{"id":120,"date":"2020-03-02T11:05:28","date_gmt":"2020-03-02T10:05:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heinzsteinertsymposium.at\/WP\/?page_id=120"},"modified":"2025-01-27T19:47:56","modified_gmt":"2025-01-27T18:47:56","slug":"kriminalitaet-und-recht-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/agso.uni-graz.at\/steinert-symposium\/kriminalitaet-und-recht-2\/","title":{"rendered":"Kritik der Kriminologie \u2013 zum \u201efalschen Bewusstsein\u201c einer Wissenschaft"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-very-dark-gray-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#efcdc9\">Die\nKriminologie ist, so Steinert, schon immer eine\n\u201eAusschlie\u00dfungs-Wissenschaft\u201c gewesen, in der das\n\u201ebetriebswirtschaftliche, instrumentelle Denken triumphiert\u201c, und\ndie nur phasenweise von einer \u201eSozialstaats-Kriminologie\u201c\n(1960er\/1970er Jahren) mit Etikettierungsperspektive und\nAbolitionismus als ihren theoretischen Ausdruck irritiert wurde.\nKulturindustrielle Verstrickungen und ihre starke\nAnwendungsbezogenheit (die je nach Abnehmer und Nachfrage\nkriminologischen Wissens verschiedene Kriminologien hervorgebracht\nhat) machen es auch kritischen Kriminologien schwer, \u201enicht doch zu\neiner (etwas) anderen Polizei-, Gerichts-, Strafvollzugs- und\nGesetzgebungs-Wissenschaft zu werden, nicht zu einem weiteren, dem\n(nur etwas) weniger repressionsgl\u00e4ubigen Teil der Institution\nVerbrechen &amp; Strafe\u201c. Der (zu) enge Zuschnitt der Kriminologie,\ndie sich traditionellerweise den Gegenstand von der Institution\n\u201eVerbrechen &amp; Strafe\u201c vorgeben l\u00e4sst, f\u00fchre zu ihrer\n\u201etraditionellen Fehlform\u201c, in der ihre Problemdefinitionen nicht\nzum Gegenstand gemacht, sondern vorausgesetzt werden und sie daher\ndazu neige, bei der Entwicklung und Verbesserung von\nHerrschaftstechniken zu unterst\u00fctzen. Dass man auch\n(kriminologische?) Forschung betreiben kann, ohne sich mit den\nEinrichtungen zu verb\u00fcnden, die die Kategorisierungen verwalten,\nd.h. also kritisch und reflexiv nicht vom (herrschaftlich gepr\u00e4gten)\nSelbstverst\u00e4ndlichen auszugehen, zeigen Steinert\/Hanak\/Stehr mit der\ngleichnamigen Studie zu \u201a\u00c4rgernissen und Lebenskatastrophen\u2018\nselbst vor, in der dieser enge Zuschnitt des kriminologischen\nGegenstandsbereiches \u00fcberschritten wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#ffffff\">Wie l\u00e4sst sich Steinerts Kritik der Kriminologie gegenw\u00e4rtig deuten? Mit welchen Ver\u00e4nderungen muss (kritische) Kriminologie heute fertig werden, welchen Produktionsbedingungen ist sie unterworfen, wie bearbeitet sie gegenw\u00e4rtig die gesellschaftlichen und politischen Erfahrungen in ihrer Theorie? <br><br>Wenn Kriminologie keine Fehler hat, sondern selbst der Fehler ist, kann es dann so etwas wie eine kritische, am Befreiungsdenken orientierte Kriminologie \u00fcberhaupt geben? Welche aktuellen Beispiele kriminologischer Forschungs- und Theorieaktivit\u00e4ten denken nicht \u00fcber die \u201egute Herrschaft\u201c nach, sondern \u00fcberschreiten ihre \u201etraditionelle Fehlform\u201c, indem sie, wie von Steinert gefordert, \u201eSoziologie der sozialen Ausschlie\u00dfung\u201c betreiben? Welche Rolle spielt dabei das (nach Steinert weitgehend ungen\u00fctzten) Potential einer herrschafts- und verdinglichungskritischen Etikettierungsperspektive heute? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#ffffff\"><strong>Panel:<\/strong><br><br><em>Reinhard Kreissl: <\/em>Kritik der Kriminologie \u2013 zum \u201efalschen Bewusstsein\u201c einer Wissenschaft (<em>Eingangsstatement<\/em>)<br><em>Walter Fuchs:<\/em> It\u2019s the labour market, stupid!<br><em>Johannes Stehr:<\/em> Zur Aktualit\u00e4t des Buches &#8220;\u00c4rgernisse und Lebenskatastrophen&#8221;<br><br>Moderation: <em>Arno Pilgram<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Heinz-Steinert-Symposium 2021 (Panel 7: Kritik der Kriminologie)\" width=\"720\" height=\"405\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MiHnjiVeZiI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"\/steinert-symposium\/panels\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/agso.uni-graz.at\/steinert-symposium\/panels\/\">&lt; zur\u00fcck zu den Panels<\/a><br><a href=\"http:\/\/Zeitplan\"><\/a><a href=\"\/steinert-symposium\/zeitplan\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/agso.uni-graz.at\/steinert-symposium\/zeitplan\/\">&lt; zur\u00fcck zum Zeitplan<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kriminologie ist, so Steinert, schon immer eine \u201eAusschlie\u00dfungs-Wissenschaft\u201c gewesen, in der das \u201ebetriebswirtschaftliche, instrumentelle Denken triumphiert\u201c, und die nur phasenweise von einer \u201eSozialstaats-Kriminologie\u201c (1960er\/1970er Jahren) mit Etikettierungsperspektive und Abolitionismus als ihren theoretischen Ausdruck irritiert wurde. 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