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Große Chronik
von Mitterndorf a. d. Fischa
1500 bis 1599
1500
Gemäß einem
Schreiben, aufbewahrt im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, datiert Millstatt
am See (Kärnten), am 21. Mai 1500, ersucht Johann Siebenhirter (?–1508),
Hochmeister des St. Georgs-Ritterordens, die Raiträte (Rechnungsräte)
von Kaiser
Maximilian I. von Habsburg (1459–1519), Erzherzog von Österreich,
dass ihm die
Schlösser, Güter und Schriften des verstorbenen
Konrad Auer von Herrenkirchen (?–um 1500),
betreffend Waltersdorf (heute Unterwaltersdorf), Mitterndorf a. d.
Fischa und
Schranawand (heute zu Ebreichsdorf, Niederösterreich),
als dem Orden gehörig auszuhändigen. (1492,
1493,
1494,
1496 &
1496)
Es ist dies der letzte Beleg dafür, dass Mitterndorf a. d. Fischa
als eigenständige Herrschaft angesehen wird. (1508)

1508
Gemäß einer Urkunde im
Finanz- und
Hofkammerarchiv Wien, datiert
St. Wendel (Saarland), am
30. April 1508,
bestätigt Kaiser
Maximilian I. von Habsburg (1459–1519),
Erzherzog von Österreich,
nach Ablauf der
Verschreibungsfrist dem Pfleger des Schlosses Waltersdorf (heute
Unterwaltersdorf), Peter Wiser (?–vor
1523), die Rechte auf weitere
drei Jahre, und bewilligt, dass ihm und seinen Erben alle zur Herrschaft
und zum Schloss Unter-Waltersdorf gehörigen Huben und Güter verschrieben
bleiben. (1515 &
1516) Dazu gehören
nunmehr auch die öden Vesten Mitterndorf a. d. Fischa und Schranawand (heute
zu Ebreichsdorf, Niederösterreich)
sowie die zu ihnen gehörigen Huben und Güter. Damit ist auch offiziell,
dass die ehemalige Herrschaft Mitterndorf mindestens seit 1505 zum
kaiserlichen Kammergut Unter-Waltersdorf gehört, welches zunächst und
auch später wiederholt
»Nidern Waltersdorf«
(Nieder-Waltersdorf)
genannt wird. (1500,
1530 &
1539)
Gleichzeitig wird die Pfarre Mitterndorf a. d. Fischa der Pfarre Waltersdorf
(heute Unterwaltersdorf) einverleibt. (1407
& 1773) Auch gibt es seit 1528 in der Pfarre Unter-Waltersdorf keine
Kapläne mehr, welche die Kapellen in den zugehörigen Siedlungen hätten
betreuen können. Dies bleibt so, abgesehen von kurzen Unterbrechungen,
bis 1728. (1728)
Mit der Einverleibung der
ehemaligen Herrschaft Mitterndorf a. d. Fischa in die Herrschaft
Waltersdorf ist diese nunmehr auch als Landgericht zuständig. Der
Landgerichtsbezirk umfasst die Gemeindegebiete von Unterwaltersdorf (zu
Ebreichsdorf), Ebreichsdorf, Schranawand (zu Ebreichsdorf), Mitterndorf
a. d. Fischa, Reisenberg und Teile von Weigelsdorf (zu Ebreichsdorf).
Als Landgerichtsherr fungiert seither der jeweilige Inhaber der
Herrschaft Unter-Waltersdorf.

1515
Gemäß einer
Urkunde im Finanz-
und Hofkammerarchiv Wien, datiert Innsbruck (Tirol), am 7. September 1515, verschreibt Kaiser Maximilian I. von Habsburg (1459–1519),
Erzherzog von Österreich, Peter Wiser (?–vor
1523) und seiner frisch
angetrauten Barbara Neustetterin als Heiratsgut das Schloss Waltersdorf
(heute Unterwaltersdorf) mit allen Einkommen und allem Zugehör, damit auch die
öde Veste Mitterndorf a. d. Fischa. (1508 &
1516)

1516
Gemäß einer
Urkunde im Finanz-
und Hofkammerarchiv Wien, datiert Innsbruck (Tirol), am 7. September 1516, sichert Kaiser
Maximilian I. von Habsburg (1459–1519),
Erzherzog von Österreich,
Peter Wiser (?–vor
1523)
und seiner Frau Barbara, geborene Neustetterin, zu, dass der lebenslange
Genuss auf das als Heiratsgut vermachte Schloss Waltersdorf (heute
Unterwaltersdorf) mit allen Einkommen und allem Zugehör, damit auch die
öde Veste Mitterndorf a. d. Fischa, nach Peter Wisers Tod seiner Witwe
zustehe. (1508,
1515
& 1532)

1523
Schranawand
(heute
zu Ebreichsdorf, Niederösterreich)
wird seit 1523 mit Bauern aus dem Etschtal (Tirol, heute Valle
dell'Adige, Italien) wieder besiedelt, während
Mitterndorf a. d. Fischa weiterhin verödet bleibt. Schranawand zählt zu
diesem Zeitpunkt sieben Häuser, zwei Jahre später, 1525, bereits
achtzehn. Neuer Pfleger auf Schloss Waltersdorf (heute
Unterwaltersdorf) wird 1523 Simon Hofer, der damit auch für das verödete
Mitterndorf a. d. Fischa zuständig ist.

1529
Anlässlich der sogenannten ersten Türkenbelagerung Wiens durch Sultan
Süleyman I. von Osman ‹سليمان القانوني›, genannt »Kanuni« oder »der
Prächtige« (1494–1566), werden seit September bis Mitte Oktober 1529
große Teile des Erzherzogtums Österreich unter der Enns verwüstet. Das
verödete Dorf Mitterndorf a. d. Fischa wird davon wohl kaum betroffen,
jedenfalls überstehen die Veste und die Kapelle samt Pfarrhof diesen
Einfall zumindest baulich. (1532)

1530
Das Dorf Mitterndorf
a. d. Fischa wird vermutlich 1530 mit 32 Häusern neu bestiftet, von denen
allerdings 1539 erst elf Häuser bestehen. (1508 &
1539) Die neuen Siedler kommen
großteils aus
dem Etschtal (Tirol, heute Valle dell'Adige, Italien),
spätestens seit 1571 sind auch Kroaten nachweisbar, die
zeitweise sogar zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen. (1571)

1532
Gemäß einer Urkunde, datiert Regensburg (Bayern), am 25. Juli 1532,
versichert König Ferdinand I. von Habsburg (1503–1564), Erzherzog von
Österreich, Dr. Markus (seit 1530: Ritter) Beck (seit 1523: von Leopoldsdorf;
1491–1553), Vizedom in Österreich unter der Enns, dass er nach dem Ableben von Barbara Wiserin, geborene
Neustetterin, Schloss und Herrschaft Nieder-Waltersdorf (heute
Unterwaltersdorf) einschließlich der Dörfer Mitterndorf a. d. Fischa und
Schranawand (heute zu Ebreichsdorf, Niederösterreich) von ihren Erben
gegen Barzahlung des darauf haftenden Pfandschillings ablösen könne. (1516 &
1533)

1532
Im August 1532 dringen türkische Streifscharen unter Kommando von Kasım
Beğ (?–1532) erneut ins Erzherzogtum Österreich unter der Enns ein.
Unter anderem durchstreifen diese Akıncı – von der einheimischen
Bevölkerung als »Renner und Brenner« gefürchtet – auch das Steinfeld, in
dem Mitterndorf a. d. Fischa liegt, doch dürfte der ohnedies verwüstete und gerade
neu bestiftete Ort diesmal nicht direkt betroffen worden sein. Im
September 1532 werden die türkischen Streifscharen vernichtend
geschlagen. (1529)

1533
Gemäß einer Urkunde im
Finanz- und
Hofkammerarchiv Wien, datiert
1. März 1533,
schließt Markus (seit 1530: Ritter) Beck (seit 1523: von Leopoldsdorf;
1491–1553), Vizedom in Österreich unter der Enns, mit Hanns Reytter und seiner neu vermählten Frau Barbara,
geborene Neustetterin, verwitwete Wiserin, sowie deren Söhne aus erster
Ehe Hans und Christoph Wieser, einen Vertrag über die Abtretung von
Schloss und Herrschaft Nieder-Waltersdorf (heute Unterwaltersdorf)
einschließlich der Dörfer Mitterndorf a. d. Fischa und Schranawand
(heute zu Ebreichsdorf, Niederösterreich) noch zu Lebzeiten der Wieserin
ab, wofür Beck von Leopoldsdorf 4.000 Gulden zu zahlen hat. (1532 &
1533)

1533
Gemäß einer Urkunde im
Finanz- und
Hofkammerarchiv Wien, datiert
8. September 1533, verschreibt König Ferdinand I. von Habsburg
(1503–1564), Erzherzog von Österreich, Schloss und Herrschaft
Nieder-Waltersdorf (heute Unterwaltersdorf) einschließlich der Dörfer
Mitterndorf a. d. Fischa und Schranawand (heute zu Ebreichsdorf,
Niederösterreich) als Pfand an Markus (seit 1530: Ritter) Beck (seit
1523: von Leopoldsdorf; 1491–1553), Vizedom in Österreich unter der Enns,
für ein von dem Wiener Dr. Georg Jordan, Anwalt der Münze Österreich,
dem König Ferdinand I. von Habsburg gegebenes Darlehen von 1.470 Gulden
und 39 Kreuzern. (1533 &
1545) In dieser
Urkunde werden Mitterndorf a. d. Fischa und Schranawand einerseits noch
als öd bezeichnet, andererseits muss Beck von Leopoldsdorf für die von
Peter Wiser
(?–vor
1523)
veranlassten Neubestiftungen in Unter-Waltersdorf, Mitterndorf a. d.
Fischa und Schranawand um 181 rheinische Gulden ablösen. Markus Ritter
Beck von Leopoldsdorf hatt die Herrschaft Unter-Waltersdorf bis zu
seinem Tod inne. (1554)

1539
Im Urbar der landesfürstlichen Herrschaft
»Nidern Walthersdorf an der Vischa«
(Nieder-Waltersdorf
an der Fischa, heute Unterwaltersdorf) im Finanz-
und Hofkammerarchiv Wien,
datiert 1539,
gibt es nach langer Zeit wieder eine Beschreibung von Mitterndorf a. d. Fischa. (1499 &
Urbar) Das Dorf
Mitterndorf a. d. Fischa zählt nunmehr elf Häuser: vier Ganzlehen, darunter die Mühle an der Fischa,
die dem Koloman Müllner gehört, und sieben Halblehen.
(1530, Urbar
&
1571) In dem Urbar wird
die Veste Mitterndorf a. d. Fischa ebenso wie jene in Schranawand (heute
zu Ebreichsdorf, Niederösterreich) als abgebrochen verzeichnet:
»zwaier abgebrochen geslösser
Schranabathen und Mitterndorff«.

1545
Gemäß einer Urkunde im
Finanz- und
Hofkammerarchiv Wien, datiert 16. Januar 1545, zahlt
Markus (seit 1530: Ritter) Beck (seit
1523: von Leopoldsdorf; 1491–1553), nunmehr Kanzler des Regiments
(Regierung) der niederösterreichischen Lande (Nieder- und
Oberösterreich, Steiermark, Kärnten und Krain), dem Wiener Arzt Dr. Leopold Jordan,
Dekan und Rektor der Universität Wien, 1.500 Gulden, die auf dem
Schloss Nieder-Waltersdorf (heute Unterwaltersdorf) als Pfand lasten. (1533 &
1554)

1554
König Ferdinand I. von Habsburg (1503–1564), Erzherzog von Österreich, verschreibt am
20. August 1554 Schloss und Herrschaft Nieder-Waltersdorf (heute Unterwaltersdorf) einschließlich der Dörfer
Mitterndorf a. d. Fischa und Schranawand (heute zu Ebreichsdorf,
Niederösterreich) Dr. Hieronymus (seit 1530: Ritter) Beck von Leopoldsdorf
(1525–1596) als Pfand. Dieser hat die von seinem Vater
Dr. Markus Ritter Beck von Leopoldsdorf (1491–1553) ererbte
Herrschaft bis zu seinem Tod inne. (1533,
1545 &
1597)

1565
Gemäß einer
Urkunde im Finanz- und Hofkammerarchiv Wien, datiert Wien, am 19. März
1565, kauft
Dr. Hieronymus (seit 1530: Ritter) Beck von
Leopoldsdorf (1525–1596), nunmehr kaiserlicher niederösterreichischer
Kammerrat, den
großen und kleinen Zehent
auf zwei ganze Lehen in
Brodersdorf (d. i. Deutsch-Brodersdorf, zu Seibersdorf, Niederösterreich),
auf dreizehn Viertel in Mitterndorf und auf elf Viertel in Waltersdorf
(heute Unterwaltersdorf) vom Konvent des Zisterzienserstifts Neukloster
in Wiener Neustadt (Niederösterreich), womit er zur Abrundung seiner
Pfandherrschaft beiträgt.
(1449
&
Urkunde)

1571
Im Urbar der landesfürstlichen Herrschaft
»Nidern Waltersdorf« Nieder-Waltersdorf, heute Unterwaltersdorf)
im Finanz- und
Hofkammerarchiv Wien,
datiert 6. Mai 1571,
zählt das neu bestiftete Mitterndorf bereits 34 Häuser, darunter die
Mühle sowie das Viehhalterhaus der Gemeinde, und hat um die
200 Einwohner. (1539)
Die Namen der Bewohner zeigen, dass seit der Wiederbestiftung des Dorfs
viele Bauern kroatischer Herkunft zugezogen sind: Von den 35 namentlich
genannten behausten Untertanen tragen 19 einen kroatischen Namen.
(1530
& Dokument) Außerdem wird
in dem Urbar erstmals der »Luckerte Stein« (durchlöcherter Stein) an der Straße nach Unterwaltersdorf vor der Abzweigung nach Schranawand (heute zu
Ebreichsdorf, Niederösterreich) genannt: Es ist
dies ein Grenzstein zur damaligen Gemeinde Unterwaltersdorf. (Urbar
&
Text)

1590
Zwischen dem 29. Juni und dem 12. November 1590 erschüttern mehrere
Erdbeben das Erzherzogtum Österreich. Das schwerste davon, am 15. und
16. September mit Epizentrum nahe Neulengbach (Niederösterreich),
verursacht schwere Schäden, vermutlich auch in Mitterndorf a. d. Fischa.
Dieses gilt als
eines der bis heute heftigsten Erdbeben in Niederösterreich.

1597
Kaiser
Rudolf II. von Habsburg (1552–1612), Erzherzog von Österreich, verschreibt 1597 die
Herrschaft Nieder-Waltersdorf (heute Unterwaltersdorf) einschließlich der Dörfer Mitterndorf a. d.
Fischa und Schranawand (heute zu Ebreichsdorf, Niederösterreich)
Hannibal Ritter (seit 1597: Freiherrn) Beck von Leopoldsdorf
(1556–1608), Oberster zu Pferd, als Pfand. (1554) Hannibal Ritter Beck von Leopoldsdorf,
der mit Diplom vom 15. März 1597 als Freiherr zu Unterwaltersdorf,
Schöngrabern und Schranawand in den Herrenstand erhoben wird, hat die von seinem Vater
Dr. Hieronymus Ritter
Beck von Leopoldsdorf (1525–1596) ererbte Herrschaft bis 1603 inne. (1603)
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Copyright © 2013 Arnold Krizsanits, Mitterndorf a. d. Fischa
Stand: Februar 2013

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