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Große Chronik von Gramatneusiedl, Marienthal und Neu-Reisenberg 1947

1947

Anfang Februar 1947 setzt heftiger Schneefall in Gramatneusiedl ein und verschärft die durch den ungewöhnlich kalten Winter angespannte Situation.

1947

Am 17. Februar 1947 tritt in Österreich das bereits am 25. Juli 1946 beschlossene, stark entschärfte Nationalsozialistengesetz in Kraft. Dieses wird bereits im Juni 1948 weiter entschärft.

1947

Im Februar 1947 erhält Österreich vom World Food Council (WCF; Welternährungsrat) Waren im Wert von 100 Millionen US-Dollar geschenkt.

1947

Durch Ministerratsbeschluss vom 25. Februar 1947 wird die neue, heute noch gültige österreichische Bundeshymne eingeführt.

1947

Im Februar 1947 kehrt Josef Forche (1904–1981) aus seinem sowjetischen Exil nach Österreich zurück; er war im Juli 1937 nach Spanien gegangen, um dort als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner zu kämpfen. Nach seiner Internierung in Frankreich war er 1939 in die Sowjetunion ins Exil gegangen. Forche ist in Gramatneusiedl wieder als Funktionär der »Kommunistischen Partei Österreichs« (KPÖ) und später auch als Gemeinderat tätig.

1947

1947 werden die Reparaturarbeiten an der Kirche Sankt Peter und Paul fortgesetzt. Der 1946 begonnene Zubau zum »Pfarrheim«, das so genannte Hofhaus, wird fertig gestellt.

1947

Mit 30. Juni 1947 werden die im Vorjahr angelaufenen Lebensmittellieferungen der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA), die Hilfs- und Wiederherstellungsverwaltung der Vereinten Nationen, für Österreich eingestellt: Innerhalb von 18 Monaten waren Güter im Wert von 137 Millionen US-Dollar Österreich geschenkt worden. Gleichsam an deren Stelle tritt die »Amerikahilfe«: Gemäß dem Hilfsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika vom 25. Juni 1947 liefern diese kostenlos Güter nach Österreich; der Verkaufserlös darf von der österreichischen Bundesregierung für den Wiederaufbau verwendet werden. Außerdem läuft am 15. Juli 1947 eine britische Hilfs- und Kreditaktion für Österreich an.

1947

Die Folgen der Lebensmittelknappheit, vor allem aber des explodierenden Schleichhandels, werden durch das erste Lohn- und Preisabkommen vom 1. August 1947 etwas gemildert: Die Löhne werden um durchschnittlich 250 Prozent, Industrieartikel um 200 bis 500 Prozent und Agrarprodukte um 190 Prozent gegenüber 1937 erhöht.

1947

1947 wird die »Obst- und Gemüsegenossenschaft Gramatneusiedl« gegründet, welche gemeinsam mit der »Landwirtschaftlichen Genossenschaft Gramatneusiedl« die Übernahme des Frischkrauts durchführt; seit 1939 war diese nur durch die »Landwirtschaftliche Genossenschaft Gramatneusiedl« erfolgt. Für die Krautübernahme werden auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik Marienthal im Jahr 1949 eine Frischkrautlagerhalle (teils auf den Fundamenten des abgebrannten ehemaligen Spinnerei-Hauptgebäudes) und 1950 westlich des Arbeiterwohnhauses Neugebäude die Kraut- und Gemüseverarbeitungshalle, Reisenberg 229 (heute An der Fischa 2), errichtet.

1947

Nach erfolglosen Versuchen der österreichischen Bundesregierung reagiert der sowjetische Diktator Iosif Stalin / Иосиф Сталин (d.i. Iosif Vissarionovič Džugašvili / Иосиф Виссарионович Джугашвили; 1878–1953) auf den Bittbrief der »Kommunistischen Partei Österreichs« (KPÖ) vom 18. Juni 1947 positiv: Am 12. September 1947 trifft am Wiener Ostbahnhof der erste große Heimkehrertransport aus der Sowjetunion mit 1.199 Kriegsgefangenen ein. Bis Ende 1950 werden 488.000 österreichische Kriegsgefangene aus der Sowjetunion zurückkehren.

1947

Im Oktober 1947 wird die Aktion »Säuglingswäschepakete« gestartet, bei der Mütter für jedes Neugeborene Babywäsche erhalten. Ebenfalls 1947 wird wieder die Mutterberatung eingeführt, ebenso die Milchaktion für bedürftige Schulkinder: Noch 1954 werden in Gramatneusiedl 32 Schüler beteilt. Diese Aktionen werden teilweise bis in die 1960er Jahre beibehalten.

1947

Im November 1947 wird an der Straße von Ebergassing (Niederösterreich) nach Gramatneusiedl eine neue Kleingartenanlage für die Bevölkerung Gramatneusiedls errichtet.

1947

Mit 10. November 1947 erhält der Normalverbraucher in Österreich täglich 1.700 Kalorien.

1947

Gemäß dem Bundesgesetz vom 19. November 1947 über die Verringerung des Geldumlaufs und der Geldeinlagen bei Kreditunternehmen tritt mit 10. Dezember 1947 das Währungsschutzgesetzt in Kraft. Der Wert des im Umlauf befindlichen Geldes wird auf ein Drittel herabgesetzt, das heißt, ein Schilling ist nur mehr 33 Groschen wert; lediglich 150 Schilling pro Kopf werden im Verhältnis 1:1 umgetauscht.

1947

Die noch immer katastrophale Ernährungslage in Österreich führt 1947 zur rapiden Ausbreitung der Tuberkulose: In Österreich sterben an ihr bis Jahresende etwa 800 Personen, an die 40.000 sind an Tuberkulose erkrankt. Am 15. Januar 1948 wird deshalb eine eigene TBC-Kommission für Österreich gebildet.

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010

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