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Große Chronik von Gramatneusiedl, Marienthal und Neu-Reisenberg 1800 bis 1809

1800

Um 1800 (sicher nach 1787) wird die für das Jahr 1807 erstmals urkundlich belegte dritte Mühle Gramatneusiedls, die Kiebitzmühle Nr. 44 (ab 1826: Gramatneusiedl 45; ab 1961: Kiebitzmühle 1) am Kiebitzbach, im Nordosten der Gemeinde erbaut. Zunächst im Besitz und Betrieb der Gemeinde Gramatneusiedl, wird sie aber seit mindestens 1820 an den Müllermeister Paul Schiedl (1762–?) verpachtet, seit mindestens 1832 an den Müllermeister Johann Tweraser (1791–?), seit 1833 an den Müllermeister Johann Gunräser (1792–?), seit mindestens 1838 wieder an Johann Tweraser, seit 1844 an den Müllermeister Joseph Freismuth (1792–?), seit 1847 wieder an Johann Tweraser. Nach einem Brand wird die Mühle 1858 von der Freien Gemeinde Gramatneusiedl neu aufgebaut; an der Südostseite des Gebäudes befindet sich ein entsprechender Gedenkstein mit der Inschrift »G.G.N. / 1858« (d.h. Gemeinde Gramatneusiedl 1858). ( Gedenkstein.) Dies belegen auch die beim Wiederaufbau verwendeten Ziegelsteine, welche aus der 1775 errichteten Wienerberger Ziegelfabrik auf dem Wienerberg (heute zu Wien 10.) stammen, welche heute noch als »Wienerberger Aktiengesellschaft« existiert; die den Doppeladler flankierenden Initialen »H« und »D« stehen für Heinrich Drasche (seit 1870: Ritter von Wartinberg; 1811–1880), der die Fabrik 1857 übernahm. ( Ziegelstein.) Die Mühle wird 1874 von der Textilfabrik Marienthal erworben und zu einem Arbeiterwohnhaus für Ledige umgebaut und nach einem Brand 1920 grundlegend renoviert.

1801

Vom 26. Januar bis 16. April 1801 wütet in Gramatneusiedl eine Epidemie, deren Ursache in der Einquartierung ungarischer Truppen vermutet wird: Diese Einquartierungen sind eine Folge des Krieges zwischen Österreich und Frankreich, welcher mit dem Waffenstillstand von Steyr (Oberösterreich) vom 25. Dezember 1800 vorübergehend eingestellt wurde. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1802

Am 22. März 1802 stirbt Anton Ehrenberger (um 1734–1802), langjähriger Müllermeister auf der Theresienmühle. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1803

Die Kirche Sankt Peter und Paul erhält 1803 eine neue Glocke, wobei die alte verkauft wird.

1804

Am 18. März 1804 stirbt Franz Jux (um 1739–1804), langjähriger Bestandmüllermeister (Mühlenpächter) auf der Ladenmühle. ( Denkbuch Moosbrunn.)

Kaisertum Österreich

1804

Erzherzog Franz II. von Habsburg-Lothringen (1768–1835) nimmt am 11. August 1804 als Franz I. den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich an und begründet damit das Kaisertum Österreich, welches am 7. Dezember 1804 feierlich verkündet wird.

1805

In der Nacht des 21. Juli 1805 brennen das Gemeindewirtshaus Nr. 19 (ab 1826: Gramatneusiedl 2; ab 1961: Bahnstraße 5) sowie Scheune und Hofgebäude des benachbarten Hauses Nr. 20 (ab 1826: Gramatneusiedl 3; ab 1961: Bahnstraße 7) von Josef Brauneder (1768–?) – einst im Besitz des Müllermeisters Ignaz Osmann (1730–1778) – ab. Das Gemeindewirtshaus wird in seinen alten Grundmauern mit Gastzimmer, Küche, Zimmer und Stallungen neu aufgebaut. ( Grundriss.)

1805

Gegen Jahresende richten eigentlich befreundete kroatische Söldnertruppen erheblichen Schaden in Gramatneusiedl und Umgebung an.

1806

Im Verlauf der österreichischen Koalitionskriege (1792–1815) gegen Frankreich, welche den republikanischen Ereignissen in Frankreich Einhalt gebieten und eine Verbreitung dieser Ideen in den absolutistischen Monarchien Europas verhindern sollen, marschieren bereits im Dezember 1800 französische Truppen ins Erzherzogtum Österreich unter der Enns ein, kommen aber nicht bis ins Gebiet um Gramatneusiedl. Im November 1805 dringen sie erneut ins Erzherzogtum vor und marschieren in Wien ein. Im Januar 1806 werden französische Besatzungstruppen auch in Gramatneusiedl einquartiert, welche sich aber gegenüber der Bevölkerung im Allgemeinen zivilisiert verhalten haben sollen. ( Denkbuch Moosbrunn.) Der Inhaber der Herrschaft Gramatneusiedl, das Metropolitankapitel zu Sankt Stephan, muss für die Einquartierung der Franzosen in Gramatneusiedl und Wien vom November 1805 bis Januar 1806 insgesamt 21.422 Gulden verausgaben.

1806

Kaiser Franz I. von Habsburg-Lothringen (1768–1835) legt am 6. August 1806 die Kaiserkrone nieder, womit das seit 840/43 existierende Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) sein Ende findet.

1806

1806 wird in Hanau (Hessen) Hanchen Kaulla (1806–1870) geboren, die 1827 Hermann Todesco (1791–1844) heiratet. Nach dessen Tod ist sie nur kurzzeitig, 1844 bis 1845, Eigentümerin der zweiten Textilfabrik Marienthal.

1808

Anlässlich der Errichtung der Landmiliz stellt das Metropolitankapitel zu Sankt Stephan für Gramatneusiedl fünf Mann auf.

1808

Vom Dezember 1808 bis Februar 1809 herrscht ein außerordentlich kalter Winter, und 1809 sterben im Erzherzogtum Österreich unter der Enns überdurchschnittlich viele Kinder infolge von Epidemien. Für Gramatneusiedl lässt sich jedoch keine erhöhte Kindersterblichkeit feststellen.

1809

Im Zuge der Koalitionskriege gegen Frankreich dringt das französische Heer erneut nach Österreich ein. Vom 16. Mai bis 20. November 1809 werden französische Truppen in Gramatneusiedl einquartiert. Dabei kommt es zu Exzessen der Besatzer gegen die Bevölkerung, und die Kirche Sankt Peter und Paul wird beinah vollständig ausgeraubt, die Orgel aus dem Jahr 1750 zerstört; erst 1843 wird eine neue Orgel angeschafft. ( Denkbuch Moosbrunn.) Die Unterbringung und Verpflegung der Besatzung stellen auch eine außerordentliche Belastung für das Metropolitankapitel zu Sankt Stephan dar: 6.089 Gulden für Gramatneusiedl und 30.649 für Wien, mit Folgekosten insgesamt 74.039 Gulden. Dies führt zu einer weiteren Schwächung der ohnedies angespannten wirtschaftlichen Lage Gramatneusiedls.

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2011

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