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Große Chronik von Gramatneusiedl, Marienthal und Neu-Reisenberg 1944

1944

Kirchenrektor Georg Grausam (1911–1977) kann 1944 für die Kirche Sankt Peter und Paul einen Beichtstuhl beschaffen, der vom Gramatneusiedler Tischlermeister Johann Montag (1899–1960) angefertigt wird. Außerdem wird die Sakristei trockengelegt und mit einem neuen Fußboden versehen. Theresia Krische (1879–1969) stiftet der Kirche einen neuen Traghimmel um 2.000 Reichsmark, der 1988 durch einen neuen, dem alten nachgemachten ersetzt wird. Überhaupt erlebt die katholische Kirche erstmals seit der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich eine merkliche Zuwendung: 1944 treten vier, 1945 bereits 22, 1946 sogar 23 aus der Kirche ausgetretene Personen wieder ein. Deren Zahl sinkt jedoch danach rasch: 1947 sind es nur mehr sechs.

1944

Am 17. März 1944 erfolgt ein großer Luftangriff der Alliierten auf den Raum Wien sowie Schwechat (Niederösterreich), Fischamend (Niederösterreich), Groß-Enzersdorf (Niederösterreich) und Schönau an der Donau (heute zu Groß-Enzersdorf, Niederösterreich). Die rund 200 Bomber werden auch in Gramatneusiedl gesichtet, die Bombendetonationen sind deutlich zu hören.

1944

Am 12. April 1944 erfolgt ein Luftangriff der Alliierten auf Rüstungsbetriebe in Fischamend (Niederösterreich), Wiener Neustadt (Niederösterreich) und Bad Vöslau (Niederösterreich), der ebenfalls in Gramatneusiedl als gefährlich nahe vernommen wird. Dies gilt noch mehr für den alliierten Luftangriff auf Rüstungsbetriebe in Wiener Neustadt, Schwechat (Niederösterreich), Wiener Neudorf (Niederösterreich) und Bad Vöslau (Niederösterreich) vom 23. April 1944, an welchem rund 500 US-Bomber und 300 Begleitflugzeuge beteiligt sind, wobei auch Bomben auf das Gebiet der Gramatneusiedler Nachbargemeinden Moosbrunn (Niederösterreich) und Reisenberg (Niederösterreich) fallen.

1944

Am 10. Mai 1944 erfolgen Luftangriffe der Alliierten auf Berndorf (Niederösterreich), Kottingbrunn (Niederösterreich) und das Gebiet zwischen Enzesfeld (heute zu Enzesfeld-Lindabrunn, Niederösterreich) und Bad Vöslau (Niederösterreich), welche auch in Gramatneusiedl zu vernehmen sind. Am 24. Mai 1944 betreffen die Luftangriffe auf Rüstungsbetriebe und Fliegerhorste mit Moosbrunn (Niederösterreich) und Zwölfaxing (Niederösterreich) wieder die unmittelbare Nachbarschaft Gramatneusiedls. In Moosbrunn gibt es zahlreiche Tote: Bewohner des Ortes, französische Kriegsgefangene sowie meist jugendliche polnische und slowakische Zwangsarbeiterinnen. Die Verwundeten werden vom Gramatneusiedler Gemeindearzt Andreas Hauswirth (1885–1975) versorgt. Am 29. und 30. Mai 1944 gibt es erneut Fliegeralarm in Gramatneusiedl. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Am 6. Juni 1944 landen die alliierten Truppen in der Normandie (Frankreich), womit ihnen der entscheidende Vorstoß auf europäisches Festland von Westen her gelingt.

1944

Am 16. Juni 1944 fallen im Zuge eines Luftangriffs der Alliierten auf Wien, Floridsdorf (heute zu Wien) und Schwechat (Niederösterreich) die ersten Bomben auf Äcker des Gemeindegebietes von Gramatneusiedl. Damit ist der von deutschen und österreichischen Soldaten nach fast ganz Europa und nach Afrika getragene Schrecken und Terror des Krieges auch für die Bevölkerung Gramatneusiedls in die eigene Heimat zurückgekehrt. Am 26. Juni sind die Luftangriffe der Alliierten auf Schwechat zu vernehmen. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Am 8. Juli 1944 kommt es zu einem großen Luftangriff auf die Raffinerien Korneuburg (Niederösterreich) und Wien-Floridsdorf, auf Atzgersdorf (heute zu Wien), Vösendorf (Niederösterreich), die Fliegerhorste Zwölfaxing (Niederösterreich), Münchendorf (Niederösterreich), Markersdorf-Haindorf (Niederösterreich) und die Stollenanlage Quarz bei Loosdorf (Niederösterreich). Dabei fallen erneut Bomben auf das Gemeindegebiet von Gramatneusiedl. An diesem Tag werden acht Verwundete aus der Umgebung in den Saal des Gemeindewirtshauses Nr. 1 im Schloss Gramatneusiedl eingeliefert. In den Nachbardörfern Moosbrunn (Niederösterreich) und Velm (heute zu Himberg, Niederösterreich) gibt es wieder Verletzte und einen Toten Häftling aus dem Konzentrationslager Lanzendorf (Niederösterreich). Am 16. und 26. Juli 1944 fallen erneut Bomben auf Nachbardörfer von Gramatneusiedl. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Am 20. Juli 1944 findet im Hauptquartier »Wolfsschanze« in der Nähe von Rastenburg (heute Kętrzyn, Polen) das gescheiterte Bombenattentat von Claus Schenk Grafen von Stauffenberg (1907–1944) auf Adolf Hitler (1889–1945) statt, trotz Scheiterns ein symbolisch bedeutender Akt des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

1944

Im Juli 1944 wird der letzte noch lebende Besitzer und 1925 bis 1930 Hauptaktionär der einstigen Textilfabrik Marienthal, Stephan Mautner (1877–1944), der im Juni 1939 nach Ungarn geflüchtet war, in Budapest aufgegriffen und zusammen mit seiner Frau Elsa Mautner, geborene Eissler (1877–1944) im Konzentrationslager – vermutlich Auschwitz (Oświęcim, Polen) – ermordet. Ihre drei Kinder überleben: Andreas (später: Andrew) Mautner (1901–1980), Elisabeth (später: Elizabeth) Mautner (1903–1993) und Karl Friedrich Mautner (1915–2002).

1944

Vom 20. bis 28. August 1944 gibt es in Gramatneusiedl täglich Fliegeralarm, der stets mehrere Stunden andauert. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Im August 1944 ziehen mehrere Tage lang riesige Flüchtlingskolonnen mit Ross und Wagen durch Gramatneusiedl Richtung Westen, durchwegs Deutsprachige aus Rumänien, dem Banat (Банат / Bánság) und der Bačka (Бачка / Bácska). ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Seit September 1944 gibt es fast täglich Fliegeralarm in Gramatneusiedl.

1944

Am 7. Oktober 1944 kann man in Gramatneusiedl fast den ganzen Tag lang eine Rauchwolke sehen, welche durch Luftangriffe der Alliierten auf Wien und die Raffinerie Schwechat (Niederösterreich) verursacht wird. Auch in den folgenden Tagen sind in Gramatneusiedl die Wien bombardierenden Flugzeuge und Abstürze abgeschossener Bomber zu beobachten, das Dröhnen der Bomben und das Feuer der Fliegerabwehrkanonen zu hören. Nach den Luftangriffen auf die Ölfelder bei Zistersdorf (Niederösterreich) kann man in Gramatneusiedl am Abend dreier Tage des Leuchten der brennenden Ölquellen über einer dicken Rauchwolkenschicht beobachten. (Siehe Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Am 18. Oktober 1944 werden alle noch vorhandenen wehrfähigen Männer zwischen dem 16. und 60. Lebensjahr für den so genannten Volkssturm mobilisiert. Die Aufstellung eines Volkssturms in Gramatneusiedl unterbleibt zunächst.

1944

Am 23. Oktober 1944 zieht eine lange Flüchtlingskolonne mit über 450 Pferdefuhrwerken und daneben mitgetriebenen Rindern durch Gramatneusiedl Richtung Wien; diesmal kommen die Flüchtlinge aus Bosnien und Ungarn. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Ende Oktober 1944 beschreibt Leopold Eder (1899–1963), Pfarrer in Moosbrunn, die Lage von Juden und Ausländern in Moosbrunn (Niederösterreich), Gramatneusiedl und Velm (heute zu Himberg, Niederösterreich). ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Besonders am 1. und 3., 5. bis 7. und 17. bis 20. November 1944 gibt es heftige Luftangriffe der Alliierten in der Umgebung Gramatneusiedls. Die Bombardements sind so massiv, dass in Gramatneusiedl die Gebäude von den Luftdruckwellen erzittern. Nachdem die Bahngleise bei Himberg (Niederösterreich) am 19. November 1944 durch Bombardement schwer beschädigt werden, können die Züge von Bruck an der Leitha (Niederösterreich) nun nur mehr bis zum Bahnhof Gramatneusiedl fahren. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Die kleine, 1943 eingerichtete Näherei von Adolf Ahlers (1899–1968) im Heizhaus der ehemaligen Textilfabrik Marienthal wird im November 1944 stillgelegt, womit der gesamte Betrieb des Unternehmens ruht.

1944

Seit Anfang November 1944 wird in Gramatneusiedl das Eintreffen sowjetischer Truppen großteils befürchtet, von wohl nur wenigen erhofft. ( Denkbuch Moosbrunn.)

1944

Besonders am 2., 3., 11., 17., 18. und 26. Dezember 1944 gibt es heftige Luftangriffe der Alliierten in der Umgebung Gramatneusiedls. ( Denkbuch Moosbrunn.)

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2011

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