[Georg Grausam]

Gramatneusiedl vor 200 Jahren (1762). (Fortsetzung)

in: Pfarrblatt St. Peter und Paul für Gramatneusiedl, Marienthal, Neureisenberg, Neu-Mitterndorf (Kirchbergersiedl.) (Gramatneusiedl), 12./13. Jg., Nr. [2] (November 1962–März 1963), S. [4–6].

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Gramatneusiedl vor 200 Jahren (1762)

(Fortsetzung)

Anno 1762 fand zu Gramatneusiedl eine einzige Trauung statt: »Neusidl: 26. Januarius Ist copulirt worden: der Ehrengeachte Thomas Finkh, Mitnachbahr zu Velmb [d.i. Velm; Anm. R.M.], als Wittiber, mit der Ehrsamen Jungfrau Anna Maria Grüeßmüllerin, des Ehrengeachten Jacob Grüeßmüller, Mitnachbahr zu Gramet Neusidl, und Magdalenae dessen Ehewürthin Ehel[ich] erzeugter Tochter.

Testes Sponsi (Bräutigam-Zeugen): Paul Hintermayr, Nachbahr und Georg Hönig, Schmidtmeister zu Velmb.

Testes Sponsae (Braut-Zeugen): Mathias Grießmüller, Nachbahr, und Johann Dechtl, Inwohner zu Grämet Neusidl« (Tom[us] V., fol[io] 97).

Todesfälle anno 1762 zu Gramatneusiedl:

»8ten Aprilis ist begraben worden: Rosinna Osmanin, Müllnermeisterin auf der Laadenmühl, alt 34 Jahr« (tom. V., fol. 83).

»13. Majus Ist begraben worden: Rosina Fischerin, eines Nachbahrs Tochter alda, alt 38 Jahr« (1. c.).

»9. Junius Ist begraben worden: Martin, des Joseph Mörckh, Käßmachern alda, sein kündt, alt 1½ Jahr« (1. c.).

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»7. September Ist begraben worden: Clara, des Sebastian Steurer, Jägern alda, sein kindt, alt 8 Tag« (tom. V., fol. 84).

»30. October Ist begraben worden: Thadäus, des Lorenz Härtl, Nachbahrn alda, sein kindt, so nothgetauft worden, alt: 1 Stundt« (tom. V., fol. 85).

Bemerkenswert ist, daß der eben verwitwete Müllnermeister »auf der Ladenmüll« Ignatius Oßman am 18. Aug[ust] 1762 bei der Taufe der Maria Anna, Kind des Michael Kehrer, Müllermeisters zu Mooßbrun [d.i. Moosbrunn; Anm. R.M.], und seiner Ehewürthin Cäcilia als »Gevatter« fungierte (V/161).

Das große Ereignis des Jahres war aber die Schulgründung durch Domherrn [Ignaz Georg] Ruschko, die Schuleröffnung zu Allerheiligen 1762 und der Einzug eines eigenen Schulmeisters in unsere Ortschaft (Karl Schäbl).

Schon das 26. Jahr waltete der hochwürdige Pfarrer Franz Leonhard Hainzmann1 des heiligen Priesteramtes auch zu Gramatneusiedl. Da das Wiener Domkapitel sich als Patron der Filialkirche Gramatneusiedl betrachtete, hatte er in dieser geistlichen Korporation, wie wir bei der S[t]iftung der Gramatneusiedler Schule anno 1762 durch Domherrn Ruschko schon sahen, eine außerordentliche günstige Herrschaft und Hilfe.

Zwar ist die Kirchenrechnung 1762 nicht auffindbar, aber einige Rechnungen über den Ausbau des Kirchturmes und der Uhranbringung sind noch erhalten:

Nr. 4

»für 1500 große Lattennägl

3 Gulden

 

für 9000 große Schmidnägl

7 Gulden 39 Kreuzer

 

für 94 Pfund Gattereisen

….

8 Gulden 37 Kreuzer (á 5½ Kr[euzer])

 

 

 

19 Gulden 16 Kreuzer

 

dem Paul Anderter in (Wiener-)Neustadt den 1. Okt[ober] 1762 bezahlt.«

Nr. 6

»Was ich Ends Gefertigter Bey erbauung des Kürchen Thurm sambt Anstreichen wie auch den Bodten und Stiegen zu der Uhr ist gemacht an Zimmerleith Tagwerg seindt verrichtet worden«

 

am 16. Oktober

10 Tagwerg

5 Gulden

 

 

am 23. Oktober

23 Tagwerg

11 Gulden

30 Kr

 

am 30. Oktober

20 Tagwerg

10 Gulden

 

am 6. November

18 Tagwerg

9 Gulden

 

am 10. November

11 Tagwerg

5 Gulden

30 Kr

 

am 20. November

10 Tagwerg

5 Gulden

 

am 27. November

8 Tagwerg

4 Gulden

 

(für 100 Tagwerk)

50 Gulden

 

 

Welches Mir durch den Johannes Pyberhofer als Kürchenvatter Richtig und bahr bezallet worden mit 50 Fl[orin] Das Bezeig Meine Hantschrift und Pötschaft. Actum Mooßbrun den 30. Nov[ember] 1762

Hannßjörg Frantz

Zimmermaister in Mooßbrun«

Nr. 7

Maurer Außzigl:

 

»Verzeichnus Waß ich Entz Vnderschribener zu Kraumät-Neysydel Bey den Kierchen Turn, an MeurTagwerckh sich haben angeloffen, bey Neymachung des gsyms, vnd Vhrtafln« (Von 19. Oktober – 10. Dez[ember] 1762) zusammen 63 Tagwerk – Mathias Schönwetter vnd Martin Fellner, Maurergeselle –«

 

»31 Gulden 30 Kreuzer Welche Mir von termahligen H[errn] Oberkirchenvatter Richtig und Bahr betzolt ist worten bezeygt meine Vörtigung Actum Marckh Himberg den 14. Dez. 1762 Mathias Schönwetter Burg[er]l[icher] Maurermeister alta«

Nr.8

Zigler Qütung:

 

»Ich zu Endt Vnderschribener Bekene daß Mihr der Kirchenvatter zu Graimethneisidl Johann Piberhofer die Ziegl welche zu den Kirchen Thurm Seindt gefirdt worden bestehet in 1500 das Tausendt 7 fl. 30 Kr. Zu Samen 10 fl. 45 Kr Richtig bezallet habe Dißes Bezeiget Mein Nahm und Pätschaft Graimetneisidl den 11. Nov. 1762

Sebästian Sinauer

Ziegler Zu Velmb«

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1 Obwohl er bei seiner Installation »mit Dung- und Ohmgabeln« (Mist- und Heugabeln) empfangen wurde, »ihm das Einfahren zu verwehren. Es mußte die Rumorwache von Wien kommen, um Ruhe herzustellen und dem Pfarrer die Besitznahme der Pfarre (1736) zu erzwingen, denn solange der bisherige Pfarrer [Maximilian] Graf Engelhausen am Leben war, wollte man nur diesen (Denkbuch der Pfarre Moosbrunn F, S[eite] 113).

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Nr. 10:

Schmidt AußZygl:

 

Spicification

 

»Waß Ich zu den lobwürdigen Gottes Hauß alhier Bey Erbauung des Kyrchenthurn an schmidt Arbeyth verrichtet habe«, darunter »24 Zyms Häng« 24 Kreuzer

 

»Zu der Uhr Dafel 4 Neue Zwüngl Eisen gemacht« 32 Kreuzer

 

»Zu der Uhr 5 Stangen geschwaist« 15 Kr

 

»Zu der Uhr 4 Stangen gesträgt« 12 Kr

 

»Zu der Uhr gewychtern 2 Neue ärmb gemacht« 12 Kr

 

»Zu der Durn Styege 2 Neue Styzen und 6 Neue Bladen Nägel und ein Neuen Hang« 24 Kreuzer

 

»Bezahlt mit 7 fl. 51 kr.

Johann Georg Duscher

schmidtmayster zu graymet Neysidl«

Aus diesen einzelnen Rechnungen ist ersichtlich, daß anno 1762 auf dem Kirchturm der alte Dachstuhl (Turmhelm, kurz auch »Turm« genannt) durch einen neuen ersetzt wurde, denn 1693 war er mit einer Glocke ausgestattet worden – in der Kirchenrechnung 1726 ist ein Posten »Vor 2 Neye Glockhen Sayler … 1 fl. 24 kr.« und in der von 1730 heißt es »Insgleichen in den Thurm hinein ein Neue Geschallede Thür gemacht sambt den anstreichen … 4 fl.«. Dabei wurden die Turmmauern mit einem neuen Gesims und einem neuen Ziegel-Mauerkranz versehen. Vermutlich erstmals wurde damals eine Turmuhr angebracht, eine diesbezügliche Rechnung liegt zwar nicht vor, aber die Ausdrücke in den verschiedenen Handwerkerrechnungen, die sich auf die Uhr beziehen, scheinen so gedeutet werden zu müssen.