Friedrich Schreyvogl portrait

d. i. Friedrich Franz Josef Schreyvogl; Pseudonym: Friedl Schreyvogl

geb. Mauer bei Wien (heute zu Wien), Kronland Österreich unter der Enns, Österreich-Ungarn (heute Bundesland Wien, Österreich), am 17. Juli 1899

gest. Wien, Bundesland Wien, Österreich, am 11. Januar 1976

Schriftsteller, Dramaturg und Theaterdirektor

gilt als bedeutender Schriftsteller des österreichischen Ständestaatregimes und Apologet des Nationalsozialismus, Angehöriger des sogenannten Spannkreises

Friedrich Schreyvogl war Sohn des Kaffeesieders und Stärkeerzeugers Fritz Schreyvogl und dessen Ehefrau Anna Schreyvogl, geborene Olbrich, Kaffeehausbesitzerin (Café Parsifal, Walfischgasse 13), sowie Urgroßneffe des Schriftstellers Joseph Schreyvogel (Wien 27. März 1768 – Wien 28. Juli 1832), der 1814 bis 1832 als Theatersekretär und Dramaturg am Wiener Burgtheater tätig war. Friedrich Schreyvogl besuchte das Gymnasium in Wien 12., wo er 1918 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend studierte er Staatswissenschaften an der Universität Wien, wo er aufgrund der Arbeit »Ausgewählte Schriften zur Staats- und Wirtschaftslehre des Thomas von Aquino« bei Othmar Spann (1878–1950) 1922 zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. In dieser Zeit war er Angehöriger des sogenannten Spannkreises, wobei sozialwissenschaftlich interessant die Essays beziehungsweise Essaysammlungen »Katholische Revolution« (1924), »Österreich. Das deutsche Problem« (1925) und »Nationalismus und Nation. Probleme der Gemeinschaft« (1926) sowie seine Übersetzung von Werken des Tommaso d'Aquino (um 1225–1274) sind.

Friedrich Schreyvogl war seit 1922 als freischaffender Schriftsteller tätig. Er war 1922 Gründungsmitglied des »Europäischen Kulturbunds« und Redakteur dessen kurzlebiger Zeitschrift »Der Zeitgeist« (Wien), 1922/23 Kollektivprokurist der »WILA Verlags-A.G.«, seit 1924 Vorsitzender der literarischen Sektion der »Österreichischen Leo-Gesellschaft«, vom Oktober 1925 bis September 1930 Mitherausgeber der Zeitschrift »Das Abendland« (Köln–Wien–Berlin), seit 1927 Vorsitzender des »Katholischen Österreichischen Schriftstellerverbands« und 1930 bis 1934 Herausgeber der Zeitschrift »Der Gral« (Münster).

1927 wurde Friedrich Schreyvogl Dozent für Deutsche Literaturgeschichte und Dramaturgie an der Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst (heute Universität für Musik und darstellende Kunst) Wien, wo er dann von 1932 bis 1938 Professor für Literatur war. Außerdem war er seit 1931 Dozent an dem der Staatsakademie angeschlossenen Reinhardt-Seminar in Wien beziehungsweise 1938 bis 1945 Professor an dessen Nachfolgeeinrichtung, dem Schauspiel- und Regieseminar Schönbrunn. 1932 wurde Schreyvogl Konsulent des Bundesministeriums für Unterricht und war von 1935 bis 1938 Konsulent der Staatstheater in Wien. 1936 gründete er mit Hans Brecka (1885–1954) und Rudolf Henz (1897–1987) die österreichische »Länderbühne«, deren Oberleiter er 1936/37 war. Außerdem war Schreyvogl seit 1937 Kulturredakteur der »Wiener Zeitung« (Wien).

Friedrich Schreyvogl heiratete 1929 Hermine Schubert (bis 1919: von Soldern; Wien 19. Februar 1906 – Wien 17. Dezember 1982), Tochter des Präsidenten des Österreichischen Bundesdenkmalamts, mit der er drei Kinder hatte: Elisabeth Schreyvogl (geb. 1931), Konrad Schreyvogl (geb. 1935) und Andreas Schreyvogl.

1933 trat Friedrich Schreyvogl, der sich als Vorzeigeautor des christlichsozialen Ständestaatsregimes zu etablieren suchte, aus dem österreichischen »PEN-Club« aus, um sich im Mai 1934 der in Österreich illegalen »Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei« (NSDAP) anzuschließen; am 1. Mai 1938 erhielt er die Mitgliedsnummer 6,287.644. Er war eine der treibenden Kräfte bei der nationalsozialistischen Unterwanderung der österreichischen Literatenszene, betätigte sich als Denunziant für die Reichsschrifttumskammer und war Säckelwart des 1936 gegründeten »Bundes deutscher Schriftsteller in Österreich«, eine mehr oder minder verdeckte nationalsozialistische Vereinigung in Österreich. Schreyvogl begrüßte 1938 öffentlich den sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, musste zunächst aber auf den Film ausweichen, da seine Theaterstücke von den neuen Machthabern wenig geschätzt wurden, und er arbeitete als Drehbuchautor und Dramaturg bei der »Wien-Film«.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Friedrich Schreyvogl seine Stellung im literarischen Leben Österreichs weitgehend unbeschadet behalten. 1946 war er Gründer und seither auch Präsident der österreichischen »Literarischen Verwertungs-Gesellschaft« (LGV). Von 1953 bis 1954 war Friedrich Schreyvogl Chefdramaturg am Theater in der Josefstadt in Wien. Dann wurde er von 1954 bis 1959 stellvertretender Direktor des Wiener Burgtheaters, wo er anschließend von 1959 bis 1961 als Chefdramaturg tätig war. Schreyvogl wurde zum Hofrat ernannt.

Der Nachlass von Friedrich Schreyvogl befindet sich in der Wienbibliothek, Wien (siehe Verzeichnis).

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