Biografie Hans Winterberg
Deckname: Schurl
*Wien 4. April 1906, †bei Lienz / Osttirol 2. September 1965
österreichischer kommunistischer Parteifunktionär und Redakteur


Sohn jüdischer Eltern. Realgymnasium in Wien. Danach Lehre als Textilkaufmann und anschließend kaufmännischer Angestellter bis 1937. Schon damals kleiner Funktionär der "Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs", schloss sich aber nach der Niederschlagung des Februaraufstandes 1934 der nunmehr illegalen "Kommunistischen Partei Österreichs" an. Wegen seiner politischen Aktivitäten während des Ständestaates insgesamt vier Monate Polizeihaft und drei Monate Anhaltelager Wöllersdorf / Niederösterreich. Im März 1938 von der "Kommunistischen Partei Österreichs" in jene Gruppe delegiert, die mit Vertretern des Ständestaatregimes über einen gemeinsamen Abwehrkampf gegen Nazi-Deutschland verhandelte.

März 1938 Flucht in die Tschechoslowakei [Tschechische Republik], wo er bis 1939 in Prag und Brno lebte.

Im März 1939 Flucht nach Großbritannien mit Unterstützung des "Czech Refugee Trust Fund", innerhalb dessen er die etwa 80 Personen umfassende "Group Winterberg of the Czech Refugee Trust Fund" (kurz "Gruppe Winterberg") leitete. Diese von den britischen Behörden auch offiziell anerkannte Funktion ermöglichte es ihm, sich von Anfang an politisch in Großbritannien zu betätigen. Mit Elek Lustmann (1912-1966) leitete er die "Group of Austrian Communists in Great Britain", war Mitglied der Landesleitung der "Kommunistischen Partei Österreichs in Großbritannien" und gehörte zum leitenden Ausschuss des "Free Austrian Movement", wo er seit 1942 als Sekretär, seit 1944 als Vorsitzender der Propagandakommission arbeitete.

Ende Dezember 1945 konnte er Großbritannien Richtung Frankreich verlassen, lebte seit Jänner 1946 in Paris.

Spätestens seit August 1946 wieder in Österreich. Auf Einladung seines Mitkämpfers aus der Londoner Emigration, Willy Scholz (1906-1979), Übersiedlung nach Graz. Stellvertretender Chefredakteur der kommunistischen Grazer Tageszeitung "Die Wahrheit" (Graz). Daneben Sekretär der "Landesgruppe Steiermark im Österreichischen Friedensrat". Arbeit an einer Geschichte der steirischen Arbeiterbewegung. In der "Kommunistischen Partei Österreichs" bis zu seinem Tod Verantwortlicher der Agitprop-Abteilung des "Landessekretariats der Kommunistischen Partei Steiermark". Verstarb beim Bergwandern nahe Lienz / Osttirol.


Graz, im Februar 1996
Reinhard Müller

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