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Geplante Hauptschule Gramatneusiedl 1927 bis 1930

Gramatneusiedl, an der Hauptstraße, Ecke Kirschgasse

Lageplan

Das den Gemeinderat der Freien Gemeinde Gramatneusiedl und große Teile der Bevölkerung beherrschende Thema der späten Zwanzigerjahre war die Hauptschule Gramatneusiedl. In der Sitzung vom 4. Dezember 1927 wurde der Bau einer Hauptschule für Knaben und Mädchen in Gramatneusiedl innerhalb der nächsten drei, vier Jahre einstimmig beschlossen. Der geplante Neubau (etwa auf dem Areal der heutigen Siedlungshäuser Neubau, wo das 1919 geplante Kino Gramatneusiedl stehen sollte), der das Prestigeprojekt der Gemeinde für die nächsten Jahre sein sollte, war notwendig, weil mit dem Hauptschulgesetz vom 2. August 1927 die 1869 eingeführte Bürgerschule von der vierklassigen Hauptschule (5. bis 8. Schulstufe) abgelöst wurde. In der Gemeinderatssitzung vom 28. April 1928 wurde das Bauvorhaben einstimmig beschlossen und der Wiener Architekt Leo Kammel (1885–1948) mit der Planung beauftragt.

Mit Beginn des Schuljahres 1928/29 wurde die Hauptschule Gramatneusiedl am 1. September 1928 eröffnet, zunächst noch in den Räumlichkeiten der Volksschule. Erst mit Beschluss des Bezirksgerichtes Ebreichsdorf (Niederösterreich) vom 8. Januar 1929 war der für den Neubau der Hauptschule notwendige Baugrund vollständig im Besitz der Gemeinde. Als es Anfang 1929 die ersten Anzeichen einer drohenden Schließung der Textilfabrik Marienthal gab, kippte die einst zustimmende Haltung in Teilen der Bevölkerung. Die »Landwirtschaftliche Genossenschaft Gramatneusiedl«, die Ortsgruppen des »Niederösterreichischen Bauernbundes« und des »Deutsch-österreichischen Gewerbebundes« sowie 72 Gramatneusiedler Bürger und Bürgerinnen (das waren etwa zehn Prozent der Steuer zahlenden Bevölkerung des Ortes), die fast ausschließlich dem christlichsozialen und dem deutschnationalen Lager angehörten, überreichten der Niederösterreichischen Landesregierung eine mit 14. April 1929 datierte Protestresolution gegen den geplanten Neubau der Hauptschule: Angesichts der angespannten Lage in der Textilfabrik Marienthal wäre die ökonomische Situation der Freien Gemeinde Gramatneusiedl massiv gefährdet. In der nächsten Sitzung des Gemeinderates Gramatneusiedl, am 7. Mai 1929, wurde die Protestresolution über Mehrheitsbeschluss zurückgewiesen und eine Resolution der sozialdemokratischen Majorität an die Niederösterreichische Landesregierung als Gemeinderatsbeschluss verabschiedet. Am nächsten Tag legten vier der fünf Gemeinderäte der christlichsozialen »Wirtschaftspartei« – der Landwirt Franz Griesmüller (um 1868–1938), der Landwirt Josef Moldaschl (1863–1937), der Fleischhauer Karl Pecha (?–1937) und der Landwirt Matthias Spiegelgraber (1865–1939 wegen Überstimmung der Minderheit ihr Mandat nieder. Es war dies der größte parteipolitische Eklat im Gemeinderat Gramatneusiedl seit 1919, und er hatte auch Erfolg: Mit Schreiben der Niederösterreichischen Landesregierung vom 28. Mai 1929 wurde der geplante Neubau der Hauptschule wegen der angespannten finanziellen Situation der Gemeinde infolge der unsicheren Lage der Textilfabrik Marienthal vorläufig verschoben.

In der Gemeinderatssitzung vom 15. Januar 1930 wurde das grundsätzliche Festhalten am Plan des Neubaus einer Hauptschule mit zwölf gegen sechs Stimmen beschlossen, jedoch sollte der Ortsschulrat veranlassen, dass vorläufig im alten Schulgebäude die dritte Klasse Hauptschule eingerichtet werde. Aber schon in der Sitzung vom 3. Juli 1930 wurde, diesmal einstimmig, von einem Neubau der Hauptschule Abstand genommen. Stattdessen entschied man sich für die Errichtung von vier Schulklassen und eines Turnsaals in Form eines Zubaus zum bestehenden Schulgebäude, in welchem im September 1931 der Schulbetrieb der Hauptschule aufgenommen wurde.

Weitere Informationen auf dieser Website:

Große Chronik von Gramatneusiedl, Marienthal und Neu-Reisenberg:

Bibliothek:

● Theuer, Rudolf (1876–1940): Die Aufbauarbeit der Gemeinde in den Jahren 1919–1929. Bericht der Gemeindevertretung von Gramatneusiedl über die Tätigkeit in der Funktionsperiode 1919–1929. Verfaßt und zusammengestellt im Auftrage des Gemeinderates von Rudolf Theuer, Finanzreferent der Gemeinde. [Gramatneusiedl]: Im Selbstverlag der Gemeinde [1929], 19 S.:

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010

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