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Markt-Ordnung der Gemeinde Gramatneusiedl (mit Änderung vom 25. Oktober 1926). Gramatneusiedl, am 21. Juli 1926

in: Archiv der Marktgemeinde Gramatneusiedl, Gemeinde-Kurrenden 1919–1938, Sitzungs-Protokoll zur Gemeinde-Ausschußsitzung der Ortsgemeinde Gramatneusiedl am 21. Juli 1926, Beilagen, S. [1–3].

Transliteration: Reinhard Müller.

[1]

Bürgermeisteramt der freien Gemeinde Gramatneusiedl.

 Markt-Ordnung

Der Gemeinde Gramatneusiedl.

1.)

Diese Marktordnung bezweckt den grösstmöglichen Wettbewerb unter den Verkäufern.

 

 

2.)

Markt wird in der Gemeinde Gramatneusiedl jeden Tag von 6 Uhr Früh bis 6 Uhr abends abgehalten, an Sonntagen jedoch nur vorm[ittags] den bestehenden gesetzl[ichen] Bestimmungen gemäss, längstens aber nur bis 11 Uhr vorm.

 

 

3.)

Die allgemeine Bestimmung über die Dauer der Marktzeit erfährt in den Sommermonaten eine zweistündige Verlängerung und dauert der Markt in den Sommermonaten von 6 Uhr früh bis 8 Uhr abends. Hiebei ist jedoch im Sinne des Gesetzes vom 25.V.1868, R[eichs] G[esetz] Bl[att] N[umme]r 49, Art[ikel] 13 alles zu unterlassen, was eine Störung der Sonntagsruhe zur Folge haben könnte und sind die Aufsichtsorgane angewiesen, strenge darüber zu wachen, dass Ausschreitungen gemieden, res[pektive] geahndet werden.

 

 

4.)

Auf diesen Wochenmärkten dürfen feilgeboten werden:

 

a.) Lebensmitteln [!] aller Art.

 

b.) Rohprodukte.

 

c.) Blumen und Sämereien.

 

d.) Artikeln des täglichen Bedarfes.

 

e.) Landwirtschaftliche Geräte.

 

Andere, als diese Artikeln feilzuhalten, ist nur den in Gramatneusiedl wohnenden Gewerbetreibenden gestattet.

 

 

5.)

Die Waren sind ausnahmslos auf dem, von der Gemeinde errichteten Marktplatze feilzuhalten.

 

 

6.)

Winkelmärkte während der Marktzeit, z[um] B[eispiel] in den Höfen der Gasthäuser, oder zwischen den Häusern der Fabriksanlage, etc[etera], sind bei Strafe verboten.

 

 

7.)

Sämtliche offene [!] und geschlossene [!] Marktstände werden vom Bürgermeisteramte Gramatneusiedl angewiesen und unterliegen einer Gebühr wie folgt:

 

a.)

für die Benützung des Raumes zur Aufstellung einer geschlossenen Markthütte bis zu einem Flächenausmass von 4 m[eter] pro Tag

1 S[chilling] 00 g[roschen]

 

b.)

darüber hinausgehend für jeden m

0 S 20 g

 

c.)

für einen offenen und vorübergehenden Stand pro Tag

1 S 20 g

 

d.)

für einen Tisch oder Bank pro Tag

0 S 70 g

 

e.)

Für einen bespannten Wagen mit Waren pro Tag

1 S 50 g

 

f.)

für alle anderen eingenommenen Plätze pro Tag

0 S 80 g

 

Das Auslegen von Waren neben den Marktwagen ist verboten. Jeder Marktbeschicker darf nur einen Standplatz haben.

 

 

8.)

Jedermann ist berechtigt, den Markt mit den im Punkt 4 angeführten Waren zu beziehen.

 

 

9.)

Zwischenhändler dürfen am Marktplatz von den Marktbeschickern in en gro [!] nichts einkaufen.

[2]

10.)

Jeder Verkäufer ist verpflichtet, den Preis seiner Waren (stückweise oder nach dem gesetzlichen Masse) an seinem Verkaufestande deutlich leserlich ersichtlich zu machen.

 

 

11.)

Gewichte, Masse und Wagen [!] müssen behördlich geeicht sein.

 

 

12.

Esswaren dürfen auf dem Markte keiner Verunreinigung ausgesetzt sein.

 

 

13.)

Beanständete Ware ist über Aufforderung des Marktkommissärs auf das Bürgermeisteramt zu schaffen. Gesundheitsschädliche Waren werden beschlagnahmt und der Verkäufer gerichtlich verfolgt.

 

 

14.)

Während der Marktzeit ist jede Störung der öffentlichen Ruhe am Marktplatze, die Verunreinigung und das Befahren desselben, sowie das Mitnehmen von Hunden dorthin, verboten. Den Marktverkehr störende Personen sind abzuschaffen.

 

 

15.)

Im Uebrigen gelten die Bestimmungen des Lebensmittelgesetzes vom 16. Jänner 1896, R.G.Bl. Nr. 89 bis 97, und die Sanitätsvorschriften.

 

 

16.)

Streitigkeiten, welche sich bei dem Verkaufe von Waren ergeben sollten, werden über Verlangen vom Bürgermeisteramte geschlichtet.

 

 

17.)

Der Marktkommissär hat für die genaue Befolgung der vorstehenden Bedingungen Sorge zu tragen, sich aller Uebergriffe zu enthalten; dagegen sind die Marktparteien verpflichtet, den Anordnungen des Marktkommissärs unbedingt Folge zu leisten und auch über die erzielten Preise jederzeit Auskunft zu erteilen.

 

 

18.)

Der Marktkommissär hat alle Uebertretungen der Marktordnung dem Gemeindevorstande zur weiteren Amtshandlung zur Anzeige zu bringen und ist berechtigt, renitente Personen demselben zwangsweise zu stellen.

 

 

19.)

Uebertretungen dieser Marktordnung werden vom Gemeindevorsteher in Gemeinschaft mit zwei Gemeinderäten mit Geldstrafen von 2 S bis 20 S. bez[iehungs]w[eise] im Falle der Zahlungsunfähigkeit mit 6 bis 48 Stunden Arrest bestraft. Im Wiederholungsfalle hat der Beanständete die Entziehung der Befugnis zum Marktbesuche zu gewärtigen.

 

 

20.)

Sämtliche feststehende Markthüttenbesitzer sind verpflichtet, ausser den gemäss Punkt 7 dieser Marktordnung zu leistenden Marktgebühren, der Gemeinde Gramatneusiedl als Anerkennungszins für den Standplatz einen Betrag von 1 S per Monat, zu entrichten. und [!] hält sich die Gemeinde jederzeit das Kündigungsrecht, ohne Angabe der Gründ [!], vor. Die gemäss Punkt 7 und 20 zu leistenden Gebühren sind immer im Vorhinein an die Gemeindekassa zu entrichten.

 

 

Vorstehende Marktordnung wurde in der Gemeinderatssitzung vom 21. Juli 1926 vom Gemeindeausschusse EINSTIMMIG beschlossen.

Buergermeisteramt Gramatneusiedl:

am 21. Juli 1926

Der Buergermeister:

[3]

Punkt 4 der Marktordnung der Gemeinde Gramatneusiedl wird hiemit abgeändert und hat zu lauten:

»Auf diesen Wochenmärkten dürfen feilgeboten werden:

a.)

Lebensmitteln [!], welche als Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft zu werten sind, mit Ausschluss der Kolonialwaren und solcher Lebensmitteln [!], die laut Gewerbeordnung den dazu befugten Händlern vorbehalten bleiben.

b.)

Rohprodukte.

c.)

Blumen und Sämereien.

d.)

Artikeln [!] des täglichen Bedarfes u[nd] zwar: Eisenwaren, Geschirre aller Art aus Glas, Porzellan, Steingut, Blech, Kinderspielzeug aller Art, Schnitt- und Kurzwaren und Kommissionswaren.

e.)

Landwirtschaftliche Geräte.

Andere als diese Artikeln [!] feilzuhalten, ist nur den in Gramatneusiedl wohnenden Gewerbetreibenden gestattet.«

Für die richtige Ausfertigung:

25. Oktober 1926

Der Bürgermeister: [Josef Bilkovsky]

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