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Jacob Levy Moreno

das ist Iacov Moreno Levy; seit 1896/97: Jakob Levy; seit 1914/18: Jakob Moreno Levy beziehungsweise Jakob Moreno-Levy; seit 1927: Jacob Levy Moreno

geb. Bukarest (Bucureşti, Rumänien), am 18. Mai 1889

gest. Beacon, New York, am 14. Mai 1974

Arzt und Psychiater, Begründer der Soziometrie, des Psychodramas und der Gruppenpsychotherapie

um 1856

Um 1856 wird Moreno Nissim Levy (auch: Levi; um 1856–1925) in Plevne, Türkei (heute Pleven / Плевен, Bulgarien), geboren. Dies erklärt auch, warum er und seine Kinder zunächst die türkische Staatsbürgerschaft haben, ehe die rumänische angenommen wird. Moreno Nissim Levy arbeitet zunächst als selbstständiger Händler, insbesondere als Getreidehändler, und später in der sich gerade entwickelnden Ölindustrie.

14. November 1873

Am 14. November 1873 wird Paulina (1873–1954) in Plevne, Türkei (heute Pleven / Плевен, Bulgarien), geboren. Ihr Mädchenname ist unbekannt, doch werden als Mädchenname »Volf«, »Wolf« oder »Stern« vermutet. Später verwendet sie die rumänische Namensform »Iancu« (eigentlich: Johann). Nach dem frühen Tod ihres Vaters verlebt Paulina einige Jahre in einem katholischen Konvent.

1886

1886 heiraten Moreno Nissim Levy (um 1856–1925) und Paulina Iancu (1873–1954). Sie ziehen nach Bukarest (Bucureşti) um, zunächst in die Serban Voda 50; 1889 bis 1892 folgen fast jährliche Wohnungswechsel.

18. Mai 1889

Am Samstag dem 18. Mai 1889 (alter Kalender: 6. Mai 1889) wird um 16 Uhr in Bukarest (Bucureşti), Calea Serban Voda 50, Jacob Levy Moreno als erstes von sechs Kindern des Ehepaares Moreno Nissim und Paulina Levy geboren und erhält den Namen »Iacov Moreno Levy«. Beide Eltern sind sephardische Juden (Sephardim / ספרדים). Der französischen Erziehung seiner Mutter verdankt Jakob, dass er innerfamiliär auch »Jacques« gerufen wird. Alle Familienmitglieder außer dem Vater und der Schwester Charlotte ersetzen später den Namen »Levy« durch »Moreno«. Jacob Levy Moreno wählt später zum Gedenken an die Vertreibung der Juden aus Spanien (1. Mai bis 31. Juli 1492) den 20. Mai 1892 als Tag seiner Geburt und nimmt später auch den Vornamen seines Vaters als Familiennamen an.

29. März 1891

Am 29. März 1891 wird Jacob Levy Morenos Schwester Rahel in Bukarest (Bucureşti) geboren, genannt »Vittoria« beziehungsweise »Victoria«. Sie wird später Modistin in Wien, wo sie auch heiratet. 1938 emigriert sie in die USA, wo sie in New York weiterhin als Modistin tätig ist.

15. Dezember 1892

Am 15. Dezember 1892 wird Jacob Levy Morenos Bruder Volf-Valerian in Bukarest (Bucureşti) geboren, genannt »Vily« beziehungsweise »William«. Der Vorname »Volf« könnte der tatsächliche Mädchenname der Mutter gewesen sein. Er emigriert später als erster der Familie Levy in die USA, von wo aus er seinen Bruder Jacob Levy Moreno in Wien finanziell unterstützt. William L(evy) Moreno stirbt im Dezember 1976 in New York (New York).

26. November 1893

Am 26. November 1893 wird Jacob Levy Morenos Schwester Scharloti in Bukarest (Bucureşti) geboren, genannt Charlotte. Sie kehrt später als einziges der Kinder des Ehepaars Levy von Wien nach Bukarest zurück, wo sie ihren Cousin Georg Rosenfeld heiratet.

um 1893

Jacob Levy Moreno besucht seit etwa 1893 die Bibelschule, erhält Unterricht vom Rabbi Hayim Bejarano (בז'רנו ;1850–1931) und lernt das Alte Testament Hebräisch lesen.

1893/94

Jacob Levy Moreno wird entscheidend von den katholischen Einflüssen seiner Mutter Paulina Moreno (1873–1954) geprägt, insbesondere durch deren Idealgestalt Jesus Christus, ist aber auch von den Ritualen der Griechisch-Orthodoxen beeindruckt, wie er sie bei der nahen Sfantul Spiridon Basilika erlebt. Angeblich bricht er sich bei seinem gleichsam ersten Psychodrama, dem »Gott-Spiel«, den rechten Arm, als er mit Nachbarskindern das im religiösen Unterricht Gehörte nachspielt.

21. Juli 1894

Am 21. Juli 1894 wird Beatrice Beecher (1894–1972) geboren. Sie heiratet zunächst Harold Halleck Johnstone (1889–1953), mit dem sie zwei Kinder hat: Alexandrea Johnstone (1913–1924) und Madeleine Kelleher Johnstone, verheiratete Williams (1915–2004). Nach ihrer Scheidung heiratet Beatrice Beecher 1928 Jacob Levy Moreno, wird aber 1934 geschieden.

um 1896/97

Um 1896/97 zieht die Familie Levy von Bukarest (Bucureşti) nach Wien. Den ersten Meldeeintrag im Wiener Meldebuch gibt es allerdings erst 1900: Lilienbrunngasse 11, Wien 2. Der Vater, dessen Geschäftsadresse damals Castellezgasse 15, Wien 2, ist, reist jedoch die meiste Zeit beruflich am Balkan umher.

um 1896/97–um 1899

Jacob Levy Moreno besucht die Volksschule in Wien. Er lehnt den Vornamen »Jakob« oder »Jacques«, wie ihn die Mutter nennt, ab: Dies kann als Beginn seiner Anonymität gesehen werden, die dazu führt, dass er sich später als eine spezielle, als eigene und einzigartige Schöpfung Gottes sieht.

7. Februar 1898

Am 7. Februar 1898 wird Jacob Levy Morenos Schwester Clara in Wien geboren, genannt »Lala«. Sie heiratet hier und emigriert 1938 mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter in die USA.

10. Oktober 1899

Am 10. Oktober 1899 wird Jacob Levy Morenos Bruder Norbert in Wien geboren, genannt »Bubi«. Er ist später angeblich mit einer polnischen Prinzessin verheiratet, emigriert 1938 in die USA, wo er sich in Florida niederlässt und wieder heiratet. Norbert Levy stirbt im September 1984 in Miami (Florida).

1900

1900 unternimmt Jacob Levy Moreno gemeinsam mit seinem Vater Moreno Nissim Levy (um 1856–1925) eine Reise nach Konstantinopel (heute İstanbul), wo er angeblich mit einem neun Monate alten Mädchen verlobt wird.

1902

1902 feiert Jacob Levy Moreno seine Bar Mitzwa (religiöse Mündigkeit) in der türkisch-sephardischen Synagoge (erbaut 1885–1887), Zirkusgasse 22, Wien 2.

um 1902

Vermutlich 1902 wird Jacob Levy Morenos Lebensgefährtin der Jahre 1919 bis 1925 Marianne Lörnitzo (um 1902–1984) geboren.

1904

Die Familie Levy zieht von Wien nach Berlin. Jacob Levy Moreno kehrt aber nach drei Wochen mit dem Einverständnis der Eltern nach Wien zurück, wo er bei der mit seinen Eltern befreundeten Familie Hindler wohnt und deren zwei Töchtern Nachhilfeunterricht gibt. Gleichzeitig setzt er seinen Besuch des Humanistischen Gymnasiums fort.

1. Oktober 1904

Am 1. Oktober 1904 zeiht die Familie Levy von Berlin nach Chemnitz (Sachsen).

31. Juli 1905

Am 31. Juli 1905 wird Helen H(all) Jennings (1905–1976) geboren, mit der Jacob Levy Moreno seit 1932 eng zusammenarbeiten wird.

7. Juli–10. September 1905

Vom 7. Juli bis 10. September besucht Jacob Levy Moreno seine Eltern in Chemnitz. Nach seiner Rückkehr nach Wien ist er wieder als Hauslehrer tätig.

1906

1906 lassen sich Jacob Levy Morenos Eltern scheiden. Seine Mutter Paulina Moreno (1873–1954) geht daraufhin nach Wien zurück, sein Vater Moreno Nissim Levy (um 1856–1925) zieht nach Konstantinopel (heute İstanbul), wo er – ohne weiteren Kontakt zu seiner Familie – 1925 stirbt.

1907–1911

1907 bis 1911 ist Jacob Levy Moreno Hauslehrer bei der Familie Eittel, deren drei Töchter er unterrichtet, unter ihnen die spätere Schauspielerin und Regisseurin Elisabeth Bergner (1897–1986). Als sich das Ehepaar Eittel 1911 scheiden lässt, findet Morenos Tätigkeit als Hauslehrer ein Ende.

1907–1913

Jacob Levy Moreno beginnt 1907 sein erstes wissenschaftliches Projekt: Er spielt Stegreifspiele mit Kindern in Wiener Parks, insbesondere im Augarten, Wien 2.

1908

Jacob Levy Moreno beginnt seine schriftstellerische Tätigkeit: »Das Kinderreich«.

um 1908/09

Um 1908/09 beginnt Jacob Levy Moreno mit der Entwicklung seiner Religion der Begegnung. Er lernt Chaim Kellmer (1885–1916) kennen, ein in chassidischer Tradition erzogener jüdischer Philosophiestudent. Kellmer wird gleichsam der erste Anhänger Morenos und versucht in den nächsten Jahren, sein Leben nach den Ideen Morenos ein- und auszurichten.

1909–1914

Mit Chaim Kellmer (1887–1916) und anderen Gleichgesinnten gründet Jacob Levy Moreno 1909 das »Haus der Begegnung«, ein Asyl für Flüchtlinge und Einwanderer, welches nach Kriegsbeginn 1914 geschlossen wird.

1909–1911

Im Wintersemester 1909/10 beginnt Jacob Levy Moreno ein Studium als außerordentlicher Hörer der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. Er hört unter anderem Philosophie und experimentelle Psychologie bei Adolf Stöhr (1855–1921). Moreno ist außerordentlicher Hörer, weil er keine Matura (Reifeprüfung) hat.

1910

Im März oder April 1910 legt Jacob Levy Moreno die schriftliche und mündliche Matura als so genannter Externer ab.

1911–1917

Im Sommersemester 1911 beginnt Jacob Levy Moreno als ordentlicher Hörer ein Studium der Medizin an der Universität Wien, wo er unter anderem Lehrveranstaltungen des Psychiaters und Neurologen Otto Pötzl (1877–1962) und des Anatomen Julius Tandler (1869–1936), später auch wichtiger sozialdemokratischer Politiker, besucht.

1911

Angeblich produziert Jacob Levy Moreno gemeinsam mit Franz Werfel (1890–1945) 1911 einen Theaterskandal: Sie stürmen eine Aufführung der sinfonischen Dichtung von Richard Strauss (1864–1949) »Also sprach Zarathustra«, was zu einer Unterbrechung einer Vorstellung führt.

1911

Jacob Levy Moreno schreibt seinen ersten größeren Text: »Die Gottheit als Komödiant«.

11. Mai 1912

Am 11. Mai 1912 wird Florence Bridge (1912–2007) geboren, 1938 bis 1948 Ehefrau von Jacob Levy Moreno.

1912

Jacob Levy Moreno trifft – nach seinen Aussagen 1912 – Sigmund Freud (1856–1939), mit dem er aber nur ein kurzes Gespräch hat.

1913–1914

Jacob Levy Moreno beginnt 1913 seine Arbeit mit den Prostituierten vom Spittelberg, Wien 7. Er versucht gemeinsam mit dem Arzt Dr. Wilhelm Gruen, Spezialist für Geschlechtskrankheiten, sowie dem Zeitungsherausgeber und Schriftsteller Carl Colbert (1855–1929) einen »Verein der Prostituierten« aufzubauen, eine Art Selbsthilfegruppe. Moreno, Grün und Colbert besuchen die Prostituierten in ihren Häusern, um sie zu beraten; später wird diese Tätigkeit von älteren Prostituierten selbst übernommen. 1914 wird dieses Projekt durch den Kriegsbeginn beendet.

15. Juli 1913

Am 15. Juli 1913 legt Jacob Levy Moreno das 1. Rigorosum an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien ab.

1914–1915

Im Frühjahr 1914 erscheint das erste Heft »Einladung zu einer Begegnung« von Jacob Levy Moreno. Dieses Mittelding zwischen Zeitschrift und Schriftenreihe enthält nur eigene Texte Morenos. Ihm folgt im Frühjahr 1915 das zweite Heft, danach noch ein nicht nummeriertes drittes.

August 1914

Das 1909 von Jacob Levy Moreno gegründete »Haus der Begegnung« wird nach Kriegsbeginn im August 1914 geschlossen. Auch das 1913 initiierte Projekt mit den Prostituierten vom Spittelberg muss beendet werden.

1914–1917

Als Ausländer rumänischer Herkunft und türkischer Staatsbürgerschaft ist Jacob Levy Moreno vom Dienst mit der Waffe befreit. Er beginnt auf privater Basis mit der Betreuung und Versorgung von Kriegsflüchtlingen. Diese Tätigkeiten wird er ab 1915 im Rahmen der k.k. österreichisch-ungarischen Armee fortsetzen.

1915–1917

Jacob Levy Moreno arbeitet 1915 bis 1917 als Hygienebeauftragter in einem Flüchtlingslager, dem »k.k. Barackenlager Mitterndorf« in Mitterndorf an der Fischa (Niederösterreich). Das zunächst für Flüchtlinge errichtete Lager wird bereits kurz nach seiner Eröffnung vorrangig zu einem Lager für Zwangsdeportierte aus dem österreichisch-italienischen Kriegsgebiet. Moreno führt hier seine ersten soziometrischen Experimente durch.

13. Mai 1916

Am 13. Mai 1916 legt Jacob Levy Moreno das 2. Rigorosum an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien ab.

27. Januar 1917

Am 27. Januar 1917 legt Jacob Levy Moreno das 3. Rigorosum an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien ab.

5. Februar 1917

Am 5. Februar 1917 wird Jacob Levy Moreno an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien zum Doktor der gesamten Heilkunde (Dr. med.) promoviert.

1917–1918

1916 bis 1917 arbeitet Jacob Levy Moreno als Arzt im Flüchtlingslager Szolna / Sillein, Ungarn (heute Žilina, Slowakei).

13. Juni 1917

Am 13. Juni 1917 wird Celine Zerka Toeman in Amsterdam als Tochter eines Geschäftsmanns geboren. Sie heiratet 1949 Jacob Levy Moreno.

Februar–August 1918

Jacob Levy Moreno gründet die literarhistorisch bedeutende expressionistische Zeitschrift »Daimon. Eine Monatsschrift«. Er fungiert als Herausgeber, während Emil Alphons Rheinhardt (1889–1945) die Redaktion leitet. Es erscheinen vier Hefte: Februar, April, Juni, August.

September–Oktober 1918

Jacob Levy Moreno arbeitet knapp zwei Monate als Gemeindearzt in Kottingbrunn (Niederösterreich).

Oktober 1918–Dezember 1925

Jacob Levy Moreno zieht im Oktober 1918 nach Vöslau (seit 1924 Bad Vöslau, Niederösterreich), wo ihm die Gemeinde das so genannte Kleine Schweizerhaus, Maital 4, zur Verfügung stellt; in dem nahe und unter dem Gebäude gelegenen Felsenkeller wurde übrigens 1843 durch Robert Schlumberger (seit 1879: Edler von Goldeck; 1814–1879) der erste nach der Champagnermethode hergestellte österreichische Schaumwein erzeugt. Moreno ist 1918 bis 1925 als Gemeindearzt mit eigener Praxis und als medizinischer Direktor (Fabriksarzt) bei der »Vöslauer Kammgarnfabrik Aktiengesellschaft« in Bad Vöslau tätig.

Januar–Juni 1919

Jacob Levy Moreno gibt als Fortsetzung seiner 1918 gegründeten Zeitschrift »Daimon. Eine Monatsschrift« die Zeitschrift »Der Neue Daimon. Eine Monatsschrift« heraus (Nummer 1/2 im Januar, 3/4 im April und 5/7 im Juni), zieht sich aber nach der Nummer 5/7 als Herausgeber zurück.

1919–1925

Jacob Levy Moreno lernt 1919 seine so genannte Muse kennen: die katholische Lehrerin Marianne Lörnitzo (um 1902–1984). Er lebt mit ihr bis 1925 in Bad Vöslau, Maital 4, zusammen, wo sie auch als seine Assistentin arbeitet.

1920

Jacob Levy Moreno schreibt »Das Testament des Vaters« in Trance an die Wände seines Hauses in Vöslau (seit 1924 Bad Vöslau, Niederösterreich), Maital 4. Dessen erste Version erscheint anonym in der Zeitschrift »Die Gefährten« als zweites Heft des dritten Jahrgangs. Eine wesentlich erweiterte Fassung wird 1922 erscheinen.

1. April 1921

Am 1. April 1921 inszeniert Jacob Levy Moreno »Das Narrentheater des Herren der Welt von Jakob Levy« im Wiener Komödienhaus, Nussdorfer Straße 4–6, Wien 9. Die »Wiener Mittags-Zeitung« berichtet darüber am nächsten Tag unter dem Titel »Dadaismus im Komödienhaus«. Auf der leeren Bühne, in ein schwarzes Leichenhemd gehüllt, führt Moreno das Publikum vor, stellt es zur Schau und stellt es bloß. Diese theatrale Aktion nimmt Theaterformen wie das Happening und den Aktionismus vorweg und ist eine wichtige Station auf dem Weg zu Morenos Theater der Spontaneität. Moreno selbst wird später dieses Datum als den Beginn seines Psychodramas festsetzen.

1921

Jacob Levy Moreno unternimmt 1921 das gruppenanalytische Diwan-Experiment: Er versammelt Leute in einem Raum, in dem mehrere Diwans aufgestellt sind. Sie legen sich auf die Diwans und beginnen nach psychoanalytischer Methode frei zu assoziieren, wobei sich zunehmend die Assoziationen verschiedener Leute vermischen. Das Experiment scheitert also in der Gruppe. Dem psychoanalytischen Diwan als Gesprächsbasis eines Individuums (»Prokrustes-Diwan«) stellt Moreno fortan das Theater, genauer das Stegreiftheater, als Aktionsbasis einer Gruppe gegenüber mit dem Ziel der Gruppenproduktion, der Gruppentherapie und Gruppenanalyse.

1921–1925

Jacob Levy Moreno beginnt 1921, sich regelmäßig mit Künstlerfreunden im Café Herrenhof, Herrengasse 10, Wien 1, vor allem aber im Café Museum, Operngasse 7 / Friedrichstraße 6, Wien 1, zu treffen, unter anderem mit der Schauspielerin und Regisseurin Elisabeth Bergner (1897–1986), wenn sie in Wien war, der Schauspielerin und Malerin Anna Höllering (1895–1987) und seit 1923 ihr Ehemann dem Schriftsteller Georg Kulka (1897–1929), dem Schriftsteller Fritz Lampl (1892–1955), dem Schauspieler Peter Lorre (d.i. László Loewenstein; 1904–1964), dem Schauspieler Alexander Moissi (d.i. Alessandro Moisi, eigentlich Aleksander Moisiu; 1879–1935), dem Schriftsteller und Journalisten Robert Müller (1887–1924), dem Schriftsteller Alfred Polgar (d.i. Alfred Polak; 1873–1955) und dem Schriftsteller Franz Werfel (1890–1945).

1922–1924

1922 erscheint anonym das Buch »Das Testament des Vaters«, welches Jacob Levy Moreno 1920 verfasst hatte. Damit eröffnet er auch die von ihm herausgegebene Schriftenreihe, ebenfalls ohne Nennung des Herausgebers, »Die Reihe der Einheiten«, in welcher bis 1924 vier Bände, alles Schriften von Moreno, erscheinen. Diese Schriftenreihe hat zwei Unterreihen: »Die Reden des Vaters« (2 Bände, 1923 bis 1924) und »Die Gespräche des Vaters« (1 Band, 1924).

1. Januar 1923–30. Juni 1924

Im Dezember 1922 mietet Jacob Levy Moreno über Vermittlung der Schauspielerin, Malerin und späteren Film-Cutterin Anna Höllering (1895–1987) ab 1. Januar 1923 einen Saal in der Maysedergasse 2, Wien 1, um hier sein privates Theater einzurichten: das Stegreiftheater. Heute ist dieser Saal Teil der Räumlichkeiten der »Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs«. »Ich aber wünsche nicht das Theater des guten Gedächtnisses, der kreisförmigen Behaglichkeit, des Selbstvergessens«, schreibt Moreno 1924: »An Stelle der alten Dreiteilung tritt unsere Einheit: Es gibt keine Dichter, Schauspieler, Zuschauer mehr. Jeder ist Dichter, Schauspieler und Zuschauer in einer Person. Fort mit den Augen der Gaffer und den Ohren der Horcher. Unser Theater ist die Vereinigung aller Widersprüche, des Rausches, der Unwiederholbarkeit.« Auf diesem Stegreiftheater agieren unter anderem Schauspielerin und Regisseurin Elisabeth Bergner (1897–1986), wenn sie in Wien weilt, der Schriftsteller und Journalist Robert Blum (1881–1952), die bereits erwähnte Anna Höllering und seit 1923 ihr Ehemann der Schriftsteller Georg Kulka (1897–1929), der Schauspieler Peter Lorre (d.i. László Loewenstein; 1904–1964), der Schauspieler Alexander Moissi (d.i. Alessandro Moisi, eigentlich Aleksander Moisiu; 1879–1935), der Schriftsteller und Journalist Robert Müller (1887–1924) sowie der Schauspieler Hans Rodenberg (d.i. Hans Rosenberg; 1895–1978).

1923

1923 erscheinen anonym die Bücher »Rede über den Augenblick« und »Der Königsroman« von Jacob Levy Moreno. Mit dem letztgenannten Buch eröffnet er auch die von ihm herausgegebene Schriftenreihe, ebenfalls ohne Nennung des Herausgebers, »Die Reihe der unendlichen Konflikte« (1 Band, 1923).

1923–1926

1923 beginnt Jacob Levy Moreno gemeinsam mit Dr. Franz Lörnitzo (um 1906–?), Bruder seiner Lebensgefährtin Marianne Lörnitzo (um 1902–1984), und dem Technikstudenten Anton Haller (geb. 1907), später auch unter seinem Künstlernamen »Antoine« bekannt, eine Apparatur zu entwickeln, die Ton und Bild synchronisiert. Das 1925 fertig gestellte Modell wird 1926 in Wien unter dem Namen »Selbsttätige magnet-elektrische Lautsprechvorrichtung« patentiert. 1926 soll sie als »Radio-Film« fabriksmäßig hergestellt werden.

1924

1924 erscheinen anonym die Bücher »Die Gottheit als Autor«, »Rede über die Begegnung« sowie »Das Stegreiftheater« von Jacob Levy Moreno. Mit dem letztgenannten Buch eröffnet er auch die von ihm herausgegebene Schriftenreihe, ebenfalls ohne Nennung des Herausgebers, »Die Schriften des Vaters« mit der Unterreihe »Die Reihe der reinen Örter« (1 Band, 1924).

1924

Um 1924 beginnt Jacob Levy Moreno mit seinem Projekt »Die lebendige Zeitung«: Er lädt Leute in Wiener Kaffeehäusern ein, Schlagzeilen aus Berichten aufliegender Zeitungen zu spielen. Später ersetzt Moreno die Bezeichnung »lebendige Zeitung« durch »dramatisierte Zeitung« (»dramatized newspaper«). Er wird das Experiment 1931 in den USA fortsetzen.

April 1924

Jacob Levy Moreno hält im April 1924 einen Vortrag über »Idee und Praxis des Stegreiftheater« im Wiener Konzerthaus, Lothringerstraße 20 / Am Heumarkt 6–8, Wien 3.

30. Juni 1924

Jacob Levy Moreno muss sein 1923 eröffnetes Stegreiftheater in der Maysedergasse 2, Wien 1, mit 30. Juni 1924 räumen.

25. September 1924

Am 25. September 1924 wird im Schubertsaal des Wiener Konzerthauses, Lothringerstraße 20 / Am Heumarkt 6–8, Wien 3, die vom Architekten Friedrich Kiesler (später: Frederick Kiesler; 1890–1965) organisierte »Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik« eröffnet. Jacob Levy Moreno stellt hier anonym ein Modell seines »Stegreiftheaters« und die Skizze »Theater ohne Zuschauer« vor, beides vom Wiener Architekten Rudolf Hönigsfeld (1902–1977) ausgeführt. Bei der Eröffnung kommt es zum Eklat. Moreno beschuldigt Kiesler vor der anwesenden Presse und in Gegenwart des Wiener Bürgermeisters Karl Seitz (1869–1950) des Plagiats: Kieslers »Raumbühne« sei ein Plagiat seines »Theater ohne Zuschauer«.

Oktober 1924

In dem Artikel »Das Stegreiftheater« von Jacob Levy Moreno Das vom Wiener Architekten Rudolf Hönigsfeld (1902–1977) ausgeführte Modell »Das Stegreiftheater. Die Zentralbühne mit variabler Höhenentwicklung« von Jacob Levy Moreno erscheint als Foto im Heft 10 des ersten Jahrgangs der Zeitschrift »Das Zelt. Eine jüdische illustrierte Monatsschrift für Kunst, Literatur und Wissenschaft« (Wien).

19. Januar 1925

Am 19. Januar 1925 beginnt in Wien der Prozess von Friedrich Kiesler (später: Frederick Kiesler; 1890–1965) gegen Jacob Levy Moreno wegen Ehrenbeleidigung und Verleumdung, begangen durch den Plagiatsvorwurf im September 1924. Erst 1930 wird dieser Prozess durch das Urteil des Obersten Gerichtshofes für Zivilsachen beendet, welches Moreno freispricht. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich beide Prozessbeteiligten bereits in den USA: Moreno seit Dezember 1925, Kiesler seit Februar 1926.

1925

1925 erscheint anonym das Buch »Rede vor dem Richter« von Jacob Levy Moreno. Es ist dies sein letzterschienenes Buch während seiner Zeit in Österreich.

Oktober 1925

Im Oktober 1925 stirbt Jacob Levy Morenos Vater Moreno Nissim Levy (um 1856–1925) in Konstantinopel (heute İstanbul).

12. Dezember 1925

Am 21. Dezember 1925 verlässt Jacob Levy Moreno Wien und wandert über Hamburg auf dem Schiff »H. M. S. Aquitania« (nach Morenos eigener Erinnerung »S. M. S. Mauretania«) in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Franz Lörnitzo (um 1906–?) folgt ihm wenige Tage später auf dem Schiff »S. M. S. Bremen«. Zurück bleibt Marianne Lörnitzo (um 1902–1984), die mit Moreno in den nächsten Jahre noch korrespondiert, 1930 aber das Haus in Bad Vöslau, Maital 4, aufgeben muß.

Februar 1926

Jacob Levy Moreno kommt im Februar 1926 in den Vereinigten Staaten von Amerika an, wo er sich zunächst mit einer nur befristeten Aufenthaltsgenehmigung in New York niederlässt. Hier ändert er – 1934 auch offiziell – seinen Namen durch Umstellung von Vor- und Familiennamen von »Jakob Moreno Levy« auf »Jacob Levy Moreno«, wobei wohl auch eine Rolle spielt, dass er sich mit seinem Familiennamen ansprächen lässt und hebräisch »moreh / מורה« »Lehrer« bedeutet; eigentlich bedeutet »moreno« spanisch »dunkelbraun« beziehungsweise »dunkelhäutig«.

1926–1927

Jacob Levy Moreno arbeitet fast zwei Jahre lang gemeinsam mit Franz Lörnitzo (um 1906–?) an seiner Apparatur für Ton- und Bildspeicherung (»Selbsttätige magnet-elektrische Lautsprechvorrichtung«) weiterzuarbeiten. Angeblich arbeiten sie auch in Elyria (Ohio) bei der »General Phonograph Corporation« (1903 als »Dean Electric Company« gegründet), um ihr Gerät, nunmehr »Radio-Film« genannt, fabriksmäßig herzustellen.

Januar–Mai 1927

Jacob Levy Moreno, der mit dem Englischen zunächst große Schwierigkeiten hat, tritt in New York (New York) im Januar 1927 zur Prüfung für die ärztliche Zulassung in den Vereinigten Staaten von Amerika an, fällt aber in Gynäkologie durch, besteht aber dann die Prüfung im Mai 1927.

1927

 Um ein neues Einreisevisum zu erhalten, muss Jacob Levy Moreno nach Montréal / Montreal (Québec) reisen, wo im das österreichische Konsulat in Kanada einen neuen Reisepass ausstellt. Erst 1928 erhält er durch Heirat ein Immigrantenvisum.

22. September 1927

Jacob Levy Moreno erhält am 22. September 1927 vom Staat New York die ärztliche Zulassung und darf ab jetzt in allen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika als Arzt praktizieren.

Dezember 1927

Jacob Levy Moreno lernt Ende 1927 Beatrice Beecher (1894–1972) kennen, eine Kinderpsychologin am Mount Sinai Hospital in New York City (New York); sie ist übrigens eine Großnichte der bekannten Schriftstellerein Harriet Beecher Stowe (geborene Harriet Elizabeth Beecher; 1811–1896) und des berühmten Predigers und liberalen Politikers Henry Ward Beecher (1813–1887). Beatrice Beecher ist es auch, die es Moreno ermöglicht, erstmals in den USA seine psychodramatische Techniken anzuwenden: an der Plymouth Church Sunday School in Brooklyn und n der Mental Hygiene Clinic des Mount Sinai Hospital.

1928

Jacob Levy Moreno eröffnet seine erste private psychiatrische Praxis in New York (New York).

31. Mai 1928

Jacob Levy Moreno heiratet am 31. Mai 1928 seine Förderin, die Kinderpsychologin Beatrice Beecher (1894–1972), eine reine Vertragsehe, um Morenos Aufenthalt in den USA zu legalisieren. Sie lassen sich zum frühest möglichen Zeitpunkt, 1934, einvernehmlich scheiden.

1928

Auf Vermittlung von Beatrice Beecher (1894–1972) führt Jacob Levy Moreno Spontaneitätstests an Kindern der Plymouth Church Sunday School in Brooklyn, New York City (New York), durch. Moreno berichtet über diese Arbeiten 1928 in seiner ersten in den USA erschienenen, vom Plymouth Institute herausgegeben Broschüre: »Impromptu School«.

1928

Auf Einladung des aus Ungarn stammenden Béla Schick (1877–1967), Leiter der Pediatric Department (Kinderstation) des Mount Sinai Hospital in New York City (New York) stellt Jacob Levy Moreno seine psycho-sozialen Arbeitsmethoden vor.

1929

Jacob Levy Moreno führt 1929 psychodramatische Studien in New York City (New York) am Grosvenor Neighborhood House und am Hunter College of the City of New York durch.

1929–1931

Jacob Levy Moreno organisiert gemeinsam mit dem Professor of Speech and English Literature (Professor für Sprechen und Englische Literatur) am Hunter College of the City of New York William H. Bridge wöchentlich drei Mal Aufführungen des »Impromptu Group Theatre« in der Carnegie Hall, 57th Street / 7th Avenue, New York City (New York). Bridge wird später Direktor der bekannten »Martha Graham Dance Company«. Die Anfänge von Morenos US-amerikanischen »Impromptu Group Theatre« reichen bis 1927 zurück.

Januar 1929

Jacob Levy Moreno gründet im Januar 1929 seinen eigenen Verlag in New York (New York), die »Moreno Laboratories, Incorporation«, welcher bis 1930 besteht.

Februar 1929

Im Februar 1929 erscheint das Buch »Impromptu vs. standardization« von Jacob Levy Moreno und William H. Bridge.

Januar–April 1931

Im Januar 1931 gründet und gibt Jacob Levy Moreno die Zeitschrift »Impromptu« (New York, N.Y.) heraus, von der allerdings nur zwei Nummern (Januar und April) erscheinen.

1931

1931 arbeitet Jacob Levy Moreno in der Mental Hygiene Clinic des Mount Sinai Hospital in mit der Ärztin Ira S(olomon) Wile (1877–1943) zusammen.

5. April 1931

Am 5. April 1931 gibt Jacob Levy Moreno mit seinem »Impromptu Group Theatre« in The Guild Theatre, 150 West, 65th Street, New York (New York; heute: New York Broadway Vivian Beaumont Theater), eine Vorstellung, übrigens die einzige in diesem Theater: »The Living Newspaper« (Die lebendige Zeitung). Es ist dies die offizielle Eröffnung von Morenos »Impromptu Group Theatre«.

1.–5. Juni 1931

Beim Jahrestreffen der »American Psychiatric Association« in Toronto (Ontario), 1. bis 5. Juni 1931, wird Jacob Levy Moreno daraufhin angesprochen, ob er seine Methode auch bei Häftlingen umsetzten können. Vor allem vom Psychiater und Neurologen William A(lanson) White (1870–1937) ermutigt, macht Moreno Vorschläge, die er dann der Strafvollzugsanstalt Sing Sing Correctional Facility in Ossining (New York) umsetzen wird. Sein Vorschlag zur Zusammenfassung der Gefangenen in Gruppen nach soziometrischen Gesichtspunkten markiert zugleich den Beginn der Gruppenpsychotherapie. Auf dieser Konferenz greift Moreno auch den in Österreich-Ungarn geborenen Psychiater und Psychoanalytiker Abraham A(rden) Brill (1874–1948) wegen dessen Vortrag »[Abraham] Lincoln as a humorist« an, was in der Folge dazu führt, dass sich viele Psychoanalytiker gegen Moreno wenden. Hier trifft Moreno auch Fanny French Morse, welche 1923 bis 1931 die Erziehungsanstalt New York State Training School for Girls in Hudson (New York) leitet.

5. Juni 1931

Jacob Levy Moreno wird am 5. Juni 1931 Mitglied der »American Psychiatric Association« (APA).

1931–1932

Jacob Levy Moreno versucht in Zusammenarbeit mit dem Kriminologen E(rnest) Stagg Within (1881–1946), Vorsitzender des »National Committee on Prisons and Prison Labor« (NCPPL), und Helen H(all) Jennings (1905–1976), die er im Rahmen seines »Impromptu Group Theatre« kennen gelernt hatte, als Gefängnispsychiater eine soziometrische Umstrukturierung in der Strafvollzugsanstalt Sing Sing Correctional Facility in Ossining (New York).

1932

1932 erscheint das Buch »Plan and Technique of Developing a Prison Into a Socialized Community. A Preliminary Report« von Jacob Levy Moreno in Zusammenarbeit mit E(rnest) Stagg Within (1881–1946) und unter Mitarbeit von Helen H(all) Jennings (1905–1976). Moreno veröffentlicht dieses Buch später auch unter dem Titel »The First Book on Group Psychotherapy«.

30. Mai–3. Juni 1932

Beim Jahrestreffen der »American Psychiatric Association« in Philadelphia (Pennsylvania), 30. Mai bis 3. Juni 1932, berichtet bei einer Round Table Conference Jacob Levy Moreno am 31. Mai über sein Projekt in der Strafvollzugsanstalt Sing Sing Correctional Facility in Ossining (New York): Dabei verwendet er erstmals öffentlich das Wort »group psychotherapy« (»Gruppenpsychotherapie«), nachdem er bereits im Jahr zuvor von »group therapy« (»Gruppentherapie«) geschrieben hatte.

1932–1938

Auf Initiative von Fanny French Morse wird Jacob Levy Moreno 1932 bis 1934 Director of Research seines Projekts an der New York State Training School for Girls in Hudson (New York) durch, wieder in Zusammenarbeit mit Helen H(all) Jennings (1905–1976). Im Zuge seiner soziometrischen Studien dreht Moreno auch mehrere 16 mm-Filme. Moreno setzt seine Untersuchungen am College bis 1938 fort.

1932–1933

Jacob Levy Moreno führt ein soziometrisches Projekt an der Riverdale Country School in der Bronx, New York City (New York), durch.

4. April 1933

Jacob Levy Moreno berichtet am 4. April 1933 in einer Versammlung der »Medical Society of New York« in New York (New York) über einige seiner bisherigen Tätigkeiten, wobei er auch über hundert soziometrische Graphiken präsentiert. Später wird er dieses Datum als den Beginn der soziometrischen Bewegung festsetzen.

29. Mai3. Juni 1933

Auf der Jahrestagung der »American Association for the Study of Mental Deficiency« in Boston (Massachusetts), 29. Mai bis 3. Juni 1933, referiert Jacob Levy Moreno über die psychologische und soziale Organisation kleiner Gruppen: »Psychological and Social Organization of Groups in the Community«.

1934

1934 erscheint das Buch »Who shall survive? A New Approach to the Problem of Human Interrelations« von Jacob Levy Moreno. Darin verwendet er erstmals die Worte »Psychodrama« und »therapeutic community« (»therapeutische Gemeinschaft«), beides zentrale Begriffe seiner Lehre.

1934

Moreno erhält nunmehr auch offiziell als »Jacob Levy Moreno« die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

1934

Jacob Levy Moreno und Beatrice Beecher (1894–1972) lassen sich, da Moreno nunmehr die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, einvernehmlich scheiden.

1934–1935

1934 wird Jacob Levy Moreno Berater der Subsistence Homestead Division of the United States Department of the Interior, später auch Beauftragter des United States Department of Agriculture, wobei er soziometrische Bevölkerungstests in der Siedlung Freetown (New York) durchführt.

1935

Jacob Levy Moreno gründet die »Therapeutic Motion Pictures«, eine Gesellschaft, welche die im Zuge seiner Projekte entstandenen Filme vertreibt.

Mai 1935

Im Mai 1935 führt Jacob Levy Moreno anlässlich des Jahrestreffens der »American Psychiatric Association« in Washington (D. C.), 13.–17. Mai 1935, seinen Film »Spontaneity Training« über seine Arbeit an der New York State Training School for Girls in Hudson aus dem Jahr 1933 erstmals öffentlich vor, nachdem er ihn zuvor am 5. Mai 1935 am Department of Psychology der Columbia University, New York City (New York), Professor Gardner Murphy (1895–1979) und dem Sozialpsychologen Kurt Lewin (1890–1947) gezeigt hatte.

Februar 1936

Jacob Levy Moreno gründet die Zeitschrift »Sociometric Review« (Hudson, N.Y.). Als Herausgeber der ersten Nummer fungiert der Psychologe und Parapsychologe Gardner Murphy (1895–1979).

9. Oktober 1936

Jacob Levy Moreno erhält mit 9. Oktober 1936 die Lizenz für sein eigenes, privates Sanatorium. Er hatte zuvor im selben Jahr ein Haus in Beacon Hill, 259 Wolcott Avenue, Beacon (New York), gekauft, in einem großen Park über dem Hudson River gelegen, und darin sein »Beacon Hill Sanatorium« mit seiner ersten Psychodrama-Bühne eingerichtet. 1951 in »Moreno Sanatorium« umbenannt, wird es 1968 in ein Ausbildungszentrum umgewandelt, und Moreno zieht sich als Leiter zurück.

1936

Jacob Levy Moreno gründet 1936 seinen eigenen Verlag, zunächst nur für seine Zeitschrift. Erst 1941 wird der Verlag »Beacon House Inc.« offiziell und nunmehr auch für Bücher gegründet.

1937

Jacob Levy Moreno leistet soziometrische Unterstützung in der Siedlung Centerville (New Jersey).

Juli / Oktober 1937–1956

Jacob Levy Moreno gründet im Juli 1937 die Zeitschrift »Sociometry. A Journal of Inter-Personal Relations« (Beacon N.Y.), die er bis zum 18. Jahrgang (1956) herausgibt. Seit Januar 1946 erscheint die Zeitschrift als Organ der »American Sociometric Association« (ASA).

1937

Jacob Levy Moreno führt 1937 als Beauftragter des United States Department of Agriculture soziometrische Studien in der Siedlung Centerville (New Jersey) durch.

1937–1938

Jacob Levy Moreno nimmt gemeinsam mit Helen H(all) Jennings (1905–1976) soziometrische Tests an der Public School 181, Brooklyn (New York) vor. Später wird Moreno das Jahr 1937 als den Beginn der »second sociometric phase« (zweite soziometrische Phase) festsetzen.

1937–1938

Jacob Levy Moreno ist Lecturer an der New School for Social Research in New York City (New York).

Dezember 1937

Auf dem Jahrestreffen der »American Sociological Society« in Atlantic City (New Jersey), 29. und 30. Dezember 1937, findet unter dem Vorsitz von George A(ndrew) Lundberg (1895–1966) eine Round Table Conference mit Jacob Levy Moreno über Soziometrie statt.

30. April 1938

Jacob Levy Moreno heiratet am 30. April 1938 eine Praktikantin an der Hudson-Schule, Florence Bridge (1912–2007), von der er 1948 geschieden wird.

1939

1939 wird die Tochter von Florence Bridge Moreno und Jacob Levy Moreno geboren: Regina Moreno, heute Professorin für Pädagogik.

1939–1940

Jacob Levy Moreno ist Lecturer am Teachers College der Columbia University in New York City (New York).

Juni 1940

Jacob Levy Moreno gründet im Juni 1940 das »Psychodramatic Institute«, 259 Wolcott Avenue, Beacon (New York).

1941

Jacob Levy Moreno, der bereits seit 1936 seine Zeitschriften selbst verlegt, gründet 1941 nunmehr offiziell seinen eigenen Verlag: »Beacon House Inc.«.

1941–1971

Jacob Levy Moreno gründet 1941 die Schriftenreihe »Sociometry Monographs«, in welcher er bis 1971 – ohne Nennung des Herausgebers – insgesamt 42 Bände herausgibt.

1941

Jacob Levy Moreno veröffentlicht anonym das Buch »The Words of the Father«, eine stark vom deutschsprachigen Original abweichende Fassung des 1922 veröffentlichten Werks »Das Testament des Vaters«.

8. Juni 1941

Am 8. Juni 1941 wird das »Theatre of Psychodrama« im Saint Elizabeths Hospital, 2700 Martin Luther King Jr. Avenue, Washington (D. C.), von Jacob Levy Moreno eröffnet, was auch dem Leiter Winfred Overholser (1892–1964) und Margaret Wood Hagan (1896–1966), Field Director des »American Red Cross«, zu verdanken ist.

21. August 1941

Am 21. August 1941 kommt es zur ersten Begegnung von Jacob Levy Moreno und Celine Zerka Toeman (geb. 1917), welche ihre Schwester in Morenos Sanatorium bringt. Moreno und Zerka Toeman werden 1949 heiraten.

25. April 1942

Am 25. April 1942 eröffnet Jacob Levy Moreno das bereits im Vorjahr gegründete »Sociometric Institute« und das »New York Theatre of Psychodrama«, 101 Park Avenue, New York City (New York). Das weitgehend von Jacob Levy Morenos Bruder William L(evy) Moreno (1892–1976) finanzierte Theater wird auch von diesem, das Institut von Celine Zerka Toeman (geb. 1917) geleitet. Beide Einrichtungen werden 1951 in »Moreno Institute« umbenannt, welches 1962 in die 236 W. 78th Street, New York City (New York), verlegt wird. Später wird Moreno das Jahr 1942 als den Beginn der »third phase of sociometric development« (dritte Phase der soziometrischen Entwicklung) festsetzen.

April 1942

Im April 1942 gründet Jacob Levy Moreno die »American Society of Psychodrama and Group Psychotherapy« (ASPGP), welche 1951 in »American Society of Group Psychotherapy and Psychodrama« (ASGPP) umbenannt wird. Es ist dies die erste vereinsmäßige Organisation für Psychodrama und Gruppenpsychotherapie.

1943–1945

Zunächst ohne Morenos Wissen führt der britische Psychiater John R(awlings) Rees (1890–1969), damals 1st Brigadier and Chief Consultant Psychiatrist, in der Britischen Armee 1943 die Methode der »sociometric choice« von Jacob Levy Moreno für Soldaten im Zweiten Weltkrieg ein.

1944–1954

Jacob Levy Moreno gründet 1944 die Schriftenreihe »Psychodrama Monographs«, in welcher er bis 1954 – ohne Nennung des Herausgebers – insgesamt 27 Bände herausgibt; 1955 wird die Schriftenreihe mit dem 28. Band unter dem Titel »Psychodrama and Group Psychotherapy Monographs« fortgesetzt.

März 1945

Im März 1945 gründet Jacob Levy Moreno die »American Sociometric Association« (ASA). Mitglieder des Vorstands sind President Jacob Levy Moreno, Secretary Helen H(all) Jennings (1905–1976), Treasurer George A(ndrew) Lundberg (1895–1966), Counselors Gardner Murphy (1895–1979), Ronald Lippitt (1914–1986) und Zerka Toeman, später verheiratete Moreno (geb. 1917).

Januar 1946

Seit Januar 1946 erscheint die 1937 gegründete Zeitschrift »Sociometry. A Journal of Inter-Personal Relations« (Beacon N.Y.) als Organ der 1945 gegründete »American Sociometric Association« (ASA).

1946–1948

Jacob Levy Moreno initiiert sein Psychodrama und Rollenspiele in Veteran Affairs Hospitals (Veteranenspitälern), unter anderem im Brentwood Veterans Hospital in Los Angeles (Kalifornien), im Lyons Veterans Hospital Hospital in Lyons (New Jersey), im Winter General Hospital in Topeka (Kansas) und im Little Rock Veterans Hospital in Little Rock (Arkansas).

1946

1946 erscheint das Buch »Psychodrama. First Volume« von Jacob Levy Moreno.

Dezember 1946

Im Dezember 1946 hält die 1945 gegründete »American Sociometric Association« (ASA)ihr erstes Jahrestreffen ab.

März 1947–März 1950

Jacob Levy Moreno gründet im März 1947 die Zeitschrift »Sociatry. Journal of Group and Intergroup Therapy« (Beacon N.Y.), die er bis zum 2. Jahrgang, Nummer 3/4 (Dezember 1949 / März 1950) unter diesem und ab dem 3. Jahrgang (1950) unter dem Titel »Group Psychotherapy« herausgibt.

1948

Jacob Levy Moreno ist 1948 Guest Lecturer (Gastdozent) an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts): »Theatre of Psychodrama«.

1948

Jacob Levy Moreno wird von Florence Bridge (1912–2007), mit der er seit 1938 verheiratet ist, geschieden.

April 1949

Die 1945 von Jacob Levy Moreno gegründete »American Sociometric Association« (ASA) nimmt auf ihrem Treffen in New York (New York), 22. bis 24. April 1949, die Einladung an und wird Mitglied der 1948 gegründeten »World Federation for Mental Health« (WFMH).

20. November 1949–21. Mai 1950

Zwischen 20. November 1949 und 21. Mai 1950 finden – jeweils am Sonntag – insgesamt 27 psychodramatische Produktionen im Mansfield Theatre, 256 West 47th Street, New York City, statt.

18. Dezember 1949

Am 18. Dezember 1949 heiratet Jacob Levy Moreno seine Mitarbeiterin Celine Zerka Toeman (geb. 1917).

April 1950–April 1970

Jacob Levy Moreno nennt seit dem 3. Jahrgang, Nummer 1 (April 1950), die 1947 gegründete Zeitschrift »Sociatry« in »Group Psychotherapy. Journal of Socio-Psychopathology and Sociatry« (Beacon N.Y.; seit März 1953 ohne Untertitel) um und gibt sie bis zum 23. Jahrgang, Nummer 1–2 (April 1979), heraus; dann wird sie in »Group Psychotherapy and Psychodrama« umbenannt.

1950

1950 erscheint das Buch »Hypnodrama and Psychodrama« von Jacob Levy Moreno und James M(ills) Enneis (1920–1990).

18.–27. September 1950

Jacob Levy Moreno nimmt am Premier Congrès Mondial de Psychiatrie (Erster Weltkongress der Psychiatrie) in Paris teil, welcher vom 18. bis 27. September 1950 stattfindet. Es ist dies seine erste Europareise seit seiner Auswanderung in die USA 1925.

1951

Das 1942 eröffnete »Sociometric Institute« samt »New York Theatre of Psychodrama«, 101 Park Avenue, New York City (New York), wird 1951 in »Moreno Institute« umbenannt, ebenso das 1936 gegründete »Beacon Hill Sanatorium« in »Moreno Sanatorium«, dessen Leitung er nunmehr abgibt.

Mai 1951 

Im Mai 1951 organisiert Jacob Levy Moreno in Paris das »International Committee of Group Psychotherapy« (Internationales Komitee der Gruppenpsychotherapie), welches 1957 im »International Council of Group Psychotherapy« aufgeht. Dem ersten Vorstand gehören an: Jacob Levy Moreno (USA), Joshua Bierer (d.i. Joseph Bierer; 1901–1978; Großbritannien), Juliette Favez-Boutonier (geborene Boutonier; 1903–1994; Frankreich), Jean Delay (1907–1987; Frankreich), S(iegmund) H(einz) Foulkes (d.i. Siegmund Heinrich Fuchs: 1898–1976; Großbritannien), Georges Heuyer (1884–1977; Frankreich), E(dward) W(illiam) Lazell (1878–1960; USA), Marcel-Abdré Montassut (1897–?; Frankreich), Porcher (Frankreich), J(oseph) H(ersey) Pratt (1872–1956; USA), Paul Senft (?–1975; Großbritannien) und E. N. Snowden (Großbritannien).

1951–1966

1951 bis 1966 ist Jacob Levy Moreno Adjunct Professor am Department of Sociology der Graduate School of Arts and Sciences der New York University, New York (New York).

1951

1951 erscheint das Buch »Sociometry, Experimental Method and the Science of Society. An Approach to a New Political Orientation« von Jacob Levy Moreno.

11. Juni 1952

Am 11. Juni 1952 wird in Poughkeepsie (New York) der Sohn von Jacob Levy Moreno und Zerka T(oeman) Moeeno geboren: Jonathan D(avid) Moreno, heute Emily Davie and Joseph S. Kornfeld Professor of Biomedical Ethics at the University of Virginia.

1953

1953 erscheint das Buch »Who Shall Survive? Foundations of Sociometry, Group Psychotherapy, and Sociodrama« von Jacob Levy Moreno, eine stark erweiterte Ausgabe des Buches von 1934.

12.–14. August 1954

Vom 12. bis 14. August 1954 findet unter Leitung von Jacob Levy Moreno der First International Congress of Group Psychotherapy (Erster Internationaler Kongress für Gruppenpsychotherapie) in Toronto (Ontario) statt. Seit 1964 werden diese Kongresse als »International Congress of Psychodrama« fortgesetzt.

1955–1972

Jacob Levy Moreno nennt die 1944 gegründete Schriftenreihe »Psychodrama Monographs« ab dem 28. Band in »Psychodrama and Group Psychotherapy Monographs« um, in welcher er bis 1972 – ohne Nennung des Herausgebers – bis zum 41. Band weitere 21 Bände herausgibt.

März 1956

Jacob Levy Moreno übergibt im März 1956 seine 1937 gegründete Zeitschrift »Sociometry. A Journal of Inter-Personal Relations« (Beacon N.Y.) der »American Sociological Society« (ASS), welche 1959 in »American Sociological Association« (ASA) umbenannt wird. Die Zeitschrift, welche bis zum 40. Jahrgang, Nummer 4 (Dezember 1977), unter diesem Titel erscheint, wird im 41. Jahrgang (1978) unter dem Titel »Social Psychology« und im 42. Jahrgang (1979) als »Social Psychology Quarterly« fortgesetzt.

September 1956–1968

Jacob Levy Moreno gründet im September 1956 die Zeitschrift »International Journal of Sociometry and Sociatry« (Beacon N.Y.), die er bis zum 5. Jahrgang (1966/68) herausgibt, zunächst allein, ab 1957 zusammen mit Helen H(all) Jennings (1905–1976) und ab 1960 zusammen mit Zerka T(oeman) Moreno (geb. 1917). Danach erscheint die Zeitschrift, die 1958 bis 1959 nicht erscheint, vom 6. Jahrgang (1971) bis 7. Jahrgang (1973) unter dem Titel »Handbook of International Sociometry« weiter.

1956–1958

1956 erkrankt Zerka T(oeman) Moreno an Krebs. Am 20. Januar 1958 müssen ihr rechter Arm und ein Teil ihrer Schulter amputiert werden.

29.–31. August 1957

Vom 29. bis 31. August 1957 findet unter Leitung von Jacob Levy Moreno der Second International Congress of Group Psychotherapy (Zweiter Internationaler Kongress für Gruppenpsychotherapie) in Zürich statt.

31. August 1957

Jacob Levy Moreno initiiert auf diesem Kongress die Überführung des 1951 gegründeten »International Committee of Group Psychotherapy« in den neu gegründeten »International Council of Group Psychotherapy« (Internationaler Ausschuss der Gruppenpsychotherapie). Dem Vorstand gehören an: President Jacob Levy Moreno (US), First Vice-President S(iegmund) H(einz) Foulkes (d.i. Siegmund Heinrich Fuchs: 1898–1976; Großbritannien), Second Vice-President Serge Lebovici (1915–2000; Frankreich), Treasurer Adolf Friedemann (1902–1981; Schweiz) und Secretary Berthold Stokvis (1906–1963; Niederlande).

August 1957

Im August 1961 gründet Jacob Levy Moreno die »Academy of Psychodrama and Group Psychotherapy« für die postgraduate Ausbildung und wird deren erster Direktor. Sie wird 1961 in der »World Academy of Psychodrama and Group Psychotherapy« aufgehen.

1958

1958 unternimmt Jacob Levy Moreno eine ausgedehnte Reise nach Europa und in den nahen Osten.

1959

1959 reist Jacob Levy Moreno in die Sowjetunion, wo er Vorträge am Psychologischen Institut und in der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften (Академия наук СССР) in Moskau (Москва) sowie am Bechterev-Institut für Psychoneurologie und am Pavlov-Institut für Physiologie in Leningrad (Ленинград; heute: Sankt Petersburg / Санкт-Петербург) Vorträge hält.

1959

1959 erscheinen die Bücher »Psychodrama. Second Volume: Foundations of Psychotherapy« von Jacob Levy Moreno unter Mitarbeit von Zerka T(oeman) Moreno (geb. 1917) und »Gruppenpsychotherapie und Psychodrama. Einleitung in die Theorie und Praxis« von Jacob Levy Moreno.

1961

Die 1957 von Jacob Levy Moreno gegründete »Academy of Psychodrama and Group Psychotherapy« wird in die »World Academy of Psychodrama and Group Psychotherapy« übergeführt. Der Leitung gehören an: President Jacob Levy Moreno (USA), Vice-President Juliette Favez-Boutonier (geborene Boutonier; 1903–1994; Frankreich) und Secretary for USA Zerka T(oeman) Moreno (geb. 1917).

1962

Das 1942 eröffnete »Sociometric Institute« und das »New York Theatre of Psychodrama«, 101 Park Avenue, New York City (New York), seit 1951 »Moreno Institute«, wird 1962 in die 236 W. 78th Street, New York City (New York), verlegt.

Juli 1962–März 1964

Jacob Levy Moreno gründet im Juli 1962 die Zeitschrift »International Group Psychotherapy. A Global Review« (Beacon N.Y.), die mit dem 2. Jahrgang, Nummer 1 (März 1964) ihr Erscheinen einstellt.

18.–21. Juli 1963

Vom 18. bis 21. Juli 1963 findet unter Leitung von Jacob Levy Moreno der von Enzo Spaltro (geb. 1929) organisierte Third International Congress of Group Psychotherapy (Dritter Internationaler Kongress für Gruppenpsychotherapie) in Mailand (Milano) statt.

1964

1964 erscheint das Buch »The First Psychodramatic Family« von Jacob Levy Moreno, Zerka T(oeman) Moreno (geb. 1917) und Jonathan D(avid) Moreno (geb. 1952).

31. August–3. September 1964

Vom 31. August bis 3. September 1964 findet unter Leitung von Paul Sivadon (1907–2002) und der Ehrenpräsidentschaft von Jacob Levy Moreno der von Anne Ancelin Schützenberger (d.i. Ann Anselin Ščutsenberger / Анн Анселин Шутценбергер; geb. 1919) organisierte First International Congress of Psychodrama (Erster Internationaler Kongress für Psychodrama) in Paris statt.

1. September 1964

Im Zuge des First International Congress of Psychodrama (Erster Internationaler Kongress für Psychodrama) in Paris führt Jacob Levy Moreno in der Sorbonne am 1. September 1964 vor Augenzeugen ein Psychodrama mit dem Ehepaar Paul und Michelle vor, welches vom Centre de Recherches de l’O. R. T. F. (Filmothèque de la Télévision Française) mitgefilmt wird: »Le Psychodrame d’un mariage« (Das Psychodrama einer Ehe).

29. August–3. September 1966

Vom 29. August bis 3. September 1966 findet unter der Ehrenpräsidentschaft von Jacob Levy Moreno der von Ramón Sarró Burbano (1900–1993) präsidierte Second International Congress of Psychodrama (Zweiter Internationaler Kongress für Psychodrama) in Barcelona statt.

1968

1968 wird das 1936 gegründete »Moreno Sanatorium« in Beacon (New York) in ein Ausbildungszentrum umgewandelt.

16.–21. September 1968

Vom 16. bis 21. September 1966 findet unter der Ehrenpräsidentschaft von Jacob Levy Moreno der vom »Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik« organisierte Fourth International Congress of Group Psychotherapy (Vierter Internationaler Kongress für Gruppenpsychotherapie) in Wien statt.

25.–26. September 1968

Am 25. und 26. September 1968 findet unter der Ehrenpräsidentschaft von Jacob Levy Moreno der von Zdeněk Dytrych (geb. 1930) ursprünglich für Prag (Praha) organisierte Third International Congress of Psychodrama (Dritter Internationaler Kongress für Psychodrama) in Baden (Niederösterreich) statt.

14. Oktober 1968

Am 14. Oktober 1968 erhält Jacob Levy Moreno das Ehrendoktorat (Doktor honoris causa) der Facultad de Medicina (Medizinische Fakultät) der Universidad de Barcelona (heute: Universitat de Barcelona) in Barcelona.

14. Mai 1969

Am 14. Mai 1969 wird Jacob Levy Moreno das Goldene Doktorat der Universität Wien verliehen.

15. Mai 1969

Die Stadt Bad Vöslau (Niederösterreich) ehrt Jacob Levy Moreno in dessen Anwesenheit, indem sie am 15. Mai 1969 an Morenos ehemaligem Wohnhaus Maital 4 eine Tafel enthüllen lässt: »DR. JACOB L. MORENO / GEMEINDEARZT VON VÖSLAU / 1918 – 1925 / ENTWICKELT HIER / SOZIOMETRIE / GRUPPEN-PSYCHOTHERAPIE / PSYCHODRAMA«.

24.–31. August 1969

Vom 24. bis 31. August 1969 findet unter der Ehrenpräsidentschaft von Jacob Levy Moreno der Fourth International Congress of Psychodrama and Sociodrama (Vierter Internationaler Kongress für Psychodrama und Soziodrama) in Buenos Aires statt.

1969

1969 erscheint das Buch »Psychodrama. Third Volume: Action Therapy & Principles of Practice« von Jacob Levy Moreno unter Mitarbeit von Zerka T(oeman) Moreno (geb. 1917).

16.–22. August 1970

Vom 16. bis 22. August 1970 findet in Abwesenheit von Jacob Levy Moreno der Fifth International Congress of Psychodrama and Sociodrama (Fünfter Internationaler Kongress für Psychodrama und Soziodrama) in São Paulo statt.

Winter 1970

Die 1950 umbenannte Zeitschrift »Group Psychotherapy. Journal of Socio-Psychopathology and Sociatry« wird ab dem 23. Jahrgang, Nummer 3–4 (Winter 1970), in »Group Psychotherapy and Psychodrama. Official Organ of the American Society of Group Psychotherapy and Psychodrama« (Beacon N.Y.) umbenannt, und Jacob Levy Moreno fungiert nicht mehr als Herausgeber. Die Zeitschrift erscheint unter diesem Titel bis 28. Jahrgang (1975), vom 29. Jahrgang (1976) bis 33. Jahrgang (1980) unter dem Titel »Group Psychotherapy, Psychodrama & Sociometry«, vom 34. Jahrgang (1981) bis 49. Jahrgang (1996/97) unter dem Titel »Journal of Group Psychotherapy, Psychodrama and Sociometry« und vom 50. Jahrgang (1997) bis 54. Jahrgang (2001/02) unter dem Titel »The International Journal of Action Methods: Psychodrama, Skill Training, and Role Playing«.

22.–27. August 1971

Vom 22. bis 27. August 1971 findet in Abwesenheit von Jacob Levy Moreno der Sixth International Congress of Psychodrama and Sociodrama (Sechster Internationaler Kongress für Psychodrama und Soziodrama) in Amsterdam statt.

1. April 1972

Am 1. April 1972 stirbt Beatrice Beecher (1894–1972), die 1928 bis 1934 mit Jacob Levy Moreno verheiratet war.

19. März bis 4. April 1972

Vom 19. März bis 4. April 1972 findet in Abwesenheit von Jacob Levy Moreno der Seventh International Congress of Psychodrama and Sociodrama (Siebenter Internationaler Kongress für Psychodrama und Soziodrama) in Tokio (東京) statt.

19.–24. August 1973

Vom 19. bis 24. August 1973 findet in Anwesenheit – es ist seine letzte Auslandsreise – und unter der Ehrenpräsidentschaft von Jacob Levy Moreno der Fifth International Congress for Group Psychotherapy (Fünfter Internationaler Kongress für Gruppenpsychotherapie) in Zürich statt.

August 1973

Während des Kongresses wird die »International Association of Group Psychotherapy« (Internationale Vereinigung für Gruppenpsychotherapie; IAGP) im August 1973 in Zürich gegründet. Der Mitbegründer Jacob Levy Moreno wird Honorary President (Ehrenvorsitzender). Gründungsmitglieder sind: President Samuel B(ernard) Hadden (1900–1989; USA), Honorary General Secretary Anne Ancelin Schützenberger (d.i. Ann Anselin Ščutsenberger / Анн Анселин Шутценбергер; geb. 1919; Frankreich), Treasurer Raymond Battegay (geb. 1927; Schweiz), Joshua Bierer (d.i. Joseph Bierer; 1901–1978; Großbritannien), Jay W(agner) Fidler (1917–2007; USA), S(iegmund) H(einz) Foulkes (d.i. Siegmund Heinrich Fuchs: 1898–1976; Großbritannien), Adolf Friedemann (1902–1981; Schweiz), Annelise Heigel-Evers (geborene Evers; 1921–2002; Deutschland), Grete Leutz (geb. 1930; Deutschland), Zerka T(oeman) Moreno (geborene Toeman; geb. 1917; USA), Raoul Schindler (geb. 1923; Österreich) und Ambros Uchtenhagen (geb. 1928; Schweiz).

14. Mai 1974

Am Dienstag dem 14. Mai 1974 stirbt Jacob Levy Moreno, der nach mehreren in diesem Jahr erlittenen Schlaganfällen ans Bett gefesselt und am Sprechen schwer behindert war, in seinem Haus in Beacon (New York) an Herzversagen.

Januar 1976

Im Januar 1976 stirbt Helen H(all) Jennings (1905–1976) in New York (New York), mit der Jacob Levy Moreno seit 1932 eng zusammenarbeitete.

1984

1984 stirbt Jacob Levy Morenos Lebensgefährtin der Jahre 1919 bis 1925 Marianne Lörnitzo (um 1902–1984), die inzwischen geheiratet hatte.

1986

1986 werden das »Moreno Institute« in Beacon (New York) verkauft und das »Theatre of Psychodrama« abgerissen. Große Teile der Bühne werden jedoch sichergestellt und in dem von Claire Danielsson (1935–2007) mitbegründeten und geleiteten Institut »Boughton Place«, 150 Kisor Road, Highland (New York), 1986 als »Psychodrama Stage« (Psychodrama-Bühne) wiedererrichtet. Einen Brand im Jahr 1987 übersteht die Bühne weitgehend unbeschadet.

1989

1989 erscheint »The Autobiography of J[acob] L[evy] Moreno, M.D. (Part 1, Abridged. Edited by J[onathan] D[avid] Moreno)« im »Journal of Group Psychotherapy, Psychodrama and Sociometry«. Eine deutschsprachige Übersetzung erscheint 1995 unter dem Titel »Auszüge aus der Autobiographie«.

1993

1993 werden die sterblichen Überreste Jacob Levy Moreno von Beacon (New York) nach Wien überführt und in einem Ehrengrab im Urnenhain der Feuerhalle Simmering (Abteilung 1, Ring 1, Gruppe 5, Nummer 1) beigesetzt. Der Grabstein trägt die Inschrift: »JACOB LEVY MORENO / 18.5.1889 Bukarest / 14.5.1974 BEACON / USA / BEGRÜNDER DER SOZIOMETRIE / DER GRUPPENPSYCHOTHERAPIE / DES PSYCHODRAMAS / Der Mann, der Freude und Lachen / in die Psychiatrie brachte‹ / J.L.M.«.

1996

1996 wird das »Moreno Psychodrama Institute«, 259 Wolcott Avenue, Beacon (New York), in unmittelbarer Nähe des 1936 von Jacob Levy Moreno gegründeten Instituts eröffnet, wobei auch Teile des 1986 abgerissenen Gebäudes verwendet werden. Leiter (Director of Psychodrama) ist Marc Treadwell.

10. Oktober 2007

Am 10. Oktober 2007 stirbt in Queens (New York) Florence Bridge, nunmehr verheiratete Gunsher (1912–2007), 1938 bis 1948 Ehefrau von Jacob Levy Moreno.

© Reinhard Müller
Stand:
Januar 2011

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