Freiwilliger Arbeitsdienst (F.A.D.)

1932 bis 1938


F.A.D. und Quäker in Marienthal 1936

In Anlehnung an den freiwilligen Arbeitsdienst im Deutschen Reich beschloss die österreichische Bundesregierung am 18. August 1932 mit 1. September 1932 die Gründung des österreichischen freiwilligen Arbeitsdienstes zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit (siehe Richtlinien). Im Oktober 1933 leisteten bereits etwa 20.000 Personen in 240 Lagern Arbeitsdienst, wobei etwa die Hälfte der Arbeitsdienstler in den Arbeitsdienst-Lagern lebte. Die durch ihre grauen Uniformen ausgezeichneten Arbeitsdienstler wurden vor allem bei Großprojekten eingesetzt, etwa beim Bau der Höhenstraße auf den Wiener Kahlenberg, der Reichsbrücke in Wien und von Hochwasserdämmen. Im Ständestaat-Regime wurde der Arbeitsdienst zunächst bis 1935 weiter ausgebaut, dann aber stark reduziert, so dass es 1937 nur mehr etwa 4.500 Arbeitsdienstler gab.

Im September 1933 kehrte Marie Jahoda (1907–2001) an den Ort der Marienthal-Studie zurück, um in Gramatneusiedl im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes ein Arbeitslosenhilfeprojekt zu organisieren, über welches sie Anfang 1934 den Bericht »Zwei Jahre später« verfasste.

Nach dem »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde der freiwillige Arbeitsdienst durch den deutschen »Reichs-Arbeitsdienst« (RAD.) mit sechsmonatigem Pflichtdienst ersetzt, der ab 1939 vorwiegend zu militärischen Hilfsdiensten, ab 1944 zur Luftabwehr verwendet wurde.

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010