Biografie Nina Rubinstein
Pseudonym: Nina Stein
*Berlin 2. Juli 1908, †New York, New York 28. September 1996
amerikanische Übersetzerin, Dolmetscherin und Fotografin deutsch-litauischer Herkunft


Tochter exilierter balto-russischer Menschewiki, nämlich von Alexander Rubinstein (d.i. Aleksandr Rubinstein; später: Alexander Stein; 1881-1948) und Tatiana, geborene Mark. Die aus Lettland stammenden Eltern flohen 1906 beziehungsweise 1907 aus Russland nach Berlin. Nina Rubinstein wuchs deutschsprachig auf, lernte aber auch Russisch.

1914 bis 1917 mit der Mutter, die sich von ihrem Mann getrennt hatte, in Kopenhagen. Besuch einer dänischen Schule; lernte neben Deutsch auch Dänisch.

1917 bis 1918 mit der Mutter in Petrograd [Sankt Petersburg]. Nach dem Ausschluss anderer Parteien durch die Bolschewiki verließen beide Russland, lebten kurzzeitig bei den jiddischsprechenden Eltern der Mutter in Lettland und kehrten 1918 nach Berlin zurück.

1918 Übersiedlung mit der Mutter nach Berlin. Besuch deutscher Privatschulen, wo sie auch Englisch und Französisch lernte; Reifeprüfung 1928. Um 1921/22 Eintritt in einen russischen Kinderklub. 1928/29 ein Semester Studium der (chinesischen) Kunstgeschichte an der Universität Berlin. Noch vor dem Abitur hatte sie mit Übersetzungen aus dem Russischen ins Deutsche begonnen.

1929 bis 1930 Studium der Soziologie an der Universität Heidelberg / Baden-Württemberg. Dissertationsplan, die Emigration nach der französischen und nach der russischen Revolution zu vergleichen.

1930 bis 1933 Fortsetzung des Studiums der Soziologie an der Universität Frankfurt am Main / Hessen. 1933 Annahme der Dissertation "Die französische Emigration nach 1789. Ein Beitrag zur Soziologie der politischen Emigration" durch Karl Mannheim (1893-1947), doch vor der Promotion Ausschluss aus der Universität und Flucht aus Deutschland.

1933 bis 1940 Exil in Paris. Arbeit als Sekretärin, als Übersetzerin aus dem Deutschen und Englischen ins Französische für eine Literaturagentur und Feuilletonistin in der Emigrantenpresse. Im Juni 1940 Flucht nach Südfrankreich. August / September 1940 Reise nach Lissabon, von dort im September mit dem Schiff nach New York.

1940 Niederlassung in New York, N.Y.; 1949 amerikanische Staatsbürgerin. 1942 bis 1945 Übersetzerin (Deutsch-Amerikanisch) im U.S. Office of War Information (OWI). 1947 bis 1954 freischaffende Übersetzerin aus dem Amerikanischen und Französischen ins Russische bei internationalen Konferenzen. 1955 bis 1968 Simultandolmetscherin als Angestellte der Vereinten Nationen (UNO) in New York. Daneben Fotografin mit zahlreichen Ausstellungen in den Räumlichkeiten der Vereinten Nationen (UNO). 1968 pensioniert. 1968 bis 1972 als Simultandolmetscherin für Konferenzen tätig, nach 1972 als Übersetzerin russischer Bücher ins Amerikanische.

1989 Promotion zum Dr. phil. an der Universität Frankfurt am Main / Hessen auf Grund ihrer Dissertation von 1933.


Weitere Informationen siehe Dirk Raith: Lebenserfahrung und historische Distanz. Nina Rubinstein (1908-1996) und ihr Beitrag zur Soziologie der politischen Emigration, in: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich. Newsletter (Graz), Nr. 19 (Dezember 1999), S. 32-41.
Weitere Informationen siehe Reinhard Müller: Der Nachlaß Nina Rubinstein im "Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich", in: Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich. Newsletter (Graz), Nr. 19 (Dezember 1999), S. 41.


Graz, im März 2000
Reinhard Müller

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