Kurzbeschreibung John H(ans) Kautsky: Konvolut
"Rundbrief Wiener Gymnasiasten im Exil" (1938-1953)

Über Vermittlung von Egon Schwarz, Saint Louis, Missouri wurden 1994 die gesammelten Briefe und Fotos eines Rundbriefs von John H. Kautsky, Saint Louis, Missouri dem "Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich" geschenkt.

Das Konvolut wurde im Rahmen des Preises des Theodor Körner-Fonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst 1995 durch Reinhard Müller archiviert und katalogisiert.

Das Konvolut mit 106 Rundbriefen (bestehend aus 675 Einzelbriefen) erstreckt sich über die Jahre 1938 bis 1953. Der zunächst nur lose Briefkontakt wurde Anfang 1939 als Rundbrief installiert und ist seit diesem Zeitpunkt auch vollständig erhalten. Autoren der Briefe waren Schüler (Jahrgang 1922), die im Schuljahr 1937/38 die 6b-Klasse des Franz Josef Realgymnasiums Wien I (heute Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium, 1010 Wien, Stubenbastei 6-8) besuchten und die nach dem "Anschluss" aus "rassischen" Gründen ihre Schule verlassen mussten.

Der Rundbrief dokumentiert die Schicksale einiger Flüchtlinge, ihre Abenteuer, ihre Schul-, Studien- und Berufskarrieren, ihre Erlebnisse in den alliierten Armeen, ihre Liebschaften, Ehen und Familiengründungen aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Emigrationsländer (USA, Großbritannien, Frankreich, Schweiz, Palästina, Ägypten).

Teilnehmer des Rundbriefes:

Paul Berkovits (*8. Juni 1922). Fluchtweg: im Mai 1938 Flucht aus Wien nach Ungarn (Budapest), September 1938 in die Schweiz (Zürich, seit 1938 St. Gallen, 1941 Zürich, 1943 Genf, 1945 Cointrin, 1950 Vernier). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1938-1940, 1945-1948, 1950, 1952.

Arthur T. Cooper (*15. März 1922), d.i. Artur Kupfermann. Fluchtweg: im August 1938 Flucht aus Wien in die Tschechei (Piešt'any, Prag), Dezember 1938 nach Großbritannien (London), September 1940 über Kanada (Montrael) September 1940 in die USA (New York City / New York, seit 1940 Indianapolis / Indiana, 1941 New York City / New York, 1943 Fort Benjamin Harrison / Indiana, 1943 Fort McClellan / Alabama, 1943 Greenville / Pennsylvania), September 1943 mit der Armee nach Marokko (Casablanca), Algerien (Oran) und Tunesien (Bizerte), im Oktober 1943 nach Italien (Neapel, seit 1944 Anzio, seit 1944 nahe Rom), im September 1944 nach Frankreich (Halbinsel Saint-Tropez nahe Cavalaire-sur-Mer, Sainte-Maximie, Aix-en-Provence, Arles, Avignon, Carpentras, MontÚlimar, Grenoble, Voiron, Lons-le-Saunier, Voiteur, Besanšon, Lure, Vesoul, Remiremont, seit 1944 Remiremont), seit März 1945 nach Deutschland, im April 1945 nach Österreich (Salzburg, seit 1945 Badgastein) und im Juni 1945 wieder Deutschland (Korbach), im Februar 1946 in die USA (Camp Kilmer / New Jersey, seit 1946 Fort Dix / New Jersey, seit 1946 New York City / New York), im August 1946 wieder nach Deutschland (Nürnberg, seit 1948 Esslingen) und - nach einem Reiseaufenthalt in Wien im Mai 1948 - Oktober 1949 Rückkehr nach Österreich (Wien). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1938-1952.

Joachim Felberbaum (*12. Dezember 1922). Fluchtweg: im Jänner 1939 Flucht aus Wien, in Feldkirch verhaftet und Jänner-Februar 1939 in Salzburg inhaftiert, im März 1939 Flucht in die Schweiz (La Chaux-de-Fonds), im Juli 1939 nach Frankreich (Paris, seit 1939 Limoges, seit 1940 interniert in einem französischen Lager, seit 1940 Limoges, seit 1941 Lyon); dort seit Sommer 1941 verschollen. Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1939-1940.

Otto Fried (*8. Februar 1922). Fluchtweg: im April 1938 Flucht in die Tschechei (Petrzalka bei Bratislava), im Oktober 1938 in die Slowakei (Bratislava), im Dezember 1938 wieder in die Tschechei (Brno, seit 1939 Prag), im Oktober 1939 über Ungarn und Rumänien (Novi Sad, Moldova Noua, Sulina) im März 1940 nach Palästina (Ekron), seit Juni 1941 in Ägypten und Palästina. Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1938-1939 und 1943-1945.

Jacob Hermon (*29. Mai 1922), d.i. Alfred Hechter. Fluchtweg: im Februar 1939 Flucht aus Wien über Trieste und Brindisi nach Palästina (Haifa, seit 1939 Tel Aviv, seit 1939 Rodges bei Petah-Tikvah, seit 1940 Tel Aviv), seit November 1940 mit der Armee nach Ägypten, seit Jänner 1941 Lybien (Tobruk), seit Juni 1941 in Ägypten und Palästina (seit 1943 Alexandria), seit März 1943 in Lybien (Benasi), seit Oktober 1943 in Castel Benito, seit Mai 1944 in Tripolis, seit August 1944 in Italien, seit Dezember 1944 wieder in Palästina (Tel Aviv, seit 1945 Jerusalem, seit 1946 Tel Aviv). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1938-1946.

Keith E. Jolles (*25. März 1922), d.i. Kurt Jolles; Fluchtweg: Ende 1938 Flucht aus Wien nach Großbritannien (Yorkshire, seit 1939 London, seit 1939 Cambridge, seit 1940 interniert im Lager Huyton-with-Roby bei Liverpool, seit 1941 Lancaster, seit 1943 London, seit 1948 in West Bromwich, seit 1960 in Birmingham, seit 1977 in Sutton Coldfield). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1940.

John H. Kautsky (*5. März 1922), d.i. Hans Kautsky. Fluchtweg: im August 1938 Flucht aus Wien nach den Niederlanden (Amsterdam), im August 1938 nach Großbritannien (London, seit 1938 Inverness, seit 1938 London, seit 1938 Manchester, seit 1938 London), im November 1939 in die USA (New York City / New York, seit 1939 Los Angeles / California, seit 1942 Chicago / Illinois, seit 1943 Camp McCoy / Wisconsin, seit 1943 Camp Wolters / Texas, seit 1943 Camp Maxey / Texas, seit 1943 College Park / Maryland, seit 1944 Camp Ritchie / Maryland, seit 1944 Camp Polk / Louisiana, seit 1946 Los Angeles / California, seit 1946 Chicago / Illinois, seit 1947 Cambridge / Massachusetts, seit 1952 Arlington / Virginia, seit 1953 Waterdown / Massachusetts, seit 1954 Rochester / New York, seit 1955 Saint Louis / Missouri). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1939-1955.

William B. Mandel (*31. Juli 1922), d.i. Wilhelm Mandl. Fluchtweg: im September 1938 Flucht aus Wien in die USA (New York City / New York, seit 1938 Cincinnati / Ohio, seit 1947 San Francisco / California). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1938 und 1940-1953.

Paul Schiller (*31. Jänner 1922). Fluchtweg: im Jänner 1939 Flucht aus Wien nach China (Shanghai). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1938.

Robert John Singer (*18. Oktober 1922), d.i. Robert Singer. Fluchtweg: im April 1939 Flucht aus Wien nach Großbritannien (London, seit 1939 Croydon [zu London]), seit November 1939 in die USA (Philadelphia / Pennsylvania, seit 1939 Elkins Park / Pennsylvania, seit 1942 Philadelphia / Pennsylvania, seit 1943 Miami Beach / Florida, seit 1943 Camp Cumberland / Pennsylvania, seit 1943 Charleston / South Carolina, seit 1944 Atlanta / Georgia, seit 1944 Fort Bragg / North Carolina, seit 1944 Camp Chaffee / Arkansas, seit 1944 an der amerikanischen Ostküste), im Dezember 1944 mit der US-Armee nach Großbritannien (London), im April 1945 nach Frankreich (╔pernay, Paris, Marseille, Matignane, Paris) und im Juni nach Deutschland (Bad Schwalbach, seit 1945 Berlin), im April 1946 über Frankreich (Le Havre) im Mai 1946 Rückkehr in die USA (Camp Kilmer / New Jersey, seit 1946 Fort Dix / New Jersey, seit 1946 Philadelphia / Pennsylvania). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1939-1949 und 1951-1952.

Frederick Urbach (*6. September 1922), d.i. Friedrich Urbach. Fluchtweg: im August 1938 Flucht aus Wien in die USA (Ardmore / Pennsylvania, seit 1938 Narberth / Pennsylvania, seit 1939 Elkins Park / Pennsylvania, seit 1940 Philadelphia / Pennsylvania). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1939.

George Wallis (*14. Mai 1922), d.i. Georg Wallis. Fluchtweg: im Oktober 1938 Flucht aus Wien nach Großbritannien (Haslemere, seit 1939 Farnborough-Hants, seit 1940 interniert im Lager Huyton-with-Roby bei Liverpool), seit August 1940 interniert in Australien, seit 1948 in die USA (Providence / Rhode Island). Aktiver Rundbriefteilnehmer: 1938-1940.

Besondere Kenntnisse: Der Großteil der Dokumente ist englischsprachig, einige Dokumente sind in französischer Sprache abgefasst.


Graz, im September 1997
Reinhard Müller

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