Lothar Gottlieb Tirala

geb. Brünn (heute Brno), Kronland Mähren, Österreich-Ungarn (heute Jihomoravský kraj, Tschechien), am 17. Oktober 1886

gest. Wiesbaden, Land Hessen, Deutschland, am 20. Februar 1974

Universitätsprofessor, Arzt, Zoologe, Psychologe und Rassenhygieniker

Lothar Gottlieb Tirala absolvierte 1904 das Gymnasium in Brünn (Mähren; heute Brno, Tschechien) und studierte anschließend Zoologie an der Universität Wien, wo er aufgrund der Arbeit »Regeneration und Transplantation bei Criodrilus« am 18. Juli 1908 zum Dr. phil. promoviert wurde. Danach studierte er Medizin an der Universität Wien, wo er am 24. Dezember 1913 zum Dr. med. promoviert wurde. 1913 bis 1914 war er Universitäts-Assistent am Pharmakologischen Institut und 1914 bis 1919 am Physiologischen Institut der Universität Wien. Seit 1914 arbeitete er auch mit Jakob Johann von Uexküll (1864–1944) zusammen, mit dem es dann allerdings zum Bruch kam. Tirala lernte Uexküll durch Houston Stewart Chamberlain (1855–1927) kennen, den er um 1906 erstmals traf, mit dem er dann befreundet und dessen Hausarzt er war. Tirala war ebenso Hausarzt wie Freund von Othmar Spann (1878–1950) und dessen Ehefrau Erika Spann-Rheinsch (1880–1967).

Lothar Gottlieb Tirala ließ sich 1920 als Arzt der Österreichischen Eisenbahn in Wilhelmsburg (Niederösterreich) nieder und arbeitete von 1922 bis 1924 als Operateur an der Frauenklinik der Universität Wien.

Lothar Gottlieb Tirala übersiedelte 1925 nach Brno (Tschechoslowakei; heute Tschechien), wo er sich als Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe niederließ. Er engagierte sich seither in der nationalsozialistischen Bewegung, wurde 1927 Mitglied der »Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei« (DNSAP) und war seit 1928 Vertrauensarzt der Partei.

Lothar Gottlieb Tirala war seit 1. November 1933 ordentlicher Universitätsprofessor (o. Univ.-Prof.) der Rassenhygiene an der Universität München (Bayern) sowie Direktor des dortigen Instituts für Rassenhygiene. Tirala, der eine achtköpfige Familie zu ernähren hatte, erhielt dabei auch Gelder von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und war Ortsgruppenleiter der »Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene München«. Außerdem war er seit 1. März 1934 Mitglied der »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP), deren Vertrauensarzt er bereits seit 1933 war. Im April 1936 wurde Tirala wegen Unfähigkeit, Vorteilsnahme, Korruptionsverdacht und anderen Gründen fristlos entlassen, nachdem bekannt wurde, dass er nebenberuflich Abtreibungen vorgenommen hatte. Berüchtigt wurde er auch durch seinen angeblich gelungenen Versuch, schwanzlose Hunde durch Bestrahlung der Föten zu züchten, doch konnte er den Beweis nicht erbringen, weil angeblich Mitarbeiter die Tiere hatten verschwinden lassen. Tirala versuchte danach mit Unterstützung seines Förderers, des Gauleiters von Franken Julius Streicher (1885–1946), eine rassenhygienische Bildungsanstalt in Nürnberg (Bayern) zu gründen und seine Wiederberufung auf seinen alten Lehrstuhl an der Universität München durchzusetzen. Beides misslang, und Tirala wurde die Führung des Professorentitels untersagt, weshalb er bis 1949 einen Rechtsstreit mit dem Bayerischen Kultusministerium führte.

1944 übersiedelte Lothar Gottlieb Tirala zunächst nach Wien, dann nach Graz (Steiermark), wo er weitere Prozesse führte. Er bezeichnete sich nunmehr als »o. ö. Univ.-Prof. a. D.«. Er fungierte auch als Berater des von Friedrich Johann Latscher-Lauendorf (1884–1964) 1946 gegründeten »(Priv[aten] ›Österreichischen Soziologischen Instituts‹« in Unterburg / Spodnji Podgrad (zu Sankt Kanzian am Klopeiner See / Škocjan v Podjuni, Kärnten).

Unter Zurücklassung großer Schulden zog Lothar Gottlieb Tirala nach Wiesbaden (Hessen), wo er seit 1954 Chefarzt des Sanatoriums Wilke für Herz- und Kreislauferkrankungen war. Er betätigte sich als Publizist homöopathischer Schriften und propagierte weiterhin seine in den 1930er Jahren entwickelte Heilatmungslehre, durch die seiner Meinung nach bei der Behandlung von Blutdruck- und Herzerkrankungen auf Medikamente jeglicher Art verzichtet werden könne.

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