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Die Befreiung Gramatneusiedls durch die Rote Armee im April 1945

Eintrag von Leopold Eder (1899–1963) in: Denkbuch der Pfarre Moosbrunn. Band 2, S. 128–129.

Transliteration: Reinhard Müller.

128

Ein gleiches Verbrechen – man erklärte diese Sprengungen als kriegsnotwendig – jeder Denkende wußte aber seit Jahr u[nd] Tag: seit den Tagen von Stalingrad [d.i. die Niederlage von Teilen der Deutschen Wehrmacht am 2. Februar 1943 in Stalingrad / Сталинград, heute Volgograd / Волгоград; Anm. R.M.] und des Kriegseintrittes der U.S.A. [am 8. Dezember 1941; Anm. R.M.], daß dieser 2. Weltkrieg wieder verloren sei – war (der Brand b[e]z[iehungs]w[eise] die Sprengung) des schönen landwirtschaftlichen Lagerhauses in Marienthal u[nd] der Fischabrücke c[irka] 10h sowie des Kaufhauses Heinrich Treer, Neureisenberg N[umme]r 118 [heute Mitterndorferstraße 2; Anm. R.M.], (in der Nacht z[um] Mittwoch [dem 4. April 1945, recte jedoch 3. April; Anm. R.M.]) am Osterdienstage [d.i. der 3. April 1945; Anm. R.M.]. Große

129

Mengen an Früchten u[nd] Lebensmitteln wurden vernichtet. Das Lagerhause brannte lange. In der ganzen Gegend wurden Bahn- u[nd] Straßenbrücken u[nd] Objekte gesprengt. Als Urheber hiesiger Sprengungen werden allgemein Parteigenossen der N[ational] S[ozialistischen] D[eutschen] A[rbeiter] P[artei] bezeichnet. Am Ostersonntage [d.i. der 1. April 1945; Anm. R.M.] abends wollten diese noch den Volkssturm sammeln. In der Versammlung im Gutshofe [in Moosbrunn; Anm. R.M.] war die Opposition zu groß, die Männer gehorchten nicht u[nd] blieben bei ihren Angehörigen.

Am Charfreitage [d.i. der 30. März 1945; Anm. R.M.] c[ika] 3h früh wurde in Moosbrunn alles erweckt u[nd] erschreckt mit der Aufforderung, den Ort zu verlassen bis 6h früh. Es geschah nicht. Am Ostersonntag [d.i. der 1. April 1945; Anm. R.M.] fuhren einige Autos mit Frauen u[nd] Kindern nach dem Westen, aus Gram[at] Neusiedl-Mariental [!] flohen mehr. Die hier in der Karwoche angekommenen SS Truppen verließen nun die Orte. Moosbrunn war am Ostermontage, 2.IV. einige Stunden ganz von Soldaten frei, man konnte schon die gute Hoffnung haben, daß die Besetzung ohne Kampf u[nd] Schaden erfolgen werde. Die NSDAP Kapitäne u[nd] Illegalen verließen den Schauplatz ihrer Kommandostellen u[nd] rückten angeblich zum Volkssturm ein: Verwalter Lindauer, Velm 1, Ortsgruppenleiter der 3 Orte; Engelb[ert] Markl, Moosbrunn, Gottfr[ied] Jirousch, (Jos[ef] Tögl [recte Tögel; Anm. R.M.], Insp[ektor Johann] Bendl,) Gr[amat] Neusiedl, beide Zellenleiter; Fabr[iks]-Leiter Kos, Schrickl [recte Schrickel], Steffl, Jos[ef] Zolles N[umme]r 110, alle vier in der Glasfabrik [in Moosbrunn; Anm. R.M.] beschäftigt; Gastwirt Trapl von N[umme]r 7; Verwalter Biegl vom Gutshofe Moosbrunn u[nd] andere mehr, nachdem ihre Familien schon fort waren. Die Lagerhausangestellten u[nd] Lehrerschaft von Gram[at] Neusiedl flohen, eine ziemliche Anzahl Häuser standen dort leer von Bewohnern.

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