Gottlieb Leibbrandt

geb. Hoffnungsfeld (Russisch: Nadeždovka ‹Надеждовка›; heute Nadeždivka ‹Надеждівка›), Russisches Kaiserreich (heute Oblast Odessa ‹Одеська область›, Ukraine), am 30. Juli 1908

gest. Kitchener, Provinz Ontario, Kanada, am 15. August 1989

Versicherungskaufmann und Soziologe

Angehöriger des engeren sogenannten Spannkreises, Mitglied der »Gesellschaft für Ganzheitsforschung«

Gottlieb Leibbrandt war das zehnte und letzte Kind des Landwirts und Kirchenvorstehers Johann Georg Leibbrandt (1860–1936) und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Harsch (1866–1938) sowie jüngerer Bruder des Diplomaten und nationalsozialistischen Propagandisten Georg Leibbrandt (1899–1982), der an der systematischen Judenvernichtung wesentlichen Anteil hatte.

Gottlieb Leibbrandt, seit 1919 in Deutschland, besuchte seit 1925 die Oberrealschule der Franckeschen Stiftung in Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt). Nach der Reifeprüfung studierte er 1927 bis 1929 Volkswirtschaft an den Universitäten Leipzig (Sachsen) und Hohenheim in Stuttgart (Baden-Württemberg). 1931 b

is 1934 studierte Gottlieb Leibbrandt Staatswissenschaften an der Universität Wien, wo er bei Othmar Spann (1878–1950) aufgrund der Arbeit »Stand, Staat und Volk« 1935 zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Er war Autor eines der ersten Bücher über Spann und Angehöriger des engeren sogenannten Spannkreises, an dessen Zeitschrift »Ständisches Leben« (Berlin–Wien) er 1934 bis 1935 und an dessen Schriftenreihe »Gesellschaftswissenschaftliche Abhandlungen« er 1935 mitarbeitete. Leibbrandt, seit 1. Oktober 1933 Mitglied der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP), wirkte in Wien als Schulungsleiter, auch noch, als die Partei im Juni 1933 in Österreich verboten wurde. Am 27. Juli 1934 wurde er wegen illegaler Tätigkeiten verhaftet, konnte dann aber entfliehen.

Gottlieb Leibbrandt ging 1935 nach Berlin, wo er weiterhin für die »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei« (NSDAP) tätig war. Während des Zweiten Weltkriegs war er vorübergehend in Breslau (heute Wrocław, Polen) tätig. Nach 1945 lebte der diplomierte Volkswirt unbehelligt in Bonn (Nordrhein-Westfalen), war 1950 Mitbegründer und danach Sprecher der »Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler (Rußlanddeutsche) e. V.«, seit Oktober 1950 Vorsitzender des »Verbands der Deutschen aus Rußland e. V.« und 1951 Mitbegründer dessen Zeitschrift »Volk auf dem Weg« (Stuttgart) sowie im August 1950 Mitunterzeichner der »Charta der deutschen Heimatvertriebenen«.

1952 emigrierte Gottlieb Leibbrandt nach Kanada, wo er sich in Kitchener (Ontario) niederließ und 1957 bis 1972 als Versicherungskaufmann und Manager der »Commercial Life Assurance Company of Canada« arbeitete. Hier fungierte er auch als Secretary der »Canadian Society of German Relief«.

Bibliografie