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Kinderbewahranstalt

1845–1931: Kinderbewahranstalt

1931–1939: Kindergarten Gramatneusiedl

1940–1945: Kindertagesstätte der »Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt«

1945–1970: Kindergarten Gramatneusiedl

auch: das Stift

Gramatneusiedl, Oberortsstraße 1 (18441961 Nr. 70)

Gebäude erbaut 1844, abgerissen 1992

eröffnet 1845, geschlossen 1970

Lageplan

Hermann Todesco (1791–1844), Begründer der zweiten Textilfabrik Marienthal, ließ für die Kinder seiner Arbeiterschaft eine Art Kindergarten errichten: die Kinderbewahranstalt. Im März 1844 beantragte Franz Gutherz (1802–1865), Hofrichter des Metropolitankapitels zu St. Stephan sowie Hof- und Gerichtsadvokat in Wien (und 1848 Mitglied der Nationalversammlung in Frankfurt am Main), im Namen Hermann Todescos die Errichtung einer Bewahranstalt für arme Kinder sowohl der Fabrik Marienthal als auch von Gramatneusiedl, Moosbrunn (Niederösterreich) und Ebergassing (Niederösterreich). Die vom Kreisamt im August 1844 endgültig genehmigte Kinderbewahranstalt wurde in einem dafür neu errichteten Gebäude neben der Kirche St. Peter und Paul im Bauerndorf Gramatneusiedl untergebracht, welches Ende September 1844 fertig gestellt war. Die Kinderbewahranstalt eröffnete am 14. Mai 1845 den Betrieb, wenngleich der alles regelnde Stiftungsbrief erst durch Max Todesco (1813–1890) am 22. August 1846 errichtet wurde. Gemäß dem Stiftungsbrief wurde auch 1846 eine entsprechende Gedenktafel am Gebäude angebracht. Im Haus wohnte auch die Gouvernante der Kinderbewahranstalt; die erste war die Witwe Anna Bumberle (1783–?), mit ihren Töchtern Franziska (1811–?), Maria (1818–?) und Antonia (1820–?) als Wärterinnen.

Nach Schließung der Textilfabrik Marienthal ging die Kinderbewahranstalt im September 1931 – gemeinsam mit einer fabrikeigenen Scheune, 18 Joch Feldern und 1.400 Schilling Bargeld – in den Besitz des Pfarramts Moosbrunn über und wurde seit dem 16. November 1931 als »Kindergarten Gramatneusiedl« von drei Schwestern der Kongregation »Mariahilfschwestern Don Boscos« weitergeführt, weshalb die Einrichtung von der Bevölkerung Gramatneusiedls nun auch »das Stift« genannt wurde. Im Mai 1932 wurde der Kindergarten mit einer Mauer umgeben. Zur Finanzierung des Kindergartens wurde auf Betreiben des Pfarrers Leopold Eder (1899–1963) im Mai 1936 der »Verein Jugendhilfe für Gramatneusiedl-Marienthal« gegründet, in der Gemeindetagssitzung vom 4. Juni 1936 dem Verein die Verwaltung des Kindergartens übertragen, wobei man nun, allerdings vergebens, eine Finanzierung durch das Land Niederösterreich anstrebte. Außerdem wurde in dem im Sommer 1936 erweiterten Kindergarten die Nähschule der Mariahilfschwestern Don Boscos eingerichtet, welche bis November 1939 hier untergebracht war.

Der Kindergarten wurde im November 1939 behördlich geschlossen und im Mai 1940 in eine Kindertagesstätte der »Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt« umgewandelt; die drei dort tätigen Ordensschwestern wurden entlassen und im August 1942 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) angewiesen, Gramatneusiedl zu verlassen.

Der Kindergarten wurde seit September 1945 wieder von Schwestern der Kongregation »Mariahilfschwestern Don Boscos« weitergeführt. 1946 bis 1947 wurde ein Neubau, das so genannte Hofhaus, als Ergänzung der ehemaligen Kinderbewahranstalt errichtet, welches auch als Pfarrerwohnung dienen sollte. Mit Vertrag vom 14. Mai 1953 wurde rückwirkend mit Jahresbeginn auch die Hermann Todesco-Stiftung der Kinderbewahranstalt ins Eigentum der Pfarre St. Peter und Paul überführt. Da die Schwestern der Kongregation »Mariahilfschwestern Don Boscos« aus Personalmangel aus Gramatneusiedl abgezogen wurden, musste der Kindergarten, die ehemalige Kinderbewahranstalt, im September 1970 geschlossen werden.

In den Räumlichkeiten des Kindergartens wurde vom 1. September 1971 bis 31. August 1974 provisorisch der Niederösterreichische Landeskindergarten Gramatneusiedl eingerichtet, und 1979 wurde die alte Küche der ehemaligen Kinderbewahranstalt umgebaut, um hier nach den Gottesdiensten ein »Pfarrstüberl« für ein gemütliches Zusammensein zu betreiben. Im September 1992 wurde das Gebäude des Kindergartens, die ehemalige Kinderbewahranstalt, abgerissen. Auf diesem Areal wurde das neue Römisch-katholische Pfarramt errichtet; so kam es, dass ein Teil dieser römisch-katholischen Einrichtung auf jenem Grund und Boden steht, den der exponierte Jude Hermann Todesco (1791–1844) als Kinderbewahranstalt stiftete.

Weitere Informationen auf dieser Website:

Denkmäler: Gedenktafel für die Kinderbewahranstalt, gestiftet von Hermann Todesco.

Große Chronik von Gramatneusiedl, Marienthal und Neu-Reisenberg:

Bilder: Das Arbeiterheim Marienthal.

Häuserbuch Marienthal 1930: Kinderbewahranstalt.

Archiv:

● Abschrift des Stiftungsbriefes der Kinderbewahranstalt zu Gramatneusiedl. Wien, am 22. August 1846:

Bildarchiv:

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010

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