Aleksandr Petrovič Grekov ‹Russisch: Александр Петрович Греков› Oleksandr Petrovič Grekiv ‹Ukrainisch: Олександр Петрович Греків› portrait

seit 1920 (offiziell seit 1946): Alexander Grekow

geb. Sopyči ‹Сопычи› (heute Gluchiv ‹Глухів›), Russisches Kaiserreich (heute Oblast Sumi ‹Сумська область›, Ukraine), am 3. Dezember 1875 (alter Stil: 21. November 1875)

gest. Wien, Bundesland Wien, Österreich, am 2. Dezember 1958

Militär und Historiker

Angehöriger des weiteren sogenannten Spannkreises

Aleksandr Petrovič Grekov, erstes von sechs Kindern eines Juristen und Großgrundbesitzers, stammte aus einer alten adeligen Familie. Seine schulische Erziehung erfolgte zunächst zu Hause. Nach der Reifeprüfung 1895 studierte er Rechtswissenschaften an der Lomonosov-Universität ‹Московский Государственный Университет имени М. В. Ломоносова› in Moskau ‹Москва›, welches er 1899 als Dr. jur. abschloss. Vom September 1897 bis August 1899 besuchte er die Moskauer Militärakademie ‹Московское военное училище›, wo er als Leutnant ‹Лейтенант› ausgemustert wurde.

Aleksandr Petrovič Grekov diente seit 1900 an der Nikolas-Generalstabsakademie ‹Николаевская академия Генерального штаба› in Sankt Petersburg ‹Санкт-Петербург›, wo er 1902 bis 1905 studierte und im Juni 1905 als Stabskapitän ‹Штабс-Капитан› abschloss. Vom Dezember 1905 bis Februar 1908 diente er als Kommandant des Jäger-Leibgarde-Regiments und vom Dezember 1907 bis April 1908 als stellvertretender Adjutant bei der 2. Grenadier-Division in Moskau. Vom April 1908 bis November 1910 war er stellvertretender Adjutant beim Stab der 1. Garde-Infanterie-Division und vom November 1910 bis Januar 1913 stellvertretender Adjutant beim Petersburger Militärdistrikt in Sankt Petersburg. Im Dezember 1911 wurde Grekov zum Oberstleutnant ‹Подполковник› befördert. Vom Januar 1913 bis Februar 1914 war er als Stabsoffizier im Hauptquartier der Gardetruppen in Sankt Petersburg tätig, seit Februar 1914 stellvertretender Adjutant.

Außerdem lehrte Aleksandr Petrovič Grekov seit 1908 Politische Geschichte und Militärgeschichte sowie Taktik an der Nikolas-Generalstabsakademie, wo er 1912 aufgrund seiner Dissertation »Война 1812 года« (Der Krieg von 1812) zum außerordentlichen Professor ‹Экстраординарный профессор› am Institut für Militärgeschichte ‹военной истории› der mittlerweile umbenannten Kaiserlichen Nikolas-Militärakademie ‹Императорская Николаевская военная академия› in Sankt Petersburg ernannt wurde.

Bei Kriegsbeginn 1914 wurde Aleksandr Petrovič Grekov Stabschef ‹Начальник штаба› der 74. Infanterie-Division. Im Dezember 1914 zum Oberst ‹Полковник› befördert, war er seit Januar 1915 Bataillonskommandant und seit Juni 1915 Stabschef beim 1. Garde-Infanterie-Regiment. Mit diesem war er an der sogenannten Süd-Westfront im Einsatz. Vom 18. April bis 21. September 1917 war der mittlerweile mehrfach Ausgezeichnete (1908 Orden des Hl. Stanislav 3. Klasse, 1911 Russischer Orden der Hl. Anna, 1913 Orden des Hl. Stanislav 2. Klasse, 1916 Orden des Hl. Georg 4. Klasse) Kommandant des Garde-Infanterie-Regiments an der Front nahe Tarnopol (Galizien; heute Ternopil' ‹Тернопіль›, Ukraine). Im Oktober 1917 zum Generalmajor ‹Генерал-майор› befördert, war er vom September bis Dezember 1917 Generalstabschef der 6. Armee und fungierte bei seiner Entlassung aus der russischen Armee am 15. Januar 1918 als Oberkommandierender der Nordfront.

Bereits im Dezember 1917 schloss sich Aleksandr Petrovič Grekov der ukrainischen Armee in Kijiv ‹Київ› (Ukraine) an. Der Ukrainische Zentralrat ‹Украї́нська Центра́льна Ра́да› ernannte ihn mit 19. Dezember 1917 zum Kommandeur der aus verschiedenen Armeeteilen zusammengesetzten 2. Serdju'ka-Division, doch hatte er diese Position nur bis zum 1. Januar 1918 inne. Anschließende wurde er für zwölf Tage Stabschef ‹Начальник штабу› des Militärdistrikts Kijiv. Am 25. Januar 1918 wurde die Ukrainische Volksrepublik ‹Українська Народна Республіка› ausgerufen, welche sich mit Deutschland und Österreich-Ungarn gegen die russischen Truppen der Bolschewiki verbündete. Grekov war seit 29. März 1918 für dreißig Tage Stellvertretender Kriegsminister ‹Помощник военного министра› der Ukrainischen Volksrepublik. Nachdem am 29. April 1918 der Ukrainische Staat ‹Українська держава› ausgerufen wurde, zog sich Grekov von allen Ämtern zurück und schloss sich der Opposition gegen die neue Staatsführung von General Pavlo Skoropads'kij ‹Павло Скоропадський› (1873–1945) an. Am 8. November 1918 übernahm Grekov im Rang eines Generalleutnants ‹Генерал-Хорунжий› für fünf Tage die Position des Generalstabschefs ‹Начальник штабу› der Ukrainischen Armee. Nach Beginn des Ukrainischen Bürgerkriegs am 16. November 1918 übernahm Grekov als Generalleutnant ‹Генерал-Хорунжий› am 4. Dezember 1918 das Kommando der Armee Süd der Ukrainischen Volksrepublik für zwölf Tage. Er führte die Verhandlungen mit französischen Truppen über die Besetzung der Stadt Odessa ‹Одесса› (heute Odesa ‹Одеса›, Ukraine). Am 14. Januar 1919 wurde Grekov Kriegsminister ‹Военный министр› der Ukrainischen Volksrepublik, am 27. Februar außerdem Oberbefehlshaber ‹Атаман› der Armee. Am 16. Januar 1919 erklärte die Ukrainische Volksrepublik Russland offiziell den Krieg. Nach politischen Auseinandersetzungen mit der Staatsführung wurde Grekov am 3. April 1919 aus allen Ämtern entlassen. Er zog sich daraufhin in die seit 22. Januar 1919 mit der Ukrainischen Volksrepublik offiziell verbündete West-Ukrainische Volksrepublik ‹Западно-Украинская Народная Республика› zurück. Hier wurde er am 27. Juni 1919 Befehlshaber ‹Командующий› der Ukrainisch-Galizischen Armee ‹Украинской Галицийской Армией›. Er wohnte damals in Kijiv ‹Київ› (Ukraine), dann in Čortkiv ‹Чортків› (Ukraine), zuletzt in Zališčiki ‹Заліщики› (Ukraine). Nach einem Konflikt mit der West-Ukrainischen Volksrepublik wurde er am 18. Juli 1919 aus der Armee entlassen. Grekov emigrierte mit seiner Familie im Juli 1919 nach Rumänien.

Im Mai 1920 ließ sich Aleksandr Petrovič Grekov mit seiner Familie in Wien nieder, wo er stellvertretender Vorsitzender des am 12. Februar 1921 gegründeten All-Ukrainischen Nationalen Rats ‹Всеукраинской национальной рады› wurde. Außerdem gab er 1922 die Zeitung »Хліборобська Україна« (Відень [Wien]; ukrainisch: Landwirtschaft in der Ukraine) heraus.

1922 kaufte Aleksandr Petrovič Grekov einen Bauernhof bei Tulln an der Donau (Niederösterreich), wo er Hühnerzucht und Gartenbau betrieb. 1929 ließ er sich von seiner Ehefrau Natalia Ivanovna Grekova ‹Наталия Ивановна Грекова› (geborene Kabat ‹Кабат›; 1883–1953), die er 1905 geheiratet hatte, scheiden. Mit ihr hatte er zwei Kinder: die Tochter Elizabeta Aleksandrovna Grekova ‹Елизавета Александровна Грекова› (1906–?), Übersetzerin bei der Ölfirma »Shell«, und den Sohn Oleg Aleksandrovič Grekov ‹Олег Александрович Греков› (1914–1942), der an der Hochschule für Bodenkultur in Wien studierte und 1941 zur Deutschen Wehrmacht als Übersetzer bei der nationalsozialistischen, militärisch organisierten Bautruppe »Organisation Todt« arbeitete.

1930 kehrte Aleksandr Petrovič Grekov nach Wien zurück und war bis 1933 arbeitslos. In dieser Zeit gehörte er zum sogenannten Spannkreis und veröffentlichte 1931 bis 1933 in dessen Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien). 1934 bis 1938 arbeitete Grekov mit der russischen Exilorganisation »Союз младороссов« (Union junger Russen) zusammen, schrieb Artikel zum Thema Ukraine in verschiedenen Zeitungen und war bis 1938 Verkäufer einer Buchhandlung in Wien. 1939 versuchte er vergeblich, die militärische Einheit »Украинское казачество« (Organisation der Kosaken) zu schaffen. Ebenfalls 1939 wurde er Mitglied der Organisation »Украинской Громады« (Ukrainische Massen), eine Dachorganisation aller Ukrainer auf dem Territorium des Dritten Reichs. 1942 zog sich Grekov von allen politischen Aktivitäten zurück, machte das Diplom als Buchhalter und arbeitete seit 1945 im Hotel »De France«. 1946 nahm der seit seinem Exil als politischer Flüchtling anerkannte Staatenlose die österreichische Staatsbürgerschaft an.

Aleksandr Petrovič Grekov wurde – wie übrigens im Januar desselben Jahres ein anderes Mitglied des sogenannten Spannkreises, nämlich Raphael Spann (1909–1983) – am 30. August 1948 von der sowjetischen militärischen Nachrichtendienst »СМЕРШ« (SMERŠ) in Wien entführt und ins Luk'janivska-Gefängnis in Kiev ‹Киев› (heute Kijiv ‹Київ›, Ukraine) gebracht, wo er bis Juli 1949 inhaftiert blieb. Mit Beschluss der außerordentlichen Sitzung des Ministeriums für Staatssicherheit der UdSSR vom 6. Juli 1949 wegen Mitgliedschaft in einer anti-sowjetischen Organisation und wegen anti-sowjetischer Aktivitäten zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, wurde er in ein sogenanntes Arbeitslager für politische Gefangene nach Ostsibirien deportiert. Erst am 23. Dezember 1956 konnte er nach Wien zurückkehren. Grekov wurde mit 27. Juli 1989 rehabilitiert.

In Kijiv ‹Київ› ist heute eine Straße nach Aleksandr Petrovič Grekov benannt.

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