Kurt Blaukopf:
Unterwegs zur Musiksoziologie


Kurt Blaukopf kam als Kind mit den Eltern aus der Bukowina nach Wien. Hier entschied er sich schon 1932, die Musiksoziologie zu seinem zentralen Forschungsthema zu machen. Gerade 24 Jahre, musste der musikalisch gebildete und bereits publizistisch tätige Student der Rechts- und Staatswissenschaften Österreich 1938 verlassen. Seine Studien konnte er in Paris und seit 1940 in Jerusalem fortsetzen, er engagierte sich aber auch im Kampf um die Wiedererrichtung eines demokratischen Österreichs. 1947 nach Wien zurückgekehrt, war er zunächst als freischaffender Musikwissenschaftler und Musikkritiker (u.a. beim "Abend") tätig. 1954 wurde er Herausgeber der internationalen Schallplatten-Zeitschrift "phono", 1965 Redakteur der Zeitschrift "HiFi-Stereophonie". Seit 1968 Professor der Musiksoziologie an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, wurde der 1984 Emeritierte, der nie die Möglichkeit zu einem regulären Studienabschluss hatte, 1994 mit dem Ehrendoktorat der Universität Wien ausgezeichnet. International wirkte Kurt Blaukopf u.a. als Initiator und Direktor des "Internationalen Forschungsinstituts für Medien, Kommunikation und kulturelle Entwicklung" (MEDIACULT) und als österreichisches Mitglied des Exekutivrates der UNESCO. Kurt Blaukopf starb im Juni 1999 in Wien.

Dieser vierte Band der "Bibliothek sozialwissenschaftlicher Emigranten" enthält die großteils unveröffentlichten, teilweise hier erstmals in deutscher Sprache publizierten Arbeiten Kurt Blaukopfs aus den Exiljahren in Paris und Jerusalem 1938 bis 1947. Der Autor hat die Sammlung in drei Abteilungen gegliedert. Im Mittelpunkt stehen die musikwissenschaftlichen, insbesondere musiksoziologischen Studien, die ihn als einen der Wegbereiter der Musiksoziologie ausweisen. Ihnen folgen die bislang wenig bekannten Artikel Kurt Blaukopfs zu Österreich, die ein Stück österreichischen Kulturkampf im Exil vorstellen. Abgeschlossen wird der Band mit philosophischen Studien, die Kurt Blaukopf in die wissenschaftliche Tradition des "Wiener Kreises" stellen, die aber auch zu seiner weltanschaulichen Verortung beitragen. Kurt Blaukopf hat als Einleitung zu diesem Sammelband eigens einen umfangreichen, autobiografischen Text verfasst, der die Geschichte seines Lebens in das Spannungsfeld der politischen und kulturellen Entwicklung Österreichs im 20. Jahrhundert stellt. Seine intellektuelle Biografie findet ebenso Berücksichtigung wie seine Auseinandersetzungen und Freundschaften mit Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik (z.B. Theodor W. Adorno, Hanns Eisler, Rudolf Kirchschläger, Theodor Kramer, Ernst Krenek, Markus Reiner, Hermann Scherchen und Willy Verkauf-Verlon).


Inhaltsverzeichnis

 

Kurt Blaukopf: Statt einer Einleitung: Lebens-Stationen

9-85

Mein Weg zur Musiksoziologie Eine ungewöhnliche Musterschule "Neues Studio" Nachdenken über Musik und Gesellschaft Ernst Krenek über meinen Schönberg-Essay Hanns Eisler protestiert Leo Wilzins "Musikstatistik" Erster Entwurf der "Musiksoziologie" Wien 1938 Theodor Kramer Frankreich 1938-1940 "Rassentheoretiker" ...und was aus ihnen geworden ist Nachricht aus Wien und Buchenwald Jubiläum der französischen Revolution Hinter Stacheldraht Jerusalem Markus Reiner: Physik und Musik Musiklehre als intellektuelle Herausforderung Einordnung: Mühen und Vorteile "Free Austrian Movement" Willy Verkauf Echo und Kritik Meine Geburtsstadt und ihr Theater Vom "Ackerjuden" zum Beamten Eine österreichische Welt besonderer Art Österreichisch oder deutsch? Zurück in Wien Musikkritik im "Abend" Zweite Panne mit Hanns Eisler Politisches Wetterleuchten Begegnung mit Ma Szu-tsung Abschied aus einer Risiko-Zone Wissenschaft, Technologie und Musikleben Schreckensnacht von Donaueschingen Bei Scherchen in Gravesano Verlockendes Verlagsprogramm Ein Cellist beantwortet die Musik-Mutation "phono" - ein interdisziplinäres Konzept Künstler bereichern die Wissenschaft Musik des 20. Jahrhunderts Späte Begegnung mit Adorno Adornos Radiotheorie Neue Themen der Musiksoziologie Im Zeichen Gustav Mahlers Nachbarn an der Donau Wissenschaftliche Partnerschaft Wegweiser und Stationen Gottfried von Einem Rudolf Kirchschläger Kankam Twum-Barima Karl Breh Hermann Rauhe André Verlon Freunde im Alltag der Forschung Das Institut "MEDIACULT" Klaus Peter Etzkorn Undankbares Nachwort eines Dankbaren

 
   

Musik und Gesellschaft

 

Musikwissenschaft und Rassentheorie

89-96

Jüdische Musik. Unbekannte Zeugnisse einer vergessenen Initiative

97-100

Beethoven und die Ideen von 1789

101-107

Musik im Geist der Aufklärung. Mozart und die Eigenheit der österreichischen Kultur

108-143

Die Enzyklopädisten und die Musik. Melchior Grimm und Denis Diderot als Wegbereiter wissenschaftlicher Ästhetik

144-171

Der entstellte Mozart

172-173

"Häßliche" Musik. Komponist und Publikum in der Ära der sozialen Entfremdung

174-179

Der Weg der zeitgenössischen Musik. Soziale und technische Schicksalsfragen

180-186

   

Mit dem Blick auf Österreich

 

Nationale Probleme der österreichischen Geschichte

189-203

Die Bundesländer in der demokratischen Republik

204-220

Zehn Jahre nach den Februarkämpfen. An die Österreicher in der Britischen Armee

221-223

Guido Adler und die Schule in Österreich

224-226

Beatrice Webb: Objektivität als Parole. Zum Tod der englischen Sozialforscherin (1943)

227-229

Michael Hainisch. Sein Beitrag zu Wissenschaft und Volksbildung

230-233

Friedrich Engels und Österreich

234-242

Ferdinand von Saars "Innocens"

243-244

Josef Friedjung (1871-1946). Ein Leben für Gesundheit und Jugend

245-248

Ruhe im Hafen [Zum Gedenken an Otto Heller]

249-250

   

Philosophie Ästhetik

 

Philosophisches Denken in Österreich

253-259

Kunst und Gesellschaft bei Friedrich Engels. Notwendige Korrektur in einer aktuellen Debatte

260-263

"Falsches Bewußtsein" und Wirklichkeit. Zu einem Problem der Wissenssoziologie

264-269

Existentialismus Panorama einer Verwirrung

270-281

Für eine österreichische Enzyklopädie

282-284

   

Reinhard Müller: Anmerkungen

285-342

Auswahlbibliographie

343-358

Reinhard Müller: Index

 


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