Marienthal nächst Grammatneusiedl
in Jos[eph] Joh[ann] Knolz: Darstellung der Verfassung und Einrichtung der Baumwoll-Spinnerei-Fabriken in Niederösterreich. Mit besonderer Beziehung auf die moralisch-intellectuelle und physische Erziehung der daselbst verwendeten Kinder und die diessfalls bestehenden gesetzlichen Vorschriften: von Jos[eph] Joh[ann] Knolz, k[aiserlich] k[öniglichem] n[ieder] ö[sterreichischem] Regierungsrathe, Sanitäts-Referenten und Proto,edicus, emerit[iertem] ord[entlichem] öff[entlichem] Professor an der Wiener Universität, der med[izinischen] Facultät, der k[aiserlich] k[öniglichen] Gesellschaft der Aerzte und der k.k. Landwirtschafts-Gesellschaft zu Wien; der physik[alisch] med[izinischen] Societät zu Erlangen, der naturforschenden Gesellschaft zu Halle, der physik. Med. Gesellschaft zu Leipzig und Bonn ordentlichem; der Hufelandischen med. chriurg[ischen] Gesellschaft zu Berlin; des königl[ichen] Vereins für Heilkunde in Preussen, der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden, und des ärztlichen Vereins zu Hamburg und der königl[ichen] Gesellschaft der Aerzte in Pesth correspondirendem; dann des Vereins der grossherz[oglich] badensch[en] Medicinal-Beamten zur Förderung der Staatsarzneikunde, der kais[erlich] med. chirurg. Academie, der Gesellschaft russischer Aerzte zu Petersburg und des Athenäums zu Venedig Ehrenmitgliede, Ehrenbürger der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien etc. etc. Wien: Verlag von Kaulfuss Witwe, Prandel & Comp. 1843, S. 80–83.
[Titelblatt]
Darstellung
der
Verfassung und Einrichtung
der
Baumwoll-Spinnerei-Fabriken
in Niederösterreich.
Mit
besonderer Beziehung auf die moralisch-intellectuelle und
physische Erziehung der daselbst verwendeten Kinder und
die diessfalls bestehenden gesetzlichen Vorschriften:
von
Jos[eph] Joh[ann] Knolz
k[aiserlich] k[öniglichem] n[ieder] ö[sterreichischem] Regierungsrathe, Sanitäts-Referenten und Proto,edicus, emerit[iertem] ord[entlichem] öff[entlichem] Professor an der Wiener Universität, der med[izinischen] Facultät, der k.k. Gesellschaft der Aerzte und der k.k. Landwirtschafts-Gesellschaft zu Wien; der physik[alisch] med[izinischen] Societät zu Erlangen, der naturforschenden Gesellschaft zu Halle, der physik. Med. Gesellschaft zu Leipzig und Bonn ordentlichem; der Hufelandischen med[izinisch] chriurg[ischen] Gesellschaft zu Berlin; des königl[ichen] Vereins für Heilkunde in Preussen, der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden, und des ärztlichen Vereins zu Hamburg und der königl. Gesellschaft der Aerzte in Pesth correspondirendem; dann des Vereins der grossherz[oglich] badensch[en] Medicinal-Beamten zur Förderung der Staatsarzneikunde, der kais[erlich] med[izinischen] chirurg[ischen] Academie, der Gesellschaft russischer Aerzte zu Petersburg und des Athenäums zu Venedig Ehrenmitgliede, Ehrenbürger der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien etc[etera] etc.
Wien.
Verlag von Kaulfuss Witwe, Prandel & Comp.
1843.
[80 & 82]
[80] Standort der Fabrik, Population der Ortschaft, Zahl der Spindeln und der Fabriksarbeiter.
[…]
XX. Marienthal nächst Grammatneusiedl.
[82] Erwachsene: 118. Kinder: 22. Zusammen: 140.
[80] Abstammung der erwachsenen Fabriksarbeiter und der Kinder. Alter der Letzteren.
[…]
Die Ältern dieser Kinder sind grösstentheils die erwachsenen verehelichten Fabriksarbeiter, nur wenige [82] sind aus der Umgegend, der grösste Theil aus Mähren und Böhmen. Das Alter der Kinder ist: Von 12–15 Jahren.
[80] Beschaffenheit der Arbeits-Localitäten und der Ubicationen der Fabriksarbeiter.
[…]
Das Fabriksgebäude ist 3 Stockwerke hoch, hat eine gesunde Lage. Sämmtliche Arbeitssäle sind geräumig, 10 Schuh hoch, mit Winterfenstern versehen, und werden mit Meissner’scher Heizung erwärmt. In dem Wollreinigungs-Locale sind Staubventilatoren ange[82]bracht. Sämmtliche Maschinen werden durch Wasser mittelst 2 Räder in Bewegung gesetzt. Die Ubicationen sind durchgehends geräumig, und mit reinen, guten Betten versehen. Die Schlaf- und Aufenthaltssäle der ledigen Arbeiterinnen sind von jenen der Männer ganz gehörig abgesondert und unter Aufsicht gestellt.
[81 & 83]
[81] Beschäftigungs- und Unterrichtszeit der Kinder. Beschaffenheit des Unterrichts.
[…]
Die Arbeitszeit dauert von 5 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends, an Sonnabend bis 6 Uhr Abends und an Vortagen der bedeutenden Feiertage bis 2 Uhr Nachmittags. Ruhestunden von 12 bis 1 Uhr zum Mit- [Seite 83] tagessen. Ausserdem ist noch sämmtlichen Arbeitern des Morgens von 7 bis 7½ Uhr zum Frühstück und Nachmittags von 3½ bis 4 Uhr zur Jause ohne Unterbrechung der Spinnerei Zeit vergönnt. – Zum Unterrichte im Lesen, Schreiben, Rechnen und Religion sind an Werktagen die Stunden von 1 bis 3 Uhr Nachmittags für die Grössern, und von 8 bis 10 Uhr für die Kleinern bestimmt. An Sonn- und Feiertagen wohnen sämmtliche Kinder der Christenlehre bei. Den Unterricht ertheilt der Schullehrer Hummel [recte Joseph Huemann; Anm. R.M.] in Gramet-Neusiedl, und S[ein]e Hochwürd[en] N. [recte Anton] Schallerl Pfarrer in Moosbrunn. Sämmtliche die Schule noch besuchenden Kinder entrichten das übliche Schulgeld.
[81] Vorkommende Krankheiten unter den Fabriksarbeitern. Verpflegung und Behandlung der Kranken.
[…]
Catarrhalische Leiden. Fieber, Halsentzündung von geringem Nachtheile. Die Kranken sind in jeder Beziehung gehörig versorgt, worüber eigene Krankencassen nach Statuten bestehen. Zur ärztlichen [83] Behandlung ist aufgestellt der Wund- und Geburtsarzt Herr A. Weidhofer in Moosbrunn, der täglich in die Fabrik seine Besuche zu machen hat, gegen einen Jahresgehalt von 100 fl[orin] C[onventions] M[ünze]
[81] Verdienst der Fabriksarbeiter.
[…]
Erwachsene verdienen: Männer 4 fl. bis 7 fl. 30 kr[euzer] C.M. [83] Weiber 1 fl. 30 kr. bis 3 fl. 20 kr. C.M. Kinder 1 fl. bis 1 fl. 10 kr. C.M. pr[o] Woche.