Biografie Walther Schienerl
*Annaberg / Niederösterreich 6. März 1898, †Wien 23. Februar 1961
österreichischer Soziologe, Sozialphilosoph, Dichter, Pianist und Komponist


Jüngstes von fünf Kindern des Oberlehrers Adolf Schienerl (?-1904) und seiner Frau Maria Aloisia, geborene Rudroff (?-1902). Nach dem Tod der Mutter war der Vater im niederösterreichischen Lilienfeld beziehungsweise in Sankt Pölten / Niederösterreich als Lehrer tätig. Bereits mit sechs Jahren Vollwaise, wurde Walter Schienerl zunächst von seinen bedeutend älteren Geschwistern versorgt.

1908 bis 1916 Besuch des Staatsgymnasiums in Wien XIII., dann des Obergymnasiums in Kremsmünster / Oberösterreich, des Staatsgymnasiums in Krems / Niederösterreich und zuletzt des Carl-Ludwig-Gymnasiums in Wien; Matura 1916. Danach Einjährig-Freiwilliger; bei Kriegsende Gefreiter. 1918/19 bis 1926 Studium der Philosophie an der Universität Wien; 1926 Dr. phil. (Philosophie) auf Grund der Arbeit "Zeit und Geschehungsproblem bei Adolf Stöhr". Danach Besuch der Musikakademie in Wien; Staatsprüfung für Klavier. Zunächst Komponist und Dichter, daneben Vorträge und regelmäßige Radiovorträge bei der RAVAG. Klavierlehrer und Veranstalter von Klavier-Konzertabenden in der Wiener "Urania".

1940 Ehe mit der Mittelschullehrerin Margarethe Helene Kutek (*Wien 31. Mai 1912); Sohn: Kulturhistoriker und Ethnologe Dr. phil. Peter Wolfgang Schienerl (*Wien 17. Dezember 1940, †3. April 2001), Leiter der "Dokumentationsstelle für Islamische Kunst und Kultur" (DIKK) in München.

Seit Mai 1941 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politische Ökonomie und Gesellschaftslehre der Universität Wien bei Adolf Günther (1881-1958). Juni 1941 Ernennung zum Dr. habil. für Sozialversicherungswesen und -recht an der Universität Wien auf Grund der Arbeit "Allgemeine Kritik der Kategorienlehre Othmar Spanns" und Juli 1943 habilitiert für Soziologie auf Grund der Arbeit "Die Theorie der Sozialpolitik vom Standpunkt der Soziologie und Sozialphilosophie auf Grund der ,Theorie der Sozialpolitik' Adolf Günthers" und der Zusatzarbeit "Gustav Ratzenhofers philosophischer Standort" ebenda; 1943 bis 1961 Universitätsdozent (Univ.-Doz.).

1946 gemeinsam mit Friedrich Johann Latscher-Lauendorf (1884-1964) Gründer des "(Priv[aten]) 'Oesterreichischen Soziologischen Instituts'" in Unterburg / Kärnten und Wien sowie 1947 des dazugehörigen Vereins "Oesterreichische Soziologische Gesellschaft" (seit 1953: "Österreichische Sozialwissenschaftliche Gesellschaft") in Klagenfurt / Kärnten, Innsbruck / Tirol und Wien. Außerdem 1950 Mitbegründer der "Österreichischen Gesellschaft für Soziologie" (bis 1960 Beirat im Vorstand).

Neben seiner universitären Lehrtätigkeit Musikkritiker bei einer Wiener Tageszeitung, Klavierlehrer an der Musikschule der Stadt Wien und Psychologielehrer an der Fürsorgeschule der Stadt Wien. Auch als Dichter und Komponist weiterhin tätig.


Graz, im März 1998
Reinhard Müller

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