erkauffet, und solchen der Pfarr Moßbrunn gegen deme auf ewig incorporirt haben, daß in gedachter Capellen zu Grämätneusidl allwochentlich an denen in einem hierüber im Jahre 1403 errichtet – am Sonntag laetare 1405 aber durch den damahligen Pfarrer Georg List formlich gefertigten Stiftbrief. [: wovon sich eine Uhralte auf Pergament geschriebene, und nebst anderen in diese Stiftung einschlagenden documentis in ein Buch zusammen gebundene copia bey Unserer Herrschaft, des Wienner[ischen] Dom-Capituls Handen befindet, und auf gnädigstes Verlangen alzeit exhibirt werden kann :] enthaltenen Tägen zu Lob Gottes, Mariae, auch aller Heiligen, für das Heyl deren Stifteren, aller nachkommenden und glaubigen Vier Messen, entweder durch den Pfarrer selbst, oder einen anderen Priester gelesen werden sollen.« (Ebenda)