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Große Chronik von Gramatneusiedl, Marienthal und Neu-Reisenberg 1935

1935

1935 erscheint eine Rezension der Marienthal-Studie von Vittorio D’Agostino (1901–1979). ( Text.)

1935

Am 5. Januar 1935 findet unter Vorsitz des im Dezember 1934 angelobten Bürgermeisters Leo Isidor Wiltschke (1876–1945), Schuldirektor im Ruhestand, die erste Sitzung des Gemeinderats Gramatneusiedl (nunmehr Sitzung des Gemeindetages der Ortsgemeinde) seit dem Februar 1934 statt. Zum ersten Bürgermeisterstellvertreter wird der Landwirt Matthias Spiegelgraber (1865–1939), zum mit Erlass der Niederösterreichischen Landeshauptmannschaft vom 29. Dezember 1934 bewilligten zweiten Bürgermeisterstellvertreter der Zimmermeister Michael Hums (1877–1954) gewählt. Dem neuen Gemeindetag gehören neben den bereits Erwähnten Josef Baron (1887–1959), Karl Geyer (1887–1978), Johann Gröss (1893–1966), Josef Hillinger (um 1895–1949), Ernst Horvath (1908–1970), Josef Moldaschl (1863–1937), Georg Pinsky, Johann Pribyl (1894–1956), Franz Rehaček (1891–1967), Michael Reiner, Franz Schorn (1905–1983) und Anton Stoss (1889–1952) an. Die Sitzung schließt mit einer Ermunterung des neuen Bürgermeisters, welche den weltanschaulichen Weg der nächsten Jahre weist: »Schliesslich wird, einer Anregung des Bürgermeisters folgend, vereinbart, Sonntag, den 6. Jänner 1935 korporativ den Gottesdienst um halb 10 Uhr beizuwohnen, um das neue Verwaltungsjahr mit Gott zu beginnen.« (Sitzungs-Protokoll des Gemeindetages der Ortsgemeinde Gramatneusiedl am 5. Januar 1935, S. (4).)

1935

Im Januar und Februar 1935 erhalten sechs Wochen hindurch etwa 40 Schulkinder arbeitsloser Eltern in Gramatneusiedl täglich ein Frühstück, gespendet von der »Vaterländischen Front«.

1935

In den Sitzungen des Gemeindetages der Ortsgemeinde Gramatneusiedl vom 28. Februar 1935 und 8. März 1935 wird ein Eingemeindungsansuchen der Gemeinde Reisenberg (Niederösterreich) behandelt, wobei Gramatneusiedl eine Eingemeindung des dortigen Ortsteiles Neu-Reisenberg beabsichtigt. In der letzteren Sitzung wird eine neue Aufteilung grundsätzlich beschlossen. In der Sitzung des Gemeindetages der Ortsgemeinde Gramatneusiedl vom 24. Mai 1935 wird bereits über die Teilung von Grundstücken an der Gemeindegrenze zu Reisenberg verhandelt. Ein endgültiger Beschluss wird aber erst im September 1936 gefällt.

1935

Der mit 1. Mai 1935 auslaufende Pachtvertrag aus dem Jahr 1932 von Adalbert Siegl (1895–1976) aus Groß-Enzersdorf (Niederösterreich) für das Gemeindewirtshaus Nr. 1 im Schloss Gramatneusiedl wird um weitere drei Jahre bis 1938 verlängert.

1935

Am 21. Juni 1935 kommen britische Quäker eigentlich »Society of Friends« (Gesellschaft der Freunde) , einem Vorschlag von John Somervell Hoyland (1887–1957) folgend, erstmals nach Marienthal, um hier der arbeitslosen Bevölkerung hilfreich zur Seite zu stehen. Organisiert wird dieses »Work-Camp in Marienthal« (Arbeitslager in Marienthal) von der »Society of Friends in England« (Gesellschaft der Freunde in Großbritannien) und der 1920 gegründeten »Society of Friends in Vienna« (Gesellschaft der Freunde in Wien), wobei fünfundzwanzig arbeitslose Marienthaler im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes mit Studenten aus Großbritannien unter Leitung von Mary Campbell (verheiratete Schicker; ?–2003) gemeinsame Projekte realisierten. Bis zu ihrer Abreise am 6. September 1935 – das Projekt geht aber noch bis zum 15. Oktober 1935 weiter – sind insgesamt siebenundsechzig englische Studenten in Marienthal tätig, untergebracht im ehemaligen Heim der Kinderfreunde. Am Rande dieser Aktion soll auch Marie Jahoda (1907–2001) tätig gewesen sein. Im Wesentlichen werden allgemein nützliche Projekte betrieben: Die Mitglieder des Work-Camp schottern Feldwege und heben Gräben sowie im Sommer 1937 ein – allerdings nie benutztes – Kinderbad beim ehemaligen Isolierspital aus. Außerdem werden im Sommer 1936 neue Kleingartenanlagen angelegt. Zuletzt kommen die Quäker im Sommer 1937 nach Marienthal. Diese Begegnung mit den Quäkern wird für Marie Jahoda später von Bedeutung, denn es ist unter anderem die bekannte britische Quäkerin sowie Rechts- und Sozialreformerin Margery Fry (1874–1958), die sich 1937 für ihre Freilassung aus der politischen Haft massiv und erfolgreich einsetzt.

1935

Die 1926 errichtete und 1929 umgebaute Roggenmühle der »Landwirtschaftlichen Genossenschaft Gramatneusiedl« wird 1935 grundlegend umgebaut, so dass nunmehr täglich 150 Meterzentner Roggen oder 80 Meterzentner Weizen gemahlen werden können. Bereits 1939 erfolgt neuerlich ein Umbau.

1935

In der Sitzung des Gemeindetages der Ortsgemeinde Gramatneusiedl vom 4. September 1935 wird der Einsatz des freiwilligen Arbeitsdienstes bei der Kleingartenanlage in Gramatneusiedl erörtert, ebenso eine Gebäudereparatur des Gemeindewirtshauses Nr. 1 im Schloss Gramatneusiedl.

1935

Wie schon im Vorjahr wird am Allerseelentag, dem 2. November 1935, unter Leitung des Kooperators Anton Kummerer (1908–1990) das alte Volksstück »Totentanz« im Katholischen Vereins- und Kinderheim durch Kinder und Jugendliche aus Gramatneusiedl aufgeführt. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1935

Im Rahmen der Winterhilfe-Aktion 1935/36 werden für die gesamte Dauer der Aktion, also vom 15. November 1935 bis 1. April 1936, etwa 100 Schulkinder arbeitsloser Eltern an Wochentagen mit Frühstück und Mittagessen versorgt. Die Essensausgabe erfolgt im Katholischen Vereins- und Kinderheim durch Mitglieder des »Christlichen Frauenvereins« unter Leitung von Marianne Heilinger (1874–1952). Dazu kommen noch die mehrfache Ausgabe von Lebensmitteln, der kostenlose Bezug von Holz und Kohle mittels Bezugscheinen bei den Kaufleuten vor Ort sowie Kleiderverteilungen. Unabhängig davon gibt es am Nachmittag des 24. Dezember 1934 im Katholischen Vereins- und Kinderheim wieder eine Weihnachtsbescherung für Kinder, veranstaltet – unter Mithilfe des »Katholischen Mädchenbunds« und des »Christlichen Frauenvereins« – vom »Verein ›Frohe Kindheit‹«, bei der 40 Pakete Kleidungsstücke an Kinder aus Moosbrunn (Niederösterreich), Gramatneusiedl und Marienthal verteilt werden. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1935

In der Sitzung des Gemeindetages der Ortsgemeinde Gramatneusiedl vom 30. Dezember 1935 wird die Errichtung eines Brunnens beim Friedhof Gramatneusiedl erörtert, welcher 1936 gegraben wird.

© Reinhard Müller
Stand: Juli 2011

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