Walter Riehl

geb. Wiener Neustadt, Kronland Österreich unter der Enns, Österreich-Ungarn (heute Bundesland Niederösterreich, Österreich), am 8. November 1881

gest. Wien, Bundesland Wien, Österreich, am 6. September 1955

Rechtsanwalt und nationalsozialistischer Politiker

Halbbruder von Hans Riehl (1891–1965)

von den Nationalsozialisten als Angehöriger des sogenannten Spannkreises geführt

Walter Riehl, Sohn eines Rechtsanwalts und Schriftstellers Anton Vinzenz Leopold Riehl (Wiener Neustadt 1852 – Wiener Neustadt 1923) und dessen Ehefrau Hermine, geborene Mayr (14. Mai 1858 – Wiener Neustadt 16. Februar 1888), besuchte das Gymnasium in Wiener Neustadt (Niederösterreich), wo er die Reifeprüfung ablegte, und studierte dann Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er 1908 zum Dr. jur. promoviert wurde.

1906 bis 1908 war Walter Riehl Richteramtspraktikant in Reichenberg (Böhmen; heute Liberec, Tschechien) und Sekretär der deutsch-böhmischen Städtekanzlei, 1908 bis 1910 Rechtsanwaltsanwärter in Karlsbad (Böhmen; heute Karlovy Vary, Tschechien), schließlich 1910 bis 1912 Rechtsanwalt in Bozen (Tirol; heute Bozen / Bolzano, Italien), Meran (Tirol; heute Meran / Merano, Italien), Klagenfurt (heute Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru, Kärnten) und Wien.

Vom 1. August 1914 bis 1917 leistete Walter Riehl Kriegsdienst in der österreichisch-ungarischen Armee, nahm unter anderem an mehreren Isonzo-Schlachten teil, und rüstete als Gebirgsartillerie-Oberleutnant des Landsturms ab.

Hauptberuflich war Walter Riehl, der seit 1918 in Wien wohnte, Strafverteidiger, wobei seine berühmtesten Prozesse wohl die Verteidigung des Mörders des Schriftstellers Hugo Bettauer (Baden 1872 – Wien 1925) und der sogenannte Schattendorf-Prozess 1927 waren.

Walter Riehl, zunächst Sozialdemokrat, trat 1909 der 1903 in Böhmen gegründeten deutsch-nationalistisch orientierten, antiklerikalen und antimarxistischen »Deutschen Arbeiterpartei« (DAP) bei, wobei er am 15. November 1909 deren Lokalorganisation in Reichenberg (heute Liberec) mitbegründete. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Riehl 1918 die Herausgabe der Zeitung »Deutsche Arbeiter-Presse« (Wien) des »Nationalsozialistischen Vereins für Deutschösterreich«, welche er bis zur Einstellung 1935 herausgab. 1919 wurde er Vorsitzender der »Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei« (DNSAP) und war vom Mai 1919 bis Dezember 1920 deren Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag. Es kam zu immer stärkeren Differenzen mit Adolf Hitler (1889–1945), mit dem Riehl im August 1920 in Salzburg zusammengetroffen war, weil Hitler, seit 1921 Führer der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP), den alleinigen Führungsanspruch auf die nationalsozialistische Bewegung erhob. Der Konflikt entzündete sich aber auch daran, dass Riehl für einen demokratisch-parlamentarischen Kurs seiner Partei eintrat. Im August 1923 legte Riehl seine Parteifunktionen nieder und gründete den »Deutschsozialen Verein«, woraufhin er wegen parteischädigenden Verhaltens am 15. April 1924 aus der »Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei« ausgeschlossen wurde.

Der bereits im Frühjahr 1924 gegründete »Freundschaftsbund Dr. Walter Riehl« wurde am 11. August 1924 in »Deutschsozialer Verein für Österreich« umbenannt, wobei Walter Riehl zum Obmann gewählt wurde. 1925 schloss Riehl einen Kartellvertrag mit den Großdeutschen und kandidierte bei den Nationalratswahlen 1927 – erfolglos – für die Seipelsche Einheitsliste. 1927 engagierte sich Riehl bei der »Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreich«, für die er den sogenannten Schattendorf-Prozess gewann; bei einem Überfall auf eine Versammlung der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs« in Schattendorf / Somfalva / Šundrof (Burgenland) töteten Frontkämpfer zwei Menschen (darunter ein achtjähriges Kind) und verletzten fünf Personen, wurden aber im Prozess freigesprochen.

Im September 1930 trat Walter Riehl mit seinem »Deutschsozialen Verein für Österreich« der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP) bei, trat aber, wie seine hohe Mitgliedsnummer (360.702) vermuten lässt, politisch kaum mehr in Erscheinung. Er wurde zwar im April 1932 für die NSDAP in den Wiener Gemeinderat gewählt, allerdings nach Konflikten mit der Parteileitung wegen des im Juni 1933 erlassenen Verbots der NSDAP in Österreich im August 1933 aus der Partei ausgeschlossen. Riehl, der schon früher an den Privatseminaren von Othmar Spann (1878–1950) teilgenommen hatte, bewegte sich seit 1934 verstärkt im Umfeld des sogenannten Spannkreises, ohne hier tatsächlich eine Rolle zu spielen, doch unterhielt er enge Kontakte zu zwei zentralen Personen dieses Kreises: zu seinem Halbbruder Hans Riehl (1891–1965) und zu Walter Heinrich (1902–1984).

Am 15. März 1938 wurde Walter Riehl vorübergehend in Gestapo-Haft genommen und bemühte sich nach seiner Freilassung um neuerliche Aufnahme in die »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei« (NSDAP), wurde aber abgewiesen.

1947 trat Walter Riehl der »Österreichischen Volkspartei« (ÖVP) in Wien 1. bei, 1953 dem »Österreichischen Akademikerbund« und wurde Vorsitzender des »Sozialpolitischen Fachreferats«.

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