Republikanischer Schutzbund


Republikanischer Schutzbund Marienthal 1930

Der »Republikanische Schutzbund«, gegründet im Mai 1923, entwickelte sich aus den Arbeiterwehren der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei« (SDAP). Die einheitlich uniformierten Verbände, organisiert in Kompanien, Bataillonen und Regimentern, waren nur mit Infanteriewaffen ausgerüstet, sollten aber dennoch eine proletarische Gegenkraft zu dem von Christlichsozialen beherrschten Bundesheer sowie zu den rechten, meist faschistischen Heimwehrverbänden darstellen. Die Zentralleitung des »Republikanischen Schutzbundes« hatte ihren Sitz in Wien, Obmann war Julius Deutsch (1884–1968), dessen Lebensgefährtin Maria Deutsch (1884–1973) an der Marienthal-Studie mitwirkte. Seit Anfang der 1930er Jahre verlor die Organisation zunehmend an Schlagkraft und wurde vom Ständestaat-Regime am 31. März 1933 behördlich aufgelöst. Der »Republikanische Schutzbund« blieb jedoch in der Illegalität weiter bestehen, teils als halblegale »Ordnergruppen«, und war auch die initiierende Kraft beim Februar-Aufstand 1934 zur Verteidigung der Demokratie in Österreich. Nach dessen blutiger Niederschlagung wurden viele Mitglieder des »Republikanischen Schutzbundes« verhaftet, andere gingen ins Exil und viele schlossen sich danach den illegalen »Revolutionären Sozialisten Österreichs« (RSÖ) oder der ebenfalls illegalen »Kommunistischen Partei Österreichs« (KPÖ) an. Der Versuch der »Revolutionären Sozialisten Österreichs«, in Österreich einen »Autonomen Schutzbund« als illegale bewaffnete Organisation zu gründen, scheiterte.

Am 5. August 1923 entstand auch in Gramatneusiedl-Marienthal eine Ortsgruppe des »Republikanischen Schutzbundes«, welche zuletzt etwa 150 uniformierte Mitglieder umfasst haben dürfte.

© Reinhard Müller
Stand: Juni 2010