Franz Xaver Wurm

Bericht über eine Abtheilung von Maschinen der Londoner Industrie-Ausstellung an den niederösterreichischen Gewerb-Verein. Vorgetragen in der Monats-Versammlung am 3. November d[ieses] J[ahres] vom Herrn Franz Xaver Wurm, Ingenieur und Mechaniker.

Wien: Gedruckt bey J. B. Wallishausser 1851, 20 S.

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Bericht

über eine

Abtheilung von Maschinen der Londoner

Industrie-Ausstellung

an den

niederösterreichischen Gewerb-Verein.

Vorgetragen in der Monats-Versammlung am 3. November d[ieses] J[ahrs]

vom Herrn

Franz Xaver Wurm,

Ingenieur und Mechaniker.

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Hochverehrte Herren!

Ich habe die Ehre Ihnen über eine Ahtheilung von Maschinen der grossen Londoner Industrie-Ausstellung Bericht zu erstatten, und Ihnen sowohl den Eindruck zu schildern, welchen der imponirende Anblick dieses grossartigen Industrie-Tempels auf mich hervorgebracht, als auch das Wissens- und Nachahmungswürdigste aus dem Gebiete des Maschinenwesens mitzutheilen.

Der erste Eindruck, welchen der Anblick des eben so riesenmässigen als feenartigen Krystalipalastes, seine kühne und originelle Bauart, noch mehr aber seine bezaubernde innere Ausstattung mit allen denkbaren Natur- und Kunstproducten unserer Erde, auf den denkenden Beschauer hervorbringt, kann nicht anders als die höchste Ueberraschung, Bewunderung und Erstaunen, ja als eine völlige Bezauberung der Sinne genannt werden, indem die Auffassung so ausserordentlicher Massen verschiedenartiger Natur- und Kunstproducte in ihrer imposanten Zusammenstellung, das Begriffsvermögen eines Einzelnen, sowohl im allgemeinen Ueberblicke, als in ihrer Beurtheilung zu weit übersteigt.

An diesen grossartigen Eindruck, der den aufmerksamen Beschauer mit erhebender Bewunderung vor den vielseitigen Fortschritten des menschlichen Kunstfleisses erfüllt, knüpft sich ganz unwillkürlich die Ueberzeugung, dass zur Ausschmückung dieses herrlichen Tempels, in welchem alle Völker der Erde ihre Leistungen in’s Auge stellten, keine Handvoll aus dem politischen Chaos unserer jüngsten Raubritterschaft hervorgegangen, sondern Alles nur ein Werk des Friedens, der Pflege der Kunst, Wissenschaft und nützlichen Gewerbsthätigkeit zu betrachten ist, und dieser Schauplatz die einzig wahrhaft beglückenden Errungenschaften enthält – wo die industriellen Talente aller Nationen sich im Wetteifer der Künste messen, ihre Bedürfnisse gegenseitig zu befriedigen und ihr Dasein nach Kräften zu verschönern – dass diese Bahn des Fortschrittes im Wissen und Können

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die einzig wahre sei, welche die Menschen aller Erdstriche glücklicher – und im freundlichen Verkehr in Förderung der gegenseitigen Interessen zu Freunde und Brüder machen kann.

Bei Betrachtung der verschiedenen Mittel und Kräfte, womit sich die Menschen das Leben verschönern, durch ihre Kenntnisse und Thätigkeit der Natur ihre Schätze abgewinnen, und durch die Kunst zu den mannigfaltigsten Zwecken veredeln, steht auch der Grundsatz fest, dass Belehrung und Aufklärung in nützlichen Wissen und Leistungen, das einzig haltbare Fundament des Menschenglückes ist – und bleibt!

Aus der grossen Rundschau aller in das Auge fallenden industriellen Kunstleistungen geht für den Beschauer – er mag nun Agronom, Berg- oder Hüttenmann, Fabrikant, Künstler oder Kaufmann sein – die überzeugende Einsicht hervor, worin es den verschiedenen Völkern der Erde gebricht, wo wir etwas Besseres finden oder geben können; wer in seinen Errungenschaften des Wissens- und Leistungsvermögens uns vorausgegangen oder zurückgeblieben ist. – Der berechnende Staatsmann, wie der Gelehrte kann darin den Fingerzeig erkennen, in welchen Fächern uns noch Aufklärung und Belehrung Noth thut.

Im Fache der Mechanik hat England, besonders in Fabriksmaschinen, mit seinen überwiegenden Geldkräften und eben so gut bezahlten als geachteten Talenten, unstreitig unter allen Ländern den grössten Vorsprung gewonnen und die grössten Leistungen in das Auge gestellt, welchem dann Frankreich und Belgien folgen.

Dass Oesterreich in diesem Fache so schwach vertreten ist, findet sich nur in der Ueberzeugung noch ein Trost, dass der Mangel einer besseren Beschickung keineswegs in einem so schwachen Leistungsvermögen, als vielmehr nur in der weiten Entfernung, der grösseren Beschwerlichkeit der Verpackung, der Sorge einer wankenden Ruhe, und endlich der langen Entbehrung der Objecte in der Ausstellung, seinen Grund hat und daher keineswegs als die schwächste Seite unseres Leistungsvermögens angesehen werden kann.

Obschon wir aus diesem Umstande einigen Trost ableiten können, so dürfen wir uns dennoch bei den vielseitig aussergewöhnlichen Leistungen, welche uns England, Belgien und Frankreich in das Auge stellten, nicht verhehlen, wie viel uns bis zu dieser Parallele noch abgeht, und ein energisches Anstreben in Anschaffung besserer Hilfsmaschinen und eines rationelleren Verfahrens, als ein dringendes Gebot erscheint; denn alle von diesen Ländern ausgestellten Objecte tragen das Gepräge an sich, dass sie vom Standpuncte der Wissenschaft und richtigen Kunstgesetzen ausgegangen, durchaus keine Machwerke empirischen Schlendrians nur nach dem Gutdünken gewöhnlicher Arbeiter ausgeführt, sondern als Resultate vielseitiger Erfahrung und richtiger Berechnungen, so wie dem Einflusse tüchtiger Hilfsvorrichtungen zu betrachten sind.

Ausser ihrer vollendeten Ausarbeitung findet der Beobachter sehr viele Verbesserungen und Vereinfachungen sowohl in den Grundgedanken der Maschinen, als der Construction besonderer Articulaturen oder Einzelbestandtheile, wodurch das Leistungsvermögen der Maschinen erhöht, an Kosten ihrer Herstellung erspart, oder eine längere Dauer gesichert erscheinen.

Die Bezeichnung solcher Wesenheiten, aus denen wir besondere Vortheile ziehen können, ist also die Hauptaufgabe meiner vorliegenden Berichterstattung, in welcher bei Objecten, wo wörtliche Beschreibungen unzureichend sind, auf Zeichnungen gewiesen wird, welche die Hauptideen anschaulich machen.

Diese Gegenstände meines Berichtes: bestehen in den wesentlichen Erläuterungen:

A.

über

grosse Schiffs-Dampfmaschinen;

B.

rotirende Dampfmaschinen;

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C.

über

fahfahrbare transportable Dampfmaschinen;

D.

oscillirende Dampfmaschinen;

E.

Eisenbahn-Waggons mit Vermeidung der Achsentorsion;

F.

neue Eisenbahn-Construction ohne Holzschwellen;

G.

Dampfhämmer mit und ohne directer Dampfwirkung;

H.

Eisen- und Stahl-Spindel-Stampfwerk;

I.

Eisen- und Stahl-Drahtzüge;

K.

mechanische Hilfsmaschinen besonderer Art;

L.

Thonröhren-Pressmaschinen zur Drainage;

M.

verschiedene Pressen besonderer Construction;

N.

amerikanische Loch- und Durchschnitt-Pressen;

0.

Papier-Beschneidmaschinen für Buchbinder und Papierfabriken;

P.

Brief-Couvertmaschinen;

Q.

Flachs-Brech-, Reinigungs-, Vorbereitungs- und Spinnmaschinen;

R.

Galetseiden, oder Seidenabfall-Spinnerei;

S.

Wasserheb- und Waschmaschinen, Centrifugalpumpen etc.;

T.

Thon-, Knett- und Bau-Ziegelmaschinen;

U.

Transmission der Bewegung mittelst Drahtseilen;

V.

besondere Vortheile im Maschinenbau und Kesselarbeiten;

W.

künstliche Gliedmassen;

X.

Instrumente, Werkzeuge und ihre Wichtigkeit;

Z.

Schlussbemerkungen.

Unter den grossartigsten Maschinen der englischen Abtheilung befinden sieh mehrere Schiffs-Dampfmaschinen bis zu einer Grösse von 700 Pferdekraft. Die grösste ist aus der Fabrik der Herren James Watt & Comp. für ein Schraubenboot, mit besonderer Eleganz in ganz eigener Form ausgeführt und für ihr Leistungsvermögen von 700 Pferden ganz einfach construirt. – Die Parallelogramms, so wie die gewöhnliche Schlittenführung wurden dadurch beseitigt, dass die Kolbenstangen bei allen vier horizontal festliegenden Cylindern durch die beiden Bodendeckel gehen, welche mit Stopfbüchsen versehen, dem Kolbenspiele seine richtige Bewegung geben. Die Krummzapfenwelle liegt in der Horizontallinie der vier, zu beiden Seiten angebrachten gegen einander liegenden Cylinder dergestalt in der Mitte eingelagert, dass die Treibstangen der zwei entgegengesetzten Kolbern gemeinschaftlich auf den betreffenden Krummzapfen wirken, und bei der winkelrechten Stellung der Letztem die regelmässige Rotation der Welle hervorbringen, von wo aus mittelst Vorgelegen die Bewegung auf die archimedische Schraube übertragen wird.

Die zweite der grössten Schiffs-Dampfmaschinen ist aus der Fabrik des Hrn. J[ohn] Cokerill in Seraing von 140 Pferdekraft mit oscillirenden Cylindern für Expansion und Condensation eingerichtet. Sie ist nach bereits hekannter [!] Construction, mit im rechten Winkel gegen die Krummzapfen spielenden Kolbenstangen, nur mit dem constructiven Unterschiede ausgeführt, dass ihre Haupt-Gestellkörper, statt wie gewöhnlich aus schwerfälligen Gussstücken, hier ungeachtet ihrer schwierigen Form, dennoch aus Schmiedeeisen bewunderungswürdig schön geschmiedet sind, wodurch sich diese Maschine durch besondere Leichtigkeit auszeichnet, und die hohe Vollendungsstufe der grossartigen Hilfsmaschinen, wie das geniale Vorwärtsstreben der Consructeurs [!] dieses Etablissements beurkundet.

Den dritten Grössenrang nimmt eine Schrauben-Dampfmaschine aus der Fabrik der Herren [Henry] Stothert, [Edward] Slaugther & Comp. aus Bristol ein. Ihre von allen abweichende Construction unterscheidet sich vorzüglich dadurch, dass sie im Vorsatze eines Rädergetriebes zwei stehende Dampf-Cylinder, im Nachsatze hingegen zwei Luftpumpen hat,

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wovon die Ersteren unmittelbar auf die Krummzapfenwelle der Schraube selbst wirken, während die Letztern mit dem Krummzapfen des Nachsatzes dergestalt operiren, dass bei zwei Cylinderspielen jedesmal nur ein Spiel der Luftpumpen erfolgt. – Diese Maschine ist übrigens für eine Kraft von 100 Pferden, und die Maschinen-Gestelle ebenfalls aus Schmiedeeisen construirt, daher für ihre Leistungsfähigkeit äusserst compendiös, übrigens für Expansion und Condensation eingerichtet.

Die Gattungen, so wie die Zahl der kleineren Dampfmaschinen, welche theils zum Betriebe anderer Maschinen in Thätigkeit, theils als Schaumodelle aufgestellt waren; [!] belaufen sich weit über Hundert, und waren in ihrer Form und Art so sehr verschieden, dass die Beschreibung ihrer Einzelnheiten die Kräfte eines Berichterstatters weit übersteigen, und endlich eine der undankbarsten Arbeiten sein würde, indem dieselben theils schon aus älteren Werken über Dampfmaschinen, theils aus den neueren technischen Journalen bereits bekannt und durch Zeichnungen zur Anschauung gebracht worden sind.

Sehr auffallend für den Berichterstatter war die grosse Zahl der von England ausgestellten, früher von dem berühmten englischen Gelehrten Professor Russel [recte John Scott Russell; Anm. R.M.] so sehr verdammten rotirenden Dampfmaschinen, die sowohl als Schaumodelle, als auch zum wirklichen Betriebe von Webestühlen, Spinnmaschinen, Mühlen und Wassermaschinen im Expositionsraume in Thätigkeit zu sehen waren, und wie es der Augenschein zeigte, sehr entsprechende Nutzeffecte gaben, jedoch die Grösse von 10 Pferdekräften nicht überstiegen.

Fahrbare Dampfmaschinen für land- und forstwirthschaftfliche Zwecke, um damit in Waldungen Brettersägen in Thätigkeit zu setzen, die nach Bedürfniss durch Pferde von einem Puncte zum andern geführt, auch zum Betriebe von Dreschmaschinen, Mühlen und Wasserhebmaschinen etc. gebraucht werden können, befanden sich in der englischen Abtheilung bei den agronomischen Apparaten, in bedeutender Anzahl ausgestellt. Die Vorzüglichsten darunter waren nach dem Cataloge Nr. 46, 56, 84, 124, 142, 181, 182, 195, 200, 242 und 271. Sie sind fast alle für eine Kraft von 4 bis 10 Pferden, in der Form eines Locomotives construirt, nur mit dem wesentlichen Unterschiede, dass die Triebkraft statt auf die Wagenräder, nur auf ein Schwungrad mit einer grossen Riemscheibe wirkt, von wo aus die Kraft mittelst eines Riemens zum Betriebe anderer Maschinen abgeleitet werden kann.

Die meisten Dampfmaschinen sind für Hochdruck, viele für variable und auch fixe Expansion construirt, welch’ erstere sich auch bei allen ausgestellten Locomotiven (wovon jedoch keine einzige für den Semmering geeignet wäre), adoptirt findet, und die von der Theorie schon lange durch Rechnung nachgewiesenen Vortheile zur Erzielung grösserer Nutzeffecte, als vollkommen richtig erwiesen hat.

Dampfmaschinen mit oscillirenden Cylindern scheinen der Entbehrlichkeit des Parallelogrammes und der einfacheren compendiöseren Form wegen, immer häufiger in das practische Leben zu treten, was Viele wieder durch die Schwierigkeit der Dampfzuführung für compensirt ansehen wollen. Diese Schwierigkeit hat ein Aussteller Nr. 29 dadurch beseitigt, dass er den Dampf weder durch die Schwingungsachse, noch durch den wankenden Cylinderboden, sondern durch eine an den Cylinder angebrachte Seitenflansche, die sich an die Dampfkammer genau anschliessend bewegt, abwechselnd ein- und ausströmen lässt, und dadurch jene beanständete Schwierigkeit der Dampfleitung beseitigt.

Obschon es ausser meiner Absicht liegt, mich im vorliegenden Berichte auf das Eisenbahnwesen einzulassen, und diesen Gegenstand competenteren Männern überlasse; [!] so kann ich dennoch die Zweckmässigkeit nicht unberührt lassen, die ich bei einer neuen Einrichtung eines Eisenbahn-Waggons gefunden habe, und

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welche kurz darin besteht, dass nur ein Rad auf der Achse fest, das zweite hingegen auf derselben beweglich ist, wodurch die gewaltsame Torsion der Achse, die dadurch entstandene Veränderung der Textur des Eisens und die Ursache der Achsenbrüche vermieden, die Reibung der Räder am Radkranze beseitigt und die Bewegung selbst in kleinen Krümmungen zwanglos gemacht wird.

Noch mehr als diese Verbesserung, scheint mir aber der neueste Fortschritt im Eisenbahnwesen dadurch erreicht, dass die Nothwendigkeit der hölzernen Quer- und Langschwellen, und die damit verbundenen häufigen und kostspieligen Reparaturen gänzlich umgangen werden. Muster solcher Eisenbahnen sind in der englischen Abtheilung für Locomotiven und Waggons, von mehreren Ausstellern, und zwar Nr. 507, 602, 614 und 615 in natürlicher Grösse ausgeführt, worunter sich besonders die Construction Nr. 602, von Hrn. W[illiam] H[enry] Barlow, als die entsprechendste auszeichnet, und auch auf einer grossen Strecke von Birmingham nach Derby bereits mit dem entsprechendsten Erfolge ausgeführt ist und befahren wird.

Die grossen Vortheile der Entbehrlichkeit der hölzernen Schwellen und der damit verbundenen, fast immerwährenden Reparaturen, die Entbehrlichkeit der Chairs, Nägel, Schrauben, Keile etc. springen zu sehr in die Augen, um die Mehrkosten des neuen Systems in Betracht zu ziehen – indem sich mit der Beseitigung der Holzverschwendung und der holten Erhaltungskosten auch die Rentabilität steigern muss. – Um die Construction dieses neuen Eisenbahnsystems ohne Holzschwellen leichter im Gedächtnisse zu behalten, habe ich mir davon eine genaue Zeichnung entworfen und dieselbe zu Jedermanns Einsicht mitgebracht.

Von den in der neueren Zeit in Aufnahme gekommenen Dampfhämmern, war nur von Nassmith [recte James Nasmyth; Anm. R.M.] ein grosser Patsch- oder Zänghammer mit einem Schlagklotze von 40 Centnern Schwere ausgestellt, welcher bezüglich seiner Construction genau so ausgeführt ist, wie er uns durch Zeichnungen und Beschreibungen in mehreren Werken über Mechanik, und auch in technischen Journalen bereits bekannt gegeben, und in der Wesenheit mit den von mir schon seit mehreren Jahren ausgeführten Dampfhämmern übereinstimmt.

Zu ähnlichen Zwecken hat Frankreich, besonders zur Feinschmiederei, ein äusserst compendiös und zweckmässig construirtes Object ausgestellt, welches zwar nicht für unmittelbaren Dampf, sondern zur Benützung irgend einer Kraft eingerichtet ist, wobei in einem aufrechten Rahmgestelle ein Schlagklotz in der Art in’s Spiel gesetzt wird, dass mittelst einer angebrachten Welle zwei Hubdaumen durch ein Schwungrad unterstützt operiren und den Schlagklotz in eine schnell auf einander folgende Bewegung setzen, wodurch er bei allen feineren Schmiede-Arbeiten, wo schnell folgende Schläge erfordert werden, die erwünschtesten Resultate gewähren soll.

Um noch feinere Schmiede-Arbeiten, wie z.B. Spindeln aus Stahl oder Eisen zu Spinnmaschinen auf kaltem Wege vollkommen rund und mit Ansätzen auszustrecken, stand in der englischen Abtheilung in der Maschinengrupppe [!] Nr. 222, von William Ryder aus Lancashire, ein äusserst interessantes Gesenk-Stampfwerk mit fünf Stampfen aufgestellt. Diese Maschine ist nach der Anordnung der gewöhnlichen Pochstampfwerke construirt, nur mit dem Unterschiede, dass die Stossstämpel nicht, wie gewöhnlich, durch Hubdaumen gehoben, und durch den Fall und die Wirkung ihrer Eigenschwere den Stoss vollführen, sondern durch eine mit Excentriks versehene Welle dergestalt in Bewegung gesetzt werden, dass sie von diesen gleichmässig in eine beschränkte Schwingung von nahe 500 Stössen in der Minute gebracht, und bei einem Hube von höchstens 4 Linien, die zwischen die Gesenke gehaltenen Rundstäbe mit grosser Geschwindigkeit in die bestimmte Form ausstrecken und mit Ansätzen versehen. – Die

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Wirkung dieses Stampfwerkes ist zum Erstaunen schnell und zur Formation der Spindeln für Spinnmaschinen äusserst vortheilhaft, indem die Spindeln schon durch diese einzige Operation so schön und rein geformt erscheinen, als ob sie auf der Drehbank abgedreht worden wären. Diese Maschine wurde zur Ueberzeugung ihrer Leistung im Ausstellungsraume fast täglich in Thätigkeit gesetzt, und verdient die Aufmerksamkeit solcher Industriellen, die sich mit derlei Arbeiten beschäftigen, wesshalb ich sie auch gezeichnet mitgebracht habe, um davon Gebrauch zu machen.

Unter den Metallbearbeitungsmaschinen fand ich in der englischen Abtheilung Nro. 212 auch zwei sehr elegant ausgeführte Stahldrahtzüge für gröbere und feinere Drahtsorten, wovon der erstere unter jeder seiner auslösbaren Zugspule mit einem Excentrik versehen ist, mittelst welchem Anfangs ein Hebel mit einer Zugzange in Thätigkeit gesetzt wird, um damit die ersten Züge zu machen, und nachdem der Anfang auf die Spule gebracht wurde, die Operation mit der Spule zu vollführen, wodurch die Zeitverluste mit der gewöhnlichen Handarbeit wegfallen, und die Manipulation erleichtert wird.

Von [Joseph] Whitworth & Comp., so wie auch von Sharp Broders & Comp. [d.s. Thomas Sharp und Richard Roberts; Anm. R.M.] in Manchester, waren eine grosse Auswahl von Hilfsmaschinen für mechanische Werkstätte ausgestellt, worunter sich die Gruppen von Nro. 120 bis 201 besonders auszeichnen. Darunter befand sich eine 40 Fuss lange elegante eiserne Drehbank zum Drehen und Schneiden langer Leitspindeln, Schafte zu Transmissionen etc. – Nuthstoss-, Hobel- und verschiedene Bohr- und Fraissmaschinen von vorzüglicher Construction mit besonderer verianter Bewegungsgeschwindigkeit der Meisselführung ohne Wechselräder, wodurch das Schneidmesser, der Meissel oder Schneidstahl im Leergange schnell zurückgezogen, dagegen langsamer arbeitend und mit desto grösserer Kraft geführt wird. Der Witz dieser Ausführung liegt in einem, hinter der Treibscheibe verborgenen Excentrik, wodurch der Zapfen des Lenkbläuels im leeren Zurückgange durch die höhere Peripherie, im Arbeitsgange hingegen durch die kleinere Peripherie geleitet, und auf diese Weise ohne Anwendung complicirter Mechanismen, der Zweck einer entsprechenden Operationsgeschwindigkeit und Zeitersparung erzielt wird.

Unter dieser Gruppe befinden sich auch die vorzüglichsten Schraubenkluppen mit ganz besonders zweckmässiger Einrichtung der Schneidpacken, deren drei dergestalt gegeneinander gestellt sind, dass der Angriff auf die zu schneidende Schraube von drei Seiten wirksamer und viel genauer erfolgt, als es bisher bei den zweipackigen möglich gewesen ist, und daher unsere vollste Beachtung verdient.

Einen grossen Andrang von Zuschauern verursachten in diesem Raume die von W. Jurnes in Liverpool ausgestellten Stemm-, Schlitz- und Holzhobelmaschinen Nro. 401 für Tischler und Zimmermanns-Arbeiten. Die Wirkung dieser Maschinen setzte uns Alle in Erstaunen; sie wurden bis auf eine kleinere Stemm-Maschine, alle durch eine kleine Dampfmaschine in Betrieb gesetzt und jede von einem Menschen dirigirt. Ihre Leistungen sind so genau und sicher, dass dabei ein vollkommenes Zusammenpassen der Zapfen und Stemmlöcher nicht verfehlt werden kann. Die abzuhobelnden Holzstücke werden auf der Hobelmaschine an einen Schlitten befestigt, welcher, wie bei einer Bretersäge, durch die Maschine vorwärts getrieben und durch die Hobelmesser in einer Breite von 18 bis 20 Zollen abgehobelt werden.

In unserer Gegenwart wurden sechs Stück Fensterstock-Staffel auf den Schlitten gespannt und in einer Länge von 5 Fuss 6 Zoll in Zeit von zwei Minuten abgehobelt; die Hobelmesser sind leicht zugänglich und ohne Schwierigkeit stellbar, und auszuwechseln, so wie die Maschine mit leichter Mühe für alle Dimensionen einzurichten.

Die von demselben Aussteller inThätigkeit gesetzte Stemm-Maschine kleinerer Gattung, ist mit dem Fusse in Gang zu setzen, und dürfte für kleinere Werkstätte, wo es an

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mechanischer Triebkraft mangelt, von besonders grossem Nutzen sein, indem sie einen kleinen Raum einnimmt und alle zeitraubenden Umständlichkeiten entbehrlich macht, welche genau winkelrechte Arbeiten aus freier Hand erfordern, und die Geschwindigkeit der Operation mehr als um das Sechsfache übertrifft.

Obschon diese Maschinen von Speculanten als etwas ganz Neues angekauft und vielleicht sogar privilegirbar nach Oesterreich bezogen werden dürften, so glaube ich mich meinerseits dennoch überzeugt zu halten, dass diese Erfindung von unserem berühmten Tischlermeister Herrn Karl Leistler schon seit wenigstens 10 Jahren benützt wird, und ihren Leistungen mitunter den grossen Ruf verdankt, welchen er sich bisher erworben hat.

Zum Behufe der Entwässerung feuchter Grundstücke (der sogenannten Drainage) werden in England ungemein viele Thonröhren zur Trockenlegung angewendet, wesshalb zur Erzeugung derselben auch verschiedene Vorrichtungen erfunden und im Grossen zur Ausführung gebracht worden sind. Die meisten derselben sind in der Form horizontaler Windenpressen mit doppelten Presskästen und eben so doppelt angebrachten Pressformen versehen, wo der Thon in den ersteren wechselweise eingelegt, und durch die Mündung der einen Form ausgepresst wird, während der zweite Thonkasten wieder gefüllt, und so in wechselnder Füllung und Pressung, bald zur linken, bald zur rechten Seite das Product auf einer Leinwand ohne Ende zum Vorschein kömmt. Solche Röhren-Pressen, womit auch Hohl- und Mauerziegel erzeugt werden können, gab es besonders in der englischen Abtheilung in mannigfaltigen Constructionen ausgestellt, die ich jedoch der beständigen Unterbrechung der Manipulation wegen, und auch aus öconomischen Ursachen übergehe, und die Aufmerksamkeit auf eine einfachere Maschine dieser Art hinweise, die ihrer grösseren Zweckmässigkeit continueller Effecte wegen, vor allen Uebrigen den Vorzug verdient. Diese Maschine war in der englischen Gruppe Nro. 324 nach der Erfindung der Herren Randel und Saunder [recte Randell & Saunders; Anm. R.M.] in Bath construirt, und besteht in der Wesenheit aus einem horizontal liegenden Thonkasten, in welchem zwei gegen einander laufende archimedische Schrauben aus gegossenem Eisen, welche den zwischen sie continuel eingelegten Thon nicht nur sehr fein abknetten, sondern denselben auch an der entgegengesetzten Seite mit grosser Kraft durch die eingesetzte Form pressen, wo die geformten Thonröhren sich auf eine Leinwand ohne Ende auflegen, und von derselben aus der Maschine geleitet werden. Um diese Maschine auch bei uns nutzbringend zu machen, wurde dieselbe von unserer hohen Staatsverwaltung angekauft, und dürfte, da sie mit andern gemeinnützigen Gegenständen bereits angelangt ist, auch bald in Activität gesetzt werden.

Unter den vielen und mannigfaltigen Arten von Pressen, musste unstreitig die riesenmässige hydraulische Presse, welche zur Aufstelluug [!] der merkwürdigen Britannia Tubular Bridge gebraucht und von Herrn Warrington construirt wurde, die Aufmerksamkeit des Beschauers in Anspruch nehmen, da sie die grösste ist, welche bisher ausgeführt wurde. – Obschon mir durchaus keine Veranlassung vorschwebt, dass wir in Oesterreich jemals zur Erbauung eines ähnlichen Objectes kommen dürften, so habe ich dieselbe dennoch als ein besonderes Curiosum getreu abgezeichnet und mitgebracht, um jedem Freunde solcher Objecte Einsicht nehmen zu lassen.

Ausserdem befanden sich in dieser Abtheilung, Pressen für Typen, Kupferstiche und Lithographien, worunter sich die lithographischen Pressen der Herren D[avid] Greig und Lothian in Edinburg Nro. 114, durch besondere Zweckmässigkeit und Eleganz der Aussführung [!] auszeichneten; eben so haben die Aussteller der Gruppe Nro. 104, die Herren Sherwin & Comp. in Cumberland, derlei Pressen mit Beschwärzungs-Vorrichtungen ausgestellt und durch die Eleganz ihrer Ausstattung viele Aufmerksamkeit erregt. Noch vorzüglicher aber scheinen mir die schön gearbeiteten Selfinking

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Press (Selbstbeschwärzungspressen) Nro. 124 von den Herren Ulmer, Fetter und Lane aus London, welche unter dieser Gattung von Maschinen als die sinnreichste und eleganteste zu betrachten sein dürften.

Unter dem Artikel der Pressen, hat in der amerikanischen Abtheilung Herr D. Dick aus New-York Nro. 79 Pressen ausgestellt, welche wegen ihrer Einfachheit und grossen Kraftausübung ungemeine Aufmerksamkeit erregten; allein bei genauer Betrachtung nichts Neues, sondern nur das sogenannte Brigton’sche Knie in einer veränderten Form enthalten, welches Herr Dan. [recte Diedrich; Anm. R.M.] Uhlhorn bei seinen rühmlich bekannten Münz-, Präg- und Durchschnitt-Maschinen und Schneid- und Lochpressen schon seit 30 Jahren als Hauptpotenz angenommen, und auch seitdem von vielen andern Mechanikern ebenfalls zu Schneid-, Loch- und Stempelpressen etc. in Anwendung gebracht, und auch in öffentlichen Werken über Mechanik sowohl durch Zeichnung als Beschreibung bekannt gegeben worden ist.

Diese Pressen des Herrn Dick haben nun auch keinen andern Zweck, als zu Loch-, Stoss-, Schneid- und Präge-Effecten, überhaupt zu Wirkungen von geringerem Hube angewendet zu werden, welches also mit dem Brigton’schen Knie ganz auf einer Parallele steht. Da der Effect dieser letztgenannten Potenz allerdings ein sehr entsprechender ist, so erscheint es als kein Wunder, wenn solche Pressen nach Oesterreich übertragen, und diese hier selbst als privilegirbar angesehen werden wollten – wesshalb ich bei dem Mangel an Neuheit jedem Conflict dadurch entgegentrete, dass ich die Hauptidee dieser Pressen mit der Form des Brigton’schen Knies bildlich gegenüber stellte, um die Identität überzeugender in das Auge fallen zu lassen.

So wie die erwähnten Pressen in der amerikanischen Abtheilung die Aufmerksamkeit Vieler auf sich gezogen, so drängten sich die Neugierigen in der englischen Abtheilung zu der schönen und sinnreich ausgeführten Papierbeschneidmaschine Nro. 112, welche Herr G. Willson aus Leicester ausgestellt und fast ununterbrochen in Thätigkeit gesetzt hatte. Diese Maschine hat den Zweck, in grossen Buchbindereien und Papierfabriken das in Folio, Quart oder Octav gelegte Schreibpapier in grösseren Massen vollkommen winkelrecht zu beschneiden, und vollführt diese Operation durch die Hand eines Arbeiters auf eine so einfache, leichte und entsprechende Weise, dass besonders Männer vom Fache, durch die Zweckmässigkeit angezogen, mit dem Wunsche ihres Besitzes die Ausstellung verlassen haben dürften, da Herr Willson für eine solche Maschine jedoch den hohen Preis von 120 Guineen begehrt, so dürfte es Viele von dem Ankaufe abschrecken und den Wunsch hervorrufen, mit der Zeit billiger zu dem Besitze einer solchen Maschine gelangen zu können – wesshalb ich mir diese Maschine copirt und die Zeichnung mitgebracht habe.

Unter den Maschinen für Papier-Arbeiten, befanden sich in der englischen Abtheilung auch zwei verschiedene äusserst künstlich gearbeitete Brief-Couvertmaschinen, welche, so oft sie in Thätigkeit gesetzt wurden, von einem Schwarm Schaulustiger umringt waren, und durch ihren äusserst interessanten Leistungseffect Alles in Verwunderung setzten – für uns jedoch ihrer Kostspieligkeit von 160 Guineen wegen und wegen Mangel an Absatz so grosser Quantitäten, kaum rentiren dürfte. – Die Vorzüglichere scheint mir die von Herrn Watterlow & Sohn. Die Haupt-Idee, welche dieser Maschine zum Grunde liegt, besteht darin, die Papierblätter, welche vorher auf einer andern Maschine vorgeschnitten wurden, in einer Uebereinanderlage von 500 Blättern zwischen vier Anlagsstiften einzulegen, welche dann von der Maschine Stück für Stück mittelst eines Transporteurs, der immer das oberste Blatt durch Ansaugung der Luft erfasst, in einen sogenannten Falzrahmen überträgt, dort mittelst der Ausblasung der früher angesogenen Luft fallen lässt, wornach das Blatt von dem Falzrahmen abermals an sich gezogen und festgehalten, der Wirkung eines senkrechten Drückers über-

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lassen wird, wodurch das Blatt in den Falzrahmen gefaltet und niedergebogen, endlich durch eine Wendung des durchlöcherten Saugbodens und abermaliges Ausblasen der Luft, in den Ausmündungscanal geleitet wird, von wo aus die fertigen Brief-Couverte dann aus der Maschine genommen werden.

Der Hauptwitz, welcher in dieser Maschine als besondere Originalität vorwaltet, besteht in der sinnreichen Anwendung eines Blasebalges, welcher mit den verschiedenen Bestandtheilen der Maschine dergestalt in Verbindung steht, dass das Blatt Papier in den verschiedenen Stellungen der Operation, unverrückbar gezwungen wird, den Einwirkungen der Mechanismen zu folgen und mit der grössten Genauigkeit die berechnete Form anzunehmen. – Diese Maschine ist indessen nur für einerlei Form der gewöhnlichen Briefe von 5¼ Zoll Breite und 3 Zoll Höhe anwendbar, indem für andere Formate auch ganz andere Mechanismen hergestellt werden müssten. Das Leistungsvermögen einer solchen Maschine ist ausserordentlich, da dieselbe – wie man mich versicherte – durch die Hilfe zweier Knaben in zwölf Stunden über 30,000 Brief-Couverte macht, welche quantitative Leistung allerdings für London und seine überseeischen Absatzplätze angemessen, doch für Oesterreich, wo überdiess die Geschäfts- und Postbriefe des Gewichtes wegen, nur mit dem Umschlage geschlossen werden, schwerlich für die Anlagskosten Rechnung tragen dürfte, mithin unter die Rubrik solcher Objecte zu rechnen ist, die sich speciell nur für die Bedürfnisse einer so grossen Welt-Handelsstadt, wie London, eignen.

Flachs-Brech-, Schwing- und Bürst-, Separations- und Hechel-, dann Flachs-Vorspinn- und Feinspinn-Maschinen waren mir in der Ausstellung um so interessantere Objecte, als ich in diesem wichtigen Gegenstande unserer vaterländischen Industrie, in der redlichsten Absicht, dem Staate nützlich zu werden, leider in einer Zeit der ungünstigsten Vorurtheile, unter unglaublichen Hindernissen und bittersten Verfolgungen sechszehn Jahre meines kräftigsten Lebens geopfert, – welcher Gegenstand nun in England gegen uns eine eben so überwiegende Ausdehnung, wie die Baumwollen-Spinn- und Webereien gewonnen hat, dass dieses industrielle Land – wie ich es bereits vor 30 Jahren vorausgesagt – nicht nur unseren, einst so blühenden Leinen-Activhandel an sich gerissen, und unsere Concurrenz an allen Aussenplätzen unmöglich, sondern sogar die Existenz unserer inländischen Zwirnfabriken von der Einfuhr ihrer feinen Flachsgarne abhängig gemacht hat.

Nachdem ich diesen wichtigen Industriezweig, als Erfinder der ersten Flachsspinn-, Schwing- und Hechelmaschine in Oesterreich, so grosse Opfer gebracht, dabei eine so bedeutende Schule durchgemacht und die Gebrechen unserer landesüblichen Behandlung des Flachses so lange kennen gelernt, so konnten auch die diessartigen Fortschritte Englands meiner Aufmerksamkeit um so weniger entgehen, als darin meine Voraussicht so vielseitig ihre Bekräftigung gefunden hat.

Die vorragenden Leistungen Englands liegen indessen nicht so sehr in den besonderen Fortschritten des Maschinenbaues, als vielmehr in der ersten Vorbereitung des Materiales denn die ausgestellten Maschinen sind von den ersten Grundprinzipien keineswegs so wesentlich verschieden, als es das Verfahren bei der Materialbehandlung ist, dessen Vortrefflichkeit in der Feinheit und Stärke der Fasern liegt. – Die ausgestellten Flachsgattungen, bestehend in gerösteten Leinstengeln, gebrochenem, geschwungenem, gebürstetem und gehecheltem Flachse, lassen schon bei dem ersten Anblick einen vollkommen gleichartigen, von der Wissenschaft dictirten Röstungsprocess erkennen, wobei alle nachtheiligen Einflüsse der Witterung, Jahreszeit und Zufälligkeiten umgangen, und ein zu jeder Jahreszeit gleiches Verfahren stattfindet, wodurch nur die Stengeltheile mürb und spröde, die Flachsfasern hingegen fest seidenartig, vom Stengel leicht löslich und selbst mit der Bürste schon theilbar sind – welches bei unserer

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zufälligen Röstung, leider nur sehr selten der Fall ist, bei der meistens die Faser grob, steif, spröd und mürbe, – der Stengel hingegen sehr oft zähe, noch au die Fasern gebunden bleibt, mit einem Worte, durch die Unwissenheit der Erbauer, wie durch die Zufälle der Jahreszeit und Witterungs-Verhältnisse bei der üblichen Röstungsmethode der Flachs meistens verdorben zu Markte gebracht wird.

Indem über den Bau, die Pflege und die neue Warmwasser-Röstungsmethode des Flachses, von sehr ausgezeichneten Männern Oesterreichs ohnehin ein umfassender Bericht zu erwarten steht, so gehe ich, ohne mich in diesem Puncte auf ein Detail einzulassen, zur Darstellung der Maschinen über, womit die gerösteten Flachsstengel gebrochen, der gewonnene Flachs geschwungen, gebürstet, separirt, gehechelt, zur Maschinenspinnerei vorbereitet, endlich auf den Flachsspinnmaschinen bis zu einer Feinheit von Nr. 300 versponnen wird.

In dieser Reihenfolge steht zuerst eine Brechmaschine nach der Erfindung des Herrn Blummer aus New-Castle ausgestellt, welche zwar nach dem, schon seit mehr als 30 Jahre alten Riffelwalzen-Prinzip, jedoch mit dem Unterschiede construirt ist, dass die über eine geneigte Fläche zwischen die, mit ¾zölligen Riffeln versehenen Walzen eingeführten Flachsstengel zuerst gebrochen, sich sodann ungehindert um die Hälfte der Mittelwalze frei bewegen, dann von der Unterwalze neuerdings ergriffen, der Auszugswalze zugeführt, von dieser abermals gebrochen, und nachdem die Flachsstengel bei diesem Durchgange die Operation des Brechens dreimal erlitten haben, von der Hand des Arbeiters noch zweimal diesem Wege wiederholt eingeführt, welches in einer Zeit von höchstens 5 bis 6 Secunden geschehen ist, wornach das gebrochene Flachsbündel zur weitern Bearbeitung auf ein Tragbret gelegt zur Flachsbürst- und Schwingmaschine gebracht wird. Der alte Vorwurf, dass die Stengel auf dieser Brechmaschine zwar wohl gut gebrochen, aber ein grosser Theil der Stengelsplittern von den Fasern noch unausgeschieden bleibt, trifft zwar auch diese Maschine; allein da Herr Blummer mit dieser Maschine auch seine Schwing- und Bürst-Maschine in die Reihenfolge bringt, so erscheint die mangelhafte Entfernung der Stengelsplittern von keiner Bedeutung, da die Flachsfasern auf dieser zweiten Maschine von denselben nicht nur fast augenblicklich gereinigt, sondern auch auf die schonendste Weise zertheilt und parallel gelegt wird.

Die Schwing- und Bürstmaschine, welche in der Ausstellung ebenfalls in Thätigkeit zu sehen war, besteht in der Wesenheit aus zwei Schwungscheiben von 8 Fuss Durchmesser, welche auf einer horizontal im Gestelle eingelagerten Welle befestigt sind, und mittelst Riemscheiben ungefähr 180 Mal in der Minute umgetrieben werden.

Zu beiden Seitenflächen dieser Schwungscheiben sind ungefähr 12–16 Schwinghölzer und inzwischen eben so viele Bürsten angeschraubt, welche den Zweck haben, die eingehaltenen Flachsbündel sowohl durch die raschen Schläge der Schwinghölzer, als durch die sanfte Wirkung der Bürsten von den anhängenden Stengelsplittern zu reinigen und die Fasern zu zertheilen. Um sowohl das Einhalten des Flachses zu erleichtern, als den Luftzug der Schwing- und Bürstscheiben unschädlich zu machen, sind diese durch dünne Holzwände eingeschlossen, so dass nur die Einschnitte für das Einhalten offen und inzwischen nur ein Spielraum von höchstens ½ Zoll bleibt, innerhalb welchem die Operation des Schwingens und Bürstens erfolgt.

Der auf dieser Maschine bearbeitete Flachs erscheint von seinen Holztheilen vollkommen gereinigt, die Fasern getheilt und parallel gelegt, jedoch nicht klar genug, um der Spinnerei übergeben zu werden, indem die Verzweigung der Fasern erst durch die Hechel getrennt und in Haarform gebracht werden kann.

Diese Maschine hatte meine Aufmerksamkeit im hohen Grade auf sich gezogen, indem der vorher bloss zerquetschte Flachsstengel schon durch diese einfachen Operationsmittel, nämlich das Schwingholz und die Bürste seine erste Reinigung und Verfeinerung

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auf eine so überraschend und schonende Weise für die Faser erhält, dass sie parallel neben einander geordnet, mit sehr unbedeutendem Wergabgang gehechelt werden kann, welches Resultat jedoch nur bei einem Materiale möglich wird, welches nach der neuen Röstmethode behandelt werden ist.

In der Ordnungsfolge der Vorbereitungsmaschinen kömmt nun eine Maschine in die Reihe, welche in ihrer Art eben so originell, als ihre Bestimmung ein neuer Fortschritt zur höchsten Ausbildung der Maschinenspinnerei genannt werden muss; denn sie allein bietet den grossen Spinnereien das Mittel, die Verschiedenheit der Fasern zu separiren, die Abscheidung der feinem Fasern von den gröbern zu bewirken, und aus den Ersteren die Erzeugung der höheren Garn-Nummern zu ermöglichen.

Sorgfältige Prüfungen hatten Herrn Blummer die Ueberzeugung gegeben, dass die Faser der Flachspflanze nicht, in der ganzen Länge des Stengels von gleicher Zartheit und Gleiche, sondern vom Gipfel bis über die Hälfte des Stammes am feinsten und gleichsten, von da an aber bis zur Wurzel bedeutend ungleicher, gröber, spröder und ungeschmeidiger sei, und daher nur die obere Hälfte oder die Fasern des Gipfels zu ganz feinen, die untere Hälfte oder der Wurzelflachs hingegen nur zu mittelfeinen und gröberen Gespinnsten tauglich ist, mithin bei der Verspinnung der unseparirten Fasern stets nur Mittelgarne erzeugt werden können.

Durch diese Ueberzeugung geleitet, hatte Herr Blummer nun eine Maschine erfunden, wodurch der geschwungene und gebürstete Flachs ungefähr in der Hälfte seiner Länge dergestalt auseinander gesprengt wird, dass die Fasern von der Wurzel bis zur Mitte, und jene von der Mitte bis zum Gipfel geschieden werden, und bei dem Abrisse in der Mitte wie feine Haarpinsel auslaufen, mithin auch in der Spinn-Manipulation die vollkommenste Gleichheit der Garne erzielen lassen, welches eine Unmöglichkeit sein würde, wenn man die Trennungs-Operation durch einen Schnitt erreichen wollte.

Um die Beschreibung dieser Maschine zu erleichtern und ihre Construction begreiflicher zu machen, habe ich alle, auf die Flachsbearbeitung Bezug habenden Maschinen gezeichnet, und bin auf jedesmaliges Verlangen bereit, darüber nähere Aufklärung zu geben.

Die auf die beschriebene Weise geschiedenen Flachsfasern werden im Fabriksbetriebe, jede Sorte für sich, auf die Hechelmaschine gebracht, hier in Spannkloben aus Gutta-Percha eingelegt und in die Bahne der Hechelmaschine geschoben, von welcher dieselben vom Maschinengetriebe nach und nach durchgeschoben und die abwärts hängenden Fasern, durch die zu beiden Seiten einwirkenden Hecheln von zunehmender Feinheit ausgehechelt, und das sich vorhältnissmässig unbedeutend ergebende Werg durch eine Stabhorde ohne Ende aus der Maschine geleitet wird.

Die Hechelmaschine ist so construirt, wie sie in den meisten Werken über Flachsspinnerei abgebildet zu finden ist, und auch in unseren Spinnereien bereits existiren dürfte. Sie unterscheidet sich nur in der geringen Abänderung, dass die Hecheln in haspelförmigen Cylindern angebracht, und das Werg durch bewegliche Ausschubbürsten aus den Hechelzähnen geschoben und der Abstreifung einer Spiralbürste zugeführt wird, wodurch die wenigen Wergfasern in vollkommener Reinheit und ohne Schlingknoten abgeschieden werden. – Von höchster Wichtigkeit erscheint hiebei die Thatsache, dass der auf die oben erwähnte Weise in der Mitte gesprengte Flachs sich mit weit geringerem Abgange an Werg reinigen lässt, in der Spinn-Manipulation selbst weit weniger Knoten darbietet, als bei dem Flachse von ganzer Länge der Fall – daher also auch aus einem auf diese Art gekürzten Materiale, unter übrigens gleicher Qualität, viel gleichförmigere, reinere und feinere Gespinnste erzeugt werden können.

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Der auf der Hechelmaschine gereinigte Flachs wird in den Spinnereien in gleichgetheilten Bündeln auf die Band- und Duplirmaschinen gebracht, welche nach bereits bekannter Art, mit dem Schraubensystem construirt sind, folglich nicht mehr neu, wohl aber durch die Anwendung von wenigstens dreimal grösseren Auszugs-Druckwalzen, ihrem äusseren Ansehen nach, von den früheren Maschinen ganz verschieden erscheinen.

Die in der Exposition ausgestellten und auch im Gange gewesenen Vorspinnmaschinen unterscheiden sich von den früheren dadurch, dass die für gröbere Garne bestimmten Vorgespinnste ganz unbefeuchtet, doch etwas gedreht, die feineren Vorgespinnste aus Gipfelflachs hingegen befeuchtet, und darauf über einer mit Dampf geheizten Trockenwalze getrocknet, ungedreht auf Spulen gewickelt zum Vorgespinnste gebildet wird.

Die Fasern des feineren Vorgespinnstes werden durch die Befeuchtung ganz leicht aneinander geklebt, in diesem Zustande durch die erhitzte Trockenwalze geglättet und wieder vom Wasser befreit, in Form eines 1½ Linien breiten Fasercontinuums ohne alle Drehung von der Vorspinnspule aufgenommen.

Durch dieses Verfahren, das Vorgespinnst nach der Zusammenklebung der Fasern sogleich wieder zu trocknen, wird das grosse Gebrechen umgangen, welches früher dem nassen Vorgepinnste auf den Spulen durch die eingetretene Gährung widerfahren ist, wo nicht selten ein grosser Theil des Vorgespinnstes verdorben wurde, wenn im Sommer über Feiertage ein grösserer Vorrath stehen blieb.

So wie die Vorspinnmaschinen, sind auch die Feinspinnmaschinen für feinere und gröbere Garne etwas verschieden, indem auf der für gröbere Garne construirten Maschine das trockene, etwas gedrehte Vorgespinnst gleich von der Vorspinnspule unmittelbar durch einen, mit Wasser gefüllten Nässkasten geleitet, von der Einzugswalze ergriffen, und von der sechs bis achtmal schneller laufenden Ausstreckwalze um so vieles ausgezogen, der gewöhnlichen Watterspule zur Aufnahme zugeführt und ein Gespinnst von Nr. 40 bis 80 erzeugt wird. – Die feinfaserigen ungedrehten Vorgespinnste wurden auf eine ähnliche Feinspinnmaschine gebracht, welche jedoch nebst einem Wasserkasten auch mit einer darin umlaufenden glatten Schleppwalze versehen ist, um welche das zarte Faserband des Vorgespinnstes geschlungen und durchfeuchtet, den Streckwalzen zugeführt wird, wobei eine Ausstreckung um die acht- bis zehnfache Länge stattfindet, und die feingezogenen Fasern der Wirkung von Spulen zugeführt werden, welche um die Hälfte kleiner und feiner construirt sind, als es bei der gröberen Spinnmaschine der Fall ist, so dass auf der in der Ausstellung im Gange gewesenen Feinspinnmaschine dieser Art, Garne von 90 bis 100 gesponnen werden konnten; allein der Umstand, dass ungeachtet nur einige Spulen in Thätigkeit waren, dennoch das Abreissen der Fäden auffallend oft vorgekommen; ungeachtet kein höheres Feinheits-Nummer erzeugt wurde, während auf den Galerien unter der Gruppe Nr. 45, Flachsgespinnste von Nr. 140 bis Nr. 200 in ganzen Päcken ausgestellt waren, musste endlich der Vermuthung Raum geben, dass uns die Herren Engländer die vollkommeneren Mittel zur Erreichung solcher Resultate absichtlich vorenthalten, und uns nur Maschinen in das Auge stellten, aus denen wir nichts lernen, nur durch die Eleganz ihrer meisterhaften Aussenseite angelockt, zu unserem Gebrauche von ihnen das Schlechtere kaufen sollen.

Was übrigens den Artikel der feinen Maschinen-Flachsgespinnste anlangt, so hat Frankreich unter der Ausstellungsgruppe Nr. 137, und zwar die Herren Dautremor & Comp. aus Lille, in der Feinheit der Gespinnste die englischen Aussteller noch übertroffen, indem sie Garne von der Feinheit von 200 bis 300 ausgestellt und dadurch den

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Beweis geliefert haben, dass sie in diesem wichtigen Zweige der Industrie den Herren Engländern nicht nur gleich, sondern in der That wirklich vorgekommen sind.

Der grelle Widerspruch in den Erscheinungen bei den ausgestellten Flachsspinnmaschinen mit hölzernen Druckwalzen, womit an einigen Spulen nur mit Mühe 70 bis 100 gesponnen werden konnte, indem die Fasern an der rauhen Walzenfläche immer hängen blieben und durchaus keine grössere Feinheit erreichen liessen, und andererseits die unwiderlegbare Thatsache vor Augen, dass Garne bis zur Feinheit von Nr. 200 bis 300 im Grossen erzeugt werden, musste endlich meine Vemuthung zur Ueberzeugung steigern, dass Englands Politik uns das wahre Mittel verheimlicht, wodurch so günstige Resultate erreicht werden.

Der sicherste Weg, mir von diesem Räthsel eine Lösung zu verschaffen, war der Gedanke, eine Reise nach Leeds, Belfast und Manchester, und die Besichtigung der dortigen grossen Flachsspinnereien, zu welchem Behufe ich mir bereits Empfehlungsbriefe verschafft, zu denen auch Herr Krauss von hier, an Herrn Marshal in Manchester einen beilegte; allein es war in diesem Puncte eben so erfolglos, als alle Empfehlungen, mit welchen Herr Druot aus Frankreich seine Neugierde unbefriedigt gefunden hatte; denn er bekam dort Alles zu sehen, nur das nicht, was man zu sehen wünschte.

Ich fasste daher einen andern Ausforschungsplan, nämlich auf den Galerien alle Expositionen von Fabriks-Utensilien und Maschinen-Bestandtheilen durchzumustern, wobei ich bei der grossen Ausdehnung über fünf Tage zugebracht, endlich aber so glücklich war, auf einer Galerie des nordwestlichen Endes des Krystallpalastes, die zahlreichen Fabrikate der priv. Gutta-Percha-Compagnie zu finden, und unter den vielen seltenen Artikeln auch Druckwalzen für Flachsspinnmaschinen zu entdecken.

Es war zwar nur ein einziges Exemplar, allein genug, mir das Räthsel zu lösen, welches ich unverzüglich unserem dort anwesenden Wiener Gutta-Percha-Fahrikanten, Herrn Dinzl, mittheilte und aus der Fabriks-Niederlage dieser Compagnie Nr. 18 Wharf Road in der City den Ankauf einer Musterwalze veranlasste, welches aber weder mir noch Herrn Dinzl, sondern nur der Bemühung unseres hochverehrten Vereinsmitgliedes, Herrn Rummler, gelungen ist, da die Gutta-Percha-Compagnie die Verpflichtung auf sich genommen hatte, ausser den englischen Flachsspinnfabriken sonst an Niemanden solche Walzen auszufolgen.

Im Besitze dieses Musters, sind wir nun in der Lage, uns diesen so geringfügig scheinenden und dennoch so wichtigen Bestandtheil zu feinen Flachsgespinnsten selbst machen und unsere Flachsspinnfabriken damit versehen zu können.

Bei der beklagenswerthen Thatsache, dass sich erst jetzt die allgemeine Ueberzeugung festgestellt hat, dass – wie ich es bereits vor 30 Jahren vorausgesagt – uns England diesen wichtigen Industriezweig, der dem österreichischen Kaiserstaate in früheren Zeiten viele Millionen eingebracht, jetzt überall die Concurrenz abgerungen hat, – bei der Einsicht, dass durch die Verfolgung meiner guten Sache das Schicksal unserer Handspinner durchaus nichts gewonnen hat, wohl aber umgekehrt die Existenz vieler Tausend Menschen, die sich mit der Leinweberei, der Bleiche und Zwirnfabrication beschäftigen, sogar von der Einfuhr fremder Maschinengarne abhängig gemacht worden sind – finde ich mir die betrübende Genugthuung, dass ich nicht unrecht calculirt hätte, und im Leben nicht immer die überwiegende Mehrheit der Stimmen, sondern oft ein Einzelner im Ueberblicke gewisser Folgenberechnungen, von Sonderinteressen ungeblendet, das allgemeine Beste richtiger beurtheilt.

Nachdem ich bei der eingetretenen Bekehrung der Ansichten keine Verfolgungen mehr zu fürchten hohe, so bin ich selbst nach einer Pause von mehr als einem Viertel-

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jahrhundert noch bereit, dieser guten Sache sowohl meine Erfahrungen, als die jüngsten Wahrnehmungen in England und Frankreich dem Besten unserer vaterländischen Industrie zu widmen, und in dieser Richtung jedem Industriellen mit Rath und That an die Hand zu gellen.

Nachdem von dem nied. österr. Gewerb-Vereine auf die Einführung der Galet-Seidenspinnerei eine Prämie gesetzt, und diese mit der Flachsspinnerei viele Aehnlichkeit hat, mich auch um so mehr interessirte, als ich eine solche ebenfalls vor 16 Jahren mit dem besten Erfolge zur Aussführung gebracht, welche aber nach dem Tode des Unternehmers aufgehoben worden ist. – In dieser Art Maschinen ausfindig zu machen, waren jedoch alle meine Bemühungen vergeblich, und keine Spur zu entdecken. – Nach langem Suchen aber gelang es mir, in der englischen Abtheilung von Galetgespinnsten und Seidenabfällen eine Gruppe unter Glas zu finden, worunter sich auch die Producte der Vorbereitung, nämlich gehechelte Seidenbärte, ausgestreckte Bänder, Vorgespinnste und Feingespinnste in der fortschreitenden Aufeinanderfolge des Manipulationsprocesses befanden, wobei die Feingespinnste die Feinheit bis Nro. 140 erreichten.

Aus diesen Manipulationsproducten konnte mir der systematische Vorgang der Operationen, so wie auch die Mittel hiezu, kein Geheimniss mehr bleiben, da sie mir die Ueberzeugung gewährten, dass alle Operationen nach dem Principe der trockenen Flachsspinnerei vollführt wurden, welches zuerst in der Entwirrung der Seidenabfälle, nämlich Sbusa, Buggati, Strusi etc. besteht, 2) in der Bartbildung und Aushechlung derselben, 3) der Umformung der Bärte in Bänder, 4) in der Dupplirung derselben und Bildung der Vorgespinnste, endlich 5) in der Verspinnung zu Feingespinnsten. – Der Unterschied des letzten Manipulationsmittels zeichnete sich jedoch darin aus, dass ich die Feingespinnste auf den sogenannten Watter framés oder Flügelspulen gesponnen hatte, während die Engländer dieselben, wie es die Spindelabzüge ihrer Feingespunst zeigten, auf Mulle-Maschinen erzeugen.

Waschmaschinen für Fabriken, womit gleichförmig verunreinigte oder gefärbte Stoffe gereinigt werden können, gibt es eine sehr grosse Auswahl, die jedoch zum Waschen gewöhnlicher Hauswäsche, die mit Fett und Schmutz nur an gewissen Stellen und nicht an allen Theilen, eine wirksame Operation durch Reiben oder Walken nöthig macht, durchaus nicht geeignet erscheinen, da eine solche Operation nur mit rationeller Handarbeit zur Schonung der nicht beschmutzten Theile geschehen kann, welches wohl von keiner Maschine, sie mag nun construirt sein wie sie immer will, jemals erreicht werden wird.

Diese Maschinen zerfallen in die sogenannten Centrifugal-Maschinen oder Hydro-Extracteurs und horizontale, so wie auch verticalgehende Waschtrommeln, mit und ohne Roll- oder Stampfbläuel, die sich besonders für Färbereien, Bleichanstalten, Wollwäschereien etc. eignen.

Unter den Centrifugal-Maschinen befanden sieh mehrere für Zuckerfabriken zur schnelleren Ausscheidung der Melasse vom Zucker, so wie selbst zur schnelleren Entfeuchtung der Zuckerbrote, wovon in der belgischen Abtheilung Nro. 124 ein ausgezeichnet elegantes Object für 48 Zuckerbrote construirt zu sehen war, die ich gleichfalls copirt in meinem Besitze habe.

Unter den verschiedenartigen Wassermaschinen und Pumpwerken erregte die Centrifugalpumpe des Herrn Bessemer Nro. 421 ungewöhnliches Aufsehen, und besteht in der Wesenheit in nichts Anderem, als in der Anwendung der Idee des Ventilateurs auf das Wasser, nur mit dem Unterschiede, dass die Flügel gegen die äussere Peripherie wie bei den Turbinen in auswärts gebogenen Curven auslaufen und sich in einem ähnlichen Gehäuse bewegen, wie ich in der letzten hiesigen Industrie-Ausstellung ein ähnliches Object zu dem entgegengesetzten Zwecke als Turbine ausgestellt, es ist

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genau dieselbe Construction, nur in umgekehrter Anwendung, wie ich eine solche Wasserhubmaschine gleichfalls schon im Jahre 1831, mithin bereits vor 20 Jahren für Seine Excellenz den Herrn Grafen von Klebelsberg ausgeführt habe, jedoch in unserem bescheidenen Oesterreich damit niemals eine so grosse Aufmerksamkeit zu erregen im Stande war, als es den Herren Engländern in London gelungen ist.

Diese Maschine mit einem Kreiselrade von höchstens 18 Zoll Durchmesser und 6 Zoll Breite, ist dei [!] einer Umdrehungs-Geschwindigkeit von 600 Rotationen in der Minute im Stande, eine Wassermasse von 20 Tonnen auf eine Höhe von 18 Fuss zu heben, und von dieser Höhe einen Wasserstrom von 6 Zoll Tiefe und 6 Fuss Breite zu ergiessen, welcher ausserordentliche Effect, so oft er durch eine Dampfmaschine von 10 Pferdekraft producirt wurde, von einer grossen Menschenmenge angestaunt worden ist.

Um grosse Massen Wassers auf geringe Höhen zu heben – und aus tiefer liegenden Bächen Wasserleitungen zu speisen, aus Moorfeldern oder Ziegelgruben das Wasser in grösseren Massen abzuleiten, ist diese Maschine besonders dadurch gegen viele andere im Vorzuge, als sie mit der geringsten Reibung verbunden, selbst das schmutzigste, mit Schlamm und Sand vermengte Wasser ohne Anstand zu heben im Stande ist.

Um von diesem schon lange da gewesenen und bei uns nur missachteten Curiosum, eine Anschauung zu geben, habe ich diese Maschine neuerdings gezeichnet, indem mir alle meine Original-Zeichnungen, überhaupt mein ganzer Reichthum von über 4000 Blättern, im Jahre 1848 in Flammen aufgegangen sind.

Obschon in der Ausstellung eine grosse Zahl von Maschinen zur Mauer-, Gewölb-, Dach- und Pflaster-Ziegelfabrikation zu sehen, und theilweise sogar im Gange waren, so konnte ich mich dennoch des Zweifels nicht entheben, ob diese Maschinen sich auch im fabrikmässigen Betriebe als vollkommen brauchbar und rentabel bewähren dürften, wesshalb ich mit Vergnügen die Gelegenheit benützte, mit unserem rühmlichst bekannten Ziegel-Gewerken Herrn Miesbach die in London so berühmte Ziegelei des Herrn Ciubitt zu besichtigen.

In dieser grossartigen Bauanstalt, wo nicht nur die Fabrikation der Thonziegel in verschiedenen Sorten, sondern auch alle Platten und Gewände aus Stein mit Maschinen geschnitten, eben so alle Holzarbeiten für den Häuserbau vereinigt betrieben werden, geschehen fast alle Hauptoperationen, wo stabile Kräfte wirken können, mit Dampfkraft. Eine grosse Watt’sche Dampfmaschine, von beiläufig 80 Pferdekraft, setzt mittelst einer ganz originellen Transmission der Bewegung durch Drahtseile, die in den verschiedenen und von einander entlegenen Gebäuden dieses Etablissements aufgestellten Breter-, Pfosten- und Staffelsägen, die Sägemühlen für gewöhnliche Stein- und Marmorplatten, so wie die Maschinen zum Knoten und Formen der Hohlziegel und Thonröhren, und der Baustein-Pressen in Thätigheit.

Alle Ziegel- und Röhrengattungen dieser grossartigen Ziegelei werden – wie wir uns mit eigenen Augen überzeugten – mittelst Maschinen fabricirt, bis auf eine einzige Gattung von sechseckigen Pliasterplatten, welche auf Handmodeln geformt wurden.

Das Materiale, welches aus einem Gemenge von fettem Thon, Sand und Steinkohlengries bestand, und auf Haufen gemacht wurde, kam von da mittelst Schubkarren auf die Knetmaschine, welche mit der Ziegelpresse in Verbindung stand.

Die Bewegung dieser Maschinen wird, wie bereits gesagt, mittelst über (auf Säulen ruhenden) Leitrollen laufende Drahtseile im Freien und in allen Richtungen vollführt, wo die Maschinen mittelst Muffen und Stellhebel willkürlich in- oder ausser Thätigkeit gesetzt werden können.

Eine solche Ziegelmaschine machte unter unseren Augen in jeder Minute 60 Ziegel, welches per Stunde = 3600 und in 12 Arbeitsstunden = 43,200 Stück ausmachen würde; allein da es gerade ein Montag, und der betreffende Accord-Arbeiter blau ge-

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macht, so war statt diesem ein ungeübter Bursche bei der Maschine, und bei seiner minderen Fertigkeit nicht im Stande, die sonst gewöhnliche Leistung von 50 bis 60,000 Stück Mauerziegeln zu erzeugen, welche bei geübter Leitung der Maschine gewöhnlich gemacht wurden.

Wie ich mich überzeugte, waren in diesem Etablissement vier solche Maschinen im Betriebe, die wir aber des schon um 5 Uhr Abends eingetretenen früheren Montagfeierabends wegen, nicht mehr alle in Thätigkeit sehen konnten, und uns daher mit der Ueberzeugung zufriedenstellen mussten, dass sich diese Maschinen-Arbeit nicht nur vollkommen für den fabrikmässigen Betrieb erprobt hat, sondern, was die Hauptsache ist, auch sehr gut rentirt.

Sowohl die Lehmknet-, als die Ziegelmaschinen, wie auch einige Utensilien dieser Anstalt, weichen von jenen im Krystallpalaste ausgestellten bedeutend ab, und zeichnen sich besonders durch die gute Bearbeitung des Materials, wie durch das grosse Leistungsvermögen vor jenen aus.

Um diese Erfindung auch in unser Vaterland zu übertragen, habe ich alle diese Maschinen mit Sorgfalt gezeichnet, und bin jetzt oben im Begriffe, für unseren, durch seine grossartigsten Ziegeleien am europäischen Continent, so berühmt gewordenen Herrn Miesbach sowohl Thonknet-, als Ziegelmaschinen nach unseren hier landesüblichen Anforderungen auszuführen.

Um hier die eben so originelle, als zweckmässige Bewegungs-Transmission durch Drahtseile festzuhalten, habe ich auch diese durch eine Zeichnung anschaulich gemacht, indem ich in der sicheren Hoffnung lebe, bei der Einfachheit und Wohlfeilheit dieser Kraftübertragung auf grössere Distanzen, noch vielseitigen Nutzen schaffen zu können.

Ausser der Ausstellung fand und benützte ich alle Gelegenheit, sowohl in als ausser London mehrere Fabriken zu besuchen, und meine Aufmerksamkeit auf das Interessanteste besonderer Arbeits-Vortheile zu richten; auch die grossartige Maschinenfabrik des Herrn Maudsley in London war ich so glücklich, in Gesellschaft des Herrn Regierungsrathes Ritter von Burg zu sehen und mich von den mannigfaltigen neuen Vorrichtungen und Kunstgriffen zu unterrichten, mit welchen dort so grossartige Objecte ausgeführt werden, worüber wir noch im Dunkeln sind.

Wichtig erschien mir die Construction und die Bearbeitung der colossalen Schmiedeeisen-Bestandtheile für grosse Dampfmaschinen, wovon eben eine solche für eine Dampf-Fregatte von 800 Pferdekraft in Arbeit begriffen, war, wozu die Bestandtheile von Schmiedeeisen auf eine Art verfertigt wurden, wie es auf eine andere Weise unmöglich gewesen wäre, und auch hei uns Nachahmung verdient.

Es ist diess besonders die Anfertigungsart grosser Maschinenbestandtheile, als Gestellstücke und Verbindungstheile aus ¾zölligem Schmiedeeisenblech, deren genaue Zusammenfügung und Zusammennietung zu einem Ganzen.

Man war eben gerade mit der Herstellung solcher grossen Maschinengestelle für diese grosse Schiffs-Dampfmaschine beschäftigt, deren jedes 50–60 Centner betragen mochte, und aus achtfach übereinander geplattetem ¾zölligen Dampfkesselblech genau zusammengefügt, und von 4 zu 4 Zollen mit glühenden Nieten zu einem ganzen Stück verbunden wurden. Diese Gestellkörper, besonders für Dampfschiffe, dürften ihrer Leichtigkeit und Dauer wegen, den aus gewöhnlichem schweren Gusseisen verfertigten weit vorzuziehen sein, daher auch die Beachtung derer verdienen, welche sich mit der Ausführung solcher Maschinen befassen.

Nachdem die Eisenbleche genau nach der Form geschnitten und nach Jablonen genau auf einer eigenen Hobelmaschine an den Kanten bestossen waren, wurden sie auf eine, ebenfalls ganz eigenthümlich construirte Lochmaschine gebracht, und nach einer Leere, welche die Lochpuncte genau angegeben hatte, auf eine so präcise Art

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durchstossen, dass nach der Uebereinanderlegung derselben Loch auf Loch genau zusammentraf und nach deren Vernietung diese Maschintheile um so täuschender wie aus einem ganzen Stücke erschienen, als die Nietköpfe zu beiden Seiten versenkt und flach abgerichtet werden.

Die Lochmaschinen für Kesselbleche anlangend, sind diese für gewöhnliche Dampfkessel-Arbeiten dadurch von den unseren verschieden, dass hier mehrere Durchstoss-Pistons gleichzeitig, und zwar durch ein Brigton’sches Knie wirksam gemacht werden, wobei die auf einer Schlittenbahn festgespannten Kesselplatten in genau zu bestimmenden Abmessungen, durch das Hinzuthun zweier Arbeiter, auf eine eben so sichere, als förderliche Weise gelocht werden. Bei Dampfkesselblechen von ¼ Zoll Stärke wurden 6 Löcher mit einem einzigen Druck durchstossen, mittelst der Schlittenvorrichtung auf die erforderliche Distanz verschoben, abermals so viele Löcher durchgepresst, und auf diese Art in sehr kurzer Zeit eine grosse Anzahl gelochter Bleche zum Kesselbau erzeugt.

In den grossen Schmiedewerkstätten findet man auf die Gesenkschmiederei eine ausserordentliche Sorgfalt und viele Kosten gewendet, welche gröstentheils mit Dampfhämmern betrieben wird.

Zu diesem Behufe findet man schon in der Fabrik des Herrn Maudsley in London allein vier Dampfhämmmer [!] eingerichtet, wodurch gleichartige Bestandtheile mit leichter Mühe in den genauesten Formen schon vom Ambose aus so vollkommen geliefert werden, dass die Feile bei vielen Gegenständen ganz entbehrt werden kann, bei anderen hingegen nur der Oberfläche einen Strich zu geben hat.

An künstlichen Gliedmassen für Verstümmelte hatte

England

5

Aussteller,

und

zwar

Nr. 275, 565, 569, 571 und 642,

Frankreich

7

Nr. 87, 618, 706, 766, 862, 1145 und 1301.

Preussen

1

Nr. 85,

Amerika

1

Nr. 39,

Dänemark

1

Nr. 18,

Oesterreich

1

Nr. 137, nämlich der Berichterstatter.

Was Zierlichkeit der Ausführung anlangt, stehen die Leistungen des Ausstellers Nr. 766, des Herrn Biondetti in Paris, oben an; denn sowohl die Schenkelhülsen, Wadenstücke und Knietheile sind von getriebenem Eisen- oder Stahlblech. Der Vorfuss und die Mündung des Oberschenkels sind aus Birnbaumholz, nach der Muskelform des Stumpfes geschnitzt. Hüftstück ist nirgends eines vorhanden, und der künstliche Fuss nur mit einem Riemgürtel und einem Achsel-Tragband zu befestigen. – Die Gelenkigkeit im Knie- und Knöchelgelenke ist zwar beantragt, allein durch die Stärke der Streckfedern beinahe seiner Beweglichkeit beraubt, der Schritt also völlig steif und ungelenkig. Die innere Wandfläche der Schenkelscheide ist mit sämisch gegerbtem Leder gefüttert, die Gelenkachsen und Gelenkcharniere aus fein polirtem Stahl, mit einem Worte meisterhaft ausgearbeitet, dagegen aber auch der Preis eines solchen künstlichen Fusses von 500 bis 700 Francs gestellt.

So wie die französischen Künstler sich an Metallbestandtheilen vorwaltend halten, und mit vielen polirten Glanzpuncten die Zierlichkeit erhöhen, so halten sich die Engländer, der Leichtigkeit wegen, an künstlich ausgearbeitete Holzbestandtheile, wobei selbst die Knie- und Knöchelgelenke statt aus Stahl, nur aus fein gearbeitetem Holze bestehen. Selbst die Oberschenkelhülse, worin der Stumpf den Raum einnimmt und mit dem Sitzbein aufsitzt, ist nach der vorher abgegossenen Gypsform gebildet, wogegen dieser Theil bei den Franzosen feingepolstert erscheint. Die vielen ausgestellten Objecte dieser Art zeigen übereinstimmend das Bestreben nach naturgemässer Gliederung, ohne jedoch bei Oberschenkel-Amputationen an der Gelenkigkeit des Knies im Schritte fest-

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zuhalten, sondern denselben meistens mit gesperrtem Knie zu vollführen, und nur beim Niedersitzen mittelst der Lösung des Kniegesperres das Gelenk zu öffnen, welches im Aufstehen theils von selbst, bei einigen hingegen mit einem Drucke der Hand geschlossen werden kann, d.h. das Knie in seiner Beweglichkeit wieder gesperrt werden muss.

Wie bereits gesagt, ist kein einziger der künstlichen Füsse mit einem Hüftstück versehen, welches ich als einen wesentlichen Theil eines sicheren Anschlusses und der sicheren Bewegung desselben aus dem Grunde ansehe, weil ausserdem der künstliche Fuss entweder so fest und Schmerzerregend [!] an den Stumpf angeschnürt werden muss, dass er seine Stellung beibehält, oder im entgegengesetzten Falle eine wankende und unsichere Stütze um so mehr darbietet, als der Stumpf von bedeutenderer Kürze ist, welches bei der Anbringung eines Hüftstückes selbst, dann noch möglich ist, wenn der Stumpf die Länge von 4 Zoll nicht übersteigt, wie es die Erfahrung bei mehr als 300 Objecten dieser Art erwiesen hat, womit ich in der jüngsten Zeit durch die Mitwirkung eines patriotischen Vereines, an dessen Spitze unser durchlauchtigster Erzherzog Ferdinand Maximilian steht, das Schicksal vieler leidenden Menschen zu erleichtern so glücklich gewesen bin.

Die Wahl der Materialien fiel bei allen übrigen Ausstellern im Durchschnitte auf Holz, Leder, Kork, Stahl und Eisen. – Niemand ausser mir hatte sich der billigen, leicht formbaren, wasserdichten und zugleich elastischen Gutta-Percha bedient, daher auch nur mit ungleich grösserer Mühe und Kosten den Zweck eines passenden Anschlusses an die Stumpfmuskel erreicht.

Meine in London ausgestellten Objecte dieser Art dürften aber auch dort bald zur Nachahmung dienen, da dieselben angeblich von einer englischen Dame, bereits seit längerer Zeit angekauft worden sind.

Bei dem Ueberblicke aller im Gebiete der Mechanik und aller übrigen Fächer der Künste und Gewerbe vollführten Leistungen kann es der Aufmerksamkeit des denkenden practischen Mannes nicht entgehen, welch’ eine wichtige Rolle die Intsrumente [!] und Werkzeuge spielen, womit die gewerblichen Hände ihre Leistungen vollführen. – Diese wichtigen Hilfsmittel finden sich in der englischen Abtheilung in Massen, und besonders Stahl-Instrumente in höchster Vollendung ausgestellt, und es erscheint überall der Grundsatz festgehalten, dass mit ungenauen, schlechten Werkzeugen und unvollkommenen Hilfsmitteln auch nichts Vollkommenes geleistet werden kann, und eine mühevollere Handarbeit mit schlechten Mitteln keineswegs zu einer Rentabilität zu führen im Stande ist.

Sowohl die aus Manchester und Liverpool ausgestellten grossartigen Dreh-, Bohr-, Hobel-, Nuth-, Riffel-, Theilungs- und Schrauben-Maschinen, als die von Sheffield ausgestellten vortrefflichen unzähligen Arbeits-Instrumente und Werkzeuge aller Art, tragen von der 5 Fuss im Durchmesser haltenden spiegelreinen Kreissäge, bis zu den mikroscopischen Haarsägblättchen, den Character der höchsten Vollendung, sowohl im feinen Schliff, als Zweckmässigkeit der Form und Güte des Stahles an sich, und lassen bei ihrer Erzeugung nicht nur die Auswahl des vorzüglichsten Materials, als auch Vorrichtungen voraussetzen, die bei uns bisher des Nachdenkens unwerth gefunden worden sind.

Mit Ausnahme einiger Feilenfabrikate und Holzwerkzeuge aus unseren anerkannt vorzüglichen Fabriken, ist bei allen Zirkular- und gewöhnlichen Holzsägen, Stemm-, Bohr- und Schneid-Werkzeugen, so wie an Zangen, Schlag- und Meissel-Instrumenten grosse Mangelhaftigkeit vorherrschend, welches den österreichischen Beschauer mit demüthigender Wehmnth [!] erfüllt, in welch’ armseligem Schlendrian die meisten hei-

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mischen Zeug- und Messerschmiede gegen die Leistungen Englands und Frankreichs dastehen, und ungeachtet der lobenswerthen Fortschritte unserer Stahlfabrikation, sich dennoch fast immer eines Materiales bedienen, welches kaum den Namen eines guten Eisens verdient. Unreiner Schliff, schlechte Form und noch schlechtere Härte, sind die Hauptgebrechen, die unsere Artikel von allen Aussenplätzen zurückdrängen und die Gewölbe unserer Eisentrödler füllen. –

Der Hauptgrund dieses Uebels aber dürfte nicht schwer zu finden sein, wenn man bedenkt, dass der englische Fabrikant selten oder nie in die traurige Lage kommt, sich in die unbarmherzigen Arme eines wuchernden Speculanten zu werfen, der – wie es leider bei uns der Fall ist – nur wohlfeil kaufen, viel gewinnen und ohne Mühe reich werden will, ohne zu bedenken, ob das Gute gefördert, der Gewerbfleiss unterstützt, die Kundschaften zufriedengestellt, oder unser Credit dadurch gewinnt oder verliert.

Im geldreichen England haben die Industriellen den Trost, bei öffentlichen Creditsbanken gegen geringe Zinsen Aushilfe zu finden. – Wir haben zwar in Oesterreich auch eine Bank – allein die Erfahrung lehrt, dass hier nur reiche Kaufleute, aber nicht industrielle Talente Aushilfe zu erwarten haben, welchen in ihrer Noth also keine andere Wahl übrig bleibt, als sich entweder in die Arme eines Wucherers zu werfen und auf die Früchte seines Fleisses zu verzichten, oder sich in das gewöhnliche Schicksal zu ergeben, und statt ein Meister zu werden, in seiner Beschränkung, als Stümper in der bisherigen Art fortzuschleudern, wodurch wir dann solche Machwerke seinsollender Werkzeuge, scheinbare Instrumente, Maschinen-, Schlosser-, Zeug- und Messerschmied-Arbeiten von so erbärmlicher Art, zum Spott für unsere Industrie, als wahre Betrugstücke im Handel vorfinden, dass sich die meisten Maschinen-Fabrikanten und Werksbesitzer, wo mit solchen Objecten etwas Tüchtiges geleistet werden soll, gezwungen finden, ihre Werkzeuge entweder selbst aus echtem Stahl anfertigen, oder aus dem Auslande kommen zu lassen.

Die Einigung mehrerer Industriellen auf dem öffentlichen Markte, wo ein Jeder nach seinen Kräften das Vorzüglichste seiner Leistungen zum Verkaufe bringt, und woraus der Absatz mit Umgehung jeder wucherischen Bedrückung besorgt, nicht bloss dem Speculanten, sondern auch dem Gewerbfleisse und der Kunstleistung Rechnung getragen wird, erscheint als Mittel und Weg, die zum Ziele führen, um diese Gewerbe endlich in ein gleiches Ansehen mit dem Auslande zu heben, dem Verdienste seinen Lohn zu verschaffen und dadurch bessere Fortschritte hervorzurufen.

Vor Allem aber ist zum Gedeihen unseres gewerblichen Glückes, die Hebung des allgemeinen Credites durch eine gesicherte Ruhe und eine grössere Achtung vor dem Gesetze erforderlich; denn die Schicksale aller Länder geben uns die Ueberzeugung, dass bei allen Unruhen die zirculirenden grossen Capitalien verschwinden und in Länder auswandern, wo gesetzliche Ordnung eine dauernde Sicherheit des Eigenthumes garantirt, wie es dermalen noch in England der Fall ist, wohin seit vier Jahren mehr als tausend Millionen in Silber aus dem europäischen Continent gewandert, die dort zu den geringsten Zinsen thätig sind, und der Industrie unruhiger Länder so lange entzogen bleiben, bis ihre Zustände wieder auf eine höhere Stufe des Vertrauens, der Moralität und gesetzlichen Ordnung gebracht worden sind.

Es gehört ganz die Verblendung unserer Zeit dazu, um nicht einzusehen, wie behaglich sich England dabei befindet, wenn der Credit und die Industrie aller anderen Völker zu Grunde geht; denn wirft man einen for-

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schenden Blick auf die Ereignisse in Ost- und West-Indien, Frankreich, Portugal, Spanien, Griechenland, China, Italien und Ungarn, so muss man zu der Ueberzeugung gelangen, dass diese Herren Insulaner auf dem unmenschlichsten Wege nach einer kommerziehen Weltherrschaft streben, die sich auf den Ruin aller anderen Völker stützt! –

Die extremen Mittel, womit Englands weltumgreifender Speculationsgeist, mit seiner enormen Geldübermacht, in immer ungemesseneren Schritten das industrielle Schiksal [!] aller fremden Völker zu trüben, die Ruhe geordneter Staaten durch genährte Rebellionen zu untergraben, und dadurch der Gewerbsthätigkeit der Verführten noch überdiess Credit und Capitalien zu entziehen sucht, um ihrer Ueberproduction breitere Absatzwege zu verschaffen, geben uns nur zu deutlich zu erkennen, dass es den Höhenpunkt seiner industriellen Grösse erreicht, und vielleicht über Kurz von dort herabsteigen muss, sobald es den Völkern des europäischen Continents gelungen sein wird, die Abscheulichkeit seiner unersättlichen Krämerpolitik im wahren Lichte zuerkennen.Um der Welt glauben zu machen, dass nur England in der grossen Weltindustrie-Ausstellung das Höchste aller Kunst- und industriellen Leistungen zur Schau gestellt habe, waren diese Herren blöde und unverschämt genug, sich bei Beurtheilung fremder Verdienste die gröbsten Ungerechtigkeiten zu Schulden kommen zu lassen, – und um den Beschauer selbst um so leichter irre zu führen und denselben das eigene Urtheil unmöglich zu machen, ward das Verbot ersonnen, dass es keinem Aussteller gestattet wurde, seinen Erzeugnissen auch die Preise beizusetzen.

Man sah hier also Gegenstände, ohne ihre Kosten zu kennen, und war daher ausser Stande gesetzt, die Leistungen der verschiedenen Industriellen mit einander vergleichen und ihre Verdienste würdigen zu können. Durch diese Verfügung gab England unstreitig ein offenbares Eingeständniss seiner eigenen Schwächen, seiner erstiegenen letzten industriellen Höhe, auf welcher ihn um so mehr der Schwindel ergriffen haben mochte, als es in der Ausstellung die Ueberzeugung erlangte, dass Frankreich, Deutschland, Oesterreich, Preussen, Belgien, Russland und die übrigen Länder des europäischen Continents, obschon wegen der weiteren Entfernung nicht so massenhaft, doch in qualitativer Beziehung gegenüber der Preise, in sehr vielen Artikeln England wirklich überflügelt haben.

Wundern wir uns also nicht über die verzweifelten Demonstrationen ihrer gewissenlosen Politik gegen alle geordneten Staaten, die aber an der Treue und Einsicht ihrer rechtschaffenen Bürger zu Schanden werden müssen. – Vertrauen und Liebe zu unserem Vaterlande, energisches Festhalten an der wiedererlangten gesetzlichen Ordnung und Ruhe, so wie ein einhelliges Erkennen solcher Umtriebe, müssen das übermüthige England endlich demüthigen, unsere ausgewanderten Capitalien wieder in unser industrielles Leben zurückrufen, und unser gesunkenes Bürgerglück wieder neu begründen.

Darauf hinzuwirken, ist ein Gebot der höchsten Nothwendigkeit, und nicht bloss die Aufgabe einer weisen Staatsverwaltung, sondern eines jeden rechtschaffenen Staatsbürgers heiligste Pflicht!

Indem ich meinen Bericht schliesse, erkläre ich mich mit Vergnügen bereit, Jedermann, der es wünscht, sowohl durch die Einsichtnahme meiner in London verfassten Zeichnungen, als durch mündliche Aufklärungen zu dienen, um aus den aufgefassten Verbesserungen zum Besten unserer Industrie, auch so viel wie möglich Vortheil zu ziehen.

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Wien, 1851. Gedruckt bei J[ohann] B[aptist] Wallishausser.