FABRIK & ARBEITERKOLONIE MARIENTHAL

DIE MARIENTHAL-STUDIE

QUELLEN

CHRONIK

BILDER

HÄUSERBUCH

PLÄNE

DIE STUDIE

DAS PROJEKTTEAM

BIBLIOTHEK

ARCHIV

KÜNSTLER-SICHTEN

     

EINFÜHRUNG
 
HOME
IMPRESSUM
FEEDBACK

 
ENGLISH

Beschluss der Freien Gemeinde Gramatneusiedl betreffs der Gemeindegrenzregulierung. 24. September 1924

in: Archiv der Marktgemeinde Gramatneusiedl, Gemeinde-Kurrenden 1919–1938, Sitzungs-Protokoll zur Gemeinde-Ausschuß-Sitzung der Ortsgemeinde Gramatneusiedl am 24ten September 1924, S. [2–6].

Transliteration: Reinhard Müller.

[2]

II. Gemeindegrenzregulierung

Für die Dauer der Behandlung dieses Punktes der Tagesordnung übergibt der Herr Bürgermeister [d.i. Josef Bilkovsky; Anm. R.M.] den Vorsitz dem Vizebürgermeister Herrn Rudolf Theuer.

Der Herr Vorsitzende bringt die Zuschrift der n[ieder] ö[sterreichischen] Landesregierung Z[ahl] IIIa–771/3 vom 5. Sept[ember] 1924 betreffend: [»]Mitterndorf Lager, Pfarrzuständigkeit, Gemeindegrenzregulierung,« zur Verlesung und weist darauf hin, daß im Sinne dieser Zuschrift die Gemeinde heute schlüssig werden muß, ob, in welcher Weise und aus welchen Gründen eine solche Regulierung vorzunehmen wäre.

Der Herr Bürgermeister Josef Bilkovsky

[3]

schildert in ausführlicher Weise die Entstehung dieser Grenzstreitigkeiten. Er weist darauf hin, daß im Jahre 1915 ein Militärbevollmächtigter nach Gr[amat] Neus[iedl] kam und den hiesigen Grundbesitzern jene Gründe, um die sich heute der Streit dreht, genommen hat. Auf diesen enteigneten Gründen wurde das Mitterndorfer Barackenlager erbaut und sind im Laufe der Jahre auf diesem Grundkomplex die verschiedensten Privatunternehmungen entstanden. Wir haben seinerzeit alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die widerrechtlich enteigneten Gründe wieder in unseren Besitz zu bekommen oder wenigstens sie auf diesen Grundkomplex entfallenden Steuern zu erlangen, doch waren alle Bemühungen erfolglos. Die Steuergelder liefen in die Gemeindekasse Mitterndorf [an der Fischa; Anm. R.M.]. Und heute nun, wo alle Privatunternehmungen passiv sind, wo die Steuereingänge versiegen, wo die Auslagen für die Verwaltung dieses Grundkomplexes enorm steigen, wird vom Pfarramt Mitterndorf diese Grenzstreitfrage aufgerollt, um den passiv gewordenen Grundkomplex den Nachbargemeinden Moosbrunn u[nd] Gr. Neus. aufzuhalsen. Solange diese Gründe etwas abwarfen, kümmerte sich Mitterndorf darum, jetzt bilden sie jedoch für diese G[e]m[ein]de eine Last.

[4]

Darum der Versuch sie abzustoßen.

Herr G[e]m[ein]derat [Josef] Moldaschl betont, daß das Vorgehen der Gmde Mitterndorf offensichtlich sei, nun wo alles ausgesogen ist, sollen die Lasten anderen Gemeinden aufgehalst werden. Wenn wir nicht alles zurückbekommen, die entgangenen Steuergelder und wenn insbesonders die Gründe nicht wieder in unser Eigentum übergehen, dann hat unsere Gemeinde von dem gänzlich ausgebeuteten Grundkomplex kein weiteres Interesse, im Gegenteil wäre eine gänzliche Abstoßung dieses Komplexes nur von Vorteil, weil der Gmde ansonsten nur Auslagen erwachsen würden durch Leistung eines Schulbeitrages an Mitterndorf für die dort eingeschulten Kinder etz[etera].

Herr Gmdrat [Karl] Pecha erklärt, die ganze Sache sei derzeit noch nicht spruchreif. Wir sind überhaupt nicht kompetent um heute mit ja od[er] nein zu entscheiden. Es gibt heute noch daran interessierte Grundbesitzer, die noch immer hoffen, daß sie ihren seinerzeit verlorenen Grund zurückerhalten. Diese Hoffnung dürfen wir nicht zu nichte machen. Wir dürfen auf unser Recht nicht verzichten, sondern wir vertagen die Angelegenheit solange, bis einmal von höherer amtlicher Stelle ein Lokalaugenschein an Ort u[nd] Stelle angeordnet wird.

[5]

Herr Vizeb[ürgermeister Rudolf] Theuer berichtet, daß die Gründe wiederholt ihren Besitzer gewechselt haben, gegenwärtig in fremden Händen sich befinden und nie mehr in unser Eigentum übergehen können. Herr Bürgermeister meldet sich zum Wort und berichtet: Wir haben uns nun am Amtstag zu Ebreichsdorf mit dieser Angelegenheit eingehend befaßt u[nd] die Vertreter der beteiligten Gemeinden haben sich dahin gehend geeinigt, daß, wenn die Gründe nicht wieder in das Eigentum der Gemeinden Moosbrunn u[nd] Gr. Neus. übergehen, diese Gemeinden überhaupt auf alle Habe, welche die Gmde Mitterndorf jetzt abzustoßen versucht, zu Gunsten der Gemeinde Mitterndorf verzichten. Ich stelle daher folgenden Antrag: Die heutige Gemeinderatssitzung faßt im Sinne der Zuschrift der n.ö. Landesregierung vom 5.9.1924 Z IIIa–771/3 betreffend: Mitterndorf Lager, Pfarrzuständigkeit, Gemeindegrenzregulierung den prinzipiellen Beschluß, auf Grund der gegenseitigen Aussprache mit den Herrn Gemeindevertretern der Gmd. Mitterndorf u[nd] Moosbrunn im Beisein des Herrn Bezirkshauptmannes Dr. [Adalbert] Pamperl von Mödling am Amtstag zu Ebr[ei]chsd[or]f am 22.9.1924 den dort getroffenen Vereinbarungen, – den in Frage kommenden Grundkomplex an die Gemeinde Mitterndorf abzutreten – beizu-

[6]

stimmen; jedoch mit dem Zusatze, daß vorher von Seite der n.ö. Landesregierung im Beisein der Vertreter aller beteiligten Gemeinden u[nd] sämtlicher Interessenten ein Lokalaugenschein an Ort u[nd] Stelle vorgenommen wird, bevor dieser prinzipielle Beschluß bindend für alle Teile ist. Nach kurzer Debatte wird dieser Antrag zur Abstimmung gebracht und einstimmig zum Beschluß erhoben.

Register
Kalender
Kleine Chronik
 
Plan Fabrik Marienthal
Plan Neu-Reisenberg
Ortsplan Gramatneusiedl