Else Frenkel-Brunswik:
Studien zur autoritären Persönlichkeit

Im Alter von sechs Jahren übersiedelte Else Frenkel-Brunswik 1914 von Galizien nach Wien; 1938 musste sie Österreich verlassen. 1926 begann sie mit dem Studium am Wiener Psychologischen Institut bei Karl und Charlotte Bühler an lebenspsychologischen Forschungen. Durch den bereits seit 1935 in Berkeley tätigen Bühler-Assistenten Egon Brunswik gelangte sie 1938 an die University of Berkeley, Kalifornien. 1943 wurde sie amerikanische Staatsbürgerin, ein Jahr später begann sie gemeinsam mit Theodor W. Adorno, Daniel J. Levinson und R. Nevitt Sanford mit den Untersuchungen über "The Authoritarian Personality", deren Veröffentlichung 1950 die Autorinnen und Autoren zu Berühmtheiten in der US-amerikanischen Sozialpsychologie machte. Es folgten Einladungen zu einer Vielzahl von Kongressen, Lehr- und Forschungsaufenthalten an den Universitäten Oslo und Michigan, die Ernennung zum Fellow des Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences in Stanford, Kalifornien, und die Wahl zur Präsidentin der Division of Personality and Social Psychology der American Psychological Association. Am Höhepunkt ihrer Karriere nahm sich ihr Mann Egon Brunswik 1955 das Leben. Drei Jahre später starb auch Else Frenkel-Brunswik in Berkeley.

Im dritten Band der "Bibliothek sozialwissenschaftlicher Emigranten" wird mit Else Frenkel-Brunswik eine Psychologin vorgestellt, deren Arbeiten im deutschsprachigen Raum bislang kaum bekannt waren. Die ausgewählten Schriften aus der Zeit zwischen 1940 und 1955 liegen erstmalig in deutscher Übersetzung vor und behandeln unter anderem die im Umfeld zu "The Authoritarian Personality" entstandenen Studien über Intoleranz, Vorurteilsbildung und Ethnozentrismus, sozialpsychologische Untersuchungen über Werte und Normen sowie Abhandlungen zur Wissenschaftstheorie und Methodologie der Psychoanalyse. Arbeiten zum antidemokratischen Persönlichkeitstyp und zur Psychologie des Totalitarismus vervollständigen die Auswahl. In der biografischen Einleitung des Herausgebers stehen vor allem Fragen der kognitiven Identität im Vordergrund. Darin wird versucht, die in Wien erworbenen langfristigen intellektuellen und kognitiven Prägungen ebenso herauszuarbeiten wie die von der US-amerikanischen Wissenschaftskultur stimulierte intellektuelle Re-Orientierung Frenkel-Brunswiks. Frenkel-Brunswiks Studien zur autoritären Persönlichkeit zählen zu den Standardwerken der US-amerikanischen Sozialpsychologie.


Inhaltsverzeichnis

 

Dietmar Paier: Einleitung

7-70

   

I. Psychologie, Psychoanalyse, Wissenschaft

 

Psychoanalyse und Persönlichkeitsforschung

73-90

Psychoanalyse und Einheitswissenschaft

91-147

   

II. Studien zur autoritären Persönlichkeit

 

Eine antidemokratische Persönlichkeit

151-164

Eine Studie über Vorurteile bei Kindern

165-178

Intoleranz gegenüber Mehrdeutigkeit

179-204

   

III. Sozialpsychologie und Politik

 

Anpassung an die Umwelt und die Verarmung des Denkens

207-231

Das Zusammenspiel psychologischer und soziologischer Faktoren im politischen Verhalten

 
   

IV. Werte und Normen

 

Sozialforschung und das Werteproblem: Eine Erwiderung

257-266

Über einige theoretische und empirische Aspekte des Werteproblems

 
   

Anmerkungen

284-313

Auswahlbibliographie

314-316

Index

 


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