{"id":110,"date":"2020-03-02T11:01:10","date_gmt":"2020-03-02T10:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heinzsteinertsymposium.at\/WP\/?page_id=110"},"modified":"2025-01-27T19:45:41","modified_gmt":"2025-01-27T18:45:41","slug":"kriminalitaet-und-recht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/agso.uni-graz.at\/steinert-symposium\/kriminalitaet-und-recht\/","title":{"rendered":"Strafrecht, Gef\u00e4ngnis und Polizei als Herrschaftsinstrument \u2013 Abolitionismus als Herrschaftskritik"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-very-dark-gray-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#efcdc9\">Gef\u00e4ngnis, Strafrecht und Polizei sind nach Steinert ideologische Apparate mit einem vermeintlichen N\u00fctzlichkeitsversprechen: Sie suggerieren eine \u201eService-Funktion\u201c zur Bew\u00e4ltigung von Problemen und Konflikten, versprechen Schutz vor \u201eKriminellen\u201c und der Furcht vor ihnen und verleugnen damit ihre Herrschaftsfunktion. Es geh\u00f6re \u201ezur Eleganz dieses Herrschaftsinstrumentes, dass es von den Herrschaftsunterworfenen selbst mobilisiert wird\u201c, womit sich die Gelegenheit ergebe, den Herrschaftsanspruch zu verdeutlichen. Die Behandlung von Problemen als Frage von \u201eKriminalit\u00e4t\u201c und das Abstrafen von als kriminell etikettierten Personen tragen jedoch nichts oder nur marginal zur Bew\u00e4ltigung der entstandenen Schwierigkeiten bei, k\u00f6nnen Personen in Wirklichkeit nicht sch\u00fctzen und sind f\u00fcr die Betroffenen auch von nur sehr begrenzter N\u00fctzlichkeit. Nicht zu funktionieren sei dabei ein Teil der Funktion des Strafrechts, da dies symbolische Politik erm\u00f6gliche \u2013 \u201eeine Show energischen staatlichen Handelns, das aber keine wichtigen gesellschaftlichen Interessen ber\u00fchrt und nur vereinzelt Leute ohne sozialen R\u00fcckhalt ausst\u00f6\u00dft\u201c. Das Strafsystem sei somit als \u201eideologischer Staatsapparat zu fassen, der Menschenopfer f\u00fcr seine Demonstration verwendet\u201c. Abolitionismus als heuristisches Prinzip und theoretisches Unternehmen m\u00fcsse daher die \u201eM\u00f6glichkeiten von Herrschaftsfreiheit (oder wenigstens -armut)\u201c untersuchen und eine Hegemonie aufbrechen, \u201eder das Strafen und Einsperren selbstverst\u00e4ndlich ist\u201c. &nbsp;Als wichtigste Aufgabe definiert Steinert dabei die Erm\u00f6glichung einer sinnvolleren Sicht auf Probleme, die unter &#8220;Kriminalit\u00e4t&#8221; abgehandelt und sich mit dieser Etikettierung den Problemdefinitionen und L\u00f6sungen der staatlichen Apparate unterwirft. \u201eEs geht nicht um bessere Gesetze, sondern um die M\u00f6glichkeit, Schwierigkeiten und Konflikte anzugehen, ohne von Herrschaft und ihren vorgefertigten L\u00f6sungen, die hingenommen werden m\u00fcssen, beschr\u00e4nkt zu werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#ffffff\">Um mehr als eine \u201eWohlt\u00e4tigkeitsbewegung\u201c zu sein, m\u00fcsse sich der Abolitionismus nach Steinert radikal der Frage der Bestrafung zuwenden: \u201eIst es vorstellbar, da\u00df jemand rechtm\u00e4\u00dfig von einem anderen bestraft werden kann, d.h. als eine Gelegenheit zur Demonstration von Herrschaft benutzt wird?\u201c <br><br>Welche autonomen Formen der Problem- und Konfliktbearbeitung abseits strafrechtlicher Zurichtung haben sich bew\u00e4hrt und wie k\u00f6nnen diese weiterentwickelt werden? Inwiefern realisieren sich hier Formen \u201eguter Herrschaft\u201c, inwiefern Modelle der Befreiung? <br><br>Kann es in der \u201eversicherheitlichten\u201c Gesellschaft \u00fcberhaupt noch um Straf- und Gef\u00e4ngnisabolitionismus gehen? Inwiefern gehen mit dem Abschied vom Gef\u00e4ngnis als Strafsanktion Sicherheitsma\u00dfnahmen einher, die Freiheitsentzug ohne Mauern herrschaftswirksam an seine Stelle setzen?  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#ffffff\"><strong>Panel: <\/strong><br><br><em>Arno Pilgram: <\/em>Strafrecht, Gef\u00e4ngnis und Polizei als Herrschaftsinstrument (<em>Eingangsstatement<\/em>)<br><em>Christa Pelikan: <\/em>Spuren und Fluchtlinien des Abolitionismus in der internationalen Auseinandersetzung mit Restorative Justice<br><em>Rehzi Malzahn: <\/em>Abtauchen in vernakul\u00e4re R\u00e4ume. Herrschaftskritik und Alternativen in Zeiten ihrer Vereinnahmung<br><em>Sonja John: <\/em>Ein weiterer guter Grund f\u00fcr Gef\u00e4ngnisabolitionismus: \u201aSuizid\u2018 in Haft<br><br>Moderation: <em>Monika Mokre<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Heinz-Steinert-Symposium 2021 (Panel 3: Strafrecht, Gef\u00e4ngnis und Polizei)\" width=\"720\" height=\"405\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/vSA-EBzCDlo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"\/steinert-symposium\/panels\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/agso.uni-graz.at\/steinert-symposium\/panels\/\">&lt; zur\u00fcck zu den Panels<\/a><br><a href=\"http:\/\/Zeitplan\"><\/a><a href=\"\/steinert-symposium\/zeitplan\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/agso.uni-graz.at\/steinert-symposium\/zeitplan\/\">&lt; zur\u00fcck zum Zeitplan<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gef\u00e4ngnis, Strafrecht und Polizei sind nach Steinert ideologische Apparate mit einem vermeintlichen N\u00fctzlichkeitsversprechen: Sie suggerieren eine \u201eService-Funktion\u201c zur Bew\u00e4ltigung von Problemen und Konflikten, versprechen Schutz vor \u201eKriminellen\u201c und der Furcht vor ihnen und verleugnen damit ihre Herrschaftsfunktion. 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