Biografie Konstantin Radakovi
*Graz / Steiermark 11. Juli 1894, †Graz / Steiermark 19. September 1973
österreichischer Philosoph und Soziologe


Sohn des Universitätsprofessors für theoretische Physik Michael Radakovi (1866-1934) und dessen Ehefrau Rosabel, geborene Blasius (1867-1930); ein jüngerer Bruder: der Mathematiker Theodor Radakovi (*Innsbruck 1898, †Wien 1938). Zunächst in Graz aufgewachsen, wo sein Vater als Supplent an der Landes-Oberrealschule tätig war.

1896 Übersiedlung mit den Eltern nach Innsbruck / Tirol, wo sein Vater eine Stelle an der Universität erhielt. Von 1900/01 bis 1903/04 Besuch der Volksschule in Innsbruck, von 1904/05 bis 1905/06 der beiden ersten Klassen des k.k. Staats-Gymnasiums Innsbruck.

1906 Übersiedlung mit der Familie nach Czernowitz / Bukowina [ernovzy / Ukraine], wo sein Vater ein Ordinariat für mathematische Physik erhielt. 1906/07 bis 1911/12 Besuch des k.k. I. Staats-Gymnasiums Czernowitz; Matura 1912. 1912/13 Beginn eines Studiums der Philosophie an der Universität in Czernowitz.

1913 Übersiedlung nach Innsbruck. 1914 folgte die Familie, die nahe der Stadt, in Lans / Tirol, ein Haus erwarb; sein Vater wurde 1915 an die Universität Graz berufen, wohin er mit der Familie, aber ohne Konstantin Radakovi, übersiedelte. 1913 bis 1916 Fortsetzung des Studiums der Philosophie an der Universität in Innsbruck. 1916 bis 1917 Militärdienst in Innsbruck; wegen eines Lungenleidens nicht frontdiensttauglich. 1918 Dr. phil. (Philosophie) an der Universität Innsbruck.

1918 Übersiedlung nach Graz. Zunächst spezielle Studien an der Universität Graz. Über seinen Vater und seine von ihm verehrte Tante, die Schriftstellerin und Sozialarbeiterin Mila Radakovi (*Graz 1861, †Graz 1956), kam er in den Kreis um den Philosophen und Psychologen Alexius Meinong, Ritter von Handschuchsheim (1853-1920). April 1921 bis August 1922 provisorischer Angestellter an der Bibliothek des Seminars für philosophische Soziologie. 1923 auf Grund der Arbeit "Vitalismus und Mechanismus" für Philosophie an der Universität in Graz habilitiert, als Privatdozent (Priv.-Doz.) allerdings erst 1924 bestätigt; 1924 bis 1938 Privatdozent an der Universität Graz, seit 1934 mit dem Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors (tit. a.o. Univ.-Prof.). Außerdem seit 1924 provisorischer, seit 1927 Leiter des Seminars für philosophische Soziologie ebenda. Obwohl Mitglied der "Vaterländischen Front", trat er politisch nicht in Erscheinung. Nach dem Selbstmord seines Bruders Theodor Radakovi am 10. Jänner 1938 mehrjährige schwere psychische Krise, verstärkt durch die politischen Ereignisse. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten legte er im Oktober 1938 seine Dozentur "wegen gegenteiliger politischer Überzeugung" zurück; mit Bescheid des Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten vom 4. November 1938 wurde ihm die Lehrbefugnis auch formell entzogen. Wegen seiner Unterstützung jüdischer Familien durch Freikauf drohte ihm eine Anklage wegen Devisenvergehens.

Anfang 1941 Emigration nach Kroatien, wo er sich auf einem Gut der Vorfahren in Kostajnica niederließ. Seit Februar 1941 kroatischer Staatsbürger. Währenddessen Beschlagnahme seines Vermögens in Graz.

Nach dem Kriegsende Rückkehr nach Graz. Seit Oktober 1945 als Lehrer an der Universität Graz wiedereingestellt mit einem Lehrauftrag für Philosophie sowie Bestellung zum provisorischen Leiter des Philosophischen Seminars. Im Wintersemester 1945/46 mit der Supplierung der Lehrkanzel für Philosophie betraut. Im Jänner 1946 bis auf weiteres mit dem Lehrauftrag für Geschichte der Philosophie und Soziologie betraut. Im November 1946 Ernennung zum außerordentlichen Universitätsprofessor (a.o. Univ.-Prof.) der Geschichte der Philosophie und Soziologie, zugleich wieder österreichischer Staatsbürger. Zunächst bloß Mitvorstand, 1946 Vorstand des Philosophischen Seminars und zugleich Vorstand des Seminars für philosophische Soziologie sowie vorübergehend auch provisorischer Leiter des Psychologischen Instituts. 1949 Ernennung zum ordentlichen Universitätsprofessor (o. Univ.-Prof.) der Philosophie. 1965 emeritiert.

1955 Ehe mit Josefine Eisenhut, verwitwete Rohsmann (*Voitsberg / Steiermark 1894, †Graz / Steiermark ?); die Ehe blieb kinderlos.

Auch als Volksbildner aktiv, unter anderem bei der "Österreichischen Kulturvereinigung" und der "Urania". Litt zuletzt unter einer immer massiver werdenden Sehschwäche.


Graz, im Oktober 1994
Reinhard Müller

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