[Georg Grausam]

Zur Geschichte Gramatneusiedls. Schulgründung im Jahre 1762

in: Pfarrblatt St. Peter und Paul für Gramatneusiedl, Marienthal, Neureisenberg, Neu-Mitterndorf (Kirchbergersiedl.) (Gramatneusiedl), 11. Jg., Nr. [2] (August–Dezember 1961), S. 3–8.

Die Veröffentlichung auf dieser Website erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Pfarramts Gramatneusiedl. Beachten Sie das Copyright!

3

Zur Geschichte Gramatneusiedls

SCHULGRÜNDUNG IM JAHRE 1762

Gramatneusiedl umfaßte 1762 ungefähr 220 Einwohner in 52 Familien (37 Häuser), die Kinder (jährliche Geburtenanzahl zwi[schen] 1737 und 1767 durchschnittlich 10, allerdings herrschte damals große Kindersterblichkeit) mußten nach Moosbrunn in die Pfarrschule gehen, Grundherrschaft war das Wiener Domkapitel. Winter- und Regenzeit war sicher ein Entschuldigungsgrund für die Kinder, den Schulbesuch zu unterlassen, zweifellos wirkte sich dies im Wissensmangel der Kinder aus, andererseits herrschte damals schon ein größeres Bildungsbedürfnis.

Diesen Umständen trug der Wiener Domherr Georg Ignaz Ruschko Rechnung, indem er ein Schulhaus in Gramatneusiedl erbauen ließ (jetzt N[umme]r 18 neben der Kirche) und die erkleckliche Summe von 3250 Gulden spendete, womit er Lehrergehalt und Hauserhaltung sowie den Schulbetrieb sicherstellte (4. August 1762). Erster Schulmeister wurde Lehrer Karl Schäbl (gebürtig aus Steiermark, hier gestorben am 28. März 1786 im Alter von 65 Jahren), der vom 1. November 1762 an hier seines neuen Amtes waltete (er hatte auch die Kirche, Feuerwehr und kirchliche Betätigung der Kinder zu überwachen, bez[iehungs]w[eise] zu betreuen). Die Schule war einklassig. Eine besondere Instruktion für den Schulmeister wurde am 31. Dezember 1762 vom Wiener Domkapitel erlassen und vom alleinigen Stifter Ruschko unterzeichnet, hierauf der Schule Gramatneusiedl übergeben (Oberlehrer Filipp Nowotný hat sie am 18. Juli 1875 in die hiesige Schulchronik, Seite 7–17, geschrieben, Pfarrer Anton Schallerl schrieb sie 1838 ins Moosbrunner Gedenkbuch I, S[eite] 140 bis 143 [d.i. falsch; Anm. R.M.], mit der Bemerkung: »Das Original befindet sich bey der Schule zu Gramatneusiedl«). Als kulturhistorisches Dokument verdient diese Instruktion, die hiemit erstmals gedruckt wird, unsere Aufmerksamkeit:

[»]Instruction

So ein jehmaliger Schulmaister zu Grämätneusidl, Dom Capitlischer Herrschaft zu allen Zeiten zu befolgen haben wird.

Erstlich

Solle er sich bestens u[nd] nichts mehrers angelegen seyn lassen als die alldasige Jugend, beedes Geschlechts, mit aller Bescheidenheit, in gut Lesen, accurat Schreiben, Rechnen, u[nd] ganz besonders in Christenthum, in christkathol[ischer] Lehr, so wie es immer einem Schulmaister obliegen kann, u. mag recht gründlich zu unterrichten.

Beyneben soll er ein christl[ich] friedsames, auferbaul[iches] Leben führen, den überflüssigen Trunk vermeiden, keine verdächtige Leut aufhalten, auch auf das Feuer wohl acht haben: die Kirchen sauber, wie auch die Sakristey, u. Paramente rein erhalten, der Geistlichkeit mit aller Ehrerbietigkeit u. geziemendem Respekt begegnen.

Nicht weniger solle er schuldig seyn zu allen folgenden Stucken zu leitten als 1. täglich wie gewöhnlich dreymal des Tages zum englischen Gruß, 2. zu allen vorfallenden Gottesdiensten, 3. zu entstehendem Wetter, 4. zum Speisen einen Kranken zu versehen. 5. zur Todtangst u. Scheidung Christi, 6. endlich wann es immer nach Verlangen u. Begehr der Gemeinde die bishero üblich u. eingeführte Gewohnheit erfordert. Auch denen allda gewöhnl[ich] Processionen ohne Kreuz u. Fahnen beyzuwohnen u. auf Ersuchen der Gemeinde vorzubethen u. vorzusingen.

Die bisher gewöhnl. Rosenkränz zu halten. Die ihme schon in Druck gegebene Teutsche Meß auf schon geschehene Gutheißung u. Befehl Ihro Hochfürstl[ichen] Eminenz unsers Herrn Ordinary [Christoph Anton] Grafen von Migazzi unter dem gewöhnl. Gottesdienst vorzusingen.

Endlich auch die Obsicht über die Kirchenuhr haben solle, damit sie in aufrechten Stand erhalten, zu rechter Zeit aufgezogen, u. allenfalls auch gerichtet werde, so es vonnöthen wäre.

4

Wann Jemand aus alldasiger Gemeinde erkranket, u. von Moosbrunn der Pfarr aus, mit dem Viatico das ist, mit dem hochheiligen Altarsakrament wurde versehen werden, solle der Schulmaister mit der Glocken ein Zeichen geben, u. so es ein Mannsperson ist, dreymal kurz absetzen, um die Gemeinde hierdurch zu ermahnen, daß Jemand allda mit unserm Herrn versehen werde.

Nach gegebenen Glockenzeichen solle der Schulmaister sein Schulkinder paar u. paar laut für den Kranken bettend, damit er die Gnad von Gott überkomme die heil[igen] Sakrament recht würdig mit aller Frucht u. Wirkung zu empfangen, bis zu Ende des Dorfes hinaufführen allda mit ihnen warten, bis der Priester von Moosbrunn mit dem Hochwürdigen ankommt. Ihn alsdann mit oben gedachter Meinung laut bethend bis zu dem Kranken begleiten, nach vollendter Versehung den Priester abermal, wenn mit dem Ciborio folgsam mit mehreren heil. Partikeln angekommen laut bethend bis zu Ende des Dorfes, wo sie Ihn anfangs erwartet haben, begleiten.

Im Falle aber der Priester nur einen heil. Partikel dem Kranken zu Versehen mitgenommen hätte, welches leicht abzunehmen u. zu erkennen seyn wird, ob er ein Ciborium oder nur einen Speiß Beitel bey sich habe. Hat er nur einen Speiß Beitel bey sich, so führt der Schulmaister die Kinder Paar u. Paar von des Kranken Behausung laut bethend in die Kirche zu Grämätneusidl, u. allda 3 Vater Unser u. Ave Maria für die vesehene Person mit Andacht u. erhobenen Händen laut bethen solle, nach solchen verrichteten Gebeth die Schulkinder nach Hause zu schicken sind.

Nicht weniger so oft immer Jemand aus der Gemeinde allda stirbt, solle der Schulmaister die Schulkinder /: die Altershalber fähig seynd so weit zu gehen u. zu Winters Zeit mit Schuh versehen sind :/ paar u. paar laut bethend für den Verstorbenen zur Behausung des Todten führen u. von dannen die Leiche bis nach Moosbrunn in den Freudhof zu Grabbegleiten laut bethend, nach geschehener Einsegnung die Schulkinder in die Pfarrkirchen allda führen u. 3 Vater Unser u. Ave Maria für die verstorbene Person mit dem gewöhnl. »Herr gib Ihm (Ihr) die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm (ihr) etc[etera]« mit aufgehobenen Händen bethen, u. nach vollendeten Gebeth mit den Kindern ohne Ordnung nach Hause gehen solle.

Nun obbemeldte beede Mitgäng oder Begleitungen, seynd mit aller Bescheidenheit vorzunehmen, oder zu unterlassen nach Beschaffenheit der etwa all zu kalten Jahreszeit, oder sehr üblen nassen regner[ischen] Wetters.

Ist dießfalls eine vernünftige Hindernuß mitzugehen, so solle der Schulmaister mit den Schulkindern in ihrer Kirchen zu Grämätneusidl obbemeldtes Gebeth für die Kranke oder verstorbene Person mit Andacht verrichten.

Zweitens

Solle sich ein Schulmaister zu Grämätneusidl durchaus nicht freiwillig um die Parochialien, das ist Par. Schuelmaister Dienst annehmen oder anmaßen, es seye, dann der Schulmaister zu Moosbrunn ersuche ihn darum ausdrücklich, ihn etwa in einer vorfallenden Noth oder Hindernuß zu überheben u. Er aus christlicher Nächsten-Lieb solches freywillig thun wolle, ohne allen praejuditio oder Nachtheil der Pfarr zu Moosbrun. In diesem zweyten Punckt solle sich ein jeder Schulmaister zu Grämätneusidl wohl in Acht nehmen, daß er das ausdrückl[iche] Verboth nicht im geringsten zu überschreiten sich unterstehe: dann bey Uibertrettung dessen, u. einkommender Klag würde er sich in große Gefahr setzen, seinen Schuldienst zu verliehren.

Drittens

Wann etwan ein Herr Pfarrer zu Moosbrunn oder dessen Herrn Vicarii in die Schul kommen sollten, um durch angestelltes oder vornehmendes Examen zu sehen u. zu erfahren ob die Schulkinder als seine Pfarrkinder in Christenthum in christkathol[ischer] Lehr recht gründlich unterrichtet werden, sollte jeder Schulmaister selben mit aller Höflichkeit Ehrerbiethigkeit u. gebührend[em] Respect begegnen u. sich auf keinerley Weiß widersetzen. Auch selben jedesmal in der Kirchen u. bey dem Altar, wie nicht weniger alle andre dahin kommende u. heil. Messe le-

5

sen wollende Priester, bey welchen kein vernünftiger Anstand machen, Messe lesen zu lassen, mit aller Willfährigkeit bedienen sollte.

Viertens

Was den Gehalt eines alldasigen Schulmaister betreffet, wird er in baarem Gelde durch 3 Jahr von ersten November 1762 anzufangen dreißig Gulden, sage 30 fl[orin] haben, so er von einem Wienerischen Dom Kapit[u]l[ar] Hofmeisteramt Viertl oder halbjährig nach seinem Belieben sicher zu emfangen hat, maßen zu diesem Ende 600 fl Capital schon wirklich von dem Stifter dahin übergeben u. in gemeiner Stadt Wien Banco dermahlen zu 5 % bereits angelegt sind. Nebstdeme wird ihme Schulmaister die Gemeinde zu Grämätneusidl drey Jahre nacheinander zwanzig Metzen Korn nach ihren gethanen verbindlich Versprechen alljährl[ich] zu geben schuldig seyn: beedes, Geld u. Korn, wird sein Anfang nehmen vom 1. November 1762.

Nach verstrichenen drey Jahren solle sein jährlicher Gehalt in baarem Geld seyn: Zweyundsiebenzig Gulden sage 72 fl, so eben wie oben gemeldet zu empfangen hat, wo hingegen mit wirkl[ichem] Anfang des Empfang der jährl[ichen] 72 Gulden, die Abgab der bis dahin jährl. 20 M[e]tz[en] Korn aufhöret, es sey dann die Gemeinde wolle Ihm solche gern u. freywillig noch mehrere Jahre genüssen lassen, schuldig aber wäre es nicht, mithin hätte er auch kein Recht mehr nach 3 Jahren solch zu begehren außer er kunnte aus erheblicher wichtigen Ursachen u. nothwendigen Hindernussen die gedachten 72 fl noch nicht wirklich empfangen, oder aber die Gemeinde hätte sich auf ein neues verbinden u. obligiren gedachte 20 Mtz Korn auf alle Zeiten u. auf ewig allen Schulmaistern oder nur dem dermahligen allein erfolgen zu lassen. Dahero kommte es, lediglich an auf sein Bitten, Wohlverhalten, gute emsige Aufführung u. durch genaueste Erfüllung seiner Schuldigkeiten bey der Gemeinde sich beliebt zu machen, um gedachte 20 Mtz Korn auf mehrere Jahre oder auf ewig zu erhalten.

Nebstdem durch 3 Jahr 30 fl nach 3 Jahr 72 fl jährl. Gehalt hat ein Schulmaister in Geld nicht mehrers zu fordern als das alleinige Schulgeld von denen wirklich in die Schul gehenden Kindern, u. zwar solle ein jemahliger Schulmaister nicht mehr zu begehren befugt seyn, als von einem Kind, so nur allein Lesen lernet, sowohl Druck als Schrift, quartaliter oder für 3 Monath 15 Kreuzer, mithin jährl. 1 fl. So schreiben lernet quartaliter 24 Kreuzer, mithin jarl. 1 fl. 36 Kreuzer. So rechnen lehrnet, quartaliter 30 Kreuzer mithin jährlich 2 fl. Wann überdieß Jemand eine Musik zu lernen Verlangen traget u. eine Fähigkeit darzu hat, stehet es einem jedem Schulmaister frey, was er begehren will, u. kann sich dießfalls mit des Kinds Eltern versteh, wie es ihnen beliebig seyn wird.

Von denen Schulkindern solle Ein jeder Schullmaister schultig u. gehalten seyn 6 arme Kinder deren Eltern nicht im Standesind ein Schulgeld zu bezahlen, gratis ohne Kreuzer schullgeld zufordern gleich allen anderen zahlenden eben so fleißig und embsig mit aller Bescheidenheit in allen vorgeschriebenen Stücken zulehren u. zu unterrichten. Gemeldte 6 Arme Kinder wird jederzeit der jehmahlige Richter, u. geschwohrne nach ihren gewissen hoffen gut Befinden u. z[war] jederzeit die aller ärmsten u. Bedürftigsten benennen u. vorschlagen, alß welchen die Armut und äusserste Bedürfftigkeit zum mehresten u. Besten bekannt seyn Kann.

Fünfftens

was die Kinderzucht, u. Bestroffung deren straffmäßigen Kindern Betreffet, wann sie etwan stitzig, trutzig ungehorsam, unbendig sich erzeigeten, od[er] ungebertig unartig, unehrbar in der Kirchen, Besonders in Presbyterio /: wohin zu gehen den Kindern zu allen Zeiten unter den Gottesdienst höchst Verbotten seyn solle, auch die bey jeden h[ei]l[igen] Messen ministrirende Knaben weder ohne Halsbindl od. Halsdüchl noch ohne strümpf und schuh erscheinen sich nicht unterstehen solle, in der schull od. auf der Gassen sich ungebührlich aufführen, folgsam stroffmäßig befunden werden, sollten Sie erstlich in aller Gütte zu ihrer schuldigkeit u. wohl anständigkeit, u. sich bessern, Besser aufführen mit aller Sanftmuth ermahnt werden.

6

Fruchtet die güttige Ermahnung nichts, u. folgt Keine Besserung: seynd solche unbändige Kinder mit mehreren Ernst u. Wortschärfe, mit Bedrohung des patzenferl u. ruthen nachdrücklichst zur besserung zu ermahnen.

Fruchtet dieses noch nicht, solten Sie alsdann mit aller Bescheydenheit, ohne innerlichen Zorn, gestrofft werden mit ruthen, od. patzenferl nach Beschaffenheit der Schuld mit Knien lassen in od. außer der Schull, auf der Thierschwell der gassen Thier, od. denen Eltern sagen, od. sagen lassen, solchen unbendigen Kindern bey welchen bishero Keine Ermahnung weder Bedrohung gefruchtet, Biß abends weder Brod, noch waß anderß zu essen geben: der Hunger wird Sie Vielleicht vor allenn andern strofen, zum Gehorsam, u. bessern Verhalten Bringen. Sage, daß die straffmäßigen mit aller christlicher Bescheydenheit sollen, Bestroffet werden dann eine höchst unbescheidene, unvernünftige unchristliche Bestroffung wäre es: wann die Kinder Bey denen haaren herumgerissen mit denen Füßen gestoßen bei den ohren gezwicket od. gerissen, auf den Kopf u. daß Angesicht an den halß od. Brust sollten geschlagen werden. Solche u. d[er]gl[eichen] andere sehr unbescheidene unvernünftige, unchristliche Bestroffungen, so gesundheit deren Kindern sehr nachtheilig und deren Eltern überaus Betrüblich u. schmerzlich fallen würden, werden durchaus nicht Bey Einem Schullmaister gestattet, od. geduldet werden. In öffteren dißfals Vorkommende Klagen u. von der Gemeinde Bey Einem Hochwürdigen Dom Capitl eingereichte Beschwerde Kunnten Anlass geben, mit dem Schullmaister eine Abenderung zu machen. Daher Er Vorhinein nachdrucksam ermahnet, u. gewahrnet wird, sich der obbemeldeten unbescheidenheit nicht schuldig zu machen. Wie dann auch:

Sechstens

Wann sich ein schull Maister alda sehr übel aufführen mit aldasiger gemeinde sich nicht vertragen auß eigener Schuld von Selber sich abwerfen, Einen Frieden u. Ehestörer abgeben sollte, Mit seinem Ehe Weib sehr übel hausen, mit selber öffters raufen u. schlagen, u. sich etwann gar an eine andere Weibß Person hencken, mit solcher zur ärgernuß der ganzen gemeinde unzulässige Vertraulichkeit, u. gemeinschafft pflegen würde: oder sich zu sehr dem Trunke ergeben, sich öfters Voll trunken u. vollsaufen, fluchen, schelten, Gotteslästern, seine schuldigen Dienst nachlässig saumsälich Verrichtet od. öffters Versäumen, od. gar auß Liederlichkeit unterlassen sollte. Im unterrichtung der Jugend Beedes Geschlechtes in lesen, schreiben, Rechnen, u. besonders in Christenthum in christkatolischer glaubenslehre, in anhaltung zur Andacht, und auferbaulichen auffihrung in der Kirchen, besonderß unter dem Gottesdienst sehr nachlässig, u. saumselig solte Befunden werden.

Wann hierauf die Gemeinde alda wegen Einen, od. mehreren obbemeldeten straffmässigen Fellern u. Verbrechen Eineß Schul Maisters alda, sich zu Beschweren, wohl gegründete ursachen hätte, u. eine Klag bey dem Wienerischen Hochwürdigen Dom Capitl, als Herrschafft deß Orths, u. des Schull Maisters anbringen sollte: würde die angebrachte Klage als dann wohl, reiff, u. rechtmäßig untersucht werden u. nach Befundener richtiger, gründlicher Wahrheit der angebrachten Klag sollte der Schull Maister, alß überwiesen in seiner straffmäßigen Aufführung, Niemand andern, alß nur sich selbsten die Schuld u. ursache Beymessen u. zuschreiben, da ihm der Schuldienst aufgesagt u. Er ohne hoffen habender gnad u. Barmherzigkeit abgeschafft, u. anderwärtig sein Brod zu suchen wird genöthigt werden. Wohingegen:

Siebentens

wann sich ein Schull Maister allda wird Bestens angelegen sein lassen, den lieben Hausfrieden zu lieben, u. zu erhalten, mit seinem Eheweib u. mit der Gemeinde recht friedsam zu leben, sich durch gute, unsträfliche, auferbauliche Aufführung u. richtiger, genauester erfüllung seiner, Ihm obliegenden Schuldigkeiten, bei der Herrschaft so wohl, als auch Bei der Gemeinde sich beliebt zu machen, sich bestens wird angelegen sein lassen, Er so dann zu seinem besonderen Trost sicher zu hoffen u. sich zu vertrösten haben, daß nach

7

seinem Todt auch seiner hinterlassene armen wittib /: der Er unfehlbar wenig od. gar nichts von seinem schull dienste gehabt u. ein Kommen wird unterlassen können :/ mit einer unterhaltungsbeihilfe wird gedacht werden. In dem der Stifter des Schullhauses, u. des Schull Maisters fest entschlossen ist Ein besonderes Capital anzulegen, wovon eine sich jederzeit gut aufführende hinterlassene Schulmaisters wittib daß cito, so lange Sie Wittib verbleibet wo immer Sie sich aufhalten werde, Lebenslang zu genüssen haben sollte, sage Lebenslang wann Sie sich anderst in ihrem Wittibstand eben so gut als in ihrem Ehestand würde aufführen. Aber N[ota] B[ene]: conditio sine qua non d[as] i[st] welche sich jederzeit getreu ihrem Mann würtschaftlich gut, recht christlich, stets nichtern, dem unmäßigen Trunk nicht ergeben, fromm, andächtig, Gottesfürchtig, Tugendlich friedsam, mit ihrem Mann, u. friedsam mit der Gemeinde. Mit wenig Worten, welche sich so christlich u. so auferbaulich während ihres Ehestandes aufgeführet hat, daß Ihr die ganze Gemeinde das Lob u. Zeugenschafft von ihrer Beständig gute aufführung wird geben können.

Solte aber die erfahrenheit u. zulängliche Zeugenschaft daß Gegentheil von einer solchen hinterlassenen auch ärmsten Wittib darthun, u. glaubwürdig anzeigen, würde Sie nichts von gedachten bene zu genießen überkommen, sondern in ihr geburtsort angewiesen werden in fall Sie alda ihr Brod auf ehrliche Art nicht zu gewinnen wußte. Und dieses wollen oben bemeldete Lateinische wort, conditio, sine qua non auf deutsch sagen, d.i. ohne guter auferbaulicher allenthalben Lobenswürdiger auffihrung wovon im Fall der Noth glaubwürdige, zulängliche Zeigenschafft nicht kann aufgebracht werden, eine hinterlassene Schull Maisters Wittib von oben gedachten inter nichts zu genüssen überkommen würde, sondern Solches Einer andern nachkommenden Best sich aufführenden Wittib zukommen sollte.

Sobald daß Capital für eine Schull Maisterswittib wird angelegt seyn, wird ess zu gleicher Zeit von dessen Stifter Einem damaligen Schullmaister zu seinem besonderen Trost, u. seiner Gemahlin zu mehreren Antrib sich jederzeit auf oben beschriebene Art auf daß Beste aufführen u. schriftlich angezeigt werden.

Würde aber damahls, da Ein Capital schon wirklich angelegt worden, keine Grämätneusidlerische Schulmaisters Wittib vorhanden seyn, sollte davon daß cnta* der damahligen Schullmaisters mit seinem noch lebenden Weibe so lang zu genüssen haben, Biß Sie eine Wittib wird, u. ihn ihren Ehestand durch gute auferbauliche, oben beschriebene aufführung sich würdig gemacht solches als Wittib zu genießen, so auch von ihrem Wittibstand zu verstehen, wie schon oben gemeldet, dann mit übler Aufführung u. sträflicher Lebenswandl in ihrem Wittibstand, hörete auch alsogleich der fernere genuß, so lange sie sich aber gut aufführet, solte Sie es eben so lange zu genuß haben, wo Sie sich immer aufhaltet, übrigens beziehe ich mich dißfalls gänzlich auf oben gedachte wort.

Allein das Versprechen erfüllen zu können, nemlich für eine Wittib ein Stiftskapital anzulegen, kommt lediglich auf Gott, den Herrn des Menschenlichen Lebens u. Dottes allein an, daß er den für die Wittib bestgesunnten Stifter nur so viel Lebenzeit annoch verleihe also da erforderlich seyn wird sein vornehmen u. versprechen werkthätig erfüllen zu können, ferner daß seyn wollender Stifters, seiths wird es nicht ermangeln, zu thun, was er kann u. sobald er kann.

Achtens

u. letzstens ist noch kürzlich zu erinnern, daß ein jeder Schulmaister zu Grämätneusidl wohl wissen u. jederzeit erkennen solle, daß ein Wiener Hochwürdiges Dom Kapitl alleinig ohne Jemand andern unstreitig das Recht habe einen Schulmaister allda an- u. aufzunehmen u. abzuschaffen, mithin selbes für seinen einzigen Herrn jederzeit erkennen solle, auch jeden Domherrn, der hinab kommet mit aller Höflichkeit geziemenden Respect begegnen u. allen Gehorsam erzeigen, in der Kirchen mit aller Ehrerbietigkeit u. Willfährigkeit bedienen, auch alle guten Ermahnungen gutwilligst mit Dank annehmen solle.

Daß nun an diese Instruction wie Sie durchaus lautet, ein jeder Schulmaister zu Grämätneusidl sich zu halten u. nach

___________

* = Prozente (Erträgnis.)

[8]

selber sich jederzeit zu verhalten verbunden ist od. seyn solle, ist der ernstliche Willen u. Begehren sowohl des Stifters als des ganzen venerabilis Capituli Metropolitani Viennensis. Dieses bezeuget u. bekräftiget die Unterschrift u. Fertigung sowohl des Einen als des Andern.

So geschehen Wienn den letzten Dezember 1762.

L[oco] S[igilli]

Aloisius Mätz de Spiegelfeld

 

Josefus Antonius de Hack

 

Simon Ambrosius nob. de Stock, Ecclesiae Metropol[itani] Cantor

 

Antonius Carolus Serdagna

 

Bernardus M. de Rettenfeld Eccl[esiae] Metr[opolitini] Capituli Notarius

L.S.

Georgius Ignatius Ruschko, Canonicus ad St. Stephanum, Consiliarius Consistorii Archiepiscopalis Viennensis, als der alleinige Stifter des Schulhauses u. Schulmaisters zu Gramatneusidl