Marie Jahoda:
Sozialpsychologie der Politik und Kultur.


Marie Jahoda war 26 Jahre alt, als "Die Arbeitslosen von Marienthal" erschienen, und als 80-jährige konnte sie die Verfilmung dieses Klassikers der Sozialwissenschaften sehen. 29-jährig wurde ihr die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt, mit 43 Jahren wurde sie amerikanische Staatsbürgerin, und seit 1958 lebt sie in England. Professuren an der New York University, am Brunel College in London und schließlich an der neu gegründeten University of Sussex markieren ihre akademische Karriere. Daneben war sie politisch aktiv: zuerst in der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, nach deren Verbot als Mitglied der Revolutionären Sozialisten und im englischen Exil im Londoner Büro der österreichischen Sozialisten; in den USA focht sie als Mitglied jüdischer Komitees gegen die Rassendiskriminierung.

Der erste Band der "Bibliothek sozialwissenschaftlicher Emigranten" bringt eine Auswahl der Aufsätze von Marie Jahoda, die sie zwischen 1938 und 1990 geschrieben hat und die im deutschen Sprachraum weitgehend unbekannt sind. Diese Erstübersetzungen und Erstveröffentlichungen behandeln u.a. die Sozialpsychologie der politischen Konformität, die Folgen des McCarthyismus für Hochschullehrer, Beamte und Künstler, den Antisemitismus und die Frage, wie dieser erforscht werden kann. Methodologische und metatheoretische Abhandlungen, Auseinandersetzungen mit der Psychoanalyse und drei autobiografische Texte vervollständigen die Auswahl. Die ausführliche Einleitung des Herausgebers stellt Leben und Werk Jahodas dar. Der erzwungenen Migration aus Österreich, dem Akkulturationsproblem in der anglo-amerikanischen Welt und dem Wandel der Forschungsinteressen wird besonderes Augenmerk geschenkt.


Inhaltsverzeichnis

 

Christian Fleck: Einleitung

7-47

Konformität und Freiheit
Wie reagieren Unbeteiligte auf den McCarthyismus?
Können Bücher schädlich sein?
Schwarze Listen in der Unterhaltungsindustrie
Wie ist Nonkonformität möglich?


51-94
95-127
128-167
168-193

Folgen von Vorurteilen und ihre Bekämpfung
Vorurteile und Vermeidung. Wen erreicht Propaganda,
die Vorurteile bekämpfen will?
Asiatische Flüchtlinge aus Uganda



197-207
208-211

Antisemitismus und Antisemitismusforschung
Was kann man aus Umfragen über den
Antisemitismus lernen?
Die dynamische Basis antisemitischer Einstellungen
Über die "Autoritäre Persönlichkeit"
Was heißt es, jüdisch zu sein?



215-223
224-240
241-251
252-258

Methodologie und Theorie
Überlegungen zu "Marienthal"
Sozialpsychologie und Anthropologie
Bemerkungen zum Begriff "Arbeit"
Nichtreduktionistische Sozialpsychologie - ein fast
aussichtsloses Unternehmen, zu faszinierend,
um es unversucht zu lassen


261-274
275-284
285-294


295-305

Kulturelle Unterschiede
Moderne Möbel in Bristol
Begegnung mit dem Teufel
Nach einem Besuch in Österreich

309-323
324-334
335-348

Anmerkungen

349-372

Auswahlbibliographie

373-380

Index

381-387



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