[Georg Grausam]

Zur Geschichte Gramatneusiedls (1748)

in: Pfarrblatt St. Peter und Paul für Gramatneusiedl, Marienthal, Neureisenberg, Neu-Mitterndorf (Kirchbergersiedl.) (Gramatneusiedl), 10. Jg., Nr. [2] (September–Dezember 1960), S. [3–4].

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Zur Geschichte Gramatneusiedls (1748)

Kardinal Fürsterzbischof [Sigismund von] Kollonitz erließ am 15. Juli 1748 für die Gramatneusiedler Stiftungsfrage ein »Provisionale remedium« (= vorläufige Abhilfe) »Das Er H[er]r[n] Pfarrer zu Moßbrun [d.i. Moosbrunn; Anm. R.M.] in der Capellen deren heilligen Aposteln Petri et Pauli zu Grämet Neusidl entweder selbst oder durch einen andern Priester wochentlich 2. Heillige Meßen … lessen, es erweiße dan die Grämet Neusidler Gemeinde Rechtlich, daß die angebentliche Stiftung würklich errichtet: Von dem damahlen Bischöflichen Herrn Ordinario oder seinen Successoribus ordentlich ratificiret, und der Stüft Fundus zulänglich seye, daß gedachte wochentl[ich] 4 Meßen mit Haltung der Predig und anderen Parochialen vor dessen ertragnus geleßen werden können, jedoch lhme Hrn. Pfarrer zu Moßbrun die Gegenweigung und alle Rechtliche Behelfe vorbehalten sein sollen«, gefertigt von Joh[ann] Leop[old] Edl[em] v[on] Freyenberg, Consistorial Rath und Notar.

Da aber Moosbrunn damals den Passauer Bischof (Josef Kardinal Lamberg) zum Patron hatte, so machte dessen Generalvikar [Joseph von] Trautson dagegen eine Eingabe an den Wiener Kardinal, in der es heißt: »Wann nun wegen der dem Fürstl[ich] Passauerisch. Herrn Ordinario auf sothanne Pfarr zustehend Geistlichen Lehenschaft uns obliget solche mit keinen Neuen nicht nur einen Zeitlichen Pfarrer sondern auch den Moßbrunnrischen Pfarrkündern sehr nachtheilligen praestationibus beladen zu lassen indem dieselbe wann in Einer Wochen ein Feyer Tag einfallete mithin an solchem eine Stift Meeß zu Gramet Neusidl gehalten werden solte sowohl zu Sommer als Winterszeit ihre Mutter Kirchen verlassen und dahin zur Heil[igen] Meeß gehen ja wohl in festis Majoribus Patrocinij und dergleichen des gesungenen Amts der Predig und Kinder-lehr beraubet leben und sich mit einer stillen Meeß vergnügen müsten.

Alß ersuchen Euer Eminenz wir hiemit, dieselbe geruhen den Pfarrer mit solcher Auflaag, bis die angebende Stiftung mittls eines ordentlich ratificirten original Stift-Brief /: wovon bey Uns kein Vestigium vorhanden ist :/ und der dem oneri proportionirte Fundus gezeiget werde, gnädig zu

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verschonen. Geben Wienn im Fürstl. Passauer Hof bey Unser Lieben Frauen auf der Stiegen, den 21. Aug[ust] 1748. Euer Eminenz gehorsam[ster] Joseph Graf v[on] Trautsonn Offlis und Vicarius Generalis (später 1751–1757 Fürsterzbischof von Wien!), Franz Anton Mayer Director, Egidi Caspar Pelser Rath und Notarius.«

Tatsächlich wurde das »prov[isionale] remedium« rückgängig gemacht: aus dem Wiener Erzb[ischöflichen] Consistorium erging am 20. September 1748 ein Schreiben an den Moosbrunner Pfarrer Franz Leonard Hainzman (1736–1768), gezeichnet von Konsistorialrat Freyenberg: »Es hätten Ihre Hochfürstl. Eminenz unser gnädigster Herr Ordinarius … dasjenige provisorium, welches Bemelter Stüftung halber vermög Consistorial Decrets von 15ten Jully dises inlebend- 1748tn Jahrs auf Lesung zwey wochentlichen Heyl[iger] Meeßen fürgekehret worden, widerumben aufzuheben, gnädigst befunden; Dahero dann gedachtes provisorium hiemit widerumb aufgehoben, und verordnet wird, daß es Bey Haltung des vorigen Gottesdiensts sein verbleiben haben solle; Welches Ihme eingangs ernanten Herrn Pfarrer zur nachricht, und seinen Verhalt bedeutet wird«.

(Alle angeführten Akten aus dem Erz[bischöflichen] Diözesanarchiv Wien 287/30, Filiale Gramatneusiedl.)

Wenn wir die Volksbewegung 1748 einsehen (im V. Matrikenbuch der Pfarre Moosbrunn) – es gab eine einzige Trauung (Johann Georg Finckh mit der Witwe Maria Schmid am 6. Feber 1748) –, erfahren wir unter den Trauzeugen den damaligen Richter Mathias Fischer und weitere Namen von Mitnachbarn: Johann Biberhofer, Mathias Hofschneider und Georg Grüeßmühlner (1. c. V/36 Trg). 1748 wurden sieben Kinder getauft: Maria Anna Wöber (14. März), Magdalena Zimmermann (8. Mai), Jakob Hämpel (30. Mai), Mathias Hätzel (1. November), Catharina Hätzel (10. November), Maria Anna Pürschl (18. November), Maria Catharina Piberhofer (22. November) – l[au]t Taufbuch V/59ff. – Lt. Sterbebuch V/31f verstarben 1748 zwei Gramatneusiedler: Gertrud Stattler, 16 Jahre (7. Januar), und Eva Pämbler, 17 Wochen (27. Juni), diese wurden im Pfarrfriedhof zu Moosbrunn bestattet.