[ Nachlässe ]

Nachlaß Othmar Spann

Othmar Spann (Altmannsdorf [heute zu Wien] 1878 - Neustift an der Lafnitz / Burgenland 1950)
österreichischer Soziologe und Nationalökonom.

Studium an den Universitäten Wien, Zürich, Bern und Tübingen, hier 1903 Dr. rer. pol. 1903-07 wissenschaftlicher Angestellter der "Centrale für private Fürsorge" in Frankfurt am Main. 1907 habilitiert für Volkswirtschaftslehre an der Deutschen Technischen Hochschule (heute Universität) Brünn [Brno], hier 1909-1911 außerordentlicher und 1911-19 ordentliche Professor der Volkswirtschaftslehre und Statistik. Dazwischen 1909-10 wissenschaftlicher Organisator der österreichischen Volkszählung von 1910 in Wien. 1919-38 ordentlicher Universitätsprofessor der Volkswirtschafts- und Gesellschaftslehre an der Universität Wien. Politisches Engagement für einen christlichen Ständestaat, 1930 Inspirator des "Korneuburger Eides"; seit 1934 zunehmende Distanz zum christlichsozialen Ständestaat und Annäherung an den Nationalsozialismus. Nach dem "Anschluß" 1938 als Universitätslehrer entlassen und viereinhalb Monate in Haft in München. Danach Rückzug auf sein Werkschloß in Neustift an der Lafnitz. Nach Kriegsende Kampf um die Wiedereinsetzung an der Universität Wien, 1945 beurlaubt und 1949 - ohne seit 1938 gelehrt zu haben - mit vollen Bezügen pensioniert. 1933 Korrespondierendes Mitglied der "Akademie der Wissenschaften" zu Wien. Gründer einer "universalistischen" Schule, die heute vor allem in der "Gesellschaft für Ganzheitsforschung" organisiert ist.

Nachlaß Erika Spann-Rheinsch

geborene Reinsch, geschiedene Dorn, verheiratete Spann (Trennfeld / Bayern 1880 - Neustift an der Lafnitz 1967), österreichische Dichterin und Übersetzerin deutscher Herkunft.

Aufgewachsen in Kempten, Unterricht am Stetten'schen Institut in Augsburg, hier Staatsprüfungen für Französisch und Englisch. 1903-06 Ehe mit dem deutschen Publizisten und späteren Hochschulprofessor für Wirtschaftswissenschaft Hanns Dorn (1878-1934), mit dem sie einen - früh verstorbenen - Sohn hatte. 1905 Bekanntschaft mit Othmar Spann, den sie nach ihrer Scheidung 1906 im englischen Dover heiratete und mit dem sie die Söhne Adalbert und Raphael hatte. Enge Mitarbeiterin ihres Mannes und nach dessen Tod Verwalterin seines Erbes. Als Dichterin vor allem Lyrikerin und Erzählerin; mehrfach ausgezeichnet: Ebner-Eschenbach-, Schiller- und Bauernfeld-Preis. Auch wissenschaftliche Publikationen, vor allem auf dem Gebiet der Etruskologie, sowie engere Beziehungen zur Gruppe um die Zeitschrift "Anthropos" (Mödling). Nachlaß: gemeinsamer Nachlaß des Ehepaares Spann; nicht erschlossen; etwa 3,00 Laufmeter. Korrespondenz, Manu- und Typoskripte, Dichtungen, Materialsammlungen, Texte anderer Personen, Fotos und vier Kryptonachlässe:

Kryptonachlaß Adalbert Spann

Kryptonachlaß Adalbert Spann (Frankfurt am Main 1907 - bei Jelna 1942), österreichischer Publizist und nationalsozialistischer Propagandist deutscher Herkunft. Älterer Sohn von Othmar Spann und Erika Spann-Rheinsch. Studium der Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften an den Universitäten Wien und München sowie internationales Privatrecht und Völkerrecht an den Universitäten in Grenoble und Paris, Dr. jur. in Wien. In der Privatwirtschaft tätig: bei der Export- und Importgesellschaft "F.M. Wolff" in Hamburg, Arbeiter bei der Autofabrik "Rosengart" in Paris, Angestellter bei der "Girozentrale der österreichischen Genossenschaften A.G." in Wien, Vermögensverwalter des Coburg-Kohary'schen Vermögens und bei Agrarverwaltungen in Ungarn und Österreich. Außerdem ein halbes Jahr als Offizier (Leutnant der Reserve) beim Artillerie-Regiment 27. Daneben Mitarbeiter diverser Zeitschriften sowie Übersetzer (aus dem Englischen). Politisch für die "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" in Österreich tätig, 1933 als SS-Oberscharführer verhaftet und vorübergehend in Wöllersdorf interniert. Nach dem "Anschluß" zeitweilig Mitglied der SS-Leibstandarte Adolf Hitler, dann unehrenhaft aus der SS ausgeschlossen und an die Ostfront abkommandiert, hier gefallen. Kryptonachlaß: Korrespondenz, persönliche Dokumente, Fotos.

Kryptonachlaß Rafael Spann

Kryptonachlaß Rafael Spann (d.i. Raphael Spann; Kempten 1909 - Wien 1983), österreichischer Journalist und Privatangestellter deutscher Herkunft. Zweiter und letzter Sohn von Othmar Spann und Erika Spann-Rheinsch. Studium der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft an den Universitäten Wien, Grenoble und Palermo, 1933 Dr. jur. utr. in Wien. 1934-38 Konsulent des Kartells der österreichischen Glasfabriken "Glasunion". Daneben Wiener Vertreter der belgisch-flämischen Zeitung "De Standaard" (Brüssel) und Mitarbeiter diverser Zeitschriften sowie Übersetzer aus dem Italienischen. Kontakte zu Anhängern Benito Mussolinis. Nach dem "Anschluß" 1938 neun Monate in Gestapo-Haft in Berlin bzw. im Konzentrationslager Sachsenhausen. 1939 Privatangestellter bei der Firma "Koreska" in Wien. 1939-40 bei der Deutschen Wehrmacht, Teilnahme am Frankreichfeldzug (dafür Eisernes Kreuz). 1940-43 Direktionssekretär und dann Einzelprokurist der Doppelfirma "M.R. Drott KG, Friedrich Krupp Vertriebsgesellschaft" und "Huber und Drott" in Wien, 1943-45 stellvertretender Geschäftsführer in der Direktion der "Wiener Neustätter Flugzeugwerke". 1945 Mitbegründer der Im- und Exportfirma "Österreichischer Kontor Ges.m.b.H.". Im Jänner 1948 von sowjetischen Besatzungstruppen in die Sowjetunion verschleppt; Juni 1955 nach Wien. 1957-58 Forschungsauftrag des Bundesministeriums für Auswärtige Angelegenheiten zur Klärung der wirtschaftlichen Folgen der Besatzung. 1959-83 kommerzieller und administrativer Geschäftsführer der "Österreichischen Studiengesellschaft für Atomenergie Ges. m.b.H." in Wien, Mitarbeit am Aufbau des Reaktorzentrums Seibersdorf. Außerdem Geschäftsführer des "Österreichischen Atomforums" und Referent für Fragen der Kernenergie im Generalsekretariat der "Österreichischen Volkspartei". Enger Vertrauter und Mitarbeiter Othmar Spanns, dessen Erbe er zunächst gemeinsam mit seiner Mutter, nach deren Tod allein verwaltete. Kryptonachlaß: Korrespondenz, Manu- und Typoskripte, Materialsammlungen, persönliche Dokumente, Fotos.

Fortsetzung:   Kryptonachlaß Ingeborg Spann-Cramer
und Kryptonachla▀ Kurt Friedrich Reinsch