Der Brand des Justizpalastes in Wien

15. Juli 1927

Am 30. Januar 1927 kam es in Schattendorf (Burgenland) zu einem Zusammenstoß zwischen Angehörigen des sozialdemokratischen »Republikanischen Schutzbundes« und der aus antidemokratischen wie antisemitischen Kräften des nationalsozialistischen, großdeutschen und auch christlichsozialen Lagers zusammengesetzten »Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs«. Drei Frontkämpfer eröffneten plötzlich das Feuer, erschossen dabei zwei Unbeteiligte und verletzten fünf Schutzbündler. Der am 5. Juli 1927 begonnene Prozess vor einem Schwurgericht des Wiener Landesgerichts endete am 14. Juli 1927 mit dem Freispruch der drei angeklagten Frontkämpfer. Die Freisprüche im so genannten Schattendorfer Prozess führten am 15. und 16. Juli 1927 in Wien zu heftigen Zusammenstößen zwischen der großteils sozialdemokratisch orientierten Arbeiterschaft und der Staatsmacht: Zurück blieben 89 Tote, rund 660 Schwer- und etwa 1.000 Leichtverletzte. Dabei wurde am 15. Juli auch der Justizpalast von aufgebrachten Demonstranten in Brand gesetzt.

Unter den beim Justizpalastbrand verbrannten Aktenbeständen befanden sich auch die Grundbucheinlagen Gramatneusiedls. Im Februar 1928 musste die Freie Gemeinde Gramatneusiedl zwei Vertrauensmänner und vier bis sechs Stellvertreter benennen, die bei den grundbücherlichen Neuerhebungen mitwirken sollten. Das neue Grundbuch der Katastralgemeinde Gramatneusiedl trat erst mit 21. März 1932 in Kraft.

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010