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Die Errichtung der Kinderbewahranstalt in Gramatneusiedl 1844

Eintrag von Anton Schallerl (1780–1862) in: Denkbuch d[er] Pfarre Moosbrunn. Band 1, S. 383–384.

Transliteration: Reinhard Müller.

383

Kleinkinderbewahranstalt zu Grammatneusidl

Laut k[aiserlich] k[öniglichem] Kreisamts Decret vom 29. März Z[a]hl 6202/207 beantragt Franz Gutherz Hofrichter des Wiener metropolitan Domkapitels u[nd] Oberbeamter der Herrschaft Grammatneusidl im Namen des Hermann Todesco die Errichtung einer Kinderbewahranstalt für Grammatneusidl.

384

Uiber diesen Antrag wurde am 11 April eine Kreisämtliche Commission in Grammatneusidl abgehalten mit Zuziehung des hochw[ürdigen] Herrn Dechant u[nd] des Pfarrers [d.i. Anton Schallerl; Anm. R.M.]. Gutherz wollte das Gebäude auf die Ortsschule hinauf, oder an das Schulhaus anbauen dort wo jetzt die Wohnung des Schullehrers [d.i. Joseph Huemann; Anm. R.M.] ist, behauptend, daß beide Schulen miteinander verbunden seyn müssen, u[nd] können, und daß durch die Errichtung der Kinderbewahranstalt ihr Schuldienst bedeutend verbessert werden würde.

Die Bewahranstalt sollte für arme Kinder, sowohl von der Fabrik als auch von Grammatneusidl, Moosbrunn und Ebergassing errichtet werden.

Der Gemeindevorstand bath, daß sie für alle kleinen Kinder ohne Ausnahme stattfinden sollte, worauf Herr Gutherz erwiederte, daß er dazu keinen Auftrag habe.

Der hochw[ürdige] Herr Dechant und Pfarrer gaben sonst nichts zu Protocoll, als daß der Schullehrer nicht gezwungen werde, den Dienst zu übernehmen. (Mündlich ersuchte der Pfarrer den Herrn Kreiszeichner [Josef] Kammerer Sorge zu tragen daß das Schulhaus nicht verbauet werde.) Herr Gutherz ließ gegen den Schullehrer vernehmen daß er jährlich Sechszig Gulden als Gehalt erhalten wird.

Hierauf wurde das Gebäude mit Bewilligung des k.k. [Kreisamtes] dorthin gebaut, wo es gegenwärtig steht u[nd] mit Ende September vollendet.

Am 2 September erhielt die Pfarre vom hochw[ürdigen] Decanate den Auftrag, mit der Herrschaft Grammatneusidl gemeinschaftlich über die Herstellung der Kinderbewahranstalt, über die Errichtung des Stiftungsbriefes, über die Sicherstellung der von Stifter übernommenen Verbindlichkeiten, u[nd] über die Eröffnung u[nd] den Fortgang der Anstalt sobald als möglich Bericht zu erstatten.

Die Herrschaft erhielt den nähmlichen Auftrag. (war aber mit Ende Feber 1845 noch nichts geschehen.)

Am 23 November starb Herr Hermann Todesko.

Am 14 Dezember wurden einige kleine Käufe eingestellt.

Der Garten wurde gekauft von Joseph Fischer Mitnachbar zu Neusidl nro. 9 [heute Oberortsstraße 20; Anm. R.M.] um 80 f[lorin] M.M. [d.i. Konventionsmünze; Anm. R.M.]. (wohlfeil) Das Gebäude steht auf dem Wiesgrunde des Nachbarhauses nro. 23 [heute Bahnstraße 13; Anm. R.M.] Ignaz Weber. Die  Klafter [d.s. Quadratklafter; Anm. R.M.] hielt er hart um 2 f 30 [Kreuzer] und wurde ihm auch bezahlet. (Theuer) und der vom Gebäude fortlaufende Garten gehörte auch noch zu Wiese.

Faksimile: 383, 384.

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