[Georg Grausam]

Zur Geschichte Gramatneusiedls 1763

in: Pfarrblatt St. Peter und Paul für Gramatneusiedl, Marienthal, Neureisenberg, Neu-Mitterndorf (Kirchbergersiedl.) (Gramatneusiedl), 14. Jg., Nr. [1] (Februar–Dezember 1964), S. 4–6.

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Zur Geschichte Gramatneusiedls 1763

Unterm 11. April 1763 erliegt im erzbischöflichen Diözesanarchiv Wien (287/30 Filiale Gramatneusiedl) das »Inventarium Über die dem Lobwürdigen Gotteshauß deren H.H. Aposteln Petri und Pauli zu Grämätneusidl Fiial zur Pfarr Moßbrun [d.i. Moosbrunn; Anm. R.M.] sowohl befindl[ichen] Mo- alß Immobilien, und zwar befinden sich:

Drey Altär, nembl[ich] der Hoche oder Fron Altar der H.H. Aposteln Petri et Pauli, der Maria Hilf und Joannis Nepomuceni Altar. In den Thurm so kurz Neu gedeckt worden 2 Mittere Klocken, und eine Stund-Uhr mit 4 Tafeln. Eine fast Neue Orgl mit 5 Register. Ein alte Canzl.

3 Portatilia oder Altarstainer mit Reliquien. 3 Altär Polster fast neu.

Sachen von Silber:

2 ganz Silberne glatte kelch mit Patenen.

Sachen von Kupfer: 1 Kelch sambt Paten, 1 Monstranz von Girtler Arbeith. 1 kleines deto, worin ein Particul von H[eiligen] Kreuz mit Aprobation.

Sachen von Messing: 1 Rauchvaß sambt Schiffel, 2 kleine Lampen bey denen seitten Altärn, 3 Klöckhl.

Sachen von Zinn: Eine Lampen vor den Hoch Altar, 2 Baar Opfer Cändl mit deto Däzen, 4 Leichter, 4 Latern von Blöch.

Sachen von Holz: 1 Kästl mit Glaß worinen Christus mit Cron und Purpur Mantl. Kasten in der Sacristey von weichen Holz, die Kelch, wäsch und Meßgewändter aufzuhalten. 1 Kürchen Laad von harten Holz. 1 Kasten von weichen Holz vor Chorrockh und Ministranten Röckl. 1 Bettschamel von deto Holz. 1 großes Cruzifix hoch mitten in der Kürchen. 1 Mitters deto an der seitten, welches bey Processionen mitgetragen wird. 3 Kleine deto auf denen Altärn. 2 Hilzerne Leichter bey Mariae Hilf Altar. 1 Statuen des h. Leonardi auf einen Postament. 1 deto des H. Joannis Nep[omuk] auf Postament. Jesu Maria Joseph Statuen auf Postament. 2 kleine deto S[ancti] Rochi et Sebastiani. Auf einen Stängl 1 Cruzifix und die Schmerzhafte Muttergottes. 8 Mey Pischl in allen. 1 Maria Bild. 1 deto S[ancta] Barbara. 1 deto Mariae, Joachim et Anna. 9 alte deto. 1 weichwaßer Schäffel. 2 Steinerne 1 kupferner weyhbrun Köstl.

Meß Gewänder: 1 Meßkleyd von reichen Zeug, roth und weiß sambt Zugehör mit Silber Porten. 2 weiße von Seiden Zeug mit Gold Porten, sambt Zugehör. 1 deto von allen Farben. 2 Blaue deto ord. sambt Zugehör, mit weiß seidenen Porten. 1 rothes ord. sambt Zugehör mit falschen Porten. 1 grünes deto mit Zugehör und seiden Porten. 2 schwarze deto ord. mit Zugehör. 1 alten Fahn von rothen Damasc. 1 weiß, 1 rothes, und 1 blaues Velum. 1 Neuer blauer Himmel von Damasc. 1 alter roth zeigener Sammelbeitl.

Sachen von Tuch: 4 rothe Ministranten Röckl ganz neu. 1 ord. Quadrat. Weiße Wösch: 5 Almb. 7 Humeralien. 10 Altar Tücher. 5 Substratorien. 4 Cingula. 12

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Purificatoria. 12 Cändl Tüchl. 5 Corporalia. 1 Chorrockh. 4 weiße Ministranten Röckl.

3 Meß Bücher und 1 schwarzes Rittual.

An Grundstücken: 1 Kraut-Gartten welchen die Kürchen Vätter genießen, und hiervon zahlen … 2 fl. (Gulden).

(Siegel) Franz Leonhard Hainzman, Pfarrer zu Mooßbrun.

(Siegel) Johannes Piberhofer Kürchen Vatter.«

Außen: »Anno 1763 Prs. 11ten April 1763.«

Daß die hohe Majestätswürde sich auch um »Kleinigkeiten« kümmerte, erweist das Dokument, in wunderschöner Barockschriftzier geschrieben, mit je 1 fl. »Stempelmarken« Impressum auf jedem Blatt versehen, folgenden Inhalts:

»WIR MARIA THERESIA von GOTTES GNADEN RÖMISCHE KAYSERIN IN GERMANIEN, zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, Slavonien etc[etera]. Königin, Erzherzogin zu Österreich, Herzogin zu Burgund, Ober- und Nider-Schlesien, zu Steyer, zu Kärnten, zu Crain, Marggräfin des Heiligen Römischen Reichs, zu Mähren, zu Burgau, zu Ober- und Nider-Laußniz, gefürstete Gräfin zu Habspurg, zu Flandern, zu Tyrol und zu Görz, Herzogin zu Lothringen und Bar, Großherzogin zu Toscana: Bekennen hiemit für Uns Unsere Erben, und Nachkommen, daß Wayl[and] Elisabeth Oßmannin verwittibt-geweste Arcierin in ihrer untern 8. Martij 1760 eigenhändig errichtet und den 20. Aug[ust] ablaufenden Jahrs bey Unßeren 1. Arcieren Leib-Garde Auditoriats-Gericht publicirten Testament § 5. der Kirchen SS: Petri et Pauli zu Gramath Neusidl in Österreich Ainhundert Gulden Rein, zu dem Ende legiret hat, daß die Lampen bey dem Hoch-Altar nicht nur bey allen Messen, sondern auch alle Samstag, wann die leuth den Rosenkranz betten, richtig angezündet werde, und die ganze Nacht hindurch an bemelten Samstag brennen solle, worfür Sie demjenigen, so diese Lampen anzindet, zu einem Neuen Jahr dreyssig Kreutzer besonders ausgeworfen, und was sodann über Abzug deren disfalls erforderlichen Unkösten übrig verbleibet, bemelter Kirchen geschencket hat.

Da nun erwehntes Capital pr. Ainhundert Gulden mittels einer Wiennerischen Stadt Banco Obligation dd. 13. Sept[ember] 1763 á 5 % zu Unßeren Universal-Depositen-Amt vermög für zu halten dd. 26. Sept. 1763: Depositieret, auch von dem allhiesigen Erzbischöflichen Consistorio der erforderliche Consens beygebracht, sodann um ausfertigung des gewöhnlichen Stiftbriefs angelanget worden; Wir auch in ausfertigung dessen gnädigst gewilliget, und bedeute Stüftung in Unßeren Allerhöchsten Schuz genommen haben.

Solchem nach befehlen Wir hiemit Gnädigst, und wollen, daß obgedachte Stiftung festiglich gehalten, und zu dem Ende drey gleich lautende Exemplaria aufgerichtet, hievon eines bey Unserer Milden Stiftungen Haupt-Cassa-Administration wohl verwahrlich aufbehalten, daß anderte denen Oßmannischen Erben, und das dritte endlichen Oberwehnter Kirchen zu allerseits guten versicherung, und gleichmässig wohlverwahrlicher aufbehaltung, auch Einverleibung in daselbstiges Stiftungs-Prothocoll extradiret, Übrigens auch der von obigen Stifts-Capital á 5 % abfallende Interesse-Betrag widerholter Kirchen zu Gramath Neusidl gegen Quittung und vollständiger Erfüllung obbemelter Stiftung richtig verabfolget werden solle. Thuen dieses hiemit wissendlich mit Urkund dieses Briefs der mit Unserem Landesfürstlichen Insigl bekräftiget, und geben ist in Unserer Kais[erlich] Königl[ichen] Haupt- und Residenz Stadt Wienn den Sechzehenden Monats Tag December im Ein Tausend Sibenhundertdrey und Sechzigsten Jahre.

Franz Ferdinand Graff von Schrattenbach, Statthalter

Thomas Ignaz Edler von Pöck, Canzler.

Franz Joseph Edler v[on] Krähmann

Ferd[inand] Jos[eph] v. Sartori

Johann Franz Märquärt, Revisor.«

(SIEGEL)

16. Dezember 1703

Diesem ist inneliegend das Consens-Ansuchen der beiden Kinder Ignaz Oßmann und Elisabeth Oßmannin, nun verehelichten Steinbacherin, als Universalerben nach ihrer † Mutter Elisabeth Oßmann, verw[itwete] kais. Arcierin unterm 2. Sept[ember] 1763 an das Erzb[ischöfliche] Consistorium Wien um Errichtung eines Stiftbriefes pr. 100 fl[orin] für

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Kirche Gramatneusiedl und eines Stiftbriefes pr. 1.000 fl. auf 1 wöchentliche Messe bei den Ehrw[ürdigen] PP. Carmeliten Baarfüßern in der Leopoldstatt (versehen mit 3 Kronen Stempel-Impressum).

Arciere sind kaiserliche Leibgarde am Hof. Ignaz Oßmann war Müllermeister auf der Ladenmühle an der Fischa und Erbauer der Theresienmühle an der Piesting (jetzt Altgebäude in Marienthal) c[irc]a 1750 – Todestag, 26. Juni 1778, er wurde in der Gramatneusiedler Kirche beigesetzt (unter der Kanzel), wo er jetzt noch ruht. In Barockstil erbaute er auch die Ladenmühle an der Fischa neu auf, darin war eine Hauskapelle, in der täglich von einem eigenen »Haus«-Priester das Meßopfer gefeiert wurde.

(Moosbrunner Pfarrdenkbuch II [recte I; Anm. R.M.], 261 f)