Fritz Taschke [d.i. Friedrich Taschke]
Marientoi.
Gramatneusiedl 2007, Erstveröffentlichung des Manuskripts.
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Marientoi
von Fritz Taschke, 2007
Es is uns übaliefert woarn,
dass do bei uns vor vüle Joahr'n –
do woar auf an Akazibam a Marienbüd
und seither hast Marientoi
a Teil von unser'm Ortsgebiet.
Sogor a Kloster soi do amoi g'wesn sei –
vüleicht is nur a G'red.
Nur sicha is dass Oitgebei
no heite ois Ruine bei uns steht.
Daunn gibt's bei uns a no de Mär,
der Naum staummt von da Kaiserin Maria Theresia her.
Freilich – genau was ma des ollas ned –
weil's jo in kana Chronik steht.
Sicha is, dass bei uns vüü Sumpf und saure Wiesn woarn,
drum san de Bäch amoi begrodigt woarn.
De Piasting mit'n Feiaboch,
da Jesuitnboch, oba a de Dagiz-Fischa,
de rinnan olle bei uns z'saumm
und darum haums von uns do weg
daunn weida owi nur an Naum.
Ois Fischa rinnans mitanaund letzt End
in de Donau drunt bei Fischamend.
Sunst is unsa Gegnd do gaunz eb'n
und wia ma was, hot's a a oide Lodn-Müh do amoi geb'n.
Nur de hod scheinbor nix mehr taugt,
drum hod da Mülla Osmann si a neiche Müh aufbaut.
De Kaiserin Maria Theresia hod aungeblich auf ihra Fohrt
noch Mannersdorf a Rost g'mocht do in unserm Ort
und weil's da schlaue Mülla Osmann hod recht guat bewirtn kenna,
hod er sei Müh »Theresienmüh« untertänigst nenna kenna.
Wia daunn da Mülla Ignaz Osmann 1778 is g'stoarm
is späda a Flochspinnfabrik aus dera Müh draus woarn.
Da Direkta Franz Xaver Wurm woar a Genie
und woar eigendlich da Vater do der Industrie.
Er hod so ollerhaund erfund'n,
nur leida hod er g'mocht vü Schuidn
Weil der guade Mau in seina Not
an grössan Guidnschein g'föscht hod,
is er verurteilt woarn zum Tod.
Oba irgendwer hod sein Genie erkaunnt
und so is er do begnodigt woarn auf Lebenslaung.
Sogoar im G'fängnis hod er erfund'n ollerlei
und so is er doch woarn wieda frei.
Wia 1830 de Flochsspinnerei von Hermann Todesco kauft is woarn
is erst a richtige Fabrik do in Marientoi woarn.
Der g'scheide Mau hod des glei kennt,
dass do a große Fabrik her g'hert in unsa Gegnd.
Er und sei Sohn, da Max, de woarn sehr sozial,
des woar für daumois noned so normal.
De Fabrik und Oarbeitaheisa haums neich baut,
jo und ma sichts a heit no waunn ma schaut.
Vü Oabeita san aus Behmen und a von wo aundas kumma,
oba mit da Zeit is eana a gelunga –
se haum si a, wia sich's gebiert,
do in Marientoi recht guat integriert.
De klan G'schroppn haums in a Kindabewoahanstoit geb'n kenna
und de Groß'n haum in da Fabriksschui rechna
und a schreib'n learna kenna.
Sogoar a Fabriksspitoi, an Herrnpark mit an Teich
und ana Keglbauhn und ana Gärtnarei hods amoi geb'n –
Vü Vareine san entstaundn, jo in Marientoi woar a reges Leb'n.
Scho 1893 haums in da Turbin an Strom erzeigt,
für de Fabrik – oba a dass a Liacht g'hobt haum de Leit.
De Brunn san Tog und Nocht do g'runna
und von rumadum san d'Leit ums guade Wossa kumma.
Ob drunt im Hof oda drob'n auf da Pablatschn,
de Leit haum kenna mitanaunda Gatschn.
Doch daunn is da erste Wödkriag kumma
und der hod Vazweiflung brocht und Hunga.
Vü Famülien haum ihre Väter oda Söhne nimma g'segn,
trotzdem is oba weidagaunga s'Lebn.
A in da schwern Nochkriagszeit
woarn d'Leit zum Oarbeit'n bereit.
De Oarbeitslog woar ned so schlecht,
nur da Lohn der woar oft ungerecht.
So haum se de Oarbeita organisiert
und g'hofft dass ollas bessa wird.
Oba leida – scho mitt'n in de zwanzger Joahr
is ollas schlechta woarn sogoar.
De Fabriksbelegschoft is woarn reduziert,
und 1929 is daunn des Schreckliche passiert.
De Textilindustrie in Marientoi woar tod!
Und unvorstellboar woar de Not.
Politik und d'Wödwirtschoft woarn schuid an dera schlecht'n Zeit,
des kaunn si kana vorstön heit.
Und in de dreißger Joahr – is do leicht bessa woarn?
marientolerisch g'sogt: »An Schmorrn!«
Gegnseitig haum si d'Leit bekriagt,
bis 1938 daunn is passiert.
Denan Nazi is recht leicht gelunga
und se haum unsa Österreich mit Haut und Hoar vaschlunga.
Da zweite Wödkriag,
wer earm ned erlebt hod der kaunns ned begreif'n.
Er woar des schrecklichste von olle Zeit'n.
Kana hod g'wußt wos g'schegn is waunn er hod de Tür aufgmocht,
und Fliegerallarm hod's geb'n bei Tog und Nocht.
Wir ma 1945 daunn endlich woarn befreit,
do woar de Zeit grod a ned leicht.
De Fabrik de woar fosst gaunz zerstört,
wo amoi sieb'n Rauchfäng g'staundn san,
do sicht ma heite nur mehr an.
Doch Gott sei Daunk is doch gelunga
und es is wieda a Fabrik do noch Marientoi kumma.
Stott ana Textilindustrie
do haum ma hoid jetzt de Para Chemie.
Jednfois a Glück gibt's nur in ana Zeit,
waunn a a Oarbeit haum de Leit.
Marientoi von friara und von heit,
des kaunn ma ned vagleich'n,
des Oide muaß amoi dem Neich'n weich'n.
De Zeit de bleibt bestimmt nia steh',
des Leb'n wird a in Marientoi imma weidageh.