Eugen von Philippovich portrait

seit 1860: Eugen Philippovich Freiherr von Philippsberg; auch: Eugen Philippovich-Philippsberg

geb. Wien, Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Kaisertum Österreich (heute Bundesland Wien, Österreich), am 15. März 1858

gest. Wien, Kronland Österreich unter der Enns, Österreich-Ungarn (heute Bundesland Wien, Österreich), am 4. Juni 1917

Universitätsprofessor, Nationalökonom und liberaler Politiker

Vater: Nikolaus von Philippovich (Goszpics, Ungarn [heute Gospić, Kroatien] 1795 – Wien 1858), Feldmarschallleutnant und Geograf

Mutter: Emma von Philippovich (seit 1860: Freiin von Philippsberg), geborene von Roth, später verheiratete Freiin von Klimburg (Karánsebes, Ungarn [heute Caransebeș, Rumänien] 1834 – Wien 1908), Offizierstochter

Geschwister: 1) Max von Philipovich (seit 1860: Freiherr von Philippsberg; Wien 1855 – 1895), Oberstleutnant

Ehe: 1883 mit Henriette Heider (Wien 1860 – Wien 1918), Universitätsprofessorentochter

Kinder: 1) Stephan Philippovich (bis 1919: Freiherr von Philippsberg, dann Philippovich-Philippsberg; Wien 1884 – ?), Dr. jur., Kommissar der k. k. Seebehörde, dann Rechtsanwalt; 2) Dora Philippovich (bis 1919: Freiin von Philippsberg; Freiburg im Breisgau 1887 – ?); 3) Ottilie Philippovich (bis 1919: Freiin von Philippsberg; Freiburg im Breisgau 1890 – ?), verheiratete Reininghaus; 4) Max Philippovich (bis 1919: Freiherr von Philippsberg, dann Philippovich-Philippsberg; Freiburg im Breisgau 1892 – Marlboro, New Jersey 1970), Konsul; 5) Alexander Philippovich (bis 1919: Freiherr von Philippsberg; Wien 1895 – Wien 1968), Dr. phil., Chemiker an der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof für Treibstofftechnik; 6) Hildegard Philippovich (bis 1919: Freiin von Philippsberg; Wien 1900 – ?)

Religion: römisch-katholisch

Eugen Philippovich, der am 20. März 1860 mit dem Prädikat »von Philippsberg« in den Freiherrenstand erhoben wurde, besuchte 1868 bis 1876 das Gymnasium, zunächst in Marburg an der Drau (Steiermark; heute Maribor, Slowenien), dann die Theresianische Akademie in Wien, wo er 1876 die Reifeprüfung ablegte. 1876 bis 1880 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Graz (Steiermark) und an der Universität Wien, wo er 1882 zum Dr. jur. promoviert wurde. 1881 trat er in den Staatsdienst ein, wo er bis 1882 bei der Finanzprokuratur tätig war. 1882 bis 1883 betreib er ein halbes Jahr lang Studien an den Universitäten in Berlin und London. Nach seiner Rückkehr heiratete er Heirat die Universitätsprofessorentochter Henriette Heider (Wien 1860 – Wien 1918), mit der er sechs Kinder hatte.

1884 wurde Eugen Philippovich von Philippsberg an der Universität Wien aufgrund der Arbeit »Die Bank von England im Dienste der Finanzverwaltung des Staates« für Politische Ökonomie habilitiert und war seither Privatdozent (Priv.-Doz.).

1884 bis 1885 war Eugen Philippovich von Philippsberg Professor an der Handelsakademie in Wien. 1885 wurde er außerplanmäßiger Universitätsprofessor (apl. Univ.-Prof.), 1888 (bis 1893) ordentlicher Universitätsprofessor (o. Univ.-Prof.) der Nationalökonomie an der Universität Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg); sein Nachfolger wurde hier 1894 Max Weber (1864–1920). Seit 1892 gab er gemeinsam mit Eugen von Böhm-Bawerk (1851–1914), Karl Theodor von Inama-Sternegg (1843–1908), Friedrich von Wieser (1851–1926) und anderen die »Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung« (Wien–Leipzig) heraus.

Seit 1893 wohnte Eugen Philippovich von Philippsberg wieder in Wien. Seit 1893 war er ordentlicher Universitätsprofessor (o. Univ.-Prof.) der Politischen Ökonomie und Finanzwissenschaft an der Universität Wien, wo er auch 1895/96 und 19907/08 Dekan und 1905/06 Rektor war. Er emeritierte 1917 und sein Lehrstuhlnachfolger wurde der von ihm vorgeschlagene Othmar Spann (1878–1950).

Eugen Philippovich von Philippsberg war auch Mitglied der 1893 unter anderem von Michael Hainisch (1858–1940) mitbegründeten »Wiener Fabier-Gesellschaft«, die 1896 in der »Sozialpolitischen Partei« aufging, deren geistiger Führer Philippovich wurde. Daneben betrieb er zahlreiche weitere Vereinsaktivitäten: So war er unter anderem Präsident der »Gesellschaft österreichischer Volkswirte«, Präsident der »Österreichischen Gesellschaft für gesetzlichen Arbeiterschutz« und Leitungsmitglied des Vereins »Zentralstelle für Wohnungsreform in Österreich«. 1895 vermittelte er Karl Renner (1870–1950) eine Stellung in der Bibliothek des Österreichischen Reichsrats. 1896 bis 1902 war Eugen Philippovich von Philippsberg Abgeordneter der Städte (Bezirk Wien 1.) im Niederösterreichischen Landtag für die »Sozialpolitische Partei«; seine Kandidatur für den Niederösterreichischen Landtag 1902 scheiterte. Außerdem war er die prägende Persönlichkeit des 1898 neu gegründeten Ständigen Arbeitsbeirats des Arbeitsstatistischen Amts im k. k. Handelsministerium. 1898 bis 1917 war er Mitherausgeber der Schriftenreihe »Wiener staatswissenschaftliche Studien« (Freiburg i. Br. / Leipzig–Wien) und 1902 bis 1910 Herausgeber der »Schriften der Österreichischen Gesellschaft für Arbeiterschutz« (Wien). Philippovich von Philippsberg, der 1901 zum Hofrat ernannt wurde, war 1902 führend an der Umwandlung der Wochenschrift »Die Zeit« (Wien) in eine Tageszeitung beteiligt, unternahm 1904 eine Studienreise in die USA und nach Kanada, wurde 1904 Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1906 Mitglied des »Institut International de Sociologie« in Paris, 1907 Lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses und 1909 Berichterstatter auf der Generalversammlung des »Vereins für Sozialpolitik« in Wien. Bedingt durch ein schweres Nierenleiden zog sich Philippovich von Philippsberg von der Öffentlichkeit zurück. 1915 wurde er Auswärtiges Mitglied der Magyar Tudományos Akadémia (Ungarische Akademie der Wissenschaften).

In Wien 19., wo Eugen Philippovich von Philippsberg seit 1893 in der Hermannstraße 11 (heute Reithlegasse), dann in der Vegagasse 4 wohnte, wurde 1926 ein Teil der Felix-Mottl-Gasse zu Ehren von Eugen Philippovich von Philippsberg in »Philippovichgasse« umbenannt. Bibliografie